Ach wissen Sie ... also wenn ich schon mal in Berlin bin, dann nutze ich die Gelegenheit und lasse mir gepflegt die Haare schneiden.
Findet man ja sonst kaum noch, so einen richtigen Herrenfriseur alten Schlages.
Ja, genau – das ist so ein kleiner Laden, von außen etwas unscheinbar, leicht zu übersehen.
Seitenstraße, klar.
Ein echter Geheimtipp!
Sehr ansprechend eingerichtet, altes Interieur, poliertes Holz, antike Spiegel ...
Rasur inbegriffen.
Gründlich, sag ich Ihnen.
Der Inhaber ist ein liebenswürdiger alter Kauz, wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen.
Immer tadellos gekleidet, Weste ...
Der hat noch richtig gute Manieren.
"Benimm" hätte mein Urgroßvater das genannt ...
Bitte?
Moment, da muß ich nachdenken ...
Krawuttke oder Karbunke oder so ähnlich heißt er.
Also der Friseur, nicht mein Urgroßvater.
Nein, das Besondere ist ja gar nicht das Interieur oder der altmodische, perfekte Haarschnitt. Sehen Sie, wenn der alte Krawuttke Sie ins Herz geschlossen hat, dann wird er seinen prächtigen weißen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Schnurrbart zwirbeln, seine Nickelbrille ganz nach vorn auf die Nasenspitze rutschen lassen und Ihnen aus seinem äußerst reichhaltigen Erfahrungsschatz den einen oder anderen Ratschlag geben.
Vor allem, was Herrenparfum angeht, ist er so etwas wie ein wandelndes Lexikon für ungewöhnliche, weniger bekannte Düfte ...
Das ist ja gerade das Schöne! Der alte Karbunke hat dazu immer auch den entsprechenden Duft zur Hand.
Neulich war ich wieder mal bei ihm, um mir die Coiffure richten zu lassen. Natürlich hatte ich erwartet, bei dieser Gelegenheit ... ja selbstverständlich!
Kann man drauf warten, das verspreche ich Ihnen.
Diesmal war es etwas ganz besonders Feines. Kannte ich vorher gar nicht.
Ein Duft aus dem Jahr 1967, man höre und staune ...
Italienisch, ja.
Wunderbarer Sommerduft, ich war sofort hin und weg.
Bitte ...? Ach so – Capucci heißt das Zeug. Capucci pour Homme, um genau zu sein.
Ja, da liegen Sie richtig. Ein Sommerduft ... obwohl ... ich möchte ihn nicht darauf eingrenzen.
Aber Sommer paßt schon ganz gut.
Hat übrigens einen sehr ungewöhnlichen Auftakt, da spielt Anis mit hinein. Nein, keine Sorge, das ist kein dominantes Aroma, es illustriert sozusagen die zitrischen Noten.
Zitrone und Bergamotte sind ja nun in einem Herrenduft, noch dazu in einem italienischen, geradezu Pflicht. Ist bei Capucci auch so. Aber was mich von Anfang an begeistert hat und was dieses Wässerchen, wie der alte Knakowski es nennen würde, zu einem echten Klassiker macht, ist die Einbettung der zitrischen Noten in einen Rahmen aus Basilikum und Anis.
Das ist frisch, das ist hell, das ist klar und transparent und für die damalige Zeit wohl eher ungewöhnlich.
Sehen Sie, durch das Bouquet aus Basilikum und Anis erhalten Petigrain und Limette überhaupt erst eine gewisse Ausdauer.
Und ausdauernd ist dieser, das können Sie mir glauben.
Da gesellt sich dann ein wunderbarer, sehr dezenter, heller und leichter, aber doch präsenter Lavendelhauch hinzu.
Wie mir der alte Konitzke verraten hat, wird das durch ein Tüpfelchen Jasmin besonders hervorgehoben.
Eine äußerst gelungene Komposition, das muß ich schon sagen!
Die Frische wird dann nach geraumer Zeit etwas weicher, trockener, bleibt aber gleichwohl sehr hell und transparent.
Die angenehme Trockenheit ist auf darauf zurückzuführen, daß der Duft in gewisser Weise ambriert wird, sagt der alte Kowalski.
