Hätte ich das Pröbchen nicht (vielen Dank dafür!) von der geschätzten Angelliese erhalten, die mich gewiss nicht verarschen will, und wäre die Flüssigkeit im Röhrchen nicht von tiefroter statt bräunlicher Farbe gewesen, ich hätte gedacht, mir schiebt jemand unter falscher Flagge Kalemat unter.
Am ersten Test-Tag war es für den Direkt-Vergleich bereits zu spät, weil das Sekundärduft-Handgelenk schon besetzt war, aber ein Parallel-Test war binnen Sekunden als dringlich beschlossen. Zu Recht, wie sich herausstellt: Die beiden Düfte sind sich außerordentlich ähnlich, um es ganz vorsichtig zu formulieren. Im Stil als kuschelige Süßerchen ohnehin, doch auch in konkreten Dufteindrücken. Ledrig-holzig aufgebrochene, gleichwohl intensive Süße, beim Kalemat eine Spur heller und ledriger, beim Raghba holziger, dennoch alles extrem dicht beieinander.
Der Kalemat erinnert durch seine rote Frucht an Grießbrei mit Himbeer-Sirup, Raghba eher an einen zuckrigen Vanille-Pudding, der erst im Laufe des Vormittags behutsam, allerdings konsequent zugesoßt wird. Die Intensität der Frucht-Note ist mithin bis gegen Mittag der wichtigste Unterschied. Da niemand derart töricht sein dürfte, Himbeere als (nach Wasser) Haupt-Zutat eines sogenannten Himbeer-Sirups zu vermuten, liegt eine Ähnlichkeit freilich trotzdem wohl auf der Hand.
Ab dem frühen Nachmittag kann ich die beiden folgerichtig kaum noch unterscheiden. Raghba klingt in der neunten Stunde in einer leicht angefruchteten Zucker-Vanille-Holz-Melange aus. Ähnlich zudem die nicht zu unterschätzende Sillage. Oud? Über die Raghba-Kommentare Nummer eins und zwei unten wundere ich mich, weil ich großartig Oud nicht erkennen kann. Wäre ein Fall für die Oud-Experten hier.
Fazit: Es ist geradezu bizarr, praktisch mit der Lupe nach Unterschieden zu fahnden. Jene Suche ist möglich, aber sinnlos. Denn die gefundenen Ergebnisse ändern nichts daran, dass die beiden vollkommene Stil- und weitgehende Duft-Zwillinge sind. Meine Meinung daher: Der Doppel-Kauf lohnt lediglich für Hardcore-Fans genau dieser Richtung. Bei anderen darf getrost der Preis entscheiden. Ich warte gespannt auf Gegenmeinungen. Ernsthaft! Das klingt jetzt auch alles boshafter, als es gemeint ist. Für Freunde solcher Kuschler ist Raghba ein toller Duft.
Als bekennender Gemüse- statt Obst-Fan, wäre der Duft nix für mich, aber ich hege größte Hochachtung für den Doppel-Arm-Test! Geht das wirklich? Nimm doch die (armflächernerweiterten) Gören zum nachschnuppern mit in die Firma...
Vanillepudding mit Himbeersoße - aufm Teller: immer gerne! Als Duft: weiche von mir Satan! Danke für die Zeilen, den muß ich nun echt nicht mehr haben. Weder den einen, noch den anderen.
Dieses pappsüsse Zeugs kleppt einem ja fast die Nase zusammen. Und es gibt inzwischen zig verschiedene Düfte aus dem Vorderen Orient, die sich alle ziemlich ähnlich sind. Oder kommen die vom Zuckerhut?
Du entwickelst Dich noch vom Nordling zum Nahöstling, bei Temperaturen wie diesen einen solchen Süßling zu testen, :-)! Für den Winter jedenfalls hast Du mir den Mund gewässert - ob für diesen oder jenen, ist erst einmal gleich.
Diese arabischen, gaaanz echten Ouds, kann ja sein. Wäre möglein, dass sie ihre Oud-Öle von bekannten Düften versetzen? Für Western mit Alk und preiswert. Mir kam sowas auch schon hier und da so vor.
Mein Reden. Freunde süßer Winterwürze bekommen für eine Handvoll Dollar ein richtig manierliches Schmankerli.
Vergleichsstudien-Pokal redlich verdient!
Irgendwie machen mir die - Verzeihung - Zuckerbomben ja beinahe Angst, und bislang mag ich Vanille nur im Kipferl. Dankenswerterweise gibt es Kommis wie den deinen; er ruft dazu auf, den eigenen Horizont zu prüfen! Kandis-Pokal
Vergleichsstudien-Pokal redlich verdient!