In meinem persönlichen Phoenix-Asche-Zyklus befinde ich mich in der Spätasche
Ein schlichter Name, ein wunderschöner Flakon, eine wunderbare Duftpyramide und doch kam ich über einige Umwege und Zufälle an diesen Duft. Meine erste Begegnung war mit seinem Zwilling "Tentation", ist auch schon wieder einige Jahre her, nur da passte mir der Duft irgendwie nicht. Keine Frage, er gefiel mir sehr, doch fühlte ich mich dafür noch nicht geeignet, irgendwie zu sehr "Frau", zu edel, zu elegant, da finde ich mich nicht wieder. Die Probe leerte ich zwar mit Genuss, aber dann hieß es Abschied nehmen und auch leider vergessen. Anfang des Jahres fiel mir dann eine Probe von le Parfum in die Hände, in dieser Zeit hatte ich mir einigem zu hadern, gesundheitliche Probleme und zwischenmenschliche Beziehungen, war keine leichte Phase, ähnlich einem ziellosen Treiben auf hoher See, ein Gefühl von verloren sein und gestrandet, die Ohnmacht ist das schlimmste daran und mit Geduld hatte ich es noch nie so wirklich. Genau da traf ich Le Parfum, las den einen und anderen Kommentar, das scheine ich jetzt zu brauchen, einen Vanillewummser, soll doch auch stimmungsaufhellend wirken, na dann, immer her damit.
Der Auftakt zeigt eine pudrig, würzige Note, sogar etwas sauber, frisch, gleichzeitig aber auch wie mit Rum getränkt. Der Pfeffer kitzelt scharf in der Nase und weckt die Lebensgeister, Lorbeer als griffige Würze, irgendwie mutet der Beginn sandig an, warm und temperamentvoll, ein sanfter Stoß nach vorne ohne unwirsch oder grob zu sein, die Art von aufmunternder Berührung die viel Wärme abgibt, man scheint die berührende Hand noch Stunden zu spüren.
Sobald der Duft geschmeidig zur Herznote gleitet hat er mich unwiederbringlich gefangen genommen... Was für ein helles, weiches, süßes, tragendes Duftgeflecht umgibt mich, transparent und gehaltvoll, strahlend ummantelt mich holzig-milchige, geschmeidige Vanille, so zart pudrig, wie saubere, frisch geschminkte Haut, etwas marzipanartig, immer noch so unvergleichlich sandig, als vergrübe man beide Hände in aufgewärmten Sand und genießt die sich rasch ausbreitende Wärme, eine Wohltat, Balsam für ein hilfsbedürftiges Gemüt, wie eine sündhaft teure Kaschmirdecke umfängt mich der Duft und schenkt Frieden, Geborgenheit und Freude. Schenkt mir glimmende Zuversicht und ein ungläubiges Lächeln, so als würde mir jetzt erst klar, dass ich etwas nie gekannt, aber immer insgeheim vermisst habe. Ja, der beflügelt mich, feinste, erwachsene Vanille, veredelt mit sinnlich-süßem Jasmin, verstärkt durch vanillig-pudrigem Heliotrop, auf himmlisch, schönen Gourmandbasis, viel, viel Tonkabohne, milchiges Sandelholz, Patchouli zeigt sich von einer eher zahmen Seite, bei so einer Übermacht an himmlischer Vanille ist nicht viel auszurichten.
Euphorisch gestimmt und blöde grinsend muss ich kurze Zeit nach dem Testen an die Sonne, frische Luft tanken, raus aus dem selbst gewählten Sarg oder auch Schlafzimmer, wie man will. Es ist zwar erst Mitte Februar aber die Sonne steht hoch am Himmel, es ist zwar kalt, aber ein wunderschöner Nachmittag. Mich zieht es in einen nahegelegenen Park, in der Mitte ein großer See, viele Menschen welche die wohltuende Sonne genießen möchten, Enten füttern, spazieren gehen, sich unterhalten, lächelnde Gesichter unter übertriebenen Sonnenbrillen, und ich mitten drin, stapfe gut gelaunt am See entlang, fest in meinen warmen Mantel gehüllt, ständig umweht mich die feine, würzig-edle, sinnlich-cremige, orientalische Vanillemelange, ein saugutes Gefühl, ich bin wohl auf einem guten Weg, man muss erst den Boden berühren um wieder zur vollen Größe aufsteigen zu können, das markiert nun die Station der Spätasche, bald wird sich meine Lage bessern.
Es ist ein subtil sinnlicher Kuschelgourmand, charmant, feminin, starkend und zärtlich, fesselnd ohne Luft zum atmen zu rauben, edel auf eine stolze Art, die Sillage ist stark und raumfüllend, eine wahrnehmbare Präsenz, man darf sich nicht scheuen zu zeigen dass man gerne eine Frau ist, mit all den dazugehörigen Ecken und Kanten, inklusive Rundungen, mütterlich ohne bieder zu sein, erotisch ohne offensichtliche Absichten. Für mich das absolute Musthave, wie das kleine Schwarze mit Killerhighheels. Der passt mir immer, nur musste ich erst reinwachsen. Im Hochsommer würde er mich sicherlich erschlagen und anstrengen mit seiner unglaublichen Haltbarkeit. Für kältere Jahreszeiten nun ein neuer Lieblingsbegleiter.
Lieben Dank an Zuckerfee für den tollen Soukdeal :)
So ein toller Kommentar. Pokal.
Ich krieg mich derweil über den Lorbeer nicht ein. Ansonsten würde ich dir zum Rest so zustimmen. Ich möchte ihn mögen wollen. So gern.
ein wunderschöner kommentar zu einem wunderschönen duft! du hast mich aus der morgendlichen busfahrt raus an einen geschmeidigen und angenehmen ort ohne hektik und trubel gebracht. dieser duft war einer meiner ersten blind gekauften abfüllund ich hatte mich gleich verliebt und gleichzeitig kannte ich diese duftrichtung zuvor gar nicht. er erweitert definitiv den parfum-horizont :)
Zu diesem Duft habe ich hier auf Parfumo meinen allerersten Kommentar verfasst. Damals liebte ich den Duft, dann hatte ich ihn plötzlich über und hab ihn weggegeben. Dein toller Kommentar lässt mich ihn beinahe zurückwünschen!
Perfekt beschrieben! Bis auf ganz minimale Abweichungen empfinde ich den ganz genau so. Das mit der "Spätasche" ist ein tolles Bild und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du auch die ganz bald abklopfen kannst!
Ich habe Gänsehaut nach dem Lesen... Ja, die Hohe See... ich kann es nachempfinden... Ach und der Duft... Göttlich, Pudrig... Frisch geschminkt. Tonkabohne und Vanille - woooooow!
Also, das kleine schwarze mit Killerhighheels, ist bei mir hängen geblieben, irgendwie;D schön und persönlich beschrieben! Hoffentlich-bald-kälter-Pokal!
Ich krieg mich derweil über den Lorbeer nicht ein. Ansonsten würde ich dir zum Rest so zustimmen. Ich möchte ihn mögen wollen. So gern.
Zielgruppe thematisiert, aber die Probe behüte ich:-)