
Meggi
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Meggi
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Der Hygge-Beauftragte
Die Dänen machen manches richtig. Sei es ihre grund-entspannte und unprätentiöse Art des Umgangs miteinander. Typisch dänisch scheint mir zum Beispiel, was meine Schwiegereltern von ihren sommerlichen Aufenthalten in einem Kaff im Norden Seelands zu berichten wussten – sie fahren dort seit bald vierzig Jahren hin: Da bezog ein Großkopferter, der Dänemark-Chef im Dienst eines Welt-Konzerns, alljährlich im Sommer ein hölzernes Ferienhaus und verbrachte gemeinsam mit den Bewohnern der umliegenden Häuser, zumeist (s. o.) alten Bekannten, die Ferien. Ich möchte niemandem Unrecht tun, aber hierzulande kann ich mir das kaum vorstellen.
Einen zentralen Stellenwert im dänischen Lebensgefühl nimmt „Hygge“ ein. Das Wort wird im Deutschen oft mit „Gemütlichkeit“ übersetzt, was zwar nicht unzutreffend, bloß völlig unzureichend ist. Hygge ist mehr als ein paar Kerzen: Beisammensein, Herzlichkeit, Familie, Freunde, Essen und Trinken, gute, mehr oder weniger tiefschürfende Gespräche, sich und den Seinen Gutes wollen und tun - all das gehört dazu. Im Winter natürlich auch Kerzen. Und Glühwein.
Aus meiner Sicht als Bürger des Mutti-macht-das-schon-Landes, inzwischen einer Hochburg des Nicht-Hinterfragens, ist zudem unbedingt „Innehalten“ zu ergänzen. Ab und zu die irre Welt einfach weiterrasen lassen, sich aus der fremdbestimmt-knappen Zeit kleine Brocken herausschneiden, die einzig der Familie gehören. Erstmals in der letzten Vorweihnachtszeit haben wir das ausdrücklich als „hyggen“ tituliert. Unser Sohn wurde zum Hygge-Beauftragten ernannt und durfte als solcher vor allem die adventliche Illumination in Gang setzen.
Franck Boclets „Amber“ ist ein Hygge-Beauftragter zum Aufsprühen. Keine Fisimatenten, sofort ist vanilliger Amber da. Daneben eine unaufdringliche Prise Würze. Formal erinnert das, der Ansage Oregano geschuldet, an Ambre Sultan. Freilich riecht der Lutens erstens dann doch eher nach Thymian und zweitens ist er vergleichsweise anstrengend. An „Amber“ ist nichts anstrengend. Ylang-Ylang und Jasmin mögen für den Anflug einer floralen Aura verantwortlich zeichnen, die den Duft umgibt, sofern der Rezipient gewillt ist, die Mühe des Darüber-Nachdenkens auf sich zu nehmen. Muss aber nicht.
Ohnehin erreicht der Duft rasch bereits sein vermutliches Ziel: Eine wächsern angehauchte, vanillige Amber-Note mit einem leichten, ausgleichenden Stich – Letztere versinnbildlicht womöglich die Erlösungs-Scheibe Salami nach der weihnachtlichen Kaffeetafel.
Viel passiert jetzt nicht mehr. Oder doch? Spektakuläre Wendungen fehlen zwar, trotzdem werden die Nuancen-Nachspürer keineswegs enttäuscht. Sei es der medizinische Beiklang um die Mittagszeit, wie Hustentropfen, allein nahe der Haut zu entdecken. Oder die Weißweihrauch-Spur – Elemi? – ab dem frühen Nachmittag. Außerdem ein zunehmend deutlicher bemerkbarer Beitrag von sacht aufgerautem Edel-Patchouli, nah am Schokoladigen, welches wiederum, gewiss wegen der Kombination mit der Vanille, an den Schluss von Malles „Monsieur.“ denken lässt.
Bei Herrn Boclet wird mithin auf Wunsch durchaus eine ganze Menge geboten, für „Hygge“ fast schon zu viel. Allerdings steht ja nirgends geschrieben, dass ich all diesen Feinheiten hinterherschnuppern muss. Ich kann mich auch einfach zurücklehnen und warm-einhüllend beduftkuschelt fühlen. Die Originalitäten oder Besonderheiten nehme ich zur Kenntnis oder eben nicht. Immer entspannt bleiben!
