
Chiffre
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Chiffre
Top Rezension
65
Diagnose: Unterarmfraktur, Reise storniert
Die letzten zwei Wochen waren echt hart. Da wird seit Monaten ein Duft gefeiert, der so viel Duftnoten hat, dass man denken könne, den gibt es erst ab einen Liter zu kaufen, was sich eigentlich auch im Preis widerspiegelt. Aber nein, es sind sogar „nur“ 90ml. Also ließ ich mich von Malte ins Haifischbecken schubsen und wartete gespannt auf die Duftpost mit den olfaktorischen Lusttropfen aus Dubai. Nun, gestern war es dann endlich so weit und meine Abfüllung kam an Und so schreibe ich diese Zeilen im besten Wissen und Gewissen, ohne despektierlich zu sein. Also sprühte ich…einmal, nicht auf Papier, sondern gleich auf meinen Handrücken. Dieser Sprühstoß landete nicht nur auf der Haut, sondern direkt in meinem zentralen Nervensystem und meine Riechhärchen zogen sofort kollektiv die Reißleine. Die Worte meiner Frau, ungeschnitten und unzensiert: „Das riecht wie ein Unterarm nach sechs Wochen Gips.“ Denn Haibah macht etwas, das viele luxuriöse Orientalen machen: Er verwechselt Masse mit Tiefe.
Die Kopfnote liest sich erst einmal nicht schlecht. Holzige Noten. Rose. Ananas. Apfel. Freesie. Geräuchertes Holz. Leder. Limette. Pfirsich. Bergamotte. Birne. Indisches Basilikum. Ingwer. Safran. Würzige Noten. Aber mein Gott, warum so viel auf einmal? Das Problem ist: Wenn alles laut ist, ist am Ende nichts mehr interessant. Manch einer redet wahnsinnig gern über „Komplexität“, als wäre jedes zweite Duftwasser plötzlich ein philosophisches Werk von Dostojewski. Dabei bedeutet Komplexität nicht, dass man 48 Rohstoffe gleichzeitig auf die Haut wirft und hofft, dass das Gehirn irgendwann aufgibt und einfach „luxuriös“ sagt. Echte Komplexität entsteht durch Komposition. Durch Struktur. Durch Übergänge. Durch Spannung. Ein guter Duft entwickelt sich wie Musik(danke Devainos). Er baut etwas auf, spielt mit Kontrasten, lässt Raum, überrascht, beruhigt, eskaliert kontrolliert.
Die Früchte in der Kopfnote wirken nicht frisch oder elegant, sondern leicht vergoren. Eine säuerlich-fruchtige Mischung aus Ananas, Apfel, Bergamotte und Limette, die verzweifelt versucht Frische zu simulieren, während hinter ihr bereits ein brennendes Lederlager kollabiert. Mein Gott, dieses Leder, in der Kopfnote. Leder in Parfüm kann wunderschön sein. Trocken, rauchig, weich, elegant, dunkel, warm. Es kann an hochwertige Handschuhe erinnern, an alte eingebundene Bücher, an den Innenraum eines klassischen Autos oder eben an eine Jacke. Das Leder in Haibah hingegen riecht, wie eine Lederjacke in einem feuchten Keller. Es hat etwas Muffiges. Etwas Schwitziges.
Und mitten in diesem gesamten Chaos taucht dann Oud auf. Schwer, dominant, vollkommen unfähig, sich harmonisch einzufügen. Oud ist mittlerweile das Gold der Parfümwelt geworden. Jeder redet darüber. Jeder hält es automatisch für tiefgründig. Und irgendwo kommt garantiert ein Typ um die Ecke und sagt: „Oud ist nichts für Anfänger.“ Oder noch schlimmer: „Oud ist eine Reise.“ Nein. Es ist keine Reise. Oud ist Körperpflege mit Harz. Diese ganze Sprache rund um Oud ist inzwischen so unfassbar abgedroschen. Oud wird oft behandelt wie ein elitärer Geheimbund für Duftsnobs. Als müsse man erst eine olfaktorische Mutprobe bestehen, um „bereit“ dafür zu sein. Dabei ist Oud schlicht ein Duftmaterial. Mal schön, mal schwierig, mal medizinisch, mal rauchig, mal weich, mal brutal. Nicht mehr und nicht weniger. Haibah tut so, als wäre er tiefgründig, obwohl er eigentlich nur maximal vollgestopft ist. Haibah trägt alles gleichzeitig. Früchte. Rauch. Leder. Blumen. Trüffel. Safran. Oud. Moschus. Kräuter. Hölzer. Erde. Amber. Rose. Mehr Rose. Noch mehr Oud. Noch mehr Holz. Noch mehr Tier. Und ja, dieses Tierische ist FÜR MICH wirklich bemerkenswert. Nicht auf elegante Weise. Nicht „leicht animalisch“, womit ich übrigens nicht wirklich ein Problem habe. Da ist etwas Schmutziges drin. Etwas leicht Schweißiges und Erdiges, das gemeinsam mit dem Leder und den gärigen Früchten eine Kombination erzeugt, die mich ernsthaft an zertrampelte Rosen neben einer vergammelten Obstkiste erinnert.
Das Faszinierende ist dabei allerdings: Trotz all dieser Kritik verstehe ich völlig, warum Menschen solche Düfte lieben. Wirklich, denn Haibah ist keineswegs langweilig. Und Langeweile ist in der modernen Parfumwelt ein echtes Problem geworden. Viele Mainstreamdüfte, und damit meine ich nicht nur Designer, sondern auch jene Düfte die sich selbst als Ultranische bezeichnen, riechen heute wie steril optimierte Duschgelphantasien mit Fokusgruppenfreigabe. Alles ist sauber, gefällig, glattgebügelt und so vorsichtig formuliert, dass niemand sich gestört fühlt. Frische und völlig übertriebene Ambroxanwolken, süße Vanillemassenproduktion, fruchtige Designerparfums, die nach exakt zwölf Sekunden komplett austauschbar wirken. Da kann ein monströses Oud-Biest wie Haibah fast schon befreiend wirken, einfach weil es Persönlichkeit besitzt, aber eine für mich problematische Persönlichkeit, eine anstrengende Persönlichkeit. Haibah hat Charakter, einen furchtbaren Charakter, aber Charakter.
Ich finde, das Problem beginnt nur dann, wenn Fans solcher Düfte anfangen, jede Überladung automatisch als Kunst zu interpretieren. Denn nicht jede Schwierigkeit ist Tiefe. Nicht jede Wucht ist Komplexität. Und nicht jedes Oud-Parfum ist automatisch ein Meisterwerk orientalischer Duftkultur. Manchmal ist ein Duft einfach nur überladen und Haibah ist definitiv überladen. Es fehlt ihm an Disziplin und genau das ist eigentlich der Kern des Problems. Ein gutes Parfüm weiß , wann es aufhören muss, es kenn seine Grenzen. Es lässt einzelne Materialien atmen. Haibah hingegen wirkt, als hätte jeder Parfümeur im Labor noch schnell „eine Sache mehr“ hinzufügen dürfen. Noch etwas Rauch. Noch etwas Rose. Noch etwas Oud. Noch etwas Frucht. Noch etwas Leder. Noch etwas Moschus. Das ist dann keine Duftarchitektur mehr.
Und trotzdem gibt es Momente und das meine ich jetzt wirklich ernst, in denen Haibah fast funktioniert, spät…ganz spät. Wenn die aggressiven Früchte langsam sterben. Wenn der Rauch weicher wird. Wenn das Leder trocknet, dann kommt plötzlich etwas Interessantes durch. Ein warmer, dunkler Holz-Moschus-Akkord mit Resten von Rose und harziger Tiefe. Für ein paar Minuten versteht man plötzlich, was dieser Duft vielleicht sein wollte. Eine opulente orientalische Signatur. Dunkel. Mystisch. Reich. Schwer. Dann kommt allerdings wieder irgendein muffiger Trüffel um die Ecke und zerstört alles. Und trotzdem respektiere ich die völlige Kompromisslosigkeit dieses Duftes.
Geschmack ist seltsam und Duftgeschmack erst recht. Aber genau deshalb sollte man ehrlich bleiben. Haibah ist keine spirituelle Offenbarung. Keine „Reise“. Keine olfaktorische Erleuchtung für Fortgeschrittene. Es ist einfach ein absurd überladener, tierischer, lederiger, fruchtig-rauchiger Oud-Koloss mit der Eleganz eines vergoldeten Vorschlaghammers. Und vielleicht liegt genau darin seine seltsame Faszination. Denn irgendwo zwischen vergorenen Früchten, zertrampelten Rosen, muffigem Leder, Trüffelwahnsinn und Riechhärchenapokalypse entsteht tatsächlich etwas Merkwürdiges: Persönlichkeit. Eine anstrengende, laute, völlig überdimensionierte Persönlichkeit. Aber immerhin eine echte. Meine „Reise“ endete nach knapp viereinhalb Stunden. Ich denke er hätte mich noch tagelang begleitet, mit einer Lautstärke, die mich irgendwann taub gemacht hätte. Ich schrubbte meine Hände und beduftete mich mit meiner 10€ Ultranische: Verveine Cédrat
Die Kopfnote liest sich erst einmal nicht schlecht. Holzige Noten. Rose. Ananas. Apfel. Freesie. Geräuchertes Holz. Leder. Limette. Pfirsich. Bergamotte. Birne. Indisches Basilikum. Ingwer. Safran. Würzige Noten. Aber mein Gott, warum so viel auf einmal? Das Problem ist: Wenn alles laut ist, ist am Ende nichts mehr interessant. Manch einer redet wahnsinnig gern über „Komplexität“, als wäre jedes zweite Duftwasser plötzlich ein philosophisches Werk von Dostojewski. Dabei bedeutet Komplexität nicht, dass man 48 Rohstoffe gleichzeitig auf die Haut wirft und hofft, dass das Gehirn irgendwann aufgibt und einfach „luxuriös“ sagt. Echte Komplexität entsteht durch Komposition. Durch Struktur. Durch Übergänge. Durch Spannung. Ein guter Duft entwickelt sich wie Musik(danke Devainos). Er baut etwas auf, spielt mit Kontrasten, lässt Raum, überrascht, beruhigt, eskaliert kontrolliert.
Die Früchte in der Kopfnote wirken nicht frisch oder elegant, sondern leicht vergoren. Eine säuerlich-fruchtige Mischung aus Ananas, Apfel, Bergamotte und Limette, die verzweifelt versucht Frische zu simulieren, während hinter ihr bereits ein brennendes Lederlager kollabiert. Mein Gott, dieses Leder, in der Kopfnote. Leder in Parfüm kann wunderschön sein. Trocken, rauchig, weich, elegant, dunkel, warm. Es kann an hochwertige Handschuhe erinnern, an alte eingebundene Bücher, an den Innenraum eines klassischen Autos oder eben an eine Jacke. Das Leder in Haibah hingegen riecht, wie eine Lederjacke in einem feuchten Keller. Es hat etwas Muffiges. Etwas Schwitziges.
Und mitten in diesem gesamten Chaos taucht dann Oud auf. Schwer, dominant, vollkommen unfähig, sich harmonisch einzufügen. Oud ist mittlerweile das Gold der Parfümwelt geworden. Jeder redet darüber. Jeder hält es automatisch für tiefgründig. Und irgendwo kommt garantiert ein Typ um die Ecke und sagt: „Oud ist nichts für Anfänger.“ Oder noch schlimmer: „Oud ist eine Reise.“ Nein. Es ist keine Reise. Oud ist Körperpflege mit Harz. Diese ganze Sprache rund um Oud ist inzwischen so unfassbar abgedroschen. Oud wird oft behandelt wie ein elitärer Geheimbund für Duftsnobs. Als müsse man erst eine olfaktorische Mutprobe bestehen, um „bereit“ dafür zu sein. Dabei ist Oud schlicht ein Duftmaterial. Mal schön, mal schwierig, mal medizinisch, mal rauchig, mal weich, mal brutal. Nicht mehr und nicht weniger. Haibah tut so, als wäre er tiefgründig, obwohl er eigentlich nur maximal vollgestopft ist. Haibah trägt alles gleichzeitig. Früchte. Rauch. Leder. Blumen. Trüffel. Safran. Oud. Moschus. Kräuter. Hölzer. Erde. Amber. Rose. Mehr Rose. Noch mehr Oud. Noch mehr Holz. Noch mehr Tier. Und ja, dieses Tierische ist FÜR MICH wirklich bemerkenswert. Nicht auf elegante Weise. Nicht „leicht animalisch“, womit ich übrigens nicht wirklich ein Problem habe. Da ist etwas Schmutziges drin. Etwas leicht Schweißiges und Erdiges, das gemeinsam mit dem Leder und den gärigen Früchten eine Kombination erzeugt, die mich ernsthaft an zertrampelte Rosen neben einer vergammelten Obstkiste erinnert.
Das Faszinierende ist dabei allerdings: Trotz all dieser Kritik verstehe ich völlig, warum Menschen solche Düfte lieben. Wirklich, denn Haibah ist keineswegs langweilig. Und Langeweile ist in der modernen Parfumwelt ein echtes Problem geworden. Viele Mainstreamdüfte, und damit meine ich nicht nur Designer, sondern auch jene Düfte die sich selbst als Ultranische bezeichnen, riechen heute wie steril optimierte Duschgelphantasien mit Fokusgruppenfreigabe. Alles ist sauber, gefällig, glattgebügelt und so vorsichtig formuliert, dass niemand sich gestört fühlt. Frische und völlig übertriebene Ambroxanwolken, süße Vanillemassenproduktion, fruchtige Designerparfums, die nach exakt zwölf Sekunden komplett austauschbar wirken. Da kann ein monströses Oud-Biest wie Haibah fast schon befreiend wirken, einfach weil es Persönlichkeit besitzt, aber eine für mich problematische Persönlichkeit, eine anstrengende Persönlichkeit. Haibah hat Charakter, einen furchtbaren Charakter, aber Charakter.
Ich finde, das Problem beginnt nur dann, wenn Fans solcher Düfte anfangen, jede Überladung automatisch als Kunst zu interpretieren. Denn nicht jede Schwierigkeit ist Tiefe. Nicht jede Wucht ist Komplexität. Und nicht jedes Oud-Parfum ist automatisch ein Meisterwerk orientalischer Duftkultur. Manchmal ist ein Duft einfach nur überladen und Haibah ist definitiv überladen. Es fehlt ihm an Disziplin und genau das ist eigentlich der Kern des Problems. Ein gutes Parfüm weiß , wann es aufhören muss, es kenn seine Grenzen. Es lässt einzelne Materialien atmen. Haibah hingegen wirkt, als hätte jeder Parfümeur im Labor noch schnell „eine Sache mehr“ hinzufügen dürfen. Noch etwas Rauch. Noch etwas Rose. Noch etwas Oud. Noch etwas Frucht. Noch etwas Leder. Noch etwas Moschus. Das ist dann keine Duftarchitektur mehr.
Und trotzdem gibt es Momente und das meine ich jetzt wirklich ernst, in denen Haibah fast funktioniert, spät…ganz spät. Wenn die aggressiven Früchte langsam sterben. Wenn der Rauch weicher wird. Wenn das Leder trocknet, dann kommt plötzlich etwas Interessantes durch. Ein warmer, dunkler Holz-Moschus-Akkord mit Resten von Rose und harziger Tiefe. Für ein paar Minuten versteht man plötzlich, was dieser Duft vielleicht sein wollte. Eine opulente orientalische Signatur. Dunkel. Mystisch. Reich. Schwer. Dann kommt allerdings wieder irgendein muffiger Trüffel um die Ecke und zerstört alles. Und trotzdem respektiere ich die völlige Kompromisslosigkeit dieses Duftes.
Geschmack ist seltsam und Duftgeschmack erst recht. Aber genau deshalb sollte man ehrlich bleiben. Haibah ist keine spirituelle Offenbarung. Keine „Reise“. Keine olfaktorische Erleuchtung für Fortgeschrittene. Es ist einfach ein absurd überladener, tierischer, lederiger, fruchtig-rauchiger Oud-Koloss mit der Eleganz eines vergoldeten Vorschlaghammers. Und vielleicht liegt genau darin seine seltsame Faszination. Denn irgendwo zwischen vergorenen Früchten, zertrampelten Rosen, muffigem Leder, Trüffelwahnsinn und Riechhärchenapokalypse entsteht tatsächlich etwas Merkwürdiges: Persönlichkeit. Eine anstrengende, laute, völlig überdimensionierte Persönlichkeit. Aber immerhin eine echte. Meine „Reise“ endete nach knapp viereinhalb Stunden. Ich denke er hätte mich noch tagelang begleitet, mit einer Lautstärke, die mich irgendwann taub gemacht hätte. Ich schrubbte meine Hände und beduftete mich mit meiner 10€ Ultranische: Verveine Cédrat
Aktualisiert am 07.05.2026, 03:35 Uhr
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holzige Noten
Rose
Ananas
Apfel
Birne
Freesie
geräuchertes Holz
Indisches Basilikum
Leder
Limette
Pfirsich
Safran
Bergamotte
Ingwer
würzige Noten
Oud
Damaszener-Rose
Trüffel
Amber
Jasmin
Maiglöckchen
moosige Noten
weiße Blüten
Ylang-Ylang
grüne Noten
Iris
krautige Noten
Orchidee
indisches Oud
Moschus
erdige Noten
Guajakholz
Muscenone®
Patchouli
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