
Axiomatic
150 Rezensionen

Axiomatic
Top Rezension
27
Trällern unter Monsterschlangen
Meine Lieben, gebt fein acht, ich habe Euch gar Gruseliges mitgebracht.
Von den Tiefen der Chemiebottiche komme ich rauf und mache so manches Höllentor auf.
Auf Umwegen und mit Geduld kam eine kleine Portion Vergangenheitsbewältigung geschundener Geschmacksnerven und schlussendlich ein Beweis bei mir an, wie sehr GenXer mit allen Wassern gewaschen sind.
Zäh und robust trotzen wir den Chimären dieser Welt!
Warum, fragt Ihr Euch wohl, habe ich mich dieser Qual ausgesetzt?
Nun, irgendwann und irgendwo fielen Namen, Lieder, Modeakzente, kullerten unterdrückte Tränen voller Lachanfälle.
Und so trällerte ein Blondinchen ganz ohne Hilfe einer diabolischen Planchette Obskures mir ins Ohr.
Ihre elektrische Jugend, welche, mir blutet das Herz, nur von kurzer Dauer war.
Passend zu ihrem Album zauberte Revlon ihr - wie soll ich diplomatisch bleiben, Moment, ja genau - eine riechende Substanz.
Es wäre äußerst hilfreich, wenn Ihr nur für einen kurzen Augenblick die Klagelieder jener Debbie Gibson dank YouTube Euch in Erinnerung holt.
(Ihr Erkennungsmerkmal im Meer der blonden Monotonie: ein kecker Bowler auf dem Koppe.)
-Electric Youth
-Lost in Your Eyes
Und des weiteren Verständnisses wegen bitte ich, die gute Tiffany Darwish nicht zu vergessen.
-I Think We’re Alone Now
Ganz im Sinne heroischer Selbstaufopferung…
Stinke-Zisch!
Die blendende Macht ganzer Engelschöre wird mir mit der Synthesizer-Peitsche augenblicklich eingebleut.
Als da wären schattenartige Cherubini, welche süßtriefend knallblaue Zuckerwatte drehen.
Der Anlass?
Nun, Schlumpfine seilte sich von der Besuchergruppe während der Werksbesichtigung des Chemiemolochs ab. Ihr war der blau fruchtige Willkommenstrunk nicht bekommen, dazu stiegen ihr die beerigen Pollen jener freundschaftlichen Blumenkette aus genmanipulierten Freesien mit stechendem Kunsthonig derart in die Nase, dass sie die Umgebung nur noch als tonale Eindrücke wahrnahm. (LSD ähnlich?)
Und, tapsig verträumt wie sie nunmal war, plumpste sie in den kochenden Bottich genial neuerdachter Süßaromen.
Blubb!
Ihr irdisches Sein verschmolz mit dem gar komischen Gebräu.
Ein schelmischer Cherub hatte Mittleid mit ihr und trommelte seine Jungs zusammen.
Gemeinsam zimmerten sie aus den Spänen billiger Kunsthölzer einen Stab, welchen sie mit orientalisierter Harzglasur versiegelten.
Vanillin als Bindemittel würde den perfekten Halt geben.
Und so spannen sie Haar um Haar aus dem dampfenden Bottich den flaumigsten Wunsch einer jeden Kitscholine, das watteblaue Wunder!
Einmal von diesem giftigen Wattebausch gekostet, verwandelte sich eine durchschnittliche Oberschülerin in eine MK-Ultra-Trällerwaffe.
Denn Ihr solltet wissen, dass der Geruch nicht nur die Bauchspeicheldrüse kampfunfähig schlug, nee nee, es kondensierte sämtliche Angriffe der Carpenters und Eurovisionisten in den Trommelfeldern.
Grundgütiger, der Saft ist unkaputtbar!
Stechende Süße, kakophonische orientalische Basis, seit 1988 konnte nichts mehr so werden wie einst, die Dämme brachen im Strudel grotesker Duftkomponenten.
War der Zaubersaft einst knallepink, alterte er mit den Jahren in mildere Honigfarben, behielt sich aber seine Bisskraft.
Du kannst nicht immer 17 sein, Liebling, das kannst du nicht…
Das Phänomen Debbie Gibson stellt quasi den Prototyp modellierbarer Puppen mit Singgehabe dar.
Da es aber noch recht analoge Wurzeln hatte, konnte es robuster altern.
Kleiner Hinweis der nachfolgenden Baureihen: Britney Spears, Ariana Grande u.v.m.
Jedem Jahrzehnt seine Prinzessin!
Fast hätte ich es vergessen.
Debbie glänzte in US-amerikanischen Teenie-Magazinen, sie gab Tipps, wie man sich kleiden und schminken sollte.
Die damalige Werbung für den Nasenangriff war derart plakativ, dass man eine Sonnenbrille benötigte, um nicht zu erblinden.
Übrigens, das Musikvideo des Duft-Namensgebers ist eine Perle des synthetischen Zeitgeistes.
