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Bois Lumière von Anatole Lebreton

Bois Lumière 2014

Meggi
08.08.2016 - 13:46 Uhr
22
Top Rezension
6.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 7Flakon

Mir fehlt ein Weg. Ein Weg wie der zu Mondrian.

In Sachen bildende Kunst bin ich leider ziemlich unterbelichtet. Umso erfreulicher sind gelegentliche Erkenntnis-Erfolgserlebnisse. Die Malerei Piet Mondrians etwa gab mir Rätsel im Sinne jenes „Das kann ich doch auch…“ auf, bis ich anhand einer wunderbaren Ausstellung im Hamburger Bucerius-Kunstforum den Weg (und das Warum) des Malers vom gegenständlichen Frühwerk hin zu seinen schlichten Farbflächen verfolgen durfte. Mich beruhigt es immer sehr, wenn ein Künstler offensichtlich auf eine Weise „kann“ oder „konnte“, die ich verstehe, bei der ich mich also am Gefühl, hier würde die künstlerische Technik beherrscht, gleichsam wie an einem Strohhalm festhalten kann. Wie soll ich Laie sonst den Künstler vom Scharlatan trennen?

Auf Farbflächen – bei anderen Künstlern sind es Kleckse – komme ich, weil mir Bois Lumière gewissermaßen als olfaktorische Kleckserei erscheint. Über weite Strecken würde ich ihn als Aneinanderreihung von einzelnen, hingedötschten Eindrücken bezeichnen; den Begriff Duftverlauf mag ich nicht recht verwenden.

Ganz vorne zeigt sich kurz was Beißend-Florales mit einem Hauch Weichkäse. Tuberose? Erinnert mich nämlich an meine vielgerochene Tuberosen-Weichkäse-Note. Dann denke ich – sowohl im Stil, als auch konkret im Geruch - an den Anzieh-und-Abstoßer „Nudo, 1912“ von Morph mit seinem gualtieri-haften Harz. Rasch nehme ich Wachs und Honig wahr, nicht sanft, sondern stechend. Erst im Fortgang schält sich zusätzlich eine sinnliche Facette heraus.

Keine der erwähnten Zutaten vermag für sich, das entstandene Aroma zufriedenstellend zu erklären. ‚Bienenwachs-Politur‘ (ein vorzüglicher Vorschlag von Seerose, vielen Dank!) bringt begrifflich wunderbar auf den Punkt, was bis in den Nachmittag hinein Zentrum des Duftes genannt werden darf, um das die übrigen Komponenten platziert werden.

Mein Tuberosen-Thema kehrt zum Beispiel während des Vormittags noch einmal zurück – verdächtig ist eine weichkäsig-fruchtbonbon-mäßige Floralität direkt auf der Haut. Mittags wäre für den Honig eine aus Kräutern gewonnene Sorte eine Idee. Strohblume? Passt sicherlich prima, doch allemal am Nachmittag überwiegt abermals das Harzig-Wächserne, insbesondere Letzteres. Holz ist außerdem nachvollziehbar, dazwischen vereinzelt florale Reminiszenzen meiner Vormittags-Vermutung.

Hm. Da ich kein Französisch spreche, konnte ich mit Hilfe des Online-Übersetzers bloß einen vagen Eindruck von der Intention erhaschen. Etwas mit sich liebestoll in der Sonne aalen oder so. Wieder „Hm.“. Warm und sinnlich ist es zumindest partiell, na gut. Was das mit Honig zu tun hat? Das Licht soll irgendwie dick wie Honig fließen. Drittes „Hm.“ Vielleicht geht es um Ferkeleien, die mit dem Verzehr von Kräuterhonig nicht von der Oberfläche eines Brötchens aus, sondern von anderswoher zu tun haben.

Keine Ahnung. Ich finde den Duft nicht schlecht, allerdings fehlt mir der verstehende Zugang – oder eben der Weg zu ihm.