Amber und Moschus, klar, das gehört nun mal in einen seriösen, dezenten und klassischen Herrenduft.
Zistrose soll auch drin sein, die ist mir aber wohl entgangen ...
Nein, also da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.
Süß ist an diesem Duft nun wirklich nichts.
Nein, nein, auf keinen Fall ... da stimme ich Ihnen zu. Man ist ja schließlich keine 20 mehr ...
Klassisch, ja, unbedingt.
Zitrischer Auftakt, sehr dezent und frisch, unterlegt mit Basilikum und Anis, was das Ganze sehr hell und angenehm kühl macht, ohne es in Beliebigkeit abdriften zu lassen.
Der Wiedererkennungseffekt ist hoch, das kann ich Ihnen versichern.
Lavendel strukturiert den Duft, der dann nach acht Stunden ambriert, trocken und dezent ausklingt.
Sehr empfehlenswert, hat nicht jeder. Ist eine echte Rarität!
Nein, wird leider nicht mehr hergestellt.
Hat der alte Krajewski auch sehr bedauert. Allerdings gibt es noch zahlreiche Restbestände, und das für kleines Geld.
Hab mich erstmal eingedeckt ...
Wissen Sie, da hat der alte Karottke völlig Recht – ein Klassiker kommt nie aus der Mode.
Ach ...? Na wenn Sie demneulichst ohnehin mal in der Gegend sind, dann suchen Sie doch den Herrensalon Kokoschinski mal auf!
Sie werden nicht enttäuscht sein!
Ja, der olle Capucci ist ein ganz toller Duft. Trage ihn gerade wieder: er passt sowas von schön in den Frühsommer!!
Aber wie, bitte schön, soll man nach so einem stimmigen und lustigen Kommentar noch darüber schreiben?
Ein Spitzenkommentar. Tolle Geschichte, toll geschrieben und sehr sehr informativ. Ich schaue auch einmal nach Restbeständen. Dir soweit ein weiterer Pokal !
Oh ja, diesen Duft habe ich zufällig letztes Jahr im Sortiment eines Kontaktlinsen-Discounters gesehen. Und war auch hin und weg. Ein wunderbarer Kommentar!
Genial - jetzt hast Du die Barbier-Kunde-Situation einmal umgekehrt! Und auch wenn's mit dem Namensgedächtnis hapert (wie bei mir...), läßt die Duftbeschreibung keine Wünsche offen, :-). Ich hoffe, das Schätzchen findet auch noch seinen Weg zu mir.
ja der ist toll. aber anfangs nicht für jedermann. das kratzen muss man erstmal überwinden und danach, am besten bei wärme, startet er richtig gut durch.
Jaaa, wunderbar und auch bei mir 9.0 wert, ach, was sage ich, ich muss prüfen, ob ich den nicht auch gleich nach oben setze! Was für ein schöner Duft. Eine unscheinbare Perle!
Das gefällt mir aber sehr gut; fein, dass Du hoffentlich wieder häufiger schreibst.
Basilikum in Düften liebe ich ja sehr.
Doch muss ich immer wieder daran denken, dass Lampeduse in seinem Roman "Der Leopard" von einer Gasse in Palermo schreibt, in der die "Puttane" zur ihren "Dienstzeiten" Töpfchen mit Basilikum auf die Fensterbretter stellten.
(Gut, dass ich mit meiner Vorliebe so weit oben wohne!)
Aber natürlich gibt es für Dich einen "Basilikum"-Pokal, voll mit den tollen Duftnoten.
Aber wie, bitte schön, soll man nach so einem stimmigen und lustigen Kommentar noch darüber schreiben?
Basilikum in Düften liebe ich ja sehr.
Doch muss ich immer wieder daran denken, dass Lampeduse in seinem Roman "Der Leopard" von einer Gasse in Palermo schreibt, in der die "Puttane" zur ihren "Dienstzeiten" Töpfchen mit Basilikum auf die Fensterbretter stellten.
(Gut, dass ich mit meiner Vorliebe so weit oben wohne!)
Aber natürlich gibt es für Dich einen "Basilikum"-Pokal, voll mit den tollen Duftnoten.