
Rosini
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Rosini
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11
Eine Ballerina im Hasenstall
Südfrankreich, auf dem Dachboden Auguste Renoirs
Spätsommerstrahlen fallen durch staubige Balken. Ein blinder Spiegel erwacht: YOU in Großbuchstaben, mit Lippenstift geschrieben. Eine Ballerina dreht ihr fliedergrünes Tutu. Ein Pirouettentanz in pianissimo. Heu wirbelt auf, legt warme Bleistiftspäne frei - Relikte Renoirscher Skizzen auf Seidenpapier
***
Für pudrige Veilchen- oder Irisdüfte habe ich eine Schwäche. Vielleicht, weil sie bei mir oft positive Erinnerungen wecken - solange keine Ambrocenide dazwischenfunken (aber das ist ein anderes Thema). Als ich Violette 30 zum ersten Mal auf meinen Handrücken sprühte, saß ich plötzlich wieder am Küchentisch meiner Oma: das kleine rote Kosmetiktäschchen stand offen vor ihr, während sie sich ein bisschen Rouge auf die Wangen tupfte. Ich rieche zu Beginn eine ganz zarte kosmetische Note, die keineswegs altbacken oder muffig daherkommt.
Doch dann bekommt mein Erinnerungsfoto in pudrigen Nudetönen grüne Schlieren, als völlig unerwartet eine bittergrüne Heunote meine Nase kurz zum Weinen bringt. Vielleicht ist mein veilchen-gepudertes Näschen auch etwas zu empfindlich (oder unerfahren) - andere nehmen da womöglich eine zarte Kräuterwiese wahr. Für mich schrabbt diese Note jedoch nur haarscharf am Hasenstall vorbei.
Zum Glück beruhigt sich der Duft sehr schnell, so dass ich langsam aber sicher doch noch diese olfaktorische Bergwiese erreiche - leichtfüßig wie eine Ballerina. Oben angekommen, bemerke ich, dass Kopf- und Herznoten wie ein Pirouettenwirbel an mir vorbei gerauscht sind.
Ich setze mich auf eine hölzerne Bank. Auf der Rückenlehne ein frisch geschnitztes Herz: "Guajak+Zeder" mit Bleistift geschrieben. Ich vermute, dass Zeder in dieser Beziehung die Hosen anhat. Kein Rauch weit und breit, nur süße, baumwollweiche Moschuswölkchen ziehen vorbei, zwei oder drei - vielleicht die 30. geheime Duftnote?
Der Duft wird so leise, dass man ihn beinahe als Einschlafhilfe nehmen kann. Und so schließe ich meine müde gewordenen Augen und erinnere mich an das Wort, das im Spiegel stand: YOU. Vielleicht ist es genau dieser leise, holzige Scinscent- Ton, der mich entfernt an Glossier You erinnert - nur grüner und irgendwie ozonischer.
Le Labo beschreibt Violette 30 als vertraut und unbekannt zugleich. Ganz ehrlich? Thema getroffen: ein lichtdurchflutetes Boudoir, ein bewusstseinserweiternder Moment im Hasenstall, ein zartgrüner Pirouettentanz nahe der Baumgrenze - und das alles im Schnelldurchlauf.
Und was kostet so ein fliedergrünes Tutu? Nun ja. Sagen wir so: Hier wären wir wieder bei Renoir.
Spätsommerstrahlen fallen durch staubige Balken. Ein blinder Spiegel erwacht: YOU in Großbuchstaben, mit Lippenstift geschrieben. Eine Ballerina dreht ihr fliedergrünes Tutu. Ein Pirouettentanz in pianissimo. Heu wirbelt auf, legt warme Bleistiftspäne frei - Relikte Renoirscher Skizzen auf Seidenpapier
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Für pudrige Veilchen- oder Irisdüfte habe ich eine Schwäche. Vielleicht, weil sie bei mir oft positive Erinnerungen wecken - solange keine Ambrocenide dazwischenfunken (aber das ist ein anderes Thema). Als ich Violette 30 zum ersten Mal auf meinen Handrücken sprühte, saß ich plötzlich wieder am Küchentisch meiner Oma: das kleine rote Kosmetiktäschchen stand offen vor ihr, während sie sich ein bisschen Rouge auf die Wangen tupfte. Ich rieche zu Beginn eine ganz zarte kosmetische Note, die keineswegs altbacken oder muffig daherkommt.
Doch dann bekommt mein Erinnerungsfoto in pudrigen Nudetönen grüne Schlieren, als völlig unerwartet eine bittergrüne Heunote meine Nase kurz zum Weinen bringt. Vielleicht ist mein veilchen-gepudertes Näschen auch etwas zu empfindlich (oder unerfahren) - andere nehmen da womöglich eine zarte Kräuterwiese wahr. Für mich schrabbt diese Note jedoch nur haarscharf am Hasenstall vorbei.
Zum Glück beruhigt sich der Duft sehr schnell, so dass ich langsam aber sicher doch noch diese olfaktorische Bergwiese erreiche - leichtfüßig wie eine Ballerina. Oben angekommen, bemerke ich, dass Kopf- und Herznoten wie ein Pirouettenwirbel an mir vorbei gerauscht sind.
Ich setze mich auf eine hölzerne Bank. Auf der Rückenlehne ein frisch geschnitztes Herz: "Guajak+Zeder" mit Bleistift geschrieben. Ich vermute, dass Zeder in dieser Beziehung die Hosen anhat. Kein Rauch weit und breit, nur süße, baumwollweiche Moschuswölkchen ziehen vorbei, zwei oder drei - vielleicht die 30. geheime Duftnote?
Der Duft wird so leise, dass man ihn beinahe als Einschlafhilfe nehmen kann. Und so schließe ich meine müde gewordenen Augen und erinnere mich an das Wort, das im Spiegel stand: YOU. Vielleicht ist es genau dieser leise, holzige Scinscent- Ton, der mich entfernt an Glossier You erinnert - nur grüner und irgendwie ozonischer.
Le Labo beschreibt Violette 30 als vertraut und unbekannt zugleich. Ganz ehrlich? Thema getroffen: ein lichtdurchflutetes Boudoir, ein bewusstseinserweiternder Moment im Hasenstall, ein zartgrüner Pirouettentanz nahe der Baumgrenze - und das alles im Schnelldurchlauf.
Und was kostet so ein fliedergrünes Tutu? Nun ja. Sagen wir so: Hier wären wir wieder bei Renoir.
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Guajakholz
weißer Tee
weißes Veilchen
Zedernholz




