Man nehme Heranwachsende, lasse sie nach stylischer Verwandlung wie die bunte Truppe des Sears-Katalogs rum hüpfen und versichere ihnen, sie könnten tanzen.
(Wer es nicht weiß, der Sears-Katalog ist bzw. war so eine Art Quelle-Katalog auf Steroiden.)
Was eumelten wir uns, als diese Kreation damals rauskam.
Der Flakon lud dazu ein, sich Fragen zu stellen.
Stellt diese Spirale ein Bakterium dar?
Womöglich mit Penicillin behandelbar?
Ich meine, Ende der 1980er kamen ja zweifelhafte Gruselfilmchen auf den Markt. Etwa im Tenor von:
„Sehen sie!“
„Killerwürmer jagen Neonmädels“
„Toxica, Honiginsel des Grauens“
„Main-Taunus-Zentrum. Gefangen im Shoppingmall der dunklen Versuchung“
„Hilfe, ich habe meine Beine gemoonwashed!“
„Bald auch auf VHS!“
Und hier schaffe ich den Übergang mit links.
Denn Debbie und Tiffany reüssierten nach abgebrochener Musikkarriere als Heldinnen in sonderbaren Filmchen eben genannter Art etliche Jahre später.
Schließlich sind ja Lebenshaltungskosten zu bezahlen.
Den beiden Sängerinnen wehten nämlich ab den 1990ern raue Winde entgegen, ihre Lieder verkauften sich nach dem ersten Erfolg nicht mehr.
Das tragische Beispiel der One Hit Wonder.
Schon ironisch, dass die verlässlichste Produktionsfirma übel verleumdeter Filme, The Asylum, sie unter Vertrag nahm.
Ja, ich wiederhole mich, uns GenXern kann man nicht so schnell das Wasser reichen.
Beide Frauen behielten sich ihren schwarzen Humor, welcher unsere Generation so ausmacht.
Keine Opferrolle, kein Geheule, keine Gnade.
Tiffany und Debbie glänzten 2011 in „Mega Python vs. Gatoroid“ wie nie zuvor.
Quasi eine Mixtur aus Lady Macbeth, Elektra, Dick und Doof, Denver Clan, Bernhard Grzimek und Rainer Werner Fassbinder.
Kinners, ab zur Abendvorstellung!
Popcorn mit blauschimmernder Glasur und Energy Drink mit Spiral-Strohhalm sollten ausreichen.
Duft auftragen und abwarten, welche Bestie wen zuerst verschlingt!
Von den Tiefen der Chemiebottiche komme ich rauf und mache so manches Höllentor auf.
Auf Umwegen und mit Geduld kam eine kleine Portion Vergangenheitsbewältigung geschundener Geschmacksnerven und schlussendlich ein Beweis bei mir an, wie sehr GenXer mit allen Wassern gewaschen sind.
Zäh und robust trotzen wir den Chimären dieser Welt!
Warum, fragt Ihr Euch wohl, habe ich mich dieser Qual ausgesetzt?
Nun, irgendwann und irgendwo fielen Namen, Lieder, Modeakzente, kullerten unterdrückte Tränen voller Lachanfälle.
Und so trällerte ein Blondinchen ganz ohne Hilfe einer diabolischen Planchette Obskures mir ins Ohr.
Ihre elektrische Jugend, welche, mir blutet das Herz, nur von kurzer Dauer war.
Passend zu ihrem Album zauberte Revlon ihr - wie soll ich diplomatisch bleiben, Moment, ja genau - eine riechende Substanz.
Es wäre äußerst hilfreich, wenn Ihr nur für einen kurzen Augenblick die Klagelieder jener Debbie Gibson dank YouTube Euch in Erinnerung holt.
(Ihr Erkennungsmerkmal im Meer der blonden Monotonie: ein kecker Bowler auf dem Koppe.)
-Electric Youth
-Lost in Your Eyes
Und des weiteren Verständnisses wegen bitte ich, die gute Tiffany Darwish nicht zu vergessen.
-I Think We’re Alone Now
Ganz im Sinne heroischer Selbstaufopferung…
Stinke-Zisch!
Die blendende Macht ganzer Engelschöre wird mir mit der Synthesizer-Peitsche augenblicklich eingebleut.
Als da wären schattenartige Cherubini, welche süßtriefend knallblaue Zuckerwatte drehen.
Der Anlass?
Nun, Schlumpfine seilte sich von der Besuchergruppe während der Werksbesichtigung des Chemiemolochs ab. Ihr war der blau fruchtige Willkommenstrunk nicht bekommen, dazu stiegen ihr die beerigen Pollen jener freundschaftlichen Blumenkette aus genmanipulierten Freesien mit stechendem Kunsthonig derart in die Nase, dass sie die Umgebung nur noch als tonale Eindrücke wahrnahm. (LSD ähnlich?)
Und, tapsig verträumt wie sie nunmal war, plumpste sie in den kochenden Bottich genial neuerdachter Süßaromen.
Blubb!
