The Lover's Tale Francesca Bianchi 2018 Extrait de Parfum
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Top Rezension
Lady Godiva
Das rohe Leder der Zügel gräbt sich in meine Finger, als das Pferd zu tänzeln beginnt. Das unruhige Klappern der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster, nervöses Schnauben und plötzlich wieder dieses Brennen in meiner Brust wie an jenem Tag …
Ich will die schmerzenden Finger in die warme Mähne des Tieres graben, sehe den Sekundenbruchteil vor mir, als sich einst deine Pupillen weiteten, eine Augenbraue kaum merklich angehoben und deine Lippen leicht geöffnet, sodass mir der Atem stockte, es mir die Sprache verschlug. Und so umspanne ich nun den Ledersattel fester mit den bloßen Schenkeln, hebe den gesenkten Kopf mit trotziger Entschlossenheit. Ich weiß, dass mein gelöstes Haar die nackte Haut bedeckt. Ganz sanft habe ich es mit Jasminöl gekämmt, bis es seidig glänzte und so dunkel duftete wie die Blüten des verhängnisvollen Baums. Das war zu der Zeit, als die Pfirsiche reiften und Moos unter meinem Rücken kitzelte.
Das Fell des Tieres reibt an meinen Beinen, die schimmern müssen wie von zergangener Wurzelbutter, doch ich senke den Blick nicht, besinne mich auf das sich beruhigende Pferd, die Bewegungen seiner Muskeln, die sich wieder mit entschiedenem Druck leiten lassen. Und so ergebe ich mich dem Rhythmus, während in meiner Erinnerung das tiefe Brummen geflüsterter Worte an mein Ohr dringt.
***
The Lover’s Tale verbindet einen rohen, etwas schmutzig-animalischen Lederduft mit einem Jasmin betonten Pfirsichchypre, der Guerlains Mitsouko Extrait , mehr aber noch Rochas Femme (1945) Parfum zitiert, und um eine ordentliche Portion markentypischer Irisbutter ergänzt wurde. Wie alle älteren Bianchi-Düfte ist das Ergebnis sämig, dicht, körperlich und polarisiert scheinbar heftig.
Gut so!
Der Markt scheint ein wenig übersättigt mit gefälligem Einheitsbrei, und ich persönlich freue mich über jeden Duft, der einen anderen Weg beschreitet, und zwar (nahezu) unabhängig davon, ob er mir gefällt oder nicht.
Dass The Lover’s Tale mir sogar sehr gefällt, ist sozusagen ein erfreulicher Bonus: Ich habe eine Schwäche für Lederdüfte, die höchstens noch von meiner Liebe zu klassischem Chypre übertroffen wird, und habe in diesem brachialen Vertreter der Mitsouko-Femme-Familie einen Duft gefunden, der mir zuverlässig den Rücken stärkt. The Lover’s Tale ist die Lady Godiva in meinem Parfumschrank und ich trage den Duft vorzugsweise an Tagen, an denen ich mich etwas überfordert fühle oder gar ein wenig so, als müsste ich splitterfasernackt auf einem Pferd durch die Stadt reiten. Zugegeben, ganz so viel Überwindung kosten mich die kleinen Fallstricke meines Alltags in der Regel nicht, aber ich finde es dennoch gut, Lady Godiva an meiner Seite zu wissen, wenn es mal wieder gilt, den Kopf mit besonders viel Entschlossenheit hochzuhalten.
The Lover’s Tale zeichnet sich durch schier endlose Haltbarkeit und kräftige Sillage aus, was den Duft überdosiert vollkommen unerträglich macht. Mit leichter Hand getupft ist er immer noch auffällig genug, dass ich darauf angesprochen werde, und das passiert mir als chronischer Unterdosiererin sonst eigentlich nie.
The Lover’s Tale begleitet mich zwar inzwischen schon seit zwei Jahren, aber ich bin immer noch dankbar, dass du dir das Pröbchen von mir hast abbetteln lassen, lieber SebastianM!
Ich will die schmerzenden Finger in die warme Mähne des Tieres graben, sehe den Sekundenbruchteil vor mir, als sich einst deine Pupillen weiteten, eine Augenbraue kaum merklich angehoben und deine Lippen leicht geöffnet, sodass mir der Atem stockte, es mir die Sprache verschlug. Und so umspanne ich nun den Ledersattel fester mit den bloßen Schenkeln, hebe den gesenkten Kopf mit trotziger Entschlossenheit. Ich weiß, dass mein gelöstes Haar die nackte Haut bedeckt. Ganz sanft habe ich es mit Jasminöl gekämmt, bis es seidig glänzte und so dunkel duftete wie die Blüten des verhängnisvollen Baums. Das war zu der Zeit, als die Pfirsiche reiften und Moos unter meinem Rücken kitzelte.
