Das vegane, gewaltfreie und kosmopolitische Parfum
Was für eine Überraschung! Ein unscheinbarer Flakon, ein vermutlich walisischer Name für ein Parfum (ich als alter Aushilfswaliser weiß das natürlich) und ein Label, welches den Namen eines griechischen Fabeldichters trägt. Hinzu kommt dass Hwyl quasi eine Ode an die japanischen Hiba-Lebensbäume sowie die Hinokibäume darstellt, übrigens beides Zypressenarten. Das ist alles sehr skurril aber auch wohlwollend avantgardistisch auf den ersten Blick. Überraschend deshalb für mich, weil das Parfum dann auch wirklich gelungen ist! Was ich mit Verlaub nach manchen Kommentaren nicht zwingend erwartet hatte. Erst wollte ich den Duft gar nicht mehr testen bis mich dann der Zufall doch in diese Richtung leitete.
Bevor ich nun die angenehme Überraschung hinsichtlich Hwyl erläutere, ein kleiner Funfact: die beiden oben genannten Baumarten zählen zu den sogenannten fünf heiligen Bäume des Kiso. Erinnert mich persönlich an Amber Kiso von D.S. & Durga, welcher leider bei weitem schlechter umgesetzt ist trotz ähnlich hervorragend klingender Inhaltsstoffe. Nun ist Zypresse im Parfum mitunter so eine Sache, sie kann den Duft manchmal sehr eigen wirken lassen und wird nicht überall auf Entzücken bei den olfaktorischen Gaumen stoßen. Hier wirkt sie auf mich gar nicht so hell hervorstechend sondern vielmehr ergänzt sie die schweren Düfte und das Ergebnis ist vergleichbar mit Rindenmulch. Richtig, Rindenmulch - natürlich ergänzt um diverse spannende Facetten und Esprit. Die Zypresse mit ihrem würzig-zitronigen Einschlag ist also omnipräsent. Wie kommen wir jetzt in den tiefen Wald, lassen die Stämme und den Boden dunkel duften wie nach Regenfällen? Klar, Weihrauch ist dabei, sorgt für das würzig-rauchige Flair und erzeugt so das Gefühl von frischem Holz, als wäre man selbst gerade mit der Kettensäge durch den Wald um den Geruch aufzunehmen. Es duftet nun also nach Holz, nach Harz, nach Sägespänen und insgesamt recht intensiv. Aber rauchig ist Hwyl an der Stelle nicht. Vermutlich sollen die angegebenen rauchigen Noten dafür sorgen, was immer das auch ist. Vielleicht bin ich zu sehr abgestumpft und müsste mich erst mal wieder durch blumige Düfte durchschnuppern aber ich rieche hier nichts rauchiges. Ausnahmsweise brennt es mal nicht im Wald. Nett, eine Abwechslung. Für mich wird das Holz und der Boden des Waldes lediglich intensiver. Vetiver spielt hier eine untergeordnete Rolle, wird die olfaktorischen Eindrücke aber sicherlich verstärken, spannend respektive als hervorstechend ist das Moos zu benennen. Trotz all dieser extrovertierten Ingredienzen ist Hwyl nicht extrovertiert. Angenehm, es gibt genügend rauchige Holzdüfte, bei denen die Personen neben einem schon halb die Feuerwehr gewählt haben oder einen Eimer Wasser über einen stürzen wollen. Hier nicht. Dezent und scheu Event sich Hwyl seinen Weg, wirkt dabei auch leicht kühl. Wirklich hervorragend ausgestaltet. Abschließend knüpfe ich an mein Entree an. Ich bin überrascht von der Klasse des Duftes, das hatte ich so nicht erwartet. Zu unscheinbar und unspektakulär wirkt der Flakon sowie der erste Eindruck des Duftes. Hwyl nimmt keine Räume ein, sein Wesen ist eher sanft und in sich gekehrt. Dieser hervorragenden Leistung wird man erst sukzessive gewahr. Sicher mag vieles gewollt zur Schau gestellt sein wie das Video zum Parfum. Dort plätschert in zwei Minuten ein Bach vor sich hin, Baumwipfel tanzend im Wind, alles ganz harmonisch. Das interessiert mich mit Verlaub nicht, denn schlecht wird der Duft dadurch nicht, an Sympathie büßt Aesop damit bei mir auch nicht ein. Insofern kam ich zu folgendem Schluss: mein Flakon ist bereits auf dem Weg zu mir.
Lustig und gut was Du zum Thema Rauch schreibst! Ich hab nämlich gerade genau dasselbe gedacht: Hm, raucht gar nicht... Hab ich wohl zu viel Rauchiges getestet in letzter Zeit? Nein ich glaube es ist einfach so. Er räuchelt ein bisschen schönen Weihrauch. This is it.
Die Düfte sind wirklich nicht schlecht und auch sehr gut gemacht. Da kann ich nur zustimmen. Diesen hier kenne ich allerdings noch nicht. Wird aber nachgeholt. Ich hab zum Glück einen Shop in meiner Stadt!..;) Gelungener Kommentar!
Den Duft mochte ich auch, bis auf eine merkwürdige "Störnote". Wenn die bei dir nicht aufgetreten ist, umso besser. Das Konzept der Marke hat durchaus etwas sehr Schönes.
Rindenmulch, naja.