NuiWhakakores Parfumblog

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Von Parfumo empfohlener Artikel
vor 7 Monaten - 11.11.2021
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Was sind schon gute Fotos?

Nachdem es ja jüngst ein wenig Aufregung bezüglich der Fotoregeln hier gegeben hat, habe ich mir mal überlegt, was denn nun eigentlich ein gutes Bild ausmacht. Hierzu eines gleich zu Beginn: es soll nicht um die künstlerische Qualität von Fotos gehen. Über das Thema kann man Bücher füllen und wäre trotzdem einer Definition von Qualität noch nicht näher. Es ist halt nicht alles objektiv bewertbar.

Was man aber objektiv bewerten kann, ist die technische Qualität eines Fotos. Darum soll es hier gehen, um die Basics der Fotografie, die Grundregeln. Versteht das bitte nicht als Kritik oder Besserwisserei, der Blog hier soll nur eine kleine Anregung sein, sich mit dem Thema Fotografie auseinander zu setzten, denn eigentlich ist es gar nicht so schwer, es gibt beim Fotografieren eigentlich nur drei Dinge zu Beachten: Belichtungszeit, Blende, Fokus.


1. Belichtungszeit

Sagt nur aus, wie lange der Verschluss der Kamera offen bleibt, d. h., wie lange Licht auf den Sensor fällt (man kann auch Verschlusszeit sagen, ist etwas altmodisch). Eine sehr kurze Belichtungszeit friert das Bild ein, eine lange Belichtungszeit lässt Bewegung im Bild verschwimmen. Hier mal ein Beispiel für eine etwas längere Belichtungszeit.

Durch die längere Belichtungszeit verschwimmt der Zeiger des Metronoms, dadurch wird die Bewegung erst sichtbar, das Bild dynamisch. Bei einer kurzen Belichtungszeit wäre der Zeiger scharf und das Bild statisch. Bei langen Belichtungszeiten sollte man ein Stativ verwenden. Ein klassisches Anwendungsgebiet ist Wasser: will ich jeden Spritzer sehen, kurze Belichtungszeit, soll das Wasser weich verschwimmen, lange Blichtungszeit. Hier mal ein Beilspiel für eine sehr lange Blichtungszeit (das Wasser/Meer, nicht die Probe, die ist da irgendwie reingeschwebt):

Die Belichtungszeit bestimmt also wie lange Licht (und damit Informationen) auf den Sensor kommen. Wie viel Licht auf den Sensor kommt bestimmt die


2. Blende

Die Blende ist ein Bauteil im Objektiv, das steuert, wie viel Licht ins Objektiv und damit auf den Sensor gelangt. So sieht das aus (das kleine Ding ganz in der Mitte)

Wenn sie auf ist (angezeigt durch eine niedrige Zahl z. B. 2.0, links), kommt die maximal mögliche Lichtstärke ins Objektiv und damit auf den Sensor. Ist sie geschlossen (angezeigt durch eine hohe Zahl z. B. 22, rechts), kommt wenig Licht ins Objektiv.

Mit Belichtungszeit und Blende steuert man, welche „Lichtmenge“ auf den Sensor trifft. Offenen Blende (niedrige Zahl) und lange Blichtungszeit bringt mehr Lichtmenge als geschlossene Blende (hohe Zahl) und kurze Belichtungszeit. Fehlt nur noch eins, der


3. Fokus

Das ist der räumliche Punkt, an dem das Bild scharf ist. Hier mal ein Beispiel eines Flakons, bei dem ich auf unterschiedliche Punkte fokusiert habe (roter Punkt).

Wenn Ihr den Fokus gezielt setzten wollt, benutzt besser den manuellen Fokus Eurer Kamera. Autofokus ist eine tolle Sache, trifft aber nicht immer da, wo man will. Wenn Ihr Autofokus verwendet, macht lieber gleich ein paar mehr Bilder.


So, das sind die Basics, ist doch nicht so schwer! Kompliziert wird es erst durch die Kombination der drei. Also, jetzt noch ganz schnell, dann sind wir durch...


Blende und Schärfe

Die Blende legt nicht nur die Menge an Licht fest, die in Objektiv gelangt, sondern auch, wie groß der Bereich ist, der um den Fokuspunkt herum scharf dargestellt wird. Schaut Euch die Bilder unter Punkt 3 noch einmal an. Hier ist immer ein Bereich, der scharf dargestellt wird und ein Bereich, der unscharf ist. Das liegt daran, dass ich eine offene Blende (4.5) gewählt habe. Dadurch wird der Schärfebereich klein. Bei einer geschlossenen Blende (10) wäre der Schärfebereich größer.

Will ich den Flakon komplett scharf bekommen (linkes Bild), muss die Blende also geschlossen sein. Dadurch wird die Belichtungszeit länger. Je nach Belichtungszeit sollte man also ein Stativ verwenden. Wenn ich den Flakon frontal fotografiere, kommt dieser Effekt nicht so sehr zum tragen. Dann ist der Flakon immer scharf, sofern ich richtig fokusiert habe.

Dieser Effekt nennt sich Tiefenschärfe (oder Schärfentiefe, da geht beides) und man benutzt ihn gerne, um Objekte (in unserm Fall also einen Flakon) freizustellen, d. h., den Hintergrund und/oder Vordergrund verschwimmen zu lassen. Hierzu wählt man eine möglichst offene Blende und fokusiert auf das Objekt. Bei einer geschlossenen Blende ist der Schärfebereich größer und der Hintergrund bleibt, je nach Abstand zum Objekt, scharf. Hier also links mit geschlossener Blende, rechts mit offener.

Mit der Kombination dieser drei Dinge werden Fotos gemacht und das seit die Fotografie erfunden wurde. An dem Prinzip hat sich nichts geändert und wird sich wohl auch so schnell nichts ändern, es ist also keinesfalls vertane Zeit, sich damit zu beschäftigen. Eine keine Sache gibt es allerdings noch, die man mit beachten sollte, der


4. ISO-Wert

Den gab es früher auch schon, er stand auf dem Film drauf, meist 100, 200 oder auch mal 400. Er bezeichnete die Lichtempfindlichkeit des Films. Je empfindlicher der Film, desto weniger Lichtmenge (Belichtungszeit, Blende und so) wurde benötigt. Je lichtempfindlicher der Film, desto grobkörniger wurde er aber leider auch.
Das gilt in der digitalen Fotografie immer noch, wenn auch etwas abgeschwächt. Auch hier wird das Bildrauschen größer bei höherer Lichtempfindlichkeit. Allerdings sind Werte bis 1.600 je nach Sensor durchaus möglich, ohne dass die Bildqualität zu sehr leidet. Zusammen mit Belichtungszeit und Blende ist das also auch noch eine Möglichkeit, mehr Licht auf den Sensor zu bekommen. Bei einem unbeweglichen Objekt würde ich allerdings lieber ein Stativ und eine längere Belichtungszeit verwenden.