Schließlich wird, wenn die eigenen Kinder das Hyggen veranstalten, sogar ein auf dem Tisch platzierter Unterbau-LED-Strahler niedlich.
Ich bedanke mich bei Angelliese für die Probe.
Einen zentralen Stellenwert im dänischen Lebensgefühl nimmt „Hygge“ ein. Das Wort wird im Deutschen oft mit „Gemütlichkeit“ übersetzt, was zwar nicht unzutreffend, bloß völlig unzureichend ist. Hygge ist mehr als ein paar Kerzen: Beisammensein, Herzlichkeit, Familie, Freunde, Essen und Trinken, gute, mehr oder weniger tiefschürfende Gespräche, sich und den Seinen Gutes wollen und tun - all das gehört dazu. Im Winter natürlich auch Kerzen. Und Glühwein.
Aus meiner Sicht als Bürger des Mutti-macht-das-schon-Landes, inzwischen einer Hochburg des Nicht-Hinterfragens, ist zudem unbedingt „Innehalten“ zu ergänzen. Ab und zu die irre Welt einfach weiterrasen lassen, sich aus der fremdbestimmt-knappen Zeit kleine Brocken herausschneiden, die einzig der Familie gehören. Erstmals in der letzten Vorweihnachtszeit haben wir das ausdrücklich als „hyggen“ tituliert. Unser Sohn wurde zum Hygge-Beauftragten ernannt und durfte als solcher vor allem die adventliche Illumination in Gang setzen.
Franck Boclets „Amber“ ist ein Hygge-Beauftragter zum Aufsprühen. Keine Fisimatenten, sofort ist vanilliger Amber da. Daneben eine unaufdringliche Prise Würze. Formal erinnert das, der Ansage Oregano geschuldet, an Ambre Sultan. Freilich riecht der Lutens erstens dann doch eher nach Thymian und zweitens ist er vergleichsweise anstrengend. An „Amber“ ist nichts anstrengend. Ylang-Ylang und Jasmin mögen für den Anflug einer floralen Aura verantwortlich zeichnen, die den Duft umgibt, sofern der Rezipient gewillt ist, die Mühe des Darüber-Nachdenkens auf sich zu nehmen. Muss aber nicht.
Ohnehin erreicht der Duft rasch bereits sein vermutliches Ziel: Eine wächsern angehauchte, vanillige Amber-Note mit einem leichten, ausgleichenden Stich – Letztere versinnbildlicht womöglich die Erlösungs-Scheibe Salami nach der weihnachtlichen Kaffeetafel.
Viel passiert jetzt nicht mehr. Oder doch? Spektakuläre Wendungen fehlen zwar, trotzdem werden die Nuancen-Nachspürer keineswegs enttäuscht. Sei es der medizinische Beiklang um die Mittagszeit, wie Hustentropfen, allein nahe der Haut zu entdecken. Oder die Weißweihrauch-Spur – Elemi? – ab dem frühen Nachmittag. Außerdem ein zunehmend deutlicher bemerkbarer Beitrag von sacht aufgerautem Edel-Patchouli, nah am Schokoladigen, welches wiederum, gewiss wegen der Kombination mit der Vanille, an den Schluss von Malles „Monsieur.“ denken lässt.
Bei Herrn Boclet wird mithin auf Wunsch durchaus eine ganze Menge geboten, für „Hygge“ fast schon zu viel. Allerdings steht ja nirgends geschrieben, dass ich all diesen Feinheiten hinterherschnuppern muss. Ich kann mich auch einfach zurücklehnen und warm-einhüllend beduftkuschelt fühlen. Die Originalitäten oder Besonderheiten nehme ich zur Kenntnis oder eben nicht. Immer entspannt bleiben!
Schließlich wird, wenn die eigenen Kinder das Hyggen veranstalten, sogar ein auf dem Tisch platzierter Unterbau-LED-Strahler niedlich.
Ich bedanke mich bei Angelliese für die Probe.
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Kopfnote
Lorbeer
Oregano
Ylang-Ylang
Herznote
Patchouli
Jasmin
Basisnote
Amber
balsamische Noten
Vanille








Schalkerin
Haraella
Ergreifend
Soraya
ParfumAholic




























