„Hupfdohle“ - ein reichlich boshafter Ausdruck, zumal die damit abschätzig Versehenen oft genug deutlich mehr (zumindest selten weniger!) „können“ als der Star, den sie begleiten. Die Comedian Harmonists haben all jenen mit „Du armes Girl vom Chor“ ein klingendes Denkmal gesetzt, das ich online leider nur in einer seltsam halligen, offenbar unglücklich nachbearbeiteten Version gefunden habe (youtube.com/watch?v=NqOPgta_bNk). Es gibt eine womöglich noch schönere, nämlich melancholischer und inniger gestaltete Fassung von den King’s Singers auf ihrer Platte „A Tribute to the Comedian Harmonists“ (youtube.com/watch?v=tJdHiCfgzk0), ein Fest für Freunde des - bzw. der! - legendären Ensembles.
Wie eine Hupfdohle muss sich im vorliegenden Duft das Patchouli fühlen. Bereits der Auftakt ist sehr rosig. Das Patchouli erdet bloß ein bisschen und darf der Königin der Blumen ansonsten die Stacheln polieren. Und obwohl die Angaben Nr. 2 und 3 der Kopfnote eine formelle Verstärkung bieten könnten, weil sie schlichtweg weitere, durchaus erspürbare Aspekte von Patchouli benennen, bleibt es bei einer Nebenrolle. Eine Leder-Anmutung – abermals aus der Patchouli-Ecke, versteht sich – erscheint innerhalb von ein paar Minuten. Ihm hilft ein ölig-teeriger Rosen-Dreh von der Art, die auch in anderen Düften eine Nähe zu Leder entfaltet. Der Star stellt die Tänzerinnen vor? Wieder nix mit der ersten Reihe.
Alsbald lassen sich pflichtschuldigst „Früchte“ diagnostizieren, jedenfalls zeigt sich eine milde, obstige Gemengelage. Ich kann zunächst rote Beeren und Aprikose hinein-phantasieren. Etwas später denke ich über Banane nach, dann Sternfrucht. Neukaledonische Fell-Flabutten und Hudsonbay-Knickapfel ließen sich erwähnen. Soll heißen: Besagte Gemengelage liefert nicht den Eindruck eines diffusen Allgemein-Frucht-Mischmaschs, sondern ich bilde mir eine Vielzahl pittoresker, kleiner Tupfer einzelner Aromen-Nuancen ein. Vornean steht allerdings eine dunkle, üppige, weiterhin fast teerige Rose. Das Patcholi reicht ihr servil einen hellen Leder-Handschuh.
Der Fortgang ist – wenig überraschend – klar floral dominiert. Die Rose ist sanfter geworden. Iris ist eher Belüftung denn eigenständige Komponente. Wesentlich dringlicher ist ein Gedanke an Jasmin, angeblich ohnehin gängige Beigabe für Rosendüfte klassischeren Zuschnitts.
Tja, ich lande unweigerlich stets bei der Rose. Das Patchouli hat es mit Holz, Leder, Meinetwegen-Kakao und endlich gar Ansatz-Erdigem versucht. Und doch starrt (und riecht) das Publikum nur auf die Hauptdarstellerin.
Manche Stunde später, es ist stiller geworden, betritt das Girl vom Chor noch einmal die Bühne - allein. Die ersten Schritte sind zögernd, spielerisch, schließlich werden sie mutiger: Ein elegantes, weiches Leder. Sacht behaucht von einer floralen Erinnerung, so wie die Aura einer gefeierten Diva noch lange nach dem Fallen des letzten Vorhangs im Saal zu spüren ist.
Ich muss meinen Beitrag weiter unten revidieren. Für mich ein sehr gelungener Patchduft für Anfänger und für mich, weil ich auf Rosen steh. Moonlight duftet für mich erfrischend klar und hell mit aufgewühlter Erde im Mondlicht
Den Begriff Hupfdohle kenne ich auch. Ich verbinde damit ein junges Mädchen mit jugendlicher Unruhe und auf der Suche, nicht unbedingt negativ, aber für Erwachsene doch etwas anstrengend. Den Duft mag ich sehr, so sehr, dass ich immer wieder in Erwägung ziehe,ihn zu kaufen, es dann aber doch nie tat. Bei mir übrigens eindeutig ein Lederduft (aber ich habe ja mein Ich-rieche-Rose-oft-nicht-als-Rose-Problem.
Den habe ich in meiner kleinen Patchouli-Testreihe auch ausprobiert und war enttäuscht, was das Thema angeht. Hat dann, enttäuscht wie ich war, nur zu einem Statement gereicht, ohne eine wirkliche Aussage zum Duft zu machen...
Da hast Du ja wieder mit herrlichen Wortungetümen um Dich geworfen. „Neukaledonische Fell-Flabutte“ und „Hudsonbay-Knickapfel“..., ich lieg flach :-D
Ansonsten eingehend beschrieben: Es riecht vorwiegend nach Rose ;-)
Über den Ausdruck "Hupfdohle" habe ich oft gelacht, verwende ihn auch immer gern mal. Es darf auch mal boshaft zugehen... Den Duft mag ich sehr gern in seiner leisen Präsenz. Da hat mich nichts gestört. An deinem Kommentar stört mich erst recht nichts :-)
Ansonsten eingehend beschrieben: Es riecht vorwiegend nach Rose ;-)