Arso Profumum Roma 2010
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Top Rezension
Kokeleien
„Rauchwerk“ ist als Zutat eine seltsame, dehnbare Ansage. Der Hersteller spricht auf der englischsprachigen Version seiner Website ebenso diffus von „incense“. Und zweifellos ist mancherlei aus der Richtung darinnen. Trotzdem dominiert direkt nach dem Auftragen zunächst eine Harz-Note. Die Assoziation meines Vorredners Terra („Rheumasalbe“) vermag ich leider nicht völlig von der Hand zu weisen, wenngleich ich lieber von einem zwar strengen, dabei aber nicht arzneimittelmäßig-stechenden, sondern dunkel-wuchtigen Dufteindruck sprechen mag. Abgelöst wird dies von einem kleinen Ausflug in die eher orientalisch-weihrauchige Ecke, wobei ich eine Art lokaler Arbeitsteilung wahrnehme: Auf dem Handgelenk ist das Harz etwas stärker, auf dem Handrücken der Rauch.
Doch das sind bloß Nuancen. Ein Zwischenspiel, bis der Duft im Laufe der dritten Stunden seinen Kern erreicht. Nun erinnert er mich an den drei Jahre jüngeren Myrrhe Impériale von Armani, ein bisschen sanfter - obschon das nicht viel heißen will. Daneben kommt mir eine Idee von Süßholz in den Sinn. Wer Myrrhe Impériale mag, aber eine Idee zu schroff findet, riskiere hier eine Nase voll.
Zudem zeigt sich unleugbar die Verwandtschaft zum Profumum-Roma-Geschwist „Olibanum“, welches allerdings um einiges finsterer und adstringierender ist, mit einer charakterlichen Nähe zu Birkenteer. Das ist bei „Arso“ runder gelöst. Edler. Rauchiger. Einhüllend, umschließend, wärmend. Keine Note ragt derart empor. Oder besser hinunter. Nichtsdestoweniger mag die Nennung von Leder gleichwohl auch bei Arso ganz konkret auf Birkenteer verweisen.
Im Verlauf, ungefähr ab der fünften Stunde, verstärkt sich der Eindruck der Duftverwandtschaft zu Myrrhe Impériale. Mehr Harz als Rauch. Die teerig-harzigen, dennoch keineswegs klebrigen Bestandteile verdüstern den Duft zunehmend. In der neunten Stunde zeigt sich eine winzige, womöglich eingebildete Spur Vanille, am rauchigen Charakter ändert sie nichts, besänftigt lediglich ein wenig. Insgesamt hält der Duft ordentlich durch - zehn, zwölf Stunden ist er deutlich spürbar.
Fazit: Gefällt mir. Aber der Preis…
PS: Arso bedeutet „Verbrannt“, dazu nur ein kleine Geschichte: 1994 war ich ein paar Wochen zu Gast bei der Eesti Erastamisagentuur, der Privatisierungsanstalt Estlands, entstanden nach dem Vorbild der deutschen Treuhandanstalt zur Abwicklung des DDR-Vermögens. Übrigens von einem Deutschen vor Ort intensiv beraten, einem gleichermaßen kauzigen wie profil- und meinungsstarken Original namens (jawohl) Dr. Schmidt. In einem der zahlreichen Gesprächs-Termine berichtete eine Erastamisagentuur-Mitarbeiterin, eine Estin, von unterschiedlichen Modellen der Verwertung des kollektiven Eigentums und sagte mehrfach Sätze wie: „Everyone, who was burned before…“. Nach einem kurzen Schrecken wurde klar, dass sie „born“ meinte.
Doch das sind bloß Nuancen. Ein Zwischenspiel, bis der Duft im Laufe der dritten Stunden seinen Kern erreicht. Nun erinnert er mich an den drei Jahre jüngeren Myrrhe Impériale von Armani, ein bisschen sanfter - obschon das nicht viel heißen will. Daneben kommt mir eine Idee von Süßholz in den Sinn. Wer Myrrhe Impériale mag, aber eine Idee zu schroff findet, riskiere hier eine Nase voll.
Zudem zeigt sich unleugbar die Verwandtschaft zum Profumum-Roma-Geschwist „Olibanum“, welches allerdings um einiges finsterer und adstringierender ist, mit einer charakterlichen Nähe zu Birkenteer. Das ist bei „Arso“ runder gelöst. Edler. Rauchiger. Einhüllend, umschließend, wärmend. Keine Note ragt derart empor. Oder besser hinunter. Nichtsdestoweniger mag die Nennung von Leder gleichwohl auch bei Arso ganz konkret auf Birkenteer verweisen.
