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Top Rezension
Die Essenz der Blume
Ma chère Joséphine,
ich schreibe Dir von dieser Insel, die nicht die meine ist, in einem fremdem Ozean, so weit entfernt von allem, das mir Lieb und Teuer ist. Der kaiserliche Hofstaat ist mir auch hier zu Diensten, aber er kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies hier ein Gefängnis ist, kein Kerker aus Stein, aber umgeben von Mauern aus Wasser.
So schreibe ich meine Erinnerungen nieder, auf dass die Nachwelt sich ein Bild von meinem Wirken machen mögen. Ich kehre immer wieder zurück zu zwei Punkten meines Lebens. Die Jugend auf Korsika, die Gerüche der Jahreszeiten, das trockene Heu des Herbstes, die würzigen Blumen und die Pfirsiche, das Moos zwischen den Händen. Hier gibt es nur immerwährendes Grün oder die kargen Hänge der Vulkane, keinen Wandel und somit auch keinen Neubeginn. Der andere Punkt bist Du, die einzige, die ich jemals geliebt habe.
So bitte ich Dich, sende mir Dein sous-vêtements, so dass ich Dich wenigstens noch einmal riechen kann, als wären sie noch warm von Deinem Körper, der süße Puder noch im feinen Gewebe, denn die Dirnen hier sind jung und gesund, aber sie haben keine Klasse.
Adieu, mon amie, porte-toi bien.
BP*
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Immortelle Corse stellt die Immortelle in all ihren Facetten in den Mittelpunkt: da sind zart florale Töne, stohig-trockenes, herbe Würze. Eine, durchaus zu Recht, gefürchtete Magginote schwing hier auch mit. Das ganze wird aber nie aufdringlich oder monothematisch, denn dazu ist die Immortelle zu ausgeglichen und wird zudem durch ein paar andere Noten unterstützt.
Da wären zunächst einmal Safran und Zitrone, die in Kombination etwas frisch-scharfes zur Immortelle addieren. Etwas später kommt die Aprikose. Diese ist fruchtig, aber nicht sonderlich süß. Ich denke nicht an eine saftige Aprikose direkt vom Baum. Mit den würzigen Noten der Immortelle hat das eher etwas von einem Chutney, wobei ich auch leicht an Harze denken muss. Langsam kommt das Eichenmoos stärker durch, trocken und frisch. Zeitweise habe ich etwas Ingwer in der Nase.
Zur Basis hin wird der Duft etwas süßer und pudriger. Das könnte vielleicht dem Eichenmoos geschuldet sein, ich würde allerdings eher auf etwas Moschus tippen (Pyramide hin, Pyramide her). Diese Pudrigkeit fällt mir allerdings nur auf, wenn ich mich auf den Duft konzentriere und auch eher aus der Nähe, im normalen Tragen und mit mehr Entfernung ist das kaum wahrzunehmen. Somit ein ausgesprochen angenehmer Frühlings- und Frühsommerduft, der mich, entgegen dem Eau de Glorie nicht nach Korsika entführt, sondern einfach nur ein gutes Parfum ist.
Danke an Spatzl für die Probe!
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*Zur historischen Einordnung:
Napoleon Bonaparte wurde auf Kosika geboren, machte Karriere im Militär, wurde Erster Konsul Frankreichs und später auch Kaiser der Franzosen. Er heiratete Josèphe Marie Rose de Beauharnais (möglicherweise sogar aus Liebe), lies sich später von ihr scheiden und starb in der Verbannung auf St. Helena im Südatlantik. Es ist außerdem gesichert, dass er Joséphine auch nach der Scheidung noch schrieb und mit BP für Bonaparte signierte. In den Schreiben ging es aber wohl mehr um die Höhe der Alimente. Zumindest dürfte der Ton ein etwas frostigerer gewesen sein, der letzte Brief Napoleons an Joséphine endet mit den Worten: „Lebe wohl, meine Freundin; schreib’ mir, daß es Dir wohl geht. Man sagt, Du würdest fett, wie eine dicke normännische Pächtersfrau.“
Zweifelhaft ist auch, dass Napoleon nach Immortelle, herb oder sonstwie im heutigen Sinne maskulin roch. Sein Cologne wurde zumindest im Bildungsfernsehen der ARD (Sendung mit der Maus) als frisch, lieblich und sehr blumig beschrieben.
ich schreibe Dir von dieser Insel, die nicht die meine ist, in einem fremdem Ozean, so weit entfernt von allem, das mir Lieb und Teuer ist. Der kaiserliche Hofstaat ist mir auch hier zu Diensten, aber er kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies hier ein Gefängnis ist, kein Kerker aus Stein, aber umgeben von Mauern aus Wasser.
