In Sachen bildende Kunst bin ich leider ziemlich unterbelichtet. Umso erfreulicher sind gelegentliche Erkenntnis-Erfolgserlebnisse. Die Malerei Piet Mondrians etwa gab mir Rätsel im Sinne jenes „Das kann ich doch auch…“ auf, bis ich anhand einer wunderbaren Ausstellung im Hamburger Bucerius-Kunstforum den Weg (und das Warum) des Malers vom gegenständlichen Frühwerk hin zu seinen schlichten Farbflächen verfolgen durfte. Mich beruhigt es immer sehr, wenn ein Künstler offensichtlich auf eine Weise „kann“ oder „konnte“, die ich verstehe, bei der ich mich also am Gefühl, hier würde die künstlerische Technik beherrscht, gleichsam wie an einem Strohhalm festhalten kann. Wie soll ich Laie sonst den Künstler vom Scharlatan trennen?
Auf Farbflächen – bei anderen Künstlern sind es Kleckse – komme ich, weil mir Bois Lumière gewissermaßen als olfaktorische Kleckserei erscheint. Über weite Strecken würde ich ihn als Aneinanderreihung von einzelnen, hingedötschten Eindrücken bezeichnen; den Begriff Duftverlauf mag ich nicht recht verwenden.
Ganz vorne zeigt sich kurz was Beißend-Florales mit einem Hauch Weichkäse. Tuberose? Erinnert mich nämlich an meine vielgerochene Tuberosen-Weichkäse-Note. Dann denke ich – sowohl im Stil, als auch konkret im Geruch - an den Anzieh-und-Abstoßer „Nudo, 1912“ von Morph mit seinem gualtieri-haften Harz. Rasch nehme ich Wachs und Honig wahr, nicht sanft, sondern stechend. Erst im Fortgang schält sich zusätzlich eine sinnliche Facette heraus.
Keine der erwähnten Zutaten vermag für sich, das entstandene Aroma zufriedenstellend zu erklären. ‚Bienenwachs-Politur‘ (ein vorzüglicher Vorschlag von Seerose, vielen Dank!) bringt begrifflich wunderbar auf den Punkt, was bis in den Nachmittag hinein Zentrum des Duftes genannt werden darf, um das die übrigen Komponenten platziert werden.
Mein Tuberosen-Thema kehrt zum Beispiel während des Vormittags noch einmal zurück – verdächtig ist eine weichkäsig-fruchtbonbon-mäßige Floralität direkt auf der Haut. Mittags wäre für den Honig eine aus Kräutern gewonnene Sorte eine Idee. Strohblume? Passt sicherlich prima, doch allemal am Nachmittag überwiegt abermals das Harzig-Wächserne, insbesondere Letzteres. Holz ist außerdem nachvollziehbar, dazwischen vereinzelt florale Reminiszenzen meiner Vormittags-Vermutung.
Hm. Da ich kein Französisch spreche, konnte ich mit Hilfe des Online-Übersetzers bloß einen vagen Eindruck von der Intention erhaschen. Etwas mit sich liebestoll in der Sonne aalen oder so. Wieder „Hm.“. Warm und sinnlich ist es zumindest partiell, na gut. Was das mit Honig zu tun hat? Das Licht soll irgendwie dick wie Honig fließen. Drittes „Hm.“ Vielleicht geht es um Ferkeleien, die mit dem Verzehr von Kräuterhonig nicht von der Oberfläche eines Brötchens aus, sondern von anderswoher zu tun haben.
Keine Ahnung. Ich finde den Duft nicht schlecht, allerdings fehlt mir der verstehende Zugang – oder eben der Weg zu ihm.
Ich mag ja die "speziellen" Düfte von Anatole Lebreton. Mein Favorit ist Incarnata. Dieser hier ist mir anscheinend durch die "Lappen" gegangen *g* ich sollte ihn mal testen.
Irgendwo in der Sonne...die zerklüftete Landschaft der Garrigue, aufgeheitzt, bereit sich zu entzünden - verliebte Haut räkelt sich auf brennend heissem Steinboden. Eine Geschichte von gebräunten Körpern und verkohlten Landschaften. Die Augen versengendes Licht ergiesst sich wie dicker Honig über wohlig-waldiges. Vom entfernten Meer erhebt sich ein heisser, trockener Wind der Stunde um Stunde über träumende Haut streift. (frei übersetzt nach a.lebreton.com)
Honig-Pokal!
Die gleich vorhandene urinöse Honignote in einem Berg frisch gesägten Holzes hat mich den Tester gleich aussortieren lassen. Weichkäse, den ich nicht rieche, hätte mir allerdings den Rest gegeben!
Oh. Der Absatz mit den vielen "Hm"s ist besonders einprägsam *find* - die Denk- und sonstigen Anstöße sind gewiß reiner Zufall... Aber Weichkäse schon wieder...! Trotzdem: Das Ding ist auf der Merkliste und da bleibt es auch, basta.
Kann alles gut nachvollziehen. Der Duft zieht mich magisch an, solange er im kleinen Probensprühflacon ist, jede Woche schnüffle ich ein paarmal daran mit großer Begeisterung. Wenn ich ihn mir dann aufsprühe, empfinde ich ihn dann als irgendwie fremd und angeklebt. Hitze, Harz, Holz, Immortelle, warme Haut (menschlich? tierisch?) sind meine Assoziationen (vielleicht auch herber Honig). Käse - nein!! Ich finde ihn toll und würde ihn gern mögen….
Was die bildenden Künste angeht, ist es mir ähnlich ergangen. Festzustellen, dass sie ihr Handwerk so gut beherrschen, dass einige dann so frei sind, es aufzugeben... Ach ja, der Duft: Klingt für mich nicht gut.
Tja, die Lebretons sind richtige Parfüms, aber bis auf Incarnata für mich auch sehr schwer zugänglich. 6,5 war auch meine Bewertung. Auch wenn ich sie verstehen würde, ich will nicht so riechen. Vielleicht bedarf es noch einer gewissen olfaktorischen Entwicklung bei uns?
Hm ...
Honig-Pokal!