Das Fell des Tieres reibt an meinen Beinen, die schimmern müssen wie von zergangener Wurzelbutter, doch ich senke den Blick nicht, besinne mich auf das sich beruhigende Pferd, die Bewegungen seiner Muskeln, die sich wieder mit entschiedenem Druck leiten lassen. Und so ergebe ich mich dem Rhythmus, während in meiner Erinnerung das tiefe Brummen geflüsterter Worte an mein Ohr dringt.
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The Lover’s Tale verbindet einen rohen, etwas schmutzig-animalischen Lederduft mit einem Jasmin betonten Pfirsichchypre, der Guerlains Mitsouko Extrait , mehr aber noch Rochas Femme (1945) Parfum zitiert, und um eine ordentliche Portion markentypischer Irisbutter ergänzt wurde. Wie alle älteren Bianchi-Düfte ist das Ergebnis sämig, dicht, körperlich und polarisiert scheinbar heftig.
Gut so!
Der Markt scheint ein wenig übersättigt mit gefälligem Einheitsbrei, und ich persönlich freue mich über jeden Duft, der einen anderen Weg beschreitet, und zwar (nahezu) unabhängig davon, ob er mir gefällt oder nicht.
Dass The Lover’s Tale mir sogar sehr gefällt, ist sozusagen ein erfreulicher Bonus: Ich habe eine Schwäche für Lederdüfte, die höchstens noch von meiner Liebe zu klassischem Chypre übertroffen wird, und habe in diesem brachialen Vertreter der Mitsouko-Femme-Familie einen Duft gefunden, der mir zuverlässig den Rücken stärkt. The Lover’s Tale ist die Lady Godiva in meinem Parfumschrank und ich trage den Duft vorzugsweise an Tagen, an denen ich mich etwas überfordert fühle oder gar ein wenig so, als müsste ich splitterfasernackt auf einem Pferd durch die Stadt reiten. Zugegeben, ganz so viel Überwindung kosten mich die kleinen Fallstricke meines Alltags in der Regel nicht, aber ich finde es dennoch gut, Lady Godiva an meiner Seite zu wissen, wenn es mal wieder gilt, den Kopf mit besonders viel Entschlossenheit hochzuhalten.
The Lover’s Tale zeichnet sich durch schier endlose Haltbarkeit und kräftige Sillage aus, was den Duft überdosiert vollkommen unerträglich macht. Mit leichter Hand getupft ist er immer noch auffällig genug, dass ich darauf angesprochen werde, und das passiert mir als chronischer Unterdosiererin sonst eigentlich nie.
The Lover’s Tale begleitet mich zwar inzwischen schon seit zwei Jahren, aber ich bin immer noch dankbar, dass du dir das Pröbchen von mir hast abbetteln lassen, lieber SebastianM!
34 Antworten


Sehr gut beschrieben 👍🏻
2.Ja, die Dosierung ist hier glaube ich ganz wichtig. Beim ersten beherzten Test rebellierte mein Magen.... Mittlerweile denke ich, das die leichtere Öl-Variante mir sehr gefallen könnte. Frau Bianchi hat schon ein paar tolle Düfte gezaubert....😊
Bis dahin nehme ich Vorlieb mit deinen magischen und faszinierenden Worten 🌟
Du hast wieder so bezaubernde Bilder gesetzt! (bloß Pferd und ich.. wir passen nicht zusammen)
Den Duft würde ich natürlich dabei tief einsaugen.
Dank der lieben @UntermWert und der grosszügigen Probe des Sublime Oils teste ich seit einer Weile an Lady Godiva in beiden Konzentrationen herum. Ich werde mein Statement ändern müssen, mittlerweile liegt mir der Duft sehr am Herzen. Ob ich mit seiner Sillage klarkomme (und den roten Flecken auf meinen T-Shirts 🫣), muss ich noch herausfinden.
Deine Rezension dazu sowieso. 😊
Bleibe wegen der cremigen Irisbutter dann doch lieber bei Femme (1945) PdT.
"Der Markt scheint ein wenig übersättigt mit gefälligem Einheitsbrei, und ich persönlich freue mich über jeden Duft, der einen anderen Weg beschreitet" - da bin ich absolut dabei 💜
Jetzt werde ich dich immer wie die Godiva von John Collier sehen…..
Genieße diesen schützenden Kokon aus Duft!