Hmm, Montana, die Marke habe ich noch nie wirklich gehört oder bewusst wahrgenommen.
Ahh, Nathalie Lorson, das klingt doch direkt gut, da steigen die Erwartungen direkt etwas.
Das war ungefähr mein Gedankengang beim
Graphite von Claude Montana, der eine Duftrichtung einschlägt, die in meiner Sammlung eher unterrepräsentiert ist.
Nach dem ersten Auftragen ist der Duft sehr grün-würzig und ein wenig zitrisch. Die anfängliche Bergamotte verschwindet genauso schnell, wie sie gekommen ist und macht Platz für Zedern- und Veilchenblätter, die dem Duft einen angenehm natürlichen, dunkelgrünen Anstrich verleihen. Die pfeffrige Komponente trifft man auch zunächst in der Kopfnote an, sie macht sich aber über den gesamten Duftverlauf breit.
Im Herzen dieses Werks von Nathalie Lorson ist das Guajakholz die präsenteste Note und macht ihn, wie ich finde, äußerst interessant. Es verleiht natürlich ein holziges Zentrum, fügt aber auch noch etwas leicht rauchiges und sogar gewisse ledrige Aspekte hinzu. Der ebenfalls hier anzutreffende Amber bereitet einen auf den schon bald folgenden Dry-Down vor, während sich die Rosengeranie ganz im Hintergrund aufhält und den Duft nur sehr dezent ins Blumige verfälscht.
Die Basisnote bringt schließlich auch die süßeren und noch tiefgründigeren Bestandteile zum Vorschein. Sandelholz ergänzt das Guajakholz und wird cremig-weich. Eichenmoos kommt nur leicht hervor und wirkt nicht altbacken. Als Fundament und gleichzeitig Abschluss dieses Montana-Duftes hat man sich die Kombination aus Benzoe und Weihrauch ausgesucht, die richtig gut funktioniert und nicht zu unterschätzen ist. Der Weihrauch wirkt zum Ende hin immer weniger kratzig und verschmilzt immer stärker mit seinem Umfeld, er wurde hier richtig gut eingearbeitet. Jedoch wird auch das Benzoe zum Ende hin immer stärker und wird fast sogar ein bisschen zu süßlich und balsamisch. Ich mag süße Düfte, keine Frage, aber irgendwie harmoniert diese ambrierte Süße nicht so ganz mit den ledrigen und grünen Noten früher im Verlauf. Sie ist nicht störend, nur einfach ein wenig unsauber integriert.
Die Assoziationen zu einem frisch gespitzten Bleistift kamen bei mir auch direkt auf. Wohl auch durch die anderen Rezensionen hier beeinflusst, aber dieser Graphite erinnert einen tatsächlich an das Schulmäppchen mit diversen Holzmalstiften.
Haltbarkeitstechnisch ist der Duft zufriedenstellend, aber auch nicht überragend. Das ist auch eigentlich ganz angenehm, da er mir wohl auch schlechter gefallen würde, wenn er viel stärker wäre. Die Projektion ist auch für einige Stunden ziemlich beachtlich, aber auch nicht als Sillagemonster einzuordnen. Gutes Mittelfeld für Düfte dieser Machart.
Im Herbst und Winter kommt der Graphite wohl am besten an. Ab dem Frühling wäre er mir dann wohl doch einen Ticken zu süß und ledrig.
Der Flakon hat mich überrascht. Er wirkt wirklich hochwertig, besonders der Deckel sticht positiv heraus und auch der Sprüher funktioniert super. Ich hatte mich beim Bestellen zwar auf die Version mit dem Lederband gefreut, dann aber die mit dem Sticker bekommen, stört mich aber auch nicht weiter.
Insgesamt ist der
Graphite ein wirklich schöner holzig-harziger und grün-würziger Duft mit süßen Aspekten im Dry-Down. Da er scheinbar nicht so viel Reputation erfährt, gibt es ihn bei vielen Händlern schon für fast lachhafte Preise zu erwerben, wenn man diese mit der UVP vergleicht. Wem die oben beschriebene Duftrichtung zusagt, der sollte dieses Teil mal genauer unter die Lupe nehmen.