Ihr irdisches Sein verschmolz mit dem gar komischen Gebräu.
Ein schelmischer Cherub hatte Mittleid mit ihr und trommelte seine Jungs zusammen.
Gemeinsam zimmerten sie aus den Spänen billiger Kunsthölzer einen Stab, welchen sie mit orientalisierter Harzglasur versiegelten.
Vanillin als Bindemittel würde den perfekten Halt geben.
Und so spannen sie Haar um Haar aus dem dampfenden Bottich den flaumigsten Wunsch einer jeden Kitscholine, das watteblaue Wunder!
Einmal von diesem giftigen Wattebausch gekostet, verwandelte sich eine durchschnittliche Oberschülerin in eine MK-Ultra-Trällerwaffe.
Denn Ihr solltet wissen, dass der Geruch nicht nur die Bauchspeicheldrüse kampfunfähig schlug, nee nee, es kondensierte sämtliche Angriffe der Carpenters und Eurovisionisten in den Trommelfeldern.
Grundgütiger, der Saft ist unkaputtbar!
Stechende Süße, kakophonische orientalische Basis, seit 1988 konnte nichts mehr so werden wie einst, die Dämme brachen im Strudel grotesker Duftkomponenten.
War der Zaubersaft einst knallepink, alterte er mit den Jahren in mildere Honigfarben, behielt sich aber seine Bisskraft.
Du kannst nicht immer 17 sein, Liebling, das kannst du nicht…
Das Phänomen Debbie Gibson stellt quasi den Prototyp modellierbarer Puppen mit Singgehabe dar.
Da es aber noch recht analoge Wurzeln hatte, konnte es robuster altern.
Kleiner Hinweis der nachfolgenden Baureihen: Britney Spears, Ariana Grande u.v.m.
Jedem Jahrzehnt seine Prinzessin!
Fast hätte ich es vergessen.
Debbie glänzte in US-amerikanischen Teenie-Magazinen, sie gab Tipps, wie man sich kleiden und schminken sollte.
Die damalige Werbung für den Nasenangriff war derart plakativ, dass man eine Sonnenbrille benötigte, um nicht zu erblinden.
Übrigens, das Musikvideo des Duft-Namensgebers ist eine Perle des synthetischen Zeitgeistes.
Man nehme Heranwachsende, lasse sie nach stylischer Verwandlung wie die bunte Truppe des Sears-Katalogs rum hüpfen und versichere ihnen, sie könnten tanzen.
(Wer es nicht weiß, der Sears-Katalog ist bzw. war so eine Art Quelle-Katalog auf Steroiden.)
Was eumelten wir uns, als diese Kreation damals rauskam.
Der Flakon lud dazu ein, sich Fragen zu stellen.
Stellt diese Spirale ein Bakterium dar?
Womöglich mit Penicillin behandelbar?
Ich meine, Ende der 1980er kamen ja zweifelhafte Gruselfilmchen auf den Markt. Etwa im Tenor von:
„Sehen sie!“
„Killerwürmer jagen Neonmädels“
„Toxica, Honiginsel des Grauens“
„Main-Taunus-Zentrum. Gefangen im Shoppingmall der dunklen Versuchung“
„Hilfe, ich habe meine Beine gemoonwashed!“
„Bald auch auf VHS!“
Und hier schaffe ich den Übergang mit links.
Denn Debbie und Tiffany reüssierten nach abgebrochener Musikkarriere als Heldinnen in sonderbaren Filmchen eben genannter Art etliche Jahre später.
Schließlich sind ja Lebenshaltungskosten zu bezahlen.
Den beiden Sängerinnen wehten nämlich ab den 1990ern raue Winde entgegen, ihre Lieder verkauften sich nach dem ersten Erfolg nicht mehr.
Das tragische Beispiel der One Hit Wonder.
Schon ironisch, dass die verlässlichste Produktionsfirma übel verleumdeter Filme, The Asylum, sie unter Vertrag nahm.
Ja, ich wiederhole mich, uns GenXern kann man nicht so schnell das Wasser reichen.
Beide Frauen behielten sich ihren schwarzen Humor, welcher unsere Generation so ausmacht.
Keine Opferrolle, kein Geheule, keine Gnade.
Tiffany und Debbie glänzten 2011 in „Mega Python vs. Gatoroid“ wie nie zuvor.
Quasi eine Mixtur aus Lady Macbeth, Elektra, Dick und Doof, Denver Clan, Bernhard Grzimek und Rainer Werner Fassbinder.
Kinners, ab zur Abendvorstellung!
Popcorn mit blauschimmernder Glasur und Energy Drink mit Spiral-Strohhalm sollten ausreichen.
Duft auftragen und abwarten, welche Bestie wen zuerst verschlingt!
Aktualisiert am 13.01.2026 - 06:43 Uhr
19 Antworten



Amber
blumige Noten
fruchtige Noten
holzige Noten
süße Noten
Axiomatic