Im Verlauf, ungefähr ab der fünften Stunde, verstärkt sich der Eindruck der Duftverwandtschaft zu Myrrhe Impériale. Mehr Harz als Rauch. Die teerig-harzigen, dennoch keineswegs klebrigen Bestandteile verdüstern den Duft zunehmend. In der neunten Stunde zeigt sich eine winzige, womöglich eingebildete Spur Vanille, am rauchigen Charakter ändert sie nichts, besänftigt lediglich ein wenig. Insgesamt hält der Duft ordentlich durch - zehn, zwölf Stunden ist er deutlich spürbar.
Fazit: Gefällt mir. Aber der Preis…
PS: Arso bedeutet „Verbrannt“, dazu nur ein kleine Geschichte: 1994 war ich ein paar Wochen zu Gast bei der Eesti Erastamisagentuur, der Privatisierungsanstalt Estlands, entstanden nach dem Vorbild der deutschen Treuhandanstalt zur Abwicklung des DDR-Vermögens. Übrigens von einem Deutschen vor Ort intensiv beraten, einem gleichermaßen kauzigen wie profil- und meinungsstarken Original namens (jawohl) Dr. Schmidt. In einem der zahlreichen Gesprächs-Termine berichtete eine Erastamisagentuur-Mitarbeiterin, eine Estin, von unterschiedlichen Modellen der Verwertung des kollektiven Eigentums und sagte mehrfach Sätze wie: „Everyone, who was burned before…“. Nach einem kurzen Schrecken wurde klar, dass sie „born“ meinte.
17 Antworten
Chizza vor 6 Jahren
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Erst jetzt gelesen, interessant mit Olibanum, der könnte was für mich sein. Der Fumidus ist mir ja zu torfig.
Inger vor 11 Jahren
Den Kommentar finde ich sehr informativ, der Duft ist vielleicht nicht so meins - oder wer weiß!?
RoMi58 vor 11 Jahren
Arso ist wirklich sehr schön, ein sanfter harziger Rauch, der lange hält. Olibanum hat einen ähnlichen Charakter, Arso finde ich weicher, Olibanum durch den Weihrauch markanter - "adstringierend" trifft es gut!.
Margamotte vor 11 Jahren
Den finde ich auch so toll, obwohl Rauchiges in meiner Sammlung eher die Ausnahme ist. Den musste ich einfach haben. In der Bewertung haben wir dieselbe Meinung. ;-)
Ormeli vor 11 Jahren
Klingt spannend und riecht sicher toll. Werde ich gerne probieren :-)
MarWic vor 11 Jahren
Zwei Düfte,die laut der zugeh. Kommis zum Inhalt eines Medizinschränkchens gehören könnten,die Ausbeute ist nicht so toll dieserTage....Wird mal wieder Zeit für einen "Kracher",lach...
Kleopatra vor 11 Jahren
Erst Rheumasalbe, dann Hustensaft - hast Du es heute mit Apotheken? ;)
Pluto vor 11 Jahren
Solche "Sprachfehler" sind doch immer wieder schön. Ach, und der Duft, ich bin raus. Myrrhe, Birkenteer....
Gaukeleya vor 11 Jahren
Ähm..... Nein. Diese Antwort bezieht sich aber nur auf die beim Kommilesen immer innerlich mitschwindende Frage, ob Merkliste oder nicht ;-) *Born-, eh, Burnpokalhinstell*
Dobbs vor 11 Jahren
Mich schreckt die Rheumasalbenassoziation nicht, wird beim nächsten Besuch in Düsseldorf mal näher in Augenschein genommen.
0815abc vor 11 Jahren
Ahanajapokal. Mich konnte die Marke bislang nicht vom Deich wehen.Zuwenig Spektakel für zuviel Geld.
Palonera vor 11 Jahren
Hm. Einerseits mag ich Birkenteer in Düften schon sehr *roooaaarrrr*, andererseits verursacht auch mir der bestätigte Begriff "Rheumasalbe" einiges Unbehagen. Da würde mein Liebster dann wohl doch auf seinem Veto-Recht beharren...
Yatagan vor 11 Jahren
Hab so mit den Profumum Romas meine Probleme, obwohl auch einer in meine Sammlung gewandert ist. Schau mal: die gibt es auch in 15 ml-Größen, z.B. bei Harry S.
Yalla vor 11 Jahren
Das "verbrannt " gemahnt wohl an die Geldsumme, die es zu investieren gilt. Wohl dem/der, der/die eine Treuhand hat.
DuftJunkie vor 11 Jahren
In der Preiskategorie find' ich Besseres, denke ich. Gut beschrieben, Danke :-).
Erno vor 11 Jahren
Das ist gut geschrieben! ~ Bezüglich Preis: es gibt auch kleinere Größen (siehe Foto von 'Jakdelind'), und auch eine 'Stilo-Kollektion', schlanke Glas-Pen's, mit jeweils 20ml. ~ Räucherschale!
Ergoproxy vor 11 Jahren
Ich muss gestehen, dass mich der Vergleich mit der Rheumasalbe etwas schreckt. Jetzt musst Du noch Fumidus testen.;))

