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Mikaylas Blog
vor 1 Jahr - 25.03.2023
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Das Geheimnis der Parfumherstellung — ein Blick hinter die Kulissen

Das Geheimnis der Parfumherstellung — ein Blick hinter die Kulissen

Jedes Parfum birgt eine einzigartige Geschichte, die sich von der Ideenfindung über die Herstellung bis hin zur Verpackung erstreckt. Doch wie entstehen die betörenden Düfte, die so viele Menschen tagtäglich faszinieren? Die Herstellung eines Parfums ist eine komplexe und präzise Kunst, die viel Know-how, Geduld und Detailgenauigkeit erfordert.


Die Bedeutung von natürlichen und synthetischen Duftstoffen

Parfums setzen sich aus einer breiten Palette von Duftstoffen zusammen, die entweder aus natürlichen oder synthetischen Quellen stammen können. Ein Beispiel für einen pflanzlichen Duftstoff ist das ätherische Öl der Damaszener Rose, das aus den Blütenblättern extrahiert wird und einen zarten, blumigen Charakter aufweist.

Ein weiterer natürlicher Duftstoff ist der animalische Moschus, der früher aus den Brunftdrüsen des Moschustieres gewonnen wurde. Die Gewinnung von Tiersekreten war einst eine weitverbreitete Praxis, die jedoch zu einer erheblichen Bedrohung einiger Tierarten führte. Als Reaktion darauf wurden Schutzmaßnahmen ergriffen und der Handel mit Tiersekreten eingeschränkt. Obwohl noch einige teure Luxusprodukte tierische Duftstoffe beinhalten, bevorzugen heutzutage viele Parfümhersteller pflanzliche oder synthetische Alternativen.

Das Sibirische Moschustier gilt aufgrund starker Wilderei als gefährdet
Das Sibirische Moschustier gilt aufgrund starker Wilderei als gefährdet


Synthetische Duftstoffe haben den Parfumeuren im vergangenen Jahrhundert eine gänzlich neue Welt eröffnet. Diese Duftstoffe werden gezielt im Labor hergestellt, um die gewünschten Duftnoten zu erzeugen. Im Vergleich zu natürlichen Duftstoffen haben sie den Vorteil, dass sie kostengünstiger und in großen Mengen das ganze Jahr über hergestellt werden können. Ein bekanntes Beispiel ist ISO-E-Super, eine chemische Verbindung, die erstmals in den 1970er-Jahren entwickelt wurde. Mit seinem holzigen, samtigen und etwas würzigen Duft ist ISO-E-Super in der Parfumherstellung ein beliebtes Fixativ und wird oft verwendet, um die Haltbarkeit und Intensität des Duftes zu erhöhen.

Doch trotz ihrer zahlreichen Vorteile sind synthetische Duftstoffe oft schwer biologisch abbaubar und können sich mit der Zeit in der Umwelt sowie in Körpern von Menschen und Tieren anreichern. Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzen immer mehr Unternehmen auf die Forschung und Entwicklung, um biologisch abbaubare synthetische Duftstoffe mithilfe von Biotechnologie und synthetischer Biologie herzustellen.


Traditionelle Verfahren der Duftherstellung

Die Anfänge der Duftgewinnung reichen bis in die Antike zurück, als Düfte aus natürlichen Substanzen wie Blumen und Kräutern hergestellt wurden. Damals wurden die entsprechenden Pflanzenteile in Öl oder Fett eingelegt oder in heißem Fett ausgekocht, um die duftenden ätherischen Öle zu extrahieren. Nach einigen Tagen waren die Öle in den jeweiligen Trägerstoff übergegangen, und dieses Fett oder Öl konnte als Duftpomade verwendet werden.

Ätherische Öle sind sowohl fett- als auch alkohollöslich und verflüchtigen sich schnell. Diese Eigenschaften konnten auch in späteren Verfahren zur Extraktion der Duftstoffe genutzt werden. Bis heute werden bei der Herstellung von Parfums mit natürlichen Duftstoffen hauptsächlich fünf Verfahren angewendet:

1. Destillation

Die Destillation durch Wasserdampf ist eine der ältesten Methoden zur Gewinnung von ätherischen Ölen. Dabei wird Dampf durch pflanzliches Material geleitet, um die Öle freizusetzen. Der Dampf wird anschließend abgekühlt, um das Wasser von den ätherischen Ölen zu trennen. Die Extraktionsmethode wurde im Laufe der Zeit kontinuierlich verbessert und wird heute immer noch für eine beträchtliche Anzahl von Hölzern und Kräutern angewendet. Durch diese Methode können äußerst reine und klare ätherische Öle, auch „huiles essentielles“ genannt, gewonnen werden.

Rosenöl wird durch Wasserdampfdestillation aus Rosenblüten gewonnen
Rosenöl wird durch Wasserdampfdestillation aus Rosenblüten gewonnen


2. Enfleurage á froid

Die Enfleurage ist eine schonende Methode, um ätherische Öle aus empfindlichen Blüten wie Jasmin, Tuberose oder Rosen zu gewinnen. Dazu wird eine Masse aus tierischem Fett (traditionell Schweinefett, heute auch häufig Kokosöl) auf eine Glasplatte aufgetragen und die Blüten darauf ausgebreitet. Dieser Prozess wird mehrere Tage oder Wochen lang fortgesetzt, wobei die Blüten regelmäßig ausgetauscht werden, um möglichst viel Duftstoff zu extrahieren. Wenn das Fett gesättigt ist, wird es abgeschabt und in Alkohol gelöst. Durch das Verdampfen des Alkohols bleibt das reine ätherische Öl zurück. Aufgrund ihres hohen Aufwands und der damit verbundenen Kosten wird die Enfleurage heutzutage selten angewendet. In der französischen Stadt Grasse wird das Verfahren allerdings noch immer genutzt, um Duftstoffe aus Jasmin und Tuberose zu gewinnen.

Enfleurage von Jasminblüten in der Nahaufnahme
Enfleurage von Jasminblüten in der Nahaufnahme

3. Expression

Zur schonenden Gewinnung von Zitrusölen kommt hauptsächlich die Expression zum Einsatz, da diese Öle bei der Destillation durch die Hitze verändert oder sogar zerstört werden könnten. Hierbei werden die Schalen von jeglichem Fruchtfleisch und der weißen Innenhaut befreit und entweder frisch oder selten auch getrocknet gepresst. Durch den Pressvorgang brechen die Zellwände auf und geben das kostbare Öl frei.

4. Extraktion

Die derzeit am weitesten verbreitete Methode zur Gewinnung von pflanzlichen Duftstoffen ist die Extraktion. Sie kann auf mehrere Arten erfolgen: Eine Möglichkeit besteht darin, chemische Lösungsmittel zu verwenden, um die wertvollen Duftstoffe zu lösen. Eine alternative Methode ist die Extraktion mit Kohlendioxid, die zwar kostspieliger ist, aber als schonender und umweltfreundlicher gilt. Immer mehr Hersteller greifen daher auf die Kohlendioxid-Extraktion zurück, anstatt auf die konventionelle Methode mit chemischen Lösungsmitteln zu setzen.

5. Mazeration

Neben der "enfleurage à froid" existiert die "enfleurage à chaud", die auch unter dem Namen Mazeration bekannt ist. Hierbei wird gereinigtes Tierfett, meist aus Schweine- oder Rinderschmalz, auf Temperaturen zwischen 50 und 70 Grad Celsius erhitzt, um die Blüten- oder Pflanzenteile für mehrere Stunden in das heiße Fett einzulegen. Nachdem die alten Blüten entfernt wurden, werden neue hinzugefügt und der Vorgang wird wiederholt. Abschließend werden die Duftstoffe mit Alkohol aus dem Fett extrahiert und das Extrakt gefiltert, um hochreine Duftstoffe zu erhalten. Obwohl die Mazeration in der Vergangenheit populär war, findet sie in heutigen Parfumfabriken kaum noch Verwendung.

Hausgemachte Kosmetik mit infundiertem Lavendel-Öl durch den Mazerationsprozess
Hausgemachte Kosmetik mit infundiertem Lavendel-Öl durch den Mazerationsprozess




Die Bedeutung der Duftpyramide

Parfümeure setzen verschiedene Komponenten ein, um die Wirkung des Duftes schrittweise zu entfalten und eine harmonische Gesamtwirkung zu erzeugen. Durch den Einsatz von Duftstoffen mit unterschiedlicher Haltbarkeit entsteht eine stufenweise Wahrnehmbarkeit, die durch die drei Phasen der Duftpyramide verdeutlicht wird.

Die Spitze der Pyramide bildet die Kopfnote, die aus leicht flüchtigen Duftstoffen besteht und den ersten Eindruck des Duftes vermittelt. Sie wird sofort nach dem Auftragen wahrgenommen und hält etwa 5 bis 10 Minuten an. Typische Kopfnoten sind erfrischend oder zitrisch und umfassen Ingredienzen wie Bergamotte, Zitrone, Lavendel oder Minze.

Die Herznote ist der Hauptteil der Komposition und wird etwa 10 Minuten nach dem Auftragen mit dem Abklingen der Kopfnote wahrgenommen. Sie besteht aus schwereren Duftstoffen, die langsamer verdunsten und somit länger wahrnehmbar sind. Die Herznote definiert den Charakter des Duftes und kann blumig, holzig, würzig oder orientalisch sein. Typische Herznoten sind Jasmin, Rose und Patchouli.

Nach der Herznote entfaltet sich die Basisnote – die unterste Stufe der Pyramide. Ihr Duft verbleibt am längsten auf der Haut und bildet die Grundlage des Parfums. Die Basisnote ist oft schwerer und sinnlicher als die Kopf- und Herznote und umfasst Ingredienzen wie holzige Noten (z.B. Zeder oder Sandelholz) oder animalische Noten (z.B. Moschus oder Ambra).

Sandelholz - eine beliebte Basisnote in Parfums
Sandelholz - eine beliebte Basisnote in Parfums




Ein Einblick in den komplexen Herstellungsprozess

Wie wird aus einer Idee nun ein marktfähiges Parfum? Die Kreation eines Parfums ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte umfasst:

1. Konzeptentwicklung: Zunächst muss das Konzept des neuen Duftes definiert werden, einschließlich des Zielmarktes, der Duftnoten, der Art des Flakons und Verpackung sowie der Preisgestaltung

2. Duftstoffauswahl: Der nächste Schritt ist die Auswahl der Duftstoffe. Hierbei werden sowohl natürliche als auch synthetische Duftstoffe berücksichtigt, um den gewünschten Duft zu kreieren. Heutzutage existieren mehr als 3.000 verschiedene Rohstoffe, die unendlich viele Kombinationen ermöglichen. Die Rohstoffe werden sorgfältig ausgewählt und müssen in der richtigen Kombination verwendet werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen

3. Vermischung: Nach der Auswahl der Rohstoffe beginnt die Formulierung des Parfums. Dabei werden präzise Mengen der einzelnen Zutaten berechnet und die verschiedenen Duftnoten harmonisch miteinander kombiniert, um den gewünschten Duft zu kreieren. Die Reihenfolge, in der die Noten in die Flasche gegeben werden, ist hier von Bedeutung: Die Basisnote wird zuerst hinzugefügt, gefolgt von der Herz- und schließlich der Kopfnote.

4. Reifezeit: Nach der Vermischung muss das Parfum eine bestimmte Zeit reifen, damit sich die Duftstoffe miteinander verbinden und sich der Duft vollständig entwickeln kann. Diese Reifezeit kann von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten dauern

5. Alkoholabfüllung: Sobald das Konzentrat vollständig gereift ist, wird es mit Alkohol verdünnt, um die gewünschte Intensität zu erreichen. Die Art der Alkoholbeimischung bestimmt, ob die Flüssigkeit als Parfumextrakt, Eau de Perfume, Eau de Toilette oder Eau de Cologne klassifiziert wird. Die höchste Kategorie ist das Parfumextrakt, das einen Duftölanteil von 15 bis 40 % aufweist. Die nächste Kategorie ist das Eau de Parfum mit 10 bis 18 % Essenzen, gefolgt vom Eau de Toilette mit 4 bis 8 % Essenzen. Das Eau de Cologne weist mit 2 bis 5 % die geringste Konzentration auf und besitzt damit den höchsten Alkoholanteil. 

Anschließend muss die alkoholische Mischung für einen Zeitraum von 1 bis 4 Wochen in einem dunklen und kühlen Bereich ruhen.

6. Zusatzstoffe: In dieser Produktionsphase können gezielt Zusatzstoffe eingesetzt werden, um den Duft in bestimmten Eigenschaften zu verbessern oder zu verändern. So können UV-Filter wie Ethylhexyl oder Methoxycinnamate verwendet werden, um das Parfum UV-resistenter zu machen und vor Schäden durch Sonneneinstrahlung zu schützen. Auch Konservierungsstoffe wie Methylparaben und Ethylparaben dienen dazu, die Haltbarkeit des Parfums zu verlängern und seine Oxidation zu reduzieren.

7. Glasur: Anschließend wird das Ergebnis auf 0 °C abgekühlt, um Verunreinigungen im Parfüm auszufällen und die Qualität zu verbessern

8. Filtration: In diesem Schritt wird das Parfum mithilfe von verschiedenen Filtertechnologien wie der Mikrofiltration von Rückständen gereinigt, die im vorherigen Schritt ausgeschieden wurden. Dadurch entsteht ein flüssiges und transparentes Parfum

9. Abfüllung: Das fertige Parfum wird nun in Flaschen oder andere Behältnisse abgefüllt und verschlossen. Hierbei können spezielle Abfüllanlagen zum Einsatz kommen, um eine hohe Produktionsrate zu erreichen.

Industrielle Abfüllung von Parfum
Industrielle Abfüllung von Parfum


Qualitätskontrollen: Jeder Schritt, angefangen von der Auswahl und Beschaffung der Rohstoffe bis hin zur Abfüllung und Verpackung des fertigen Parfums, wird sorgfältig überwacht und geprüft, um sicherzustellen, dass die Qualität des Parfums den Standards entspricht. Hierbei werden verschiedene Tests durchgeführt, um etwa den Geruch, die Haltbarkeit und die Stabilität des Parfums zu überprüfen.

Während große Unternehmen bei der Herstellung auf modernste Technologien und Analyseverfahren setzen, legen kleinere unabhängige Labels häufig mehr Wert auf die Verwendung natürlicher Inhaltsstoffe sowie auf handwerkliche Herstellungsverfahren. Dies führt zu einer größeren Vielfalt an Düften und Herangehensweisen in der Parfumindustrie.


Die Duftindustrie im Wandel: zukünftige Trends und Entwicklungen

Die Kunst der Parfumherstellung geht Hand in Hand mit Innovationen und dem ständigen Bemühen, neue Trends zu setzen, um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden. So hat die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten die Parfumindustrie dazu veranlasst, den Fokus verstärkt auf natürliche und nachhaltige Inhaltsstoffe zu legen und den Einsatz von schwer abbaubaren, synthetischen Duftstoffen zu reduzieren.

Die Digitalisierung stellt einen bedeutenden und stetig wachsenden Meilenstein in der Parfumindustrie dar. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Parfumindustrie eine regelrechte Duft-Revolution erlebt, die durch die Fortschritte in der Technologie möglich gemacht wurde. Analysetechniken wie die Gaschromatografie und Massenspektrometrie werden heutzutage genutzt, um die chemische Zusammensetzung von Duftstoffen zu bestimmen und die Qualität des Parfums zu verbessern. Ein weiteres Beispiel sind Computersimulationen, die das Verhalten verschiedener Moleküle in einer Duftmischung vorhersagen können und so die Effizienz bei der Herstellung neuer Düfte steigern.

Doch auch künstliche Intelligenzen werden zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. KI-Systeme können unendlich viele Daten aus der Verbraucherforschung und der Chemie analysieren, um die ideale Duftzusammensetzung für spezifische Zielgruppen zu identifizieren. Diese innovativen Ansätze bieten die Möglichkeit, immer anspruchsvollere und individuellere Düfte zu kreieren, die den Bedürfnissen und Vorlieben der Kunden entsprechen. Somit wird die Parfumindustrie auch in Zukunft ein faszinierendes und fesselndes Gebiet sein, das sich stetig weiterentwickelt.

Bildernachweise: pixbay.com, istockphotos (Radka Danailova, S847, Wirestock, triocean, Madeleine_Steinbach, gilas)

Aktualisiert am 28.03.2023 - 14:19 Uhr
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