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Top Rezension
Püppi für Große
Meine Tochter bezeichnet einige Fetzen Stoff als „Püppi“. Sie sind die letzten Überbleibsel einer Tücher-Stoffpuppe, die sich binnen elf Jahren Kindheit Faser für Faser allmählich aufgelöst hat. Wir übrigen drei Familienmitglieder fassen das schon ewig nicht mehr an, aber für die Besitzerin hat derlei – Vor-Pubertät hin oder her – einen unersetzlichen eigenen Charme und Stellenwert. So, wie eine Lieblings-Schmuse-Decke nie ganz…äh…frisch riecht, ja: gar nicht riechen darf.
Einen ähnlichen, skurrilen Charme entfaltet Herrn Tauers Nr. 03 bereits in der Kopfnote. Tauer-Gummi, Minzfrische und eine Spur milde Zitrusfrucht, ausgebreitet auf einer Decke von Rosengeranien- und vielleicht Muskatellersalbei-Muff. Das klingt (und riecht!) keineswegs vollends lecker, wirkt andererseits allerdings verblüffend anheimelnd und wärmend. Balsamisch cremig einhüllend. Doch auch fordernd wegen des bitteren Untertons. Ein echter Tauer. Eine pointierte Zusammenfassung dafür scheint mir am ehesten der Begriff Süßteer zu sein.
In den folgenden Stunden des Duftverlaufs lassen mich herkömmliche Beschreibungen im Stich. Mir ist zunächst, als habe die Rosengeranie einen ölig-wässrig-blumigen, mir bis dato unbekannten Charakter. Anschließend rätsele ich lange an einem Gewürz herum, welches mir erst aus der Curry-Ecke zu stammen scheint, sich dann freilich als eine Art Kümmel (ohne Kreuz-) herausstellt. Nach drei Stunden kriegt der Duft zudem etwas Dumpf-Kartoffeliges, einen Anklang jener trocken-bröseligen Note, wie sie über einem Topf frisch zubereiteter, mehligkochender Kartoffeln liegt, nur irgendwie floraler, getreidehafter. Eine Erklärung dafür habe ich nicht.
Das Leder ist alsdann - ungeachtet der teerigen Kraft, die sich mehr und mehr befreit – gut von der balsamischen Fraktion umschlossen. Es wird nie derart beißend wie der frische Straßenbelag aus Rien Intense Incense. In der fünften Stunde zeigt sich eine bittersüß-rauchige Note, für die mir aus den Angaben bloß Myrrhe zu passen scheint, siruphaft finster gehalten. Am Nachmittag ist der Duft mit „balsamisch-süßlich-teerig-gummihaft“ am besten beschrieben. Eine Prise meines Phantom-Kümmels bilde ich mir um die sechste, siebente Stunde noch ein und ganz nach hinten raus erfolgt schließlich finale Abrundung durch balsamisch-wächserne Noten sowie eine diffuse Vanille-Anmutung, die viele Stunden später – am kommenden Tag – einen Ambra-Verdacht hinterlässt.
Trotz unleugbarer Unterschiede und einer ausgeprägteren Kantigkeit des Jüngeren entfaltet 03 mithin exakt denselben Charme zwischen Anziehung und Abstoßung, der schon die Faszination von 02 ausmachte. Never change a winning team?
Fazit: Wer 02 mag, dürfte gleichermaßen eine Schwäche für 03 haben. Ob das zum „Brauchen“ dieses mit seinen stärker zugespitzten Gegensätzen womöglich – allemal für die Umgebung - noch anspruchsvolleren Nachfolgers reicht, ist eine andere Frage. Ich ziehe die 02 vor.
Vielen Dank an Tiara für die Probe!
Einen ähnlichen, skurrilen Charme entfaltet Herrn Tauers Nr. 03 bereits in der Kopfnote. Tauer-Gummi, Minzfrische und eine Spur milde Zitrusfrucht, ausgebreitet auf einer Decke von Rosengeranien- und vielleicht Muskatellersalbei-Muff. Das klingt (und riecht!) keineswegs vollends lecker, wirkt andererseits allerdings verblüffend anheimelnd und wärmend. Balsamisch cremig einhüllend. Doch auch fordernd wegen des bitteren Untertons. Ein echter Tauer. Eine pointierte Zusammenfassung dafür scheint mir am ehesten der Begriff Süßteer zu sein.
In den folgenden Stunden des Duftverlaufs lassen mich herkömmliche Beschreibungen im Stich. Mir ist zunächst, als habe die Rosengeranie einen ölig-wässrig-blumigen, mir bis dato unbekannten Charakter. Anschließend rätsele ich lange an einem Gewürz herum, welches mir erst aus der Curry-Ecke zu stammen scheint, sich dann freilich als eine Art Kümmel (ohne Kreuz-) herausstellt. Nach drei Stunden kriegt der Duft zudem etwas Dumpf-Kartoffeliges, einen Anklang jener trocken-bröseligen Note, wie sie über einem Topf frisch zubereiteter, mehligkochender Kartoffeln liegt, nur irgendwie floraler, getreidehafter. Eine Erklärung dafür habe ich nicht.
Das Leder ist alsdann - ungeachtet der teerigen Kraft, die sich mehr und mehr befreit – gut von der balsamischen Fraktion umschlossen. Es wird nie derart beißend wie der frische Straßenbelag aus Rien Intense Incense. In der fünften Stunde zeigt sich eine bittersüß-rauchige Note, für die mir aus den Angaben bloß Myrrhe zu passen scheint, siruphaft finster gehalten. Am Nachmittag ist der Duft mit „balsamisch-süßlich-teerig-gummihaft“ am besten beschrieben. Eine Prise meines Phantom-Kümmels bilde ich mir um die sechste, siebente Stunde noch ein und ganz nach hinten raus erfolgt schließlich finale Abrundung durch balsamisch-wächserne Noten sowie eine diffuse Vanille-Anmutung, die viele Stunden später – am kommenden Tag – einen Ambra-Verdacht hinterlässt.
Trotz unleugbarer Unterschiede und einer ausgeprägteren Kantigkeit des Jüngeren entfaltet 03 mithin exakt denselben Charme zwischen Anziehung und Abstoßung, der schon die Faszination von 02 ausmachte. Never change a winning team?
Fazit: Wer 02 mag, dürfte gleichermaßen eine Schwäche für 03 haben. Ob das zum „Brauchen“ dieses mit seinen stärker zugespitzten Gegensätzen womöglich – allemal für die Umgebung - noch anspruchsvolleren Nachfolgers reicht, ist eine andere Frage. Ich ziehe die 02 vor.
Vielen Dank an Tiara für die Probe!
21 Antworten
Floyd vor 5 Jahren
Klasse Beschreibung. Ich liebe Deine Bilder. Hab herzlich gelacht und trage mir den nachher mal zum Test auf (und dazu vielleicht den Teddy meiner Tochter).
Sisyphos vor 9 Jahren
1
Finde den tatsächlich besser als No. 2. Aber wirklich nix für den Einstieg.
Kovex vor 10 Jahren
Sehr schön - meine Gedanken zu "Papier" gebracht und wie immer treffsicher und unterhaltsam beschrieben. Vielen Dank für die Probe. Ich glaube die Tauer´s sind was für mich....
Dobbs vor 10 Jahren
Einfach nur unkompliziert gut riechen geht bei Tauer wohl eher nicht ;o)
DuftJunkie vor 10 Jahren
Der war leider nix für mich! Kannja nicht alles mögen. Vielleicht auch besser so (für den Gelbeutel :-).
Blauemaus vor 10 Jahren
*gg* So was ähnlich haben wir auch in der Familie....
Inger vor 10 Jahren
Ich ziehe da meine "Lieblings-Schmusedecke" vor.
Ergreifend vor 10 Jahren
Ich ziehe auch die 02 vor. Aber diese Nummer ist auch nicht schlecht. pokal!
Gaukeleya vor 10 Jahren
Ich glaube, ich nehme jetzt mal einen tiefen Schnuff von der verfilzten, abgeliebten, vergilbten, 7 Jahre alten Stoffkatze, die mit Waschverbot belegt ist ^^
MarWic vor 10 Jahren
Ratloses Schulterzucken.....
Gerdi vor 10 Jahren
Urks! Die zitierte mehlige Kartoffel gibt es jetzt hier vergoldet in Pokalform gepresst zurück! Schade! Nr.2 ist für mich die Nr.1! (jedenfalls am Herren)
Ormeli vor 10 Jahren
Süßteer – also so eine Art Streetlifescent, interessanter Aspekt aber wahrscheinlich nicht so mein Fall :-)
Yatagan vor 10 Jahren
Cooles Zeug, aber ich brauch ihn nicht. :)
Ergoproxy vor 10 Jahren
Ich fand den sehr spannend, aber auf Dauer kein Duft für mich.
Jensemann vor 10 Jahren
Seit einer Woche nun in meiner Sammlung! Ein verstörender Duft für die Umgebung! Auf der Arbeit werde ich nur noch selten auf Düfte angesprochen, aber am WE wo ich Dienst hatte, kam ein Kollege überhaupt nicht drauf klar, weil ungewohnt! :-)
Pluto vor 10 Jahren
Die Tauers sind spannend, das ist mal sicher :o)
Palonera vor 10 Jahren
Jaja, die Tauers machen es einem nie wirklich leicht - aber gerade darin liegt für mich einer ihrer größten Reize. Ich hätte geschworen, die Drei bereits auf der Merkliste zu haben - wo ist sie nur hin...?
Cravache vor 10 Jahren
Eine vorzügliche Duftanalyse. Und eine wirklich reizvolle Analogie :-)
0815abc vor 10 Jahren
Der steht auf meiner Wunschliste.Tauermachtlustigpokal.
Taurus vor 10 Jahren
Das dumpf Kartoffelartige würde ich dem Möhrensamen zuschreiben. Ist auch in Mark Birley drin ...
KleineHexe vor 10 Jahren
Das klingt doch mal interessant. Wo ist mein ganz alter Teddy?

