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Top Rezension
“I have the simplest tastes. I am always satisfied with the best.” Oscar Wilde
Die ersten Tage nach meiner Anmeldung auf Parfumo vergingen wie im Rausch. Ich las Kommentare - wenn ich genügend Zeit hatte – vom Morgengrauen - bis zum Sonnenuntergang. Bald hatte ich die fixe Idee, eine kleine überschaubare Sammlung aufzubauen, die nur die „Besten der Besten“ beinhaltet. Dabei ging ich nicht streng nach den klassischen Konzepten vor. Ich suchte nicht unbedingt nach dem schönsten Chypre- oder Fougère-Duft, vielmehr wollte ich die Superlativen an weißen Blüten, an cremigen Kreationen, feinen Puderwölkchen, balsamischen Seelentröstern, Engelsledern, fröhlichen Colognes. Und wenn ich einen Kandidaten mit der Bestnote entdeckte, wusste ich immer sofort, hier kann ich inne halten, hier habe ich ein wunderbares Tröpfchen gefunden. Das ist meines.
Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach der perfekten Rose. Was ich wirklich will, wusste ich nicht so recht. Ich ging eher nach dem Ausschlussprinzip vor. Das Parfüm sollte in mir keine Assoziationen wie Gypsy- oder Hippie-Romantik hervorrufen, auch keine UdSSR-Charme, sollte nichts Madamiges enthalten und kein Sillagenmonster sein. Als Kind mochte ich Tee- und Wildrosen und mir gefiel die Vorstellung, wie es am imaginären Schloss von Dornröschen duften musste, als der edle Prinz dort eintraf. Somit war mein Steckbrief, gelinde gesagt, ziemlich unvollständig.
Gelegentlich verlor ich die schönste Rose aus den Augen. Es gab immer wieder Ablenkungen, Empfehlungen und damit auch neue Entdeckungen. Dann habe ich die Kommentare hier zu "Rose of no Man's Land" gelesen und etwas getan, das ich unter Eid abgeschworen habe. Im Souk auf Verdacht ein Flakon gekauft.
Das Parfüm entspricht meiner vagen Vorstellung von Rose, gleichzeitig aber auch nicht. Das liegt an den anderen Protagonisten, aber dazu später mehr. Die Blüten sind von Anfang bis zum Schluss präsent. Die türkische, oder auch Damaszener-Rose genannt, ist kletterrosenartig mit leicht nickenden rosafarbenen und üppig duftenden Kelchen. Damit wurde hier nicht, wie von der Namensgebung suggeriert, eine wildwachsende Art verwendet. Die Aura des ursprünglichen Extraktes wirkt aber durchaus natürlich, geerdet und „frei“. Frische Rosenblütenblätter - der Duft und die seidig schimmernden Farben – sind der Symbol von Sinnlichkeit. Aber sie können nicht nur betörend sondern auch übertrieben wirken. Die Lautstärke wird vom Parfümeur geschickt durch "grünliche" Holz-Töne gedimmt. Das ist sicherlich der Papyrus-Pflanze zu verdanken. Als ob eine sehr dünne, kaum wahrnehmbare Papyrus-Schicht die Rosen überzeihen würde. Und dann soll laut Duftpyramide auch noch Himbeerblüte mit von der Partie sein. Wir hatten früher unzählige Himbeersträucher im Garten und ich wusste nicht mal, dass deren Blüten duften. Ohne die Pyramide zu kennen, hätte ich viel mehr gedacht, dass die Rosen von Brombeeren umrahmt werden und diese zarte Fruchtigkeit verströmen. Der weiße Amber verleiht dem Duft einen Hauch von kuscheliger Körpernähe. Stunde um Stunde verschmelzen die einzelnen Ingredienzen zu einem einheitlichen Ganzen.