So schreibe ich meine Erinnerungen nieder, auf dass die Nachwelt sich ein Bild von meinem Wirken machen mögen. Ich kehre immer wieder zurück zu zwei Punkten meines Lebens. Die Jugend auf Korsika, die Gerüche der Jahreszeiten, das trockene Heu des Herbstes, die würzigen Blumen und die Pfirsiche, das Moos zwischen den Händen. Hier gibt es nur immerwährendes Grün oder die kargen Hänge der Vulkane, keinen Wandel und somit auch keinen Neubeginn. Der andere Punkt bist Du, die einzige, die ich jemals geliebt habe.
So bitte ich Dich, sende mir Dein sous-vêtements, so dass ich Dich wenigstens noch einmal riechen kann, als wären sie noch warm von Deinem Körper, der süße Puder noch im feinen Gewebe, denn die Dirnen hier sind jung und gesund, aber sie haben keine Klasse.
Adieu, mon amie, porte-toi bien.
BP*
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Immortelle Corse stellt die Immortelle in all ihren Facetten in den Mittelpunkt: da sind zart florale Töne, stohig-trockenes, herbe Würze. Eine, durchaus zu Recht, gefürchtete Magginote schwing hier auch mit. Das ganze wird aber nie aufdringlich oder monothematisch, denn dazu ist die Immortelle zu ausgeglichen und wird zudem durch ein paar andere Noten unterstützt.
Da wären zunächst einmal Safran und Zitrone, die in Kombination etwas frisch-scharfes zur Immortelle addieren. Etwas später kommt die Aprikose. Diese ist fruchtig, aber nicht sonderlich süß. Ich denke nicht an eine saftige Aprikose direkt vom Baum. Mit den würzigen Noten der Immortelle hat das eher etwas von einem Chutney, wobei ich auch leicht an Harze denken muss. Langsam kommt das Eichenmoos stärker durch, trocken und frisch. Zeitweise habe ich etwas Ingwer in der Nase.
Zur Basis hin wird der Duft etwas süßer und pudriger. Das könnte vielleicht dem Eichenmoos geschuldet sein, ich würde allerdings eher auf etwas Moschus tippen (Pyramide hin, Pyramide her). Diese Pudrigkeit fällt mir allerdings nur auf, wenn ich mich auf den Duft konzentriere und auch eher aus der Nähe, im normalen Tragen und mit mehr Entfernung ist das kaum wahrzunehmen. Somit ein ausgesprochen angenehmer Frühlings- und Frühsommerduft, der mich, entgegen dem Eau de Glorie nicht nach Korsika entführt, sondern einfach nur ein gutes Parfum ist.
Danke an Spatzl für die Probe!
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*Zur historischen Einordnung:
Napoleon Bonaparte wurde auf Kosika geboren, machte Karriere im Militär, wurde Erster Konsul Frankreichs und später auch Kaiser der Franzosen. Er heiratete Josèphe Marie Rose de Beauharnais (möglicherweise sogar aus Liebe), lies sich später von ihr scheiden und starb in der Verbannung auf St. Helena im Südatlantik. Es ist außerdem gesichert, dass er Joséphine auch nach der Scheidung noch schrieb und mit BP für Bonaparte signierte. In den Schreiben ging es aber wohl mehr um die Höhe der Alimente. Zumindest dürfte der Ton ein etwas frostigerer gewesen sein, der letzte Brief Napoleons an Joséphine endet mit den Worten: „Lebe wohl, meine Freundin; schreib’ mir, daß es Dir wohl geht. Man sagt, Du würdest fett, wie eine dicke normännische Pächtersfrau.“
Zweifelhaft ist auch, dass Napoleon nach Immortelle, herb oder sonstwie im heutigen Sinne maskulin roch. Sein Cologne wurde zumindest im Bildungsfernsehen der ARD (Sendung mit der Maus) als frisch, lieblich und sehr blumig beschrieben.
38 Antworten
*Zur historischen Einordnung : Joséphine.Aus die Maus. 😅
Überliefert ist folgende Zeile an die liebe Josephine: „Hör auf dich zu waschen, ich komme nach Hause“
Da war nix mit frisch und blumig!!
Dein Ausflug in die Geschichte ist auf jeden Fall sehr lesenswert.
Das Buch lasse ich aus, Sachbücher lese ich nicht so gerne, das fühlt sich immer ein bisschen wie Arbeit an.