Im Gegensatz anderer namhafter Häuser, führten die Düfte von Scherrer in der Vergangenheit nahezu ein Nischendasein.
Wenn man so vor 30 Jahren durch die Parfümerien strolchte, dann fand man dort Dior, Chanel, YSL, Lancome, Kenzo, Guerlain, Lauder, Arden, Fendi, Chloé, Lagerfeld, Biagotti etc. Ich glaube von Scherrer hatten auch einige Inhaber/Innen keine Ahnung oder nur am Rande. Die großen Namen hatten genug Zugkraft und dementsprechende Werbecampagnen.
Scherrer hat scheinbar nie so viel Tamtam gemacht, obwohl 1979 mit „Jean-Louis Scherrer“ der erste Duft auf den Markt kam. Ein strahlender Chypre im sechseckigen Flakon, der damals angeblich noch 150 Ingredenzien hatte. Trotzdem setzte Scherrer sich auf dem Duftmarkt durch und der genannte erste Duft schaffte es in die gekürten 100 legendären Parfums.
Mit Scherrer II, der 1986 auf der Bühne erschien, schaffte das Haus Scherrer ein Pendant zu anderen großen Orientalen, die in den 80ern den Duftmarkt bestimmten und Sillagen von Berlin bis zum Grand Canyon hatten. Jedoch unterschied sich Scherrer II, egal ob als EdT oder EdP, schon alleine dadurch, daß er mehr Eleganz ausstrahlte und nicht gleich ganze Straßenzüge nieder mähte. Das lag sicher auch daran, daß nicht jede(r) ihn hatte, da nicht so bekannt.
Aber auch diesem schönen Vogel wurden die Flügel gestutzt und er humpelt nun etwas beim Fliegen. Ich glaube nicht, daß Jean-Louis (1935 – 2013) da einen Anteil dran hatte oder welchem Parfümeur man das in die Schuhe schieben kann. Ja, ja, die Ifra Bestimmungen, bla, bla.
Früher eine vollgepackte Kopfnote, leicht mandarinig und tuberosig-rosig, gefolgt von Gewürzen in der Taille, gehalten vom Holzkorsett und gespickt mit myrrhischen Zimtstangen auf einem Fond mit geilen Bibern an Flußufern, die pinkelnde Zibetkatzen mit erdigem Patchouli bewarfen, haben wir hier noch immer einen tollen Duft, der aber viele Falten raus gebügelt bekam.
Das Bewundernswerte am Haus Scherrer ist für mich, daß sie den Markt nicht alle paar Wochen mit einem neuen Parfum oder Flanker überschütten, wie z.B. Guerlain mit seiner ewigen Aqua Allegoria Reihe oder Nischenhäuser, die zu hochpreisiger Massenware mutieren, weil alle fünf Minuten ein neuer Duft den Markt überflutet.
Scherrer hat seit 1979 nur 25 Parfums lanciert. Alle bemerkenswert und einzigartig! Scherrer II ist auf jeden Fall zu empfehlen und heute vielleicht gerade deshalb, weil er sanfter ist, aber noch immer elegant, warm, würzig und unvergleichlich.
Das ist mein Liebling von Scherrer. Der "Classique" ist natürlich auch ein Juwel, aber dieser hier passt besser zu mir, er ist nicht kühl, sondern wie Du schreibst eben eher orientalisch. Schön, dass Dir die Parfums der Marke auch so gut gefallen.
Den Vintage Scherrer II kenne ich leider nicht, mir war das jetzige zu schwülstig. Aber den Scherrer Nummer 1, als den aus 1979, der war klasse.
Du hast das alles wieder so wunderbar beschrieben, ich bin sehr sicher, dass dieser Duft grandios ist und war.
Oh, ja, Scherrer 2 ist ein äußerst bemerkenswerter Duft, der mich -wieder- begleitet, wenn auch nicht in dieser Variante. Aber auch das EDT ist beeindruckend und ganz bestimmt für diejenigen, die ihn nicht kennen einen Test wert.
Der ist nicht verkehrt. Dank der lieben Tabla durfte ich das Original kennenlernen. Und er ist definitiv sanfter als etwa Youth Dew oder Cinnabar. Ich glaube, meine Mama hatte den sogar mal.
Du hast das alles wieder so wunderbar beschrieben, ich bin sehr sicher, dass dieser Duft grandios ist und war.