NuiWhakakores Parfumblog

NuiWhakakore
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vor 2 Jahren - 27.06.2020
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Günstige arabische Düfte – ein Selbstversuch – Teil 1

oder: frisch-fruchtige arabische Düfte, geht das?

Ich mag gerade nicht in eine Parfümerie gehen, das ist mir mit Maske zu umständlich. Aber testen muß natürlich schon sein, sonst wäre es ja allzu eintönig.

Blindkäufe sind jetzt auch nicht so das Mittel der Wahl. Da habe ich mal lieber geschaut, wo man Duftproben beziehen kann. Im Souk ist das so eine Sache. Da müßte man schon mehrere interessante Dürfe bei einem Parfumo finden, damit es nicht zu aufwendig wird.

Also einfach mal google anschmeißen und siehe da, es findet sich ein Händler, der sehr günstig Proben arabischer Parfums verschickt. Vielleicht schon verdächtig günstig. Ich werde den Namen nicht nennen, ihr könnt es aber mit dem zweiten Duft schnell selbst googeln.

Deshalb starte ich hier ein kleines Projekt: ein Kurztest von günstigen – teilweise sogar richtiggehend billigen – arabischen Düften. Großteils nicht bei Parfumo bewertet, also ziemliches Neuland, vor allem auch für mich!


1. Al Rehab Black Horse (EdP)

Wenig Infos auf Parfumo und das hat vielleicht auch seine guten Gründe: Hier erst einmal die Duftpyramide laut Händler (auf der Hersteller-Homepage ist nichts zu finden):


Kopfnoten

Herznoten

Basisnoten


Orangen, Mandarinen


Grüne Noten, Zitronengras


Zeder, Patschouli

Mein Eindruck nach einem zaghaften (man sagt den arabischen Düften ja einen eher offensive Charakter nach, also erst mal lieber vorsichtig) Sprayer auf das Handgelenk: Alkohol, also eher fieser Fusel, verfliegt zum Glück nach 2-3 Sekunden. Danach kommt ein fruchtig-frischer Orangen-Mandarinen Mix, leicht synthetisch aber durchaus OK. Später dann noch ganz dezent ein Hauch Zitronengras. Nach einer Stunde erinnert er mich an Le Parfait pour Homme. Weiter geht‘s in der Entwicklung… leider nicht mehr. Auf grüne Noten oder gar Basis wartet man vergebens. So klingt er nach 4-5 Stunden aus und riecht so billig wie er ist.

Ich habe ihn mal mit 5 bewertet. Ist vielleicht immer noch zu hoch, aber wer eine lineare Fruchtnote sucht, kann vielleicht glücklich werden.

2. Swiss Arabian Verdict blue (EdT)

Auf Parfumo nicht gelistet und auch auf der Swiss Arabian Seite nicht und auch nur bei einem Händler zu kaufen; sollte man das wirklich riskieren? Nein, ganz sicher nicht! Ich habe es natürlich trotzdem gemacht:

Kopfnoten

Herznoten

Basisnoten


Zitronen, Minze, rosa Pfeffer, Grapefruit



Ingwer, Iso E Super, Muskat, Jasmin



Labdanum, Sandelholz, Patchouli, Vetiver, Räucherwerk, Zeder, weißer Moschus

Es hat sich ja eigentlich ganz gut angehört. Und er fängt auch ganz nett an. Frisch mit Zitrone und Minze und auch leicht scharf mit dem Pfeffer. Recht synthetisch, aber eigentlich ganz nett. Doch dann kommt (mutmaßlich) das Iso E Super. Angeblich riecht es „trocken, holzig, nach Zeder, mit Aspekten von Ambergris, Vetiver und Patschuli“. Bei mir kommt an: Chemieunfall, Fenster und Türen schließen, Fischsterben im Rhein. Chemisch heißt Iso E Super „Tetramethyl acetyloctahydronaphthalenes“. So riecht es auch. Vielleicht ist es aber auch etwas anderes, die Molecule-Düfte werden ja auch nicht mit Waffenschein verkauft. Es kommt noch ein wenig Jasmin und ganz am Schluß Moschus, aber das hilft auch nichts mehr. Das einzig positive ist, daß es nach 2 Stunden überstanden ist. Ich hoffe ja, daß es sich um eine Fälschung handelt, denn so etwas ernsthaft auf den Markt zu bringen, wäre schon dreist.

Ich würde in mit 2 bewerten. Einen Punkt dafür, daß ich keine bleibenden Schäden davon getragen habe. Und einen aus Mitleid, weil ein Punkt alleine so deprimierend ist.

3. Lattafa Qimmah Man (EdP)

Auf der Herstellerseite auch nicht zu finden, aber zumindest auf Parfumo.

Kopfnoten

Herznoten

Basisnoten


Zitrusnoten, Pfeffer, Zedernholz



Lavendel, Salbei, Rosmarin



Vetiver, Patchouli, Moschus und Oudh

Und das hört sich doch eigentlich richtig lecker an. Ist es auch – fast.

Er startet erst einmal mit fiesem Alkohol, aber bald kommt eine lieblich, frische Zitronennote mit Pfeffer. Leicht synthetisch, aber noch in Ordnung. Die Kopfnote hält sogar eine halbe Stunde. Dann kommt noch ein bisschen grün, Lavendel, leicht seifig. Nach einer Stunde kommt noch etwas Salbei dazu, die Zitrone hat sich verabschiedet; cremig aber nicht würzig. Nach 4,5 Stunden gibt es dann noch etwas Moschus und Patchouli, aber nur in homöopathischen Dosen. Wie es weiter geht kann ich leider nicht sagen, da ich hier abgebrochen habe. Der Grund ist, daß die anfänglich leichte Synthetik mit der Zeit immer unangenehmer wird. Erschwerend kommt hinzu, daß Qimmah auch eine starke Silage hat – es gibt also kein entkommen!

Ich bewerte ihn trotzdem mit 6, da ich nicht ausschießen möchte, daß man ihn auch anders wahrnehmen kann.


Um zur Ausgangsfrage zurück zu kommen: frisch-fruchtige arabische Düfte, geht das? Ja, schon.

Aber will man die auch haben? Eher nicht.

Es dürfte auch nicht am teilweise extrem günstigen Preis liegen. Andere Hersteller können auch günstige Düfte gut machen. Statistisch gesehen sind drei Proben jetzt natürlich noch nicht aussagekräftig. Vielleicht habt Ihr ja positive Beispiele.

Der Test geht irgendwann in die 2. Runde. Dann mit noch zwei frischen Düften und einem Oud. Dazu muß sich aber erst meine Nase wieder etwas regenerieren, und – ich gebe es zu – ein klein wenig fürchte ich mich auch davor…



PS: wer die Proben des ersten Teils gerne selbst testen will, einfach eine PM an mich. Ich werde sie definitiv nicht noch einmal testen. Allerdings auf eigene Gefahr!

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