Peau 2021

Peau von Arquiste
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7.5 / 10 8 Bewertungen
Ein Parfum von Arquiste für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2021. Der Duft ist pudrig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Haut”.
Aussprache
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Duftrichtung

Pudrig
Würzig
Holzig
Animalisch
Harzig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
AmbraAmbra MoschusMoschus MuskatellersalbeiMuskatellersalbei
Herznote Herznote
Golftang indischer weißer Pfefferindischer weißer Pfeffer KoriandersamenKoriandersamen
Basisnote Basisnote
Ambermax®Ambermax® LabdanumLabdanum OkouméOkoumé

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.58 Bewertungen
Haltbarkeit
8.08 Bewertungen
Sillage
6.98 Bewertungen
Flakon
7.811 Bewertungen
Eingetragen von ExUser, letzte Aktualisierung am 27.01.2024.

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist

Rezensionen

1 ausführliche Duftbeschreibung
9
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 20  
Queere Legenden, Teil 1
Hadrian und Antinous – schon wieder!
Nach Marguerite Yourcenars berühmten ‚Memoires d’Hadrien’ und Rufus Wainwrights Oper ‚Hadrian’ wird dem wohl mit Abstand berühmtesten queeren Paar der Antike auch noch dieser Duft gewidmet.
Der römische Kaiser und sein jugendliche Liebhaber, der so früh und unter mysteriösen Umständen verstarb, fortan von Hadrian zum Gott, ja sogar zum Gestirn erhoben, mit einer Stadtgründung und unzähligen Statuen geehrt – die beiden haben offenbar Konjunktur.

Ganz sicher Konjunktur haben Parfums die ‚Peau’ im Namen führen:
‚Fleur de Peau’, ‚Peau de Bête’, ‚Dans la Peau’, ‚Porter Sa Peau’, ‚Brin de Peau’ und so weiter und so fort. Dabei gab es früher schon so manches ‚Peau’: seit 1901 das fein-ledrige ‚Peau d’Espagne’ der florentinischen Marke Santa Maria Novella zum Beispiel, oder seit 1986 den animalisch-fruchtigen Chypre-Kracher ‚Parfum de Peau’ von Montana.
Doch im Unterschied zu Düften die heute ‚Peau’ im Namen führen, wurde damals der Begriff vor allem als Synonym für ‚Cuir’ verwendet, gegerbter Tierhaut also. Die menschliche Epidermis, deren geruchliche Melange uns wie eine duftende Silhouette umgibt und unseren olfaktorischen Fingerprint bildet, rückte dagegen erst in jüngere Zeit in den Fokus.

Eine heute überaus beliebte synthetische Verbindung namens ‚Cashmeran’ spielt hier eine wesentliche Rolle. Sie versucht die saubere, zarte, kindliche Haut duftend wiederzugeben: fein gecremt, Tonka-süßlich, flaumig und weich. Kombiniert mit einem dezenten Moschus-Akkord und einigen salzigen Einsprengseln, und schon sinken wir in die Arme von Frédéric Malles wunderbarem ‚Dans tes Bras’, ein Duft der körperliche Nähe vermittelt, ohne jeden Anflug von Triebhaftigkeit. Auf dieses Terrain gelangen wir schließlich, wenn zusätzlich eine Prise Cumin für einen schweißigen Akzent sorgt (wunderbar in ‚Eau d’Hermès’ in Szene gesetzt), oder ein Hauch Costus unseren Riechzellen die Vorstellung von feuchtem (Scham)Haar vermittelt – die Originalformel von ‚Kouros’ soll einiges davon enthalten haben.
Um aber aus dieser Schmuddelecke wieder herauszukommen: das von Hadrian und Antinous inspirierte ‚Peau’ von Arquiste bleibt halbwegs züchtig, die Hose nur leicht geöffnet – eine laszive Geste, mehr nicht. Vielmehr ließ sich das Duo Huber und Flores-Roux, von einer ganz speziellen Haut leiten, der Marmorhaut antiker Statuen. Eine Haut, die es so natürlich gar nicht gibt, weshalb ‚steinerne Oberfläche’ der passendere Ausdruck wäre. Bei manchen Statuen ist sie aber doch derart kunstvoll bearbeitet und erreicht eine Transparenz, dass man beinahe meinen könnte, darunter pulsiere dennoch Leben, ja als könne man einem inwendigen Muskelspiel folgen.

Eine solche Scheinhaut riecht natürlich nicht, oder wenn, dann bestenfalls mineralisch oder staubig, aber diese in Stein gebannte Lebendigkeit lässt zumindest die Illusion aufkeimen, sie röche vielleicht doch. Und genau hier setzt ‚Peau’ an: der Duft bleibt in der Schwebe zwischen kühler, glatt-polierter Marmorhaut und echter, lebendig warmer. Ein idealisierter Hautduft gewissermaßen, der olfaktorische Umriss seines zu hellem Marmor erstarrten Geliebten, oder wie Arquiste sagt: „Paying tribute to the beloved, like Hadrian did Antinoös, this fragrance captures the memory of skin, conjuring intimacy and closeness, and living in our hearts and minds as an idealized scent.“

Marketing-Geschwurbel?
Mag sein.

