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Saffron | Amber | Cardamom von Korres

Saffron | Amber | Cardamom 2009

Meggi
25.11.2015 - 14:34 Uhr
23
Top Rezension
7Duft 2.5Haltbarkeit 2.5Sillage 5Flakon

Stilles Schätzchen

Der Duft mit dem etwas technischen Namen begrüßt mich zunächst mit fein-zimtartiger Süße und aromatischem Safran. Der Hersteller beruft sich – wenn auch in der Formulierung winkeladvokatig - auf den Safran aus Kozani in Griechenland und bezeichnet jenen als den besten der Welt.

Außerdem schwärmt der Werbetext von des Safrans Geruch nach ‚metallischem Honig mit grasigen, heu-ähnlichen Noten‘. Drittens reklamiert Korres für sich den Einsatz natürlicher Zutaten. Das will ich jetzt mal glauben, denn das Aroma ist schon üppig und reich. Der Safran ist weniger staubig als warm. Vielleicht ist Cumin mit dabei, dann freilich weder allzu metallisch noch irgendwie schwitzig.

Es entsteht eine schwebende Duftigkeit, wie sie über frisch gebrühtem Tee liegt. Nicht vom genauen Geruch, sondern von der Art her. Unmittelbar auf der Haut nehme ich – nanu? - eine Art Kokosnote wahr, für die ich normalerweise immer Cashmeran im Verdacht habe. Das wäre ja was bei diesem Anbieter.

Nach eineinhalb Stunden erscheint karamelliger Amber. Da sind sie nun – sozusagen direkt auf die Haut geklebt: die Sahne-Muh-Muhs, die bei mir zustimmendes Nicken auslösen. Ich hatte von ChaiTee, der Spenderin des Pröbchens (vielen Dank!) nämlich den Hinweis bekommen, es gebe Ähnlichkeiten mit Ambra e Zafferano.

Ja, für einen Vergleich mit mit dem Tesori d'Oriente bestehen durchaus Ansatzpunkte. Glücklicherweise halten sich die Gemeinsamkeiten aber meines Erachtens in Grenzen. Die Schnittmenge ist – abgesehen von Trivialitäten bezüglich der Duftnoten - just jene Anwandlung von Kindheitserinnerungs-Kaubonbons, die jedoch beim vorliegenden Kandidaten die H-Sahne-Richtung allenfalls touchiert, während der Ambra e Zafferano sich lustvoll darin suhlt und mir damit den Spaß an ihm nimmt. Der Korres gefällt mir mithin besser. Er lebt von seinen mild-aromatisch-duftigen Gewürzen, die pikant-präsent, indes nie pieksig-penetrant sind. Schön.

Schade, dass die sogenannte Oud-Note – von allein hätte ich „dunkles Holz“ geschrieben - ab der fünften Stunde so extrem leise geraten ist. Charakterlich erinnert sie mich an das hier (IMHO zu Unrecht) weitgehend unbeachtete Oxford Street von Hugh Parsons: holzig, trüffelig-bitterschokoladig, dunkel, gediegen, zurückhaltend. Sehr ordentlich.

Aaaaaaber: Die Haltbarkeit. Ich war zwar vorgewarnt, doch da zum Beispiel die in dieser Hinsicht ebenfalls vielgeschmähten Goutals bei mir zumindest gelegentlich offenbar länger halten als bei anderen, hatte ich gewisse Hoffnungen. Sie wurden enttäuscht. Nach zwei Stunden ist und bleibt Saffron / Amber / Cardamom komplett auf der Haut.

Allerdings begleitet mich vom Nachmittag bis in den Abend hinein gemeinsam mit der Nennen-wir-es-Oud-Note noch eine Ahnung von milder Zeder. Ich behaupte, es ist „richtige“ und nicht die Als-ob-Variante aus Virginia, die eigentlich ein Wacholder ist. Jedenfalls riecht es nicht nach Bleistift. Ansonsten dunkelt der Duft kontinuierlich nach, sofern man angeriechts der minimalen Reste davon sprechen mag.

Ein Fazit zu ziehen, fällt schwer. Der Duft an sich hat eine ziemlich ordentliche Bewertung verdient, die zu geringe Präsenz erzwingt bloß leider Abzüge in der B-Note. Trotzdem eine Test-Empfehlung.
17 Antworten
OrmeliOrmeli vor 10 Jahren
Der Testempfehlung folge ich zu gegebener Zeit gerne, wobei mich die Sahne Muh Muhs etwas abschrecken. Mal sehen :-)
ChaiTeeChaiTee vor 10 Jahren
Ich hab ja noch einen Duft von Korres, der hält besser. Ist wirklich nur dieser, der sehr schwach haltbar ist.
PaloneraPalonera vor 10 Jahren
Das klingt alles sehr fein - und ich denke wie Siebter, daß das Problem der Haltbarkeit zum einen an den Temperaturen liegt, zum anderen aber auch an den natürlichen Zutaten, so vorhanden. Synthektik klebt halt besser...
SiebterSiebter vor 10 Jahren
Und die Performance ist eigentlich super. Probier den mal im Sommer, da kommt er richtig gut.
SiebterSiebter vor 10 Jahren
Mich erinnert das Oud an den Rauch von japanischen Jinkos, weniger an typische Parfumoudnoten – der wirkt wirklich leicht karamellisiert. Wobei ich dem Verweis auf Sahnebonbons etwas skeptisch gegenüber stehe, der ist doch würzig und herbstfarben.
PlutoPluto vor 10 Jahren
GsD mal keiner für die Merkliste :o), danke!
MarWicMarWic vor 10 Jahren
Dein Titel fasst es gut zusammen-so habe ich den auch empfunden.
GaukeleyaGaukeleya vor 10 Jahren
Aus irgendwelchen Gründen kommt keiner der Korres-Düfte über 70% bei mir. Sie sind alle "irgendwie schön", aber sind rasch vergessen. Aber ob das nur an ihrem generellen Haltbarkeitsproblem liegt..? *kopfkratz*
ChaiTeeChaiTee vor 10 Jahren
Bei mir hätte er auch die volle Punktzahl - wenn die Sache mit der Haltbarkeit nicht wäre. Ansonsten hast Du den Duft sehr schön und passend beschrieben. Kann man nicht toppen.
ErgoproxyErgoproxy vor 10 Jahren
Gerochen und sofort vergessen.
TivellonTivellon vor 10 Jahren
"Schwebend-duftiger Muh-Muh-Pokal" für dich. (O:
AstraeaAstraea vor 10 Jahren
Hab eigentlich den Eindruck, dass er recht "ok" bei mir hält. Ich sprühe allerdings auch in die Haare.Ansonsten unterschreib ich das so. Pokälchen :)
ErgreifendErgreifend vor 10 Jahren
Danke fürs kommentieren! Pokal :)
DobbsDobbs vor 10 Jahren
Ähnlich wie DOCBE wollte ich schon die Merkliste bemühen, aber bei derartigen Abzügen in der B-Note vergesse ich ihn lieber gleich.
IngerInger vor 10 Jahren
Einer meiner Korres-Lieblinge ...
DOCBEDOCBE vor 10 Jahren
Bis zum Abschnitt mit der Haltbarkeit war ich schon gedanklich bei Merkliste ... Schade. Ändert aber nichts daran: detailreicher Kommentar in gewohnt hoher Qualität.
DaveGahan101DaveGahan101 vor 10 Jahren
Sehe ich ganz ähnlich wie Du...ich finde den super lecker...aber Haltbarkeit/Sillage..quasi nicht vorhanden...super schade:-(