Ich bedanke mich bei Derailroaded für die Probe.
20 Antworten
SerenissimaSerenissima vor 6 Jahren
Diesen Weg hätte ich auch gern gefunden; nur steht mir immer Immortelle im Weg!
Hm ...
HirondelleHirondelle vor 7 Jahren
Sehr treffend beschrieben!
GschpusiGschpusi vor 9 Jahren
Ich mag ja die "speziellen" Düfte von Anatole Lebreton. Mein Favorit ist Incarnata. Dieser hier ist mir anscheinend durch die "Lappen" gegangen *g* ich sollte ihn mal testen.
0815abc0815abc vor 9 Jahren
Urinöse Bienenwachsnote ist ja nun genau meine Kragenweite.Sollte einem zu denken geben,ne?Weichkäsepokal.
FeliniFelini vor 9 Jahren
Irgendwo in der Sonne...die zerklüftete Landschaft der Garrigue, aufgeheitzt, bereit sich zu entzünden - verliebte Haut räkelt sich auf brennend heissem Steinboden. Eine Geschichte von gebräunten Körpern und verkohlten Landschaften. Die Augen versengendes Licht ergiesst sich wie dicker Honig über wohlig-waldiges. Vom entfernten Meer erhebt sich ein heisser, trockener Wind der Stunde um Stunde über träumende Haut streift. (frei übersetzt nach a.lebreton.com)
Honig-Pokal!
ErgoproxyErgoproxy vor 9 Jahren
Mir geht das oft mit klassischer Musik so, vor allem der gesungenen.
ZoraZora vor 9 Jahren
So wie es hier tönt würde mir der verstehende Zugang wohl auch fehlen. Aber bei Bienenwachs-Politur muss ich eh passen.
GerdiGerdi vor 9 Jahren
1
Die gleich vorhandene urinöse Honignote in einem Berg frisch gesägten Holzes hat mich den Tester gleich aussortieren lassen. Weichkäse, den ich nicht rieche, hätte mir allerdings den Rest gegeben!
Stefanu155Stefanu155 vor 9 Jahren
Super Kommentar! Aber im alten Griechenland hießen Banausen diejenigen, die Kunst mit Handwerk vermischten...
YataganYatagan vor 9 Jahren
Irgendwie glaube ich, dass die mir doch gefallen.
PaloneraPalonera vor 9 Jahren
Oh. Der Absatz mit den vielen "Hm"s ist besonders einprägsam *find* - die Denk- und sonstigen Anstöße sind gewiß reiner Zufall... Aber Weichkäse schon wieder...! Trotzdem: Das Ding ist auf der Merkliste und da bleibt es auch, basta.
RoMi58RoMi58 vor 9 Jahren
Kann alles gut nachvollziehen. Der Duft zieht mich magisch an, solange er im kleinen Probensprühflacon ist, jede Woche schnüffle ich ein paarmal daran mit großer Begeisterung. Wenn ich ihn mir dann aufsprühe, empfinde ich ihn dann als irgendwie fremd und angeklebt. Hitze, Harz, Holz, Immortelle, warme Haut (menschlich? tierisch?) sind meine Assoziationen (vielleicht auch herber Honig). Käse - nein!! Ich finde ihn toll und würde ihn gern mögen….
GelisGelis vor 9 Jahren
Was die bildenden Künste angeht, ist es mir ähnlich ergangen. Festzustellen, dass sie ihr Handwerk so gut beherrschen, dass einige dann so frei sind, es aufzugeben... Ach ja, der Duft: Klingt für mich nicht gut.
Sweetsmell75Sweetsmell75 vor 9 Jahren
Also nach Weichkäse mag i net duften :) ... Scheint ein seltsamer Duft zu sein.
MisterEMisterE vor 9 Jahren
Vielleicht kann ja die Frau Professorin beim Thema bildende Kunst etwas unterstützend einwirken....
DerailroadedDerailroaded vor 9 Jahren
Mich hat er an die Bienenwachs-Politur von meinem Été Indien erinnert, den ich aber vorziehe.
MarWicMarWic vor 9 Jahren
Zumindest hast du meinen Wortschatz um das Wort hingedötscht erweitert.....
SeeroseSeerose vor 9 Jahren
Tja, die Lebretons sind richtige Parfüms, aber bis auf Incarnata für mich auch sehr schwer zugänglich. 6,5 war auch meine Bewertung. Auch wenn ich sie verstehen würde, ich will nicht so riechen. Vielleicht bedarf es noch einer gewissen olfaktorischen Entwicklung bei uns?
CravacheCravache vor 9 Jahren
Dann passt doch die Babelfish-Übersetzung vielleicht gar nicht so schlecht :)
TaurusTaurus vor 9 Jahren
Weichkäse? Hmmm ... ich welchem Reifestadium denn?