Vermutlich wird eher umgekehrt ein Schuh daraus: nicht der Kaiser nebst seinem Jüngling standen Pate für ‚Peau’, sondern schlicht die Tatsache, dass das Thema ‚Haut’ im eigenen Portfolio noch nicht ganz ausgereizt war. Mit ‚Sydney Rock Pool’ bog man zwar schon einmal auf diesen Pfad, aber der Duft bespielte eher das Bild einer Pool-Szenerie unter der gleißenden Sonne Australiens, die zwar viel Haut bietet, aber null Intimität. Und gibt es Intimeres, als den Duft von Haut?!
Vielleicht schwebte den Verantwortlichen daher eine Art ‚Dans Tes Bras’ im Arquiste-Outfit vor. Da man die eigenen Kreationen jedoch nicht einfach so im Abstrakten schweben lässt, musste ein konkretes Datum, ein plausibles Setting her, et voilà: ‚AD 134, Villa Adriana, Tivoli, Italy’’, Hadrians Sommer- und Altersresidenz, in der die vielleicht bekannteste Antinous-Statue, die man heute im Louvre bestaunen kann, ursprünglich stand.

Der Ort ist gut gewählt. Überhaupt beweist das Arquiste-Team einiges Geschick darin bildreiche Kulissen zu entrollen, die hinter ihren Kreationen wie kurze Filmsequenzen aufflimmern, von ‚Peau’ mit trocken-würzigen, pudrig-mineralischen und hell-holzigen Akkorden duftend übersetzt, bei denen es hintergründig ganz dezent menschelt. Da der Parfümeur beim Schweizer Duftstoffhersteller Givaudan unter Vertrag steht, liegt es auf der Hand, dass hier einige Givaudan-typische Riechstoffe zum Einsatz kommen, allen voran ‚Ambrofix’ (aka ‚Ambroxan’), ehemals ‚Ambroxide’, ein in den 50er Jahren eingeführter synthetischer Ersatz für die unendlich teure und extrem seltene ‚Graue Ambra’. Daneben auch ‚Ambermax’, ein Amber-artiges Molekül mit Facetten von Zedernholz und Iris, sowie ‚Okoumal’, ebenfalls ein Amber-Duftstoff mit holzigen Akzenten und Tabak-Nuancen.
Flores-Roux kombiniert nun den synthetischen Ambra-Ersatz mit einem Hauch Moschus, sowie der komplexen Würze des Muskatellersalbeis (dessen Inhaltstoff ‚Sclareol’ wiederum Ausgangsstoff für ‚Ambrofix’ ist) und mag sich damit zwar ein wenig dem breitgefächerte Duft-Kaleidoskop der natürlichen Ambra nähern, holt sie aber vor allem an Land, raus aus dem Meer. Bei allem Ambroxan-Einsatz ist ‚Peau’ nämlich kein aquatischer, kein ‚blauer’ Duft, obwohl das Meer da ist, man ahnt es, sondern vielmehr von heller, beiger Tönung

Eine Prise Pfeffer und einige trocken-würzige Koriandersamen verstetigen diese (Haut)Tönung, die ihrerseits vom warmen Sound der harzigen Amber-Basis – zum Glück ohne die allseits so beliebte Vanille- und Tonka-Süße! – gerahmt wird.

Nach mehrmaligem Tragen kann ich sagen, dass ‚Peau’ ein wirklich angenehmer Begleiter ist. Nicht zu offensiv, aber auch kein sogenannter ‚Skin-Scent’ (was der Name ‚Peau’ fast vermuten ließe). Nein, ‚Peau’ entwickelt tatsächlich eine bemerkenswerte Projektion und Duftschleppe, selbst bei geringer Dosierung.

Was mir ebenfalls an ‚Peau’ gefällt, ist das Changieren zwischen Klassik, für die der Ambra-Akkord steht (bzw. die Bildnisse Hadrians und Antinous’), und Moderne, die sich in der sogenannten ‚Woody-Amber’-Basis wiederspiegelt, bzw. in uns, die wir diese ‚Woody-Amber’-basierten Düfte tragen und zugleich vor diesen antiken Statuen stehen, deren vor vielen Jahrhunderten bearbeiteter Marmor imaginäre Duftschlieren auszusenden scheint: Schlieren von trockener Erde, alten Schriften, poliertem Stein, von Küste und Meer, und der Idee von zuvor balsamierter, nun mumienhaft pergamentartiger Haut.

Einem schnöden gläsernen Flakon kann ein solcher altertümlich-moderner Duftkosmos natürlich nicht entsteigen, da braucht’s schon eine Art zeitgenössischer Amphore, zu welcher das schwarz eingefärbte Behältnis, ziseliert mit Umrissen dürftig gewandeter Römer nach Art einer antiken Vase, vor allem durch seine aufgeraute Oberfläche tatsächlich ein wenig mutiert.

Auch Sappho, eine weitere queere Legende des Altertums, wurde ja schon mit einem Duftgemälde geehrt, ebenso Chritopher Marlowe, um mal etwas in die Neuzeit vorzudringen.
Und wie wär's demnächst mit Fritz und Katte?
Mit Gertrude und Alice?
Ich wär’ dabei!
18 Antworten

Statements

3 kurze Meinungen zum Parfum
GandixGandix vor 2 Jahren
9
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
5
Duft
Ein Unfall.
Metallische Nebelschwaden
in meinem Kopf.
Da waren Hölzer.
Was war da noch?
Die Erinnerung fehlt...
35 Antworten
CharlAmbreCharlAmbre vor 2 Jahren
7
Sillage
7
Haltbarkeit
7.5
Duft
Wenn du über die trocken knirschenden Algen am Meeressaum gewandert bist und dich jetzt in den warmen Sand haust. Horizont, Luft, Warmholz.
4 Antworten
ParfumAholicParfumAholic vor 2 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
5
Duft
Meine Haut sondert leider nur eine stechend scharfe Note (Oud-ähnlich) ab. Alle anderen Duftnoten gehen fast kpl. unter. Schade!
5 Antworten

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
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