Es war ein ganz normaler Tag in einer ganz normalen deutschen Stadt, als ich diesen Duft zum ersten Mal auftrug und an meinem Unterarm roch.
"Warum gleich auf den Unterarm?" werden jetzt ein paar Kenner schockiert denken...es gibt doch Teststreifen.
Ja, stimmt, die gibt es.
Aber: Teststreifen sind für mich nur eine Art Möglichkeit zur Vorauswahl, zur ersten Einschätzung, ob etwas in eine ganz und gar andere Richtung geht, als ich es auf meiner Haut tragen möchte.
Ein wirkliches Testen kann man mit Teststreifen meiner Meinung nach aber nicht umsetzen.
Die Düfte, die ohnehin als Crowdpleaser konzipiert sind, teste ich schon immer nur auf meiner Haut, weil mir der Umweg über den Teststreifen einfach nichts bringt.
Gut, jetzt hatte ich den Born in Roma damals also auf meinem Unterarm...und fand ihn...einfach zu süß.
Ich trug ihn über den Tag, schnüffelte hin und wieder, aber verstanden habe ich die Born-in-Roma-DNA damals noch nicht.
Ich denke, ich hatte einfach zu wenig Erfahrung mit süßen Düften, die keine Gourmands sind.
Ich habe die Interpretation des so süßen Sommerduftes nicht gekannt und nicht verstanden.
Es ist kein Clubbing-Duft wie
Ultra Mâle oder ein weiterer Vanillezucker-Schmankerl-Duft für kalte Winterabende.
Dieser Duft gehört einer eigenen Kategorie an, von der ich - gerade nach den Erscheinungen der letzten Jahre - keinesfalls behaupten würde, dass es wenige Vertreter dieser Kategorie gibt.
Ich würde aber durchaus behaupten wollen, dass Born in Roma innerhalb dieser Kategorie eine gänzlich neue DNA erschaffen hat, eine eigene Komposition in sich, die aufgeschlüsselt in Duftnoten nicht verstehen lässt, wie die Kombination der Einzelzutaten diesen Duft entstehen lassen kann und dass Born in Roma eben mehr ist als die sprichwörtliche "Summe der Einzelteile", wie auch die DNA an sich mehr ist als die bloße Aneinanderreihung von Nukleotiden.
Diese DNA des Born in Roma scheint sich, gerade mit Blick auf die Bewertungen hier, tatsächlich nicht jedem aufzuschlüsseln. Ich verstehe auch die hier gelisteten Duftnoten nicht hundertprozentig und probiere gleich, zu beschreiben, was mein Eindruck war und ist.
Dazu benötigte ich aber zunächst eine zweite Begegnung mit dem Born in Roma. Diese erfolgte gänzlich unspektakulär in Form einer Probe, die mir in der Parfumerie beim Kauf eines anderen Dufts geschenkt wurde.
Ich testete diesmal zu Hause. Abends. Ich konnte dem Duft schon mehr abgewinnen.
Beim erneuten Auftragen setzte er dann ein: der Wiedererkennungswert der Born in Roma-DNA. Und mir ging es wie so vielen anderen, die diesem Duft verfallen sind und sich zu seinen Fans zählen - ich erlag dieser DNA. Aber wonach riecht diese DNA?
Was spielte sich auch beim dritten Testen auf meiner Haut ab und warum sind die Duftnoten hier auf Parfumo meiner Meinung nach andere als die in meiner Nase?
Es waren zunächst Kopfnoten von Ingwer und schwarzer Johannisbeere die sich da entfalteten so sanft auf meiner Haut. Und tatsächlich können diese bereits die Assoziation wecken zur lebendigen Energie der italienischen Hauptstadt. Wenn man in dieser Assoziation bleibend durch die warmen, engen Gassen spaziert, dann mischen sich die Herznoten von Jasmin und Maiglöckchen mit dieser unverwechselbaren warmen Basisnote. Es ist, als würde man olfaktorisch durch einen blühenden Garten wandeln, umgeben von süßen und sinnlichen Düften der pulsierenden Stadt.
Dieser Duft schlüsselt sich auf als eine Liebeserklärung an die Schönheit und Eleganz Italiens.
Er verströmt eine zeitlose Raffinesse und eine unwiderstehliche Anziehungskraft.
Und er bleibt dabei doch recht linear.
Die Raffinesse liegt in seiner DNA, nicht in seinem Verlauf.
Insgesamt kann ich wenig mehr sagen, als dass dieses Eau de Toilette eine harmonische Komposition aus süß-fruchtigen, blumigen und warmen Noten ist, die eine olfaktorische Reise verspricht.
Es ist ein Duft, der vermutlich sowohl tagsüber als auch abends getragen werden kann, auch wenn ich klar den Abend bevorzuge.
Den warmen Abend.
Den Sommerabend, der nicht nach zarter Zitrik ruft, sondern der pulsierend und süß ist.
Urban und laut.
Und an dem einem nach einer Duft-DNA zumute ist, die eine süße Spur von Luxus und Stil hinterlässt.
Der Born in Roma ist ein Duft, der die Sinne verzaubert und die Seele berührt, wenn man ihn als eine Hommage an die Schönheit begreift.
Und er hat eine Unverwechselbarkeit, die ihn auszeichnet.
Ich akzeptiere es absolut, wenn man ihn nicht als Meisterwerk klassifiziert.
Aber ich kann es einfach nicht akzeptieren, wie schlecht er hier insgesamt bewertet wird.
All denjenigen, die die Synthetik kritisieren, möchte ich zurufen, ja, das stimmt, aber sie ist Teil der DNA.
Rom selbst würde in olfaktorischer Darstellung auch nicht aufgeschlüsselt und abgrenzbar nach Salz, Vetiver und Maiglöckchen riechen, sondern wäre eine wilde süße Mische, ein pulsierender Mix, eine urbane Hommage.
Und da sind wir. Das ist sie: die DNA des Born in Roma.
Und was ist überhaupt Synthetik? Meint ihr denn, Geza Schön pflückt Eichenmoos im Wald für uns für unsere geliebten Ormonde Jaynes und Clive Christians? Es gibt schon seit 2004 oder so kein Eichenmoos mehr in Düften.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und es ist nicht alles strikt natürlich, was da draußen so nischt. Und trotzdem feiern und lieben wir unsere Nische. Und auch die enthält zuweilen eine gute Portion Synthetik. Und das muss weder besonders gut noch besonders schlecht sein.
Aber ebenso sind Düfte sind nicht automatisch schlecht, weil sie Designer sind. Und eine absolut unverwechselbare Duft-DNA von einem Designer geliefert zu bekommen, kann durchaus mehr Wert haben, als wenn das nächste Nischenhaus einen Duft kreiert, der ganz, ganz ähnlich bereits im Regal steht und einem vor Augen führt, dass unsere Duftwelt durchaus repetitiv sein kann.
Düfte wie der Born in Roma schaffen es, diese Repetivität zu unterbrechen, indem sie etwas Neues kreien.
Etwas mit eigener DNA.
Und deshalb ist auch korrekt, dass dieser Duft nicht veröffentlicht, released oder herausgebracht wurde, sondern
"geboren".
Born in Roma.