Die unstillbare Lust auf Duft
Bisher dachte ich, dass ich mich mit Düften recht gut auskenne. Schließlich trage ich schon seit bestimmt 30 Jahren schöne Parfums in mein Heim und schnupper an allen Fläschchen, die mir unter die Nase kommen. Wenn ich hier die vielen edlen Nischenduft-Sammlungen sehe, dann weiss ich, dass ich nichts weiss. Das macht mich aber nicht unglücklich. Der Mensch kann nicht alles wissen und muss auch nicht alles haben.
Nischendüfte haben mich erfreulicherweise nie besonders interessiert, weil selbst in meinen zahlreichen Parfumbüchern selten von ihnen die Rede war und ich liebe kleine Geschichten rund um einen berühmten Duft sehr. Irgendwie erahnte ich auch, dass, sobald ich mich auch auf Nische einlassen würde, mein Parfuminteresse gänzlich ein Fass ohne Boden werden und ich sehr schnell den Überblick verlieren würde. Je mehr er hat, je mehr er will - so ist der Mensch. Und das geht mir mit meinen Mainstream-Düften schon so. Darum habe ich vor einiger Zeit beschlossen, mich selbst zu limitieren und mich auf die Düfte zu besinnen, die ich habe. Ich möchte nicht ständig auf der Jagd nach dem ultimativen Duft sein, denn ich glaube, meine Vorlieben zu kennen und reichlich eingedeckt zu sein, so dass ich weit über mein Ableben hervorragend duften kann. Ständig auf der Suche zu sein, bringt mir zu viel Unruhe in mein Leben und ich empfinde es auch etwas gierig. Das missfällt mir an mir.
Die Lust und das Verlangen, neue Düfte zu entdecken, ist spannend und eigentlich auch unstillbar, wenn man ein Parfumliebhaber ist. Es wird schnell zu einer Sucht. Doch lieber hänge ich am Flakon, als an der Flasche oder der Nadel. Düfte zu lieben und ihnen verfallen zu sein, hat viel mit Romantik u. Fantasie zu tun. Die Duftbeschreibungen gleichen oftmals einem Märchen und was würde einen mehr aus der realen, manchmal grauen Wirklichkeit heraus holen, als ein wundervoller Duft und die Geschichten, die sich um ihn ranken? Düfte eignen sich hervorragend, dem Alltag ein wenig zu entfliehen.
Trotz all dieses Wissens um mein eigenes Handeln, bin ich gern am Schnuppern und Ausprobieren und erliege auch mal der Versuchung nach neuen Düften. Ich möchte die Neugier an schönen Parfums auch nicht verlieren, aber die Gier, sie haben zu müssen, die gestatte ich mir nun seltener. Und so werde ich hier auch keine Abfüllungen oder Testdüftchen ordern oder tauschen, so verführerisch das auch auf Parfumo ist. Es bringt mich durcheinander, zu viel Düfte zu haben und sie alle zu testen artet fast schon in Arbeit oder Leistungsdruck aus. Aber das kann jeder machen wie er möchte. Wer jung ist, hat noch nicht so viele Dufteindrücke erlebt und wird schon deshalb anders handeln wollen.
Über die Düfte zu lesen und sich auszutauschen, finde ich spannend und unterhaltend und deshalb bin ich hier.


Precious
Oft wünsche ich mir, meine Sammlung sei klein und übersichtlich, aber ich werde immer wieder ein Opfer meiner Sucht und glaube kaum, dass es mir gelingen wird, meine Sammlung sehr zu reduzieren.
Seit ich immer mehr bei den Nischendüften reinschnuppere, ist die Versuchung leider noch größer geworden, denn ich habe schon einige wunderschöne Düfte entdeckt, aber zum Glück bremst mich dabei oft der Preis aus:)
Ich wünsche Dir auf jeden Fall noch viel Spaß beim Schnuppern und dass Du vernünftiger bist, als ich:)
Danke Dir. Das ist dann so ähnlich, wie vor einem gefüllten Kleiderschrank zu stehen und zu sagen: Ich hab nix anzuziehen. Bei DEM DUFT, der total zu mir passt, ist es eher so, dass er vieles vereint, was ich glaube zu sein.
Als etwas *verrückt* können wir Duft-oder Flakonsammler uns schon bezeichnen, aber wirklich verrückt geht anders ;).
@MrWhite. Zitat:"...mich ärgert viel mehr, dass ich im Übermaß nicht alle Schätze genug würdigen und genießen kann. Darum beschränke ich auf 20 Flakons. Leider, aber sonst wird mir das zu unübersichtlich und zu lieblos."
Diesem Kommentar möchte ich mich ganz besonders anschließen, da ich das ebenso empfinde. Wenn ich nicht aufpasse, dann benehme ich mich wie eine Duftnymphomanin und das möchte ich einfach nicht. Wenn ich zu häufig neue Düfte ausführe, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, erleben sie mich zudem noch als eine Art Duftchamäleon u. sind verwirrt. Will ich auch nicht. Oftmals habe ich Düfte im Schrank und schnupper nur für mich allein an ihnen und genieße sie im Stillen.
Meine ersten Duftgeschenke oder auch eigenen Duftkäufe waren in der Jugend sehr erregend und großartig für mich. Ich glaube, eigentlich genau diesem Gefühl hinterher zu laufen. Vielleicht geht es gar nicht immer nur um den Duft, sondern um das großartige, kribbelnde Gefühl, das zu einem Kauf gehört. Und Vorfreude ist ja manchmal auch die größte Freude. Einige mit Herzklopfen gekauften Flakons, wurden doch wieder aus der Sammlung entfernt, wenn das Entzücken auf Dauer nicht so groß war wie erhofft.
Ein unerschöpfliches Thema... Ich wünsche allen einen schönen 3. Advent.
PS. "...und reichlich eingedeckt zu sein, so dass ich weit über mein Ableben hervorragend duften kann." - sehr geil und sehr treffend!
Ob nun Mainstream oder Nische, Hauptsache, man ist glücklich mit seinen Düften. Eine starre Linie ziehen oder sich gar Selbstverbote auferlegen ist wenig sinnvoll. Ich teste gern Neues, auch wenn ich dabei langsam bin und oft gar nicht nachkomme. Zu manchen Zeiten greife ich lieber nur zu meinen bekannten Düften.
Wir sind hier bei Parfumo und nicht auf der Flucht. So viel Gelassenheit muss sein!
1970 bekam ich meinen ersten Duft geschenkt (Madame Rochas Eau de Parfum) und seit dieser Zeit bin ich schönen Düften verfallen. Aber ich jage auch nicht mehr hinter jedem Duft her, habe ich doch inzwischen ca. 50 Flacons zur Auswahl, aufgeteilt in Sommer und Winterdüfte.
Ich lese auch gerne hier, nun hab ich mich angemeldet um dir zu antworten weil mich dein Beitrag hier besonders ansprach. :-)
mit meinen 30 Flakons überfordert.