Ich könnte meine Eindrücke sicherlich noch erweitern. Doch dieser minimalistische aber durchaus großartige Duft bedarf keine weiteren Worte. Es ist, was es ist, eine wunderbare, sinnliche und leise Rose mit ein paar Begleitern, die die Blüte im besten Licht erscheinen und modern wirken lassen.
Das Flakon – einer Apothekerflasche nachempfunden – passt zum Duft, auch wenn es mein Herz nicht höher schlagen lässt. In einer Zeit, in der reife Männer sich genauso kleiden, wie ihre Söhne im Kindergartenalter und in Sneakers und jogginganzugähnlichen Baumwollhosen zum Dinner erscheinen, ist es wohl kontemporäre Kunst.
Ich habe gelesen, dass die Inspiration für „Rose of no Mans Land“ uns in den Ersten Weltkrieg zurückführt. Die Krankenschwestern, die damals für das Rote Kreuz arbeiteten, taten dies oft unter Einsatz ihres Lebens und hinterließen damit bei vielen Soldaten, einen nachhaltigen Eindruck. Der 1918 veröffentlichte Song „The Rose Of no Man’s Land“ von Jack Caddigan und James Alexander Brennan huldigte diesen Frauen. Auch das besonders bei den britischen Streitkräften beliebte Tattoo mit demselben Namen war ursprünglich vor allem eine Erinnerung an die Fürsorge, die der Träger von einer Krankenschwester an der Front erfahren hatte.
Mich wundert die ausgefallene Intuition nicht. Ben Gorhamm, der Gründer und Creativ Director von Byredo („by redolence“) ist der Punk-Rocker im Parfüm-Business. Wobei sich seine Unangepasstheit eher auf Innovation als auf Polarisierung bezieht. Er beschreibt sein Credo wie folgt: „Die Welt der Düfte und ihre Wirkung auf meine Erinnerungen und Eindrücke hat mich seit jeher fasziniert. Mit Byredo möchte ich meine persönlichen Erfahrungen kommunizieren und damit zu einem nahezu kollektiven Gedächtnis beitragen, das Orte und Zeiten heraufbeschwört. Ich bin der Überzeugung, dass Tradition und Innovation zusammengebracht werden sollen – in der Anwendung moderner Ansätze, ohne dabei althergebrachte Techniken der Duftherstellung zu vernachlässigen.“
Er ist eine authentische „Marke“. Eine, die ich sicherlich noch sehr viel genauer unter die Lupe nehmen werde.
Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach der perfekten Rose. Was ich wirklich will, wusste ich nicht so recht. Ich ging eher nach dem Ausschlussprinzip vor. Das Parfüm sollte in mir keine Assoziationen wie Gypsy- oder Hippie-Romantik hervorrufen, auch keine UdSSR-Charme, sollte nichts Madamiges enthalten und kein Sillagenmonster sein. Als Kind mochte ich Tee- und Wildrosen und mir gefiel die Vorstellung, wie es am imaginären Schloss von Dornröschen duften musste, als der edle Prinz dort eintraf. Somit war mein Steckbrief, gelinde gesagt, ziemlich unvollständig.
Gelegentlich verlor ich die schönste Rose aus den Augen. Es gab immer wieder Ablenkungen, Empfehlungen und damit auch neue Entdeckungen. Dann habe ich die Kommentare hier zu "Rose of no Man's Land" gelesen und etwas getan, das ich unter Eid abgeschworen habe. Im Souk auf Verdacht ein Flakon gekauft.
Das Parfüm entspricht meiner vagen Vorstellung von Rose, gleichzeitig aber auch nicht. Das liegt an den anderen Protagonisten, aber dazu später mehr. Die Blüten sind von Anfang bis zum Schluss präsent. Die türkische, oder auch Damaszener-Rose genannt, ist kletterrosenartig mit leicht nickenden rosafarbenen und üppig duftenden Kelchen. Damit wurde hier nicht, wie von der Namensgebung suggeriert, eine wildwachsende Art verwendet. Die Aura des ursprünglichen Extraktes wirkt aber durchaus natürlich, geerdet und „frei“. Frische Rosenblütenblätter - der Duft und die seidig schimmernden Farben – sind der Symbol von Sinnlichkeit. Aber sie können nicht nur betörend sondern auch übertrieben wirken. Die Lautstärke wird vom Parfümeur geschickt durch "grünliche" Holz-Töne gedimmt. Das ist sicherlich der Papyrus-Pflanze zu verdanken. Als ob eine sehr dünne, kaum wahrnehmbare Papyrus-Schicht die Rosen überzeihen würde. Und dann soll laut Duftpyramide auch noch Himbeerblüte mit von der Partie sein. Wir hatten früher unzählige Himbeersträucher im Garten und ich wusste nicht mal, dass deren Blüten duften. Ohne die Pyramide zu kennen, hätte ich viel mehr gedacht, dass die Rosen von Brombeeren umrahmt werden und diese zarte Fruchtigkeit verströmen. Der weiße Amber verleiht dem Duft einen Hauch von kuscheliger Körpernähe. Stunde um Stunde verschmelzen die einzelnen Ingredienzen zu einem einheitlichen Ganzen.
Ich könnte meine Eindrücke sicherlich noch erweitern. Doch dieser minimalistische aber durchaus großartige Duft bedarf keine weiteren Worte. Es ist, was es ist, eine wunderbare, sinnliche und leise Rose mit ein paar Begleitern, die die Blüte im besten Licht erscheinen und modern wirken lassen.
Das Flakon – einer Apothekerflasche nachempfunden – passt zum Duft, auch wenn es mein Herz nicht höher schlagen lässt. In einer Zeit, in der reife Männer sich genauso kleiden, wie ihre Söhne im Kindergartenalter und in Sneakers und jogginganzugähnlichen Baumwollhosen zum Dinner erscheinen, ist es wohl kontemporäre Kunst.
Ich habe gelesen, dass die Inspiration für „Rose of no Mans Land“ uns in den Ersten Weltkrieg zurückführt. Die Krankenschwestern, die damals für das Rote Kreuz arbeiteten, taten dies oft unter Einsatz ihres Lebens und hinterließen damit bei vielen Soldaten, einen nachhaltigen Eindruck. Der 1918 veröffentlichte Song „The Rose Of no Man’s Land“ von Jack Caddigan und James Alexander Brennan huldigte diesen Frauen. Auch das besonders bei den britischen Streitkräften beliebte Tattoo mit demselben Namen war ursprünglich vor allem eine Erinnerung an die Fürsorge, die der Träger von einer Krankenschwester an der Front erfahren hatte.
Mich wundert die ausgefallene Intuition nicht. Ben Gorhamm, der Gründer und Creativ Director von Byredo („by redolence“) ist der Punk-Rocker im Parfüm-Business. Wobei sich seine Unangepasstheit eher auf Innovation als auf Polarisierung bezieht. Er beschreibt sein Credo wie folgt: „Die Welt der Düfte und ihre Wirkung auf meine Erinnerungen und Eindrücke hat mich seit jeher fasziniert. Mit Byredo möchte ich meine persönlichen Erfahrungen kommunizieren und damit zu einem nahezu kollektiven Gedächtnis beitragen, das Orte und Zeiten heraufbeschwört. Ich bin der Überzeugung, dass Tradition und Innovation zusammengebracht werden sollen – in der Anwendung moderner Ansätze, ohne dabei althergebrachte Techniken der Duftherstellung zu vernachlässigen.“
Er ist eine authentische „Marke“. Eine, die ich sicherlich noch sehr viel genauer unter die Lupe nehmen werde.
19 Antworten


Diesen Duft werde ich auch noch einmal auf meine Merkliste setzen, hört sich so an, als sei ein Test auf jeden Fall lohnenswert:-)