Schrippe
Schrippes Blog
vor 2 Jahren - 25.02.2023
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Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Danke Eduard!

Aus gegebenem Anlass: liebe Parfumos, vielleicht sollte man mit der Herausgabe seiner persönlichen Informationen vorsichtig sein.

Da liegt sie nun, im feinen Sand der Dominikanischen Republik. Eine Liege mit Sonnenschirm hat sie bereits früh um vier Uhr okkupiert. Liegen ihre Handtücher, Reiseberichte und triviale Frauenliteratur drauf….sie muss sich vorbereiten, braucht sie demnächst. 
Diese Reise hatte sie schließlich auch lange in der Pipeline.
Sie wartet sehnsüchtig auf ihr gesellschaftliches Highlight des Tages, die Strandläufer…so nennt sie sie, Strandläufer.
Männer und Frauen, die Obst, Wasser, frisch aufgeschlagene Kokosnüsse oder Billigkopien hochwertiger Uhren für Damen und Herren anbieten.
Looki-looki, dabei lüftet der nicht sehr hoch gewachsene Mann seine Weste und präsentiert allerlei Blingbling.
Sie ist nicht übermäßig groß, deshalb kann sie blendfrei in sein schönstes Zahnpastalächeln schauen. Alles mit Kalkül, sie kauft ihm jeden Tag eine Kleinigkeit ab, nicht ohne mit ihm zu flirten oder das, was sie dafür hält. Seine Neugier ist geweckt. Man muss sich Aufmerksamkeit warm halten. Sie ist ein Fuchs.
Nach einigen Tagen der Bekanntmachung bittet sie ihn, ihr beim Auftragen der Sonnenpflege behilflich zu sein. Als eher hellhäutig falsche Blondine muss sie sehr vorsichtig mit UV-Strahlung umgehen. Kokos liegt in der Luft, dazu Tropfen von Schweiß. Ananassaft  mit Eiswürfeln lässt sie sich von einer mit herablassender Geste herangewunkenen Servicekraft an den kleinen Strandtisch bringen.
Am clubeigenen Strand, drei mal drei Reihen Liegen mit Fransenschirmen, hält sie Ausschau. Ausschau nach Männern. Die meisten sind jedoch in Begleitung.
Im letzten Drittel des Lebens ist es nicht leicht, einen potenziellen Gefährten von sich zu überzeugen…
In der Nähe des am Strand aufgebauten Buffets hat sie schon einen Herrn ausgespäht. Allein reisender Herr, dem sie beim gestrigen abendlichen Karaokesingen schon auf den goldbekronten Zahn fühlen konnte. Verwitwet, sucht Anschluss. Angel ausgeworfen, Kescher drunter und schwupp, hat sie ihn im Sack.
Er gesellt sich gerne zu ihr, nimmt Anteil an ihren Geschichten, lauscht ihren Erzählungen und rhetorisch nicht ganz unbewaffnet, streut er hier und da eine Frage ein, die sie als Interesse an ihrer Person deutet. Zwischendurch muss er immer mal wieder in seinen Bungalow, so als mittelständischer Unternehmer hat er ziemlich viel zu  tun, um seine große Firma mit vielen Angestellten am Laufen zu halten. Insbesondere er sich jetzt, als kinderloser Witwer, um alles alleine kümmern muss. Er muss telefonieren. Schwierig mit der Zeitverschiebung. Er bietet ihr Gefälligkeiten an, ohne ordinär oder gar billig zu wirken.
Selbstverständlich bringt er sie nach dem Bridgeabend nonchalance wieder an ihre Bungalowtür. Von da an verbrachten sie beide, dezent parfümiert, die allabendliche Happy Hour zusammen an der Strandbar. Auch wenn sie wusste, das so mancher Cocktail zu viel sein würde.
Dazu gepflegte Konversation über hochpreisige Nischendüfte, den Kaufpreis erwähnt sie beiläufig…..man gönnt sich ja sonst nichts und hat etliche davon  zuhause stehen. Ob sie denn in Deutschland auch so wohnen würde, wie die Verhältnisse seien und viele Banalitäten mehr.
Schließlich wolle man ja im Urlaub nicht weniger komfortabel wohnen als zuhause, bekundet sie mit gellender Lache. So nebenbei. Sie fühlt sich gewertschätzt.
Es kommt, wie es kommen musste. Das Ende des Urlaubs naht schneller als gedacht und der distinguierte Verehrer verabscheidet sich einige Tage später und reist ab. Seine Kontaktdaten in Form einer Visitenkarte aus handgeschöpftem Papier, oldschool, hat sie sicher in ihrer Designertasche verstaut.
Mal schauen, was da noch geht. Sie genießt die letzten Tage. Statt erholt, sieht sie gestresst aus. Ab nach hause, an den eigenen PC und die Erlebnisse aufgeschrieben.

Zuhause angekommen, an der Wohnungstür hängt ein amtlich wirkendes Schriftstück. Sie möge sich bitte auf dem fußläufig zu erreichenden Polizeiabschnitt melden. Dort bekäme sie dann auch die Schlüssel zu dem neu in ihre Wohnungstür eingesetzten Schließzylinder ausgehändigt. Eine Vorgangsnummer und das war‘s.
In ihre Wohnung war eingebrochen worden. Eine Mieterin des anonymen Wohnblocks mit den winzigen Appartements hat es vor einigen Tagen zufällig bemerkt und die Polizei verständigt. 
Sie möge bitte zeitnah eine Liste mit den nun fehlenden, entwendeten Dingen erstellen.
Der ermittelnde Beamte meinte, hier wurde gezielt nur nach Wertgegenständen gesucht.
Im Badezimmer das Schränkchen komplett auf den Boden entleert; hunderte kleiner Phiolen mit handschriftlich gefertigten Etiketten wurden gegen den Spiegel über dem Waschbecken geschmissen. Die Wohnung völlig verwüstet, wie Kripobeamte es aus Erfahrung nur kennen, wenn Täter mit völlig falschen Erwartungen in ein Objekt eindringen und nichts entsprechend ihrer Vorstellung vorfinden. In der Ecke lag ein Haufen Fäkalien.
Wer auch immer das war….

Aktualisiert am 26.02.2023 - 01:15 Uhr
26 Antworten
AxiomaticAxiomatic vor 1 Jahr
1
Irgendwie sollte es verfilmt werde.
Was für eine Wendung!
PoesiefannyPoesiefanny vor 2 Jahren
1
... und dann zog sie sobald wie möglich ins Mehrgenerationenwohnen. Da war immer jemand und sah nach dem Rechten, wenn sie mal wieder Lust hatte, zu Flirtzwcken in tropische Paradiese abzutauchen ;-)
JoHannesJoHannes vor 2 Jahren
Du hast komische Freunde… tztztz.
BloodxclatBloodxclat vor 2 Jahren
1
Sensationell geschrieben, an ein solchea Ende hätte ich nie gedacht. Aber auch; schöner scheiss.
Alfa156Alfa156 vor 2 Jahren
1
Der kann gerne auch bei mir einbrechen...mein Hundi ( Stafford Bulli ) wird ihn gebührend empfangen. Danach wird er wohl 10 Octaven höher kichern weil er dann wahrscheinlich keine Testikel mehr hat 😀
TriblerinTriblerin vor 2 Jahren
2
Sehr lehrreiche Geschichte vom Vertrauen zu fremden Menschen. Gott sei Dank haben die Düfte hoffentlich dazu beigetragen, dass das Badezimmer nicht ganz zu sehr gestunken hat🙈🙊🙉
MarthMarth vor 2 Jahren
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Sehr schön und ehrlich geschrieben! Es gibt einfach zu viele Arschlöcher auf der Welt. Tut mir echt leid für dich!
SchalkerinSchalkerin vor 2 Jahren
2
Tja, meine Adresse hätte ich ja für mich behalten.
FrauKirscheFrauKirsche vor 2 Jahren
2
... es übernimmt meine Tochter Sabine:))
Medusa00Medusa00 vor 2 Jahren
3
Oha!" Wer angibt hat mehr vom Leben." Trifft hier wohl eher nicht zu. Das war wohl nüscht mit den teuren Nischendüften... Nur Abfüllungen, ggg. Drauf geschissen, dachte sich der Einbrecher.
FrauKirscheFrauKirsche vor 2 Jahren
😁... du bist echt die Beste
SchrippeSchrippe vor 2 Jahren
Ich wünschte, ich könnte Dir für diese Antwort einen Pokal abstellen. Kurz und knackig auf den Punkt gebracht, dafür könnte ich Dich feiern.
RubberduckRubberduck vor 2 Jahren
2
Spannend geschriebene Lehrstunde,Danke
PonticusPonticus vor 2 Jahren
2
Eine packende, tolle Kriminalgeschichte mit noch offenem Ende! Macht die Erzählung noch spannender! Klasse!
AlliageAlliage vor 2 Jahren
3
"Augen auf beim 'Sich selbst'-Verkauf" 😉 ... toll und spannend geschrieben👍
PorcelainPorcelain vor 2 Jahren
2
Das ist ja fast wie bei https://www.1001geschichte.de
PorcelainPorcelain vor 2 Jahren
2
bei manchen dauert es vielleicht einfach länger...
VerbenaVerbena vor 2 Jahren
2
Mei Porcelain, Du sagst es. Ich habe so eine Kollegin, die aber weiß Gott nicht schlauer draus geworden ist… 😵‍💫
GoldbärchenGoldbärchen vor 2 Jahren
3
den Duftmix im Badezimmer möchte ich mir garnicht vorstellen 😂
ivkoivko vor 2 Jahren
3
Poah, nochmal ganz knapp an AktenzeichenXY vorbeigeschrammt... ;D
GreenGorillaGreenGorilla vor 2 Jahren
2
Das wird einem echten Eduard gerecht...
PistazieneisPistazieneis vor 2 Jahren
Herrliche Geschichte, wusste gar nicht dass Du Claudia Obe.... kennst:-)
Und nun schalten wir um nach Zürich zu Peter Vetterli !
Kult!
KäseKäse vor 2 Jahren
3
tut mir sehr leid :(
TofuwachtelTofuwachtel vor 2 Jahren
3
Manchmal ist ein wenig Zurückhaltung echt Gold wert.
JackWalshJackWalsh vor 2 Jahren
2
Begeistert gelesen! Wie geht es weiter?
PollitaPollita vor 2 Jahren
4
Eieiei. Noch ein Grund, warum ich mein Hobby nicht an die große Glocke hängen mag.

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