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Rezensionen
1 - 5 von 59
Ausbruch aus dem Flanker-Syndrom
Es gibt ja unzählige Flanker des 1881 pour Homme (2005) Eau de Toilette der Marke Cerruti. Beim Durchstöbern ist mir aber ein Spezieller durch seine interessanten Duftnoten direkt ins Auge gefallen, es war 1881 Riviera. Und ja, der Blindbuy hat sich gelohnt, da dieser Cheapie mit dem aquatisch klingenden Namen tatsächlich an die hohen Erwartungen anknüpfen konnte und sich als wunderbarer und besonderer Frühlings-/Sommerduft entpuppt hat.

Im ersten Moment nach dem Aufsprühen ist der Riviera stark zitrisch-blumig. Von Aquatik ist hier so gut wie keine Spur, anders als der Name vermuten lassen würde. In der Kopfnote überkommt einen zunächst eine sehr herb-säuerliche Bergamotte, die den Duft frisch und spritzig macht. Auch direkt von Anfang an mit dabei ist die unfassbar stark ausgeprägte Jasmin, die ihre hellen und floralen Eigenschaften kaum verbergen kann. Jedoch wirkt der Duft schon zu Beginn kratzig und irgendwie ätherisch.
Wenige Minuten nach dem Auftragen verändert sich der Duft nochmal ein wenig, wird dann aber weitestgehend linear. Hier kommt nun stärker die sehr dominante Kombination von Leder und Patchouli zum Vorschein. Die ledrigen Noten sind wirklich fein eingearbeitet und stören die restlichen Noten überhaupt nicht. Der Patchouli wirkt beim Riviera überhaupt nicht dunkel oder muffig, sondern vielmehr hell, luftig, dafür aber auch ein wenig synthetisch. Hierfür sorgt das Molekül "Akigalawood", das offenbar besonders gerne von Michel Girard eingesetzt wird, was die Düfte L'Homme Lacoste und L'Homme Lacoste Intense beweisen. Hierdurch wird auch eine leichte Holzigkeit hervorgerufen, die aber viel weniger stark ist, als die Reihenfolge der Duftrichtungen hier vermuten lassen würde. Doch neben den bereits genannten Noten hat der Duft während seiner ganzen Tragedauer noch eine gewisse Krautigkeit die wohl auch durch den vorhandenen Vetiver erzeugt wird. Dieser fügt hier noch etwas feuchtes, grasiges und leicht erdiges hinzu.
Für mich ist es ein Duft, den man früh morgens tragen kann, wenn der Morgentau noch feucht in der Luft liegt und sich bereits ein warmer, sonniger Tag ankündigt.

Die Haltbarkeit habe ich bei diesem EdT als deutlich überdurchschnittlich wahrgenommen. Man kommt mit wenigen Sprühern des Riviera locker durch einen ganzen Tag und kann sich auch abends noch an dem angenehmen Dry-Down erfreuen. Die Sillage ist sogar noch besser, was man selbst gar nicht so wahrnimmt, da man durch die Moleküle schnell Duftblind werden kann. Aber dieser Duft hat garantiert eine Projektion, die ich in diesem Ausmaß nur selten von eher sommerlichen EdT-Düften kenne. Man hinterlässt wirklich eine Duftwolke, die man selbst nur gar nicht mitbekommt.

Der Flakon ist richtig schön, was ebenfalls ein Pluspunkt für den Riviera ist. Durchsichtiges, braun-graues Glas mit einer hinten eingravierten "1881" erwarten einen hier. Insgesamt ist er gut verarbeitet, wenn auch der Deckel etwas leicht ist und besser halten könnte. Der Sprüher ist dafür wieder absolut über seinem Preisniveau.

Insgesamt ist der 1881 Riviera nicht umsonst der hier am besten bewertete 1881-Flanker. Er fliegt völlig unter dem Radar und ist eine tolle Bereicherung für den nun anstehenden Frühling. Wer einen etwas außergewöhnlicheren, aber doch massentauglichen und gefälligen, unzitrischen Duft für die warmen Jahreszeiten sucht, könnte hier genau die richtige Wahl treffen.
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Ein Duft, der flüstert.
"Separates the men from the boys" - ein komischer und ideenlos wirkender Spruch, der oben auf der Verpackung des Baldessarini Eau de Cologne Concentrée abgedruckt ist. Was kann man bei so einem eher abschreckenden ersten Eindruck schon erwarten?

Im Auftakt wird man bei diesem Duft von einer sehr stimmigen Kombination aus Orange und Mandarine begrüßt, die den Duft eher fruchtig und leicht süßlich machen, weniger zitrisch. Dadurch wirkt er nicht zu sommerlich, um ihn auch in kälteren Jahreszeiten zu tragen. Die Minze tritt dann noch hinzu und verleiht eine angenehme Frische, die den Duft abgekühlt und transparenter macht.
Es dauert nicht lange, bis zur Herznote übergegangen wird, die einerseits aus Kamille besteht und den Baldessarini somit weicher und teeartiger macht, und andererseites aus Gewürznelke, die eine leicht holzige Würze hinzuaddiert.
Im Dry-Down ist er dann noch ruhiger und etwas süßer durch Ambernoten und cremig-weich durch Moschus. Wacholder kann man ebenfalls eindeutig ausmachen und bestärkt die leicht holzige Fruchtigkeit aus der Kopfnote zusätzlich. Während der Tabak maximal im Hintergrund arbeitet, tritt der Patchouli dann doch deutlicher hervor und erzeugt mit Wacholder zusammen einen waldig-erdigen, sehr natürlich duftenden ätherischen Einschlag.
Ich sehe hier einige Parallelen zum Lanvin L'Homme Sport Eau de Toilette, wobei ich den Baldessarini Eau de Cologne Concentrée etwas abgestimmter, natürlicher und insgesamt schöner finde.

Die Haltbarkeit ist tatsächlich ein Schwachpunkt bei diesem Duft. Auch die Sillage hält sich wirklich stark zurück, man fällt mit dem Baldessarini definitiv kaum auf. Man muss allerdings auch dazusagen, dass der Duft auch nicht als Sillage-Monster oder Aufdringlichkeits-Bombe konzipiert ist, und als Eau de Cologne Concentrée vermarktet wird. Das bedeutet, dass dieser Baldessarini bewusst zurückhaltend ist und sich gar nicht in den Vordergrund drängen möchte. Jedoch würde ich aus diesem Grund im Zweifel doch eher den Baldessarini Eau de Cologne Concentrée gegenüber dem Baldessarini Eau de Cologne bevorzugen, da die Vermutung naheliegt, dass die Haltbarkeit bei letzterem sogar noch schwächer ist, was auch von den Bewertungen so widergespiegelt wird.

Der Flakon hat mich sehr überrascht, er fühlt sich schwer, hochwertig und gut verarbeitet an. Er liegt perfekt in der Hand und der Deckel ist äußerst fest. Der Sprüher funktioniert einwandfrei. Optisch ist er ebenfalls ein Hingucker, schön klassisch gehalten uns sieht einfach in jeder Sammlung top aus.

Bei dem Duft ist es sehr schwer, ihn nicht zu mögen. Er ist aus meiner Sicht klassisch und modern zugleich und hat die hohe Bewertung hier absolut verdient. Tragbar ist er perfekt zu Anlässen, bei denen man sich unsicher ist, welches und ob überhaupt ein Parfum getragen werden kann/soll.
Dieser Duft schreit nicht, er flüstert.
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Wenn man zu viele Zigarren raucht...
Zino Davidoff, der schweizer Unternehmer und "König der Zigarren", ein klassischer Gentleman des letzten Jahrhunderts. Da wundert einen ein Duft wie Zino Eau de Toilette kaum, der wohl schon als er 1886 herauskam den Stempel "klassisch" aufgedrückt bekommen hat.

Der Duft startet sehr stark holzig-würzig. Rosenholz ist die leitende Kopfnote, die Lavendel und Muskatellersalbei mit sich zieht, während Bergamotte weitestgehend außen vor gelassen wird. Etwas frisches oder helles hat dieser Duft im Auftakt überhaupt nicht, er konzentriert sich viel mehr auf die dunklen, herb-holzigen Schichten. Aber er hat trotzdem noch etwas in der Kopfnote, was hier nicht aufgelistet ist und man so einfach nicht beschreiben kann. Am ehesten lässt es sich vielleicht als eine Art vergrautes Patchouli bezeichnen. Auch finde ich die Kopfnote viel süßer als hier beschrieben. Sie hat für mich fast schon etwas lakritzartiges, bitter-süßes.
Schnell geht er in eine wesentlich blumigere Herznote über, wobei die floralen Aspekte von Rose, Jasmin, Rosengeranie und Maiglöckchen irgendwie "verändert" wirken und nicht so richtig wie man sie kennt durchstechen.
In der Basis haben sich viele der zuvorgenannten Noten dann etwas gelegt und der Zino wird etwas wärmer und erdiger. Hier ist nun auch Patchouli gelistet, was ich aber schon viel früher wahrnehme, zusammen mit Sandelholz, Amber und Tonkabohne. Die Vanille kann man gedanklich streichen, da sie fast nicht als solche zu erkennen ist. Die Tonkabohne macht den Dry-Down noch etwas süßer, aber viel lakritziger und bitterer als man üblicherweise gewohnt ist.

Die Haltbarkeit ist wirklich Klasse, man hat nicht das Gefühlt, dass der Zino stark unter Reformulierungen gelitten hat, jedenfalls nicht in Bezug auf die Haltbarkeit. Die Sillage ist aber wesentlich schwächer, man riecht ihn zwar schon recht stark auf der Haut, er hinterlässt aber in der aktuellen Version nur wenig von sich in der Luft.

Der Flakon spiegelt den Duft fast perfekt wider. Schwarzes, fast undurchsichtiges Glas mit einem beigen Plastikdeckel, der wie ausgeblichen wirkt. Der Sprüher ist gut.

Insgesamt ist der Duft definitiv einzigartig und mit nichts mir Bekanntem zu vergleichen. Er hat definitiv Signature-Potenzial, vorausgesetzt man mag den Duft, was bei mir nicht zutrifft. Mir ist der Zino Eau de Toilette einfach zu altmodisch, man hat das Gefühl, dass er selbst schon in den 80ern altmodisch war und ist daher eher ein Gentleman-Duft als ein Aufreißer-Duft. Da gefallen mir die späteren Kreationen von Michel Almairac wie Minotaure Eau de Toilette und Sculpture Homme Eau de Toilette wesentlich besser.
Wer den Zino heute noch rockt: Respekt! Für mich ist dieser Davidoff jedoch ein Fall für die Mottenkiste.
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Azzaro light, nicht zero!
Die Legende Azzaro pour Homme Eau de Toilette ist wohl für viele ein Begriff und hat sich als würzige Fougère-Bombe der 70er bis heute gehalten. Nun kommt in ähnlicher Aufmachung der Flanker Azzaro pour Homme L'Eau daher, welcher als Sommervariante des Zuvorgenannten gehandelt wird. Für die anstehende wärmere Jahreszeit habe ich mich sowieso nach einigen Düften zum Aufstocken umgeschaut, da fiel mir dieser hier ins Auge und hat direkt mein Interesse geweckt. Trägt er noch das Erbe des pour Homme in seiner DNA und ist er tatsächlich eine gute Alternative für die Sommermonate?

Der Duft startet aüßerst frisch und zitrisch, bringt aber bereits eine leichte Würze mit. In der Kopfnote finden sich Zitrone, Limette und Grapefruit, letztere sticht in meiner Wahrnehmung am stärksten hervor. Die Aufmachung dieser Zitrusnoten wirkt eher modern als klassisch, man sollte also keine Angst vor zu starken Old-School-Vibes haben.
Die Herznote besteht aus Lavendel und Rosegeranie, die dem Duft dann doch einen angenehm klassischen Einschlag verleihen und schon eher an den Ur-Azzaro im klaren Glasflakon erinnern. Hier wird der Duft schön blumig-würzig und bekommt eine sanfte Weichheit, die eine frühlingshafte Atmosphäre schafft.
Die Basis ähnelt dann noch stärker dem Original und bringt eine holzige, erdige Würze in den Duftverlauf ein. Sandelholz und Moschus arbeiten zusammen, um die gewohnte Cremigkeit zu etablieren und den Duft zum Ende hin trocken und weich zu gestalten. Patchouli kann man ebenfalls ganz deutlich herausriechen, dieser wirkt zusammen mit Vetiver auf eine natürliche Weise erdig-herb.

Die Haltbarkeit ist schon ein kleiner Schwachpunkt bei diesem Azzaro-Flanker, die Sillage dafür ein wenig besser. Daher würde ich den Duft primär im Sommer tragen und mich dann an seiner Leichtfüßigkeit erfreuen.

Der Flakon ist dann wiederum sehr schön und richtig gut gelungen. Er orientiert sich stark an dem Original, verwendet aber mattes Glas und einen grauen Deckel, was tatsächlich eine modernere Version impliziert. Der Sprüher ist richtig gut, der Deckel in Ordnung.

Insgesamt finde ich, dass der Azzaro pour Homme L'Eau immer noch die Ur-DNA des Azzaro pour Homme Eau de Toilette in sich trägt, diese aber modernisiert (was nicht automatisch "verschlechtern" bedeutet) und sommerlicher sowie frischer macht. Für mich persönlich ist er eine gekonnt umgesetze Alternative zu dem Original, welches mir beim Testen dann doch etwas zu scharf, würzig und extrem war. Die Schwächen in der Haltbarkeit sind für mich kein Dealbreaker und gerade im Sommer zu vernachlässigen. Ich finde viele der heute angesagten "Sommer"-Düfte ohnehin viel zu stark und erschlagend, da kommt mir dieser hier gerade Recht und ist definitiv einen genaueren Blick wert! Dass er hier unter erfahrenen Parfumos eher schlecht weg kommt, wundert mich nicht, ich bin da aber eindeutig anderer Meinung.
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HB oder doch EdT?
Hmm, Montana, die Marke habe ich noch nie wirklich gehört oder bewusst wahrgenommen.
Ahh, Nathalie Lorson, das klingt doch direkt gut, da steigen die Erwartungen direkt etwas.
Das war ungefähr mein Gedankengang beim Graphite von Claude Montana, der eine Duftrichtung einschlägt, die in meiner Sammlung eher unterrepräsentiert ist.

Nach dem ersten Auftragen ist der Duft sehr grün-würzig und ein wenig zitrisch. Die anfängliche Bergamotte verschwindet genauso schnell, wie sie gekommen ist und macht Platz für Zedern- und Veilchenblätter, die dem Duft einen angenehm natürlichen, dunkelgrünen Anstrich verleihen. Die pfeffrige Komponente trifft man auch zunächst in der Kopfnote an, sie macht sich aber über den gesamten Duftverlauf breit.
Im Herzen dieses Werks von Nathalie Lorson ist das Guajakholz die präsenteste Note und macht ihn, wie ich finde, äußerst interessant. Es verleiht natürlich ein holziges Zentrum, fügt aber auch noch etwas leicht rauchiges und sogar gewisse ledrige Aspekte hinzu. Der ebenfalls hier anzutreffende Amber bereitet einen auf den schon bald folgenden Dry-Down vor, während sich die Rosengeranie ganz im Hintergrund aufhält und den Duft nur sehr dezent ins Blumige verfälscht.
Die Basisnote bringt schließlich auch die süßeren und noch tiefgründigeren Bestandteile zum Vorschein. Sandelholz ergänzt das Guajakholz und wird cremig-weich. Eichenmoos kommt nur leicht hervor und wirkt nicht altbacken. Als Fundament und gleichzeitig Abschluss dieses Montana-Duftes hat man sich die Kombination aus Benzoe und Weihrauch ausgesucht, die richtig gut funktioniert und nicht zu unterschätzen ist. Der Weihrauch wirkt zum Ende hin immer weniger kratzig und verschmilzt immer stärker mit seinem Umfeld, er wurde hier richtig gut eingearbeitet. Jedoch wird auch das Benzoe zum Ende hin immer stärker und wird fast sogar ein bisschen zu süßlich und balsamisch. Ich mag süße Düfte, keine Frage, aber irgendwie harmoniert diese ambrierte Süße nicht so ganz mit den ledrigen und grünen Noten früher im Verlauf. Sie ist nicht störend, nur einfach ein wenig unsauber integriert.

Die Assoziationen zu einem frisch gespitzten Bleistift kamen bei mir auch direkt auf. Wohl auch durch die anderen Rezensionen hier beeinflusst, aber dieser Graphite erinnert einen tatsächlich an das Schulmäppchen mit diversen Holzmalstiften.

Haltbarkeitstechnisch ist der Duft zufriedenstellend, aber auch nicht überragend. Das ist auch eigentlich ganz angenehm, da er mir wohl auch schlechter gefallen würde, wenn er viel stärker wäre. Die Projektion ist auch für einige Stunden ziemlich beachtlich, aber auch nicht als Sillagemonster einzuordnen. Gutes Mittelfeld für Düfte dieser Machart.
Im Herbst und Winter kommt der Graphite wohl am besten an. Ab dem Frühling wäre er mir dann wohl doch einen Ticken zu süß und ledrig.

Der Flakon hat mich überrascht. Er wirkt wirklich hochwertig, besonders der Deckel sticht positiv heraus und auch der Sprüher funktioniert super. Ich hatte mich beim Bestellen zwar auf die Version mit dem Lederband gefreut, dann aber die mit dem Sticker bekommen, stört mich aber auch nicht weiter.

Insgesamt ist der Graphite ein wirklich schöner holzig-harziger und grün-würziger Duft mit süßen Aspekten im Dry-Down. Da er scheinbar nicht so viel Reputation erfährt, gibt es ihn bei vielen Händlern schon für fast lachhafte Preise zu erwerben, wenn man diese mit der UVP vergleicht. Wem die oben beschriebene Duftrichtung zusagt, der sollte dieses Teil mal genauer unter die Lupe nehmen.
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