Komm, lass uns den Trommeln lauschen, sitzend angelehnt an die alten Portfässer, mein Herz pulsiert und schlägt im Dunkeln, über uns grüne Kiefernnadelsternschnuppen. Ich kann den riesigen Weltenbaum sehen, seine Wurzeln in der Erde verbunden mit allen anderen Lebewesen, dunkle Blutlinie alles Lebens. Sehe ihn doch nur in Schemen, dichter Rauch umgibt ihn, harziger Holzrauch, qualmender Wacholderrauch, durch den die brennenden Kienspäne Funken stieben, die immer wieder im Rauch verschwinden. Hölzer und Nadeln knacken, bersten und platzen weit oben über uns, und doch ist es nicht zu heiß hier, fast schon ätherisch-kühl auf der Haut meiner Wangen. Gar kein Grund, uns zu fürchten. Nimm meine Hand und lass uns die schwarze Vanille und den Kakao einatmen, die von unten zwischen dem Moos aus Patchouli-Erdlöchern mit dem Rauch aufsteigen, lass uns vom Vanilletabakrauch mit hochtragen, bis zu den Kiefernwipfeln, wo wir fliegen können…
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Die Geschichte des Dufts hat Floyd schon in seiner schönen Rezension beschrieben (Hendleys Vater hatte ein Destillat aus einer großen Zeder hergestellt, die auf dem Familiengrundstück wuchs, und es dann seinem Sohn vermacht; dieses Destillat bildet hier das Zentrum). Für mich steht dieser Duft dadurch zum einen für familiäre Abstammungslinien – wobei es heute vielleicht nicht mehr allein auf „das Blut“ ankommt, sondern mehr Aufmerksamkeit dafür besteht, dass familiäre Bezüge durchaus vielfältiger weitergegeben werden. Zum anderen erzählt er für mich die Geschichte vom Weltenbaum, von den Netzwerken im mulchigen lebendigen Boden, über die alle Bäume und Pflanzen und Pilze miteinander verbunden sind, und von der Verbundenheit alles Lebendigen überhaupt, die leider heute so oft negiert wird zugunsten einer Betonung von Unabhängigkeit. Aber gerade tiefe Verbundenheit kann auch Freiheit ermöglichen…
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Es lohnt sich hier, am Anfang schnell zu sein mit der Aufmerksamkeit: Es beginnt wie in einem einzigen Moment der blitzartigen Zusammenschau mit ambriert-Vanilligem, gleichzeitig einer leichten boozy-Note wie aus alten Portweinfässern und dazu grüne Kiefernnadeln. Aber sofort legt sich zunächst einmal intensiver harziger Holzrauch drüber. Der bleibt lange und gibt dann sehr langsam, nach und nach die einzelnen Schichten wieder frei, die zu Beginn aufleuchteten, und noch mehr. Wunderschön reichhaltiger, komplexer, lebenssatter Zedernduft, dunkel-erdiges Patchouli, ein Hauch von dunkel-herbem Kakao. Später kann ich harzig-animalisches Labdanum wahrnehmen, wie ich es sehr mag, und erneut auch wieder die Kiefer.
Toll, großes Kino!
Mit liebem Dank an Knopfnase!
Dein Bezug zum Weltenbaum liest sich wunderbar und klingt nach einer intensiven olfaktorischen Reise. Den Duft selbst habe ich schon lange im Augenschein, wenngleich er mir eventuell zu rauchig sein könnte...
Es ist nicht genau die Art an Duft, die ich besonders gern mag, aber Deine Beschreibung gefällt mir sehr gut und ich vermute, daß Bloodline mir auch ein angenehmes Parfüm wäre! Und schließlich ist ja auch noch Tabak drin!
es ist so schön, deine rezensionen zu lesen. man vergisst für einen kurzen moment, dass es eigl um einen duft geht. mein herz pocht und ich höre die trommeln.. ✨
Auch mit Deiner schönen Beschreibung wirst Du mir den Duft nicht schmackhaft machen können. Viel Rauch ist einfach nicht meins.
Aber man kann nicht alles lieben.
Wie dem Kollegen Floyd lasse ich Dir einen großen Pokal in Form eines Löscheimers da 😉🪣
Ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob ich dein fulminates Eingangsbild oder die nachfolgenden klugen Gedanken lieber mag. Der Duft muss umwerfend schön sein!
Ich glaub dir sofort, dass der toll ist! Das Markenkonzept mit dem Feature der amerikanischen Artisan-Parfumeure ist cool und die Düfte waren bisher alle schick!
wunderbar verwobene Gedanken zur Entwicklung des Dufts (und der Gesellschaft) 🏆
Aber man kann nicht alles lieben.
Wie dem Kollegen Floyd lasse ich Dir einen großen Pokal in Form eines Löscheimers da 😉🪣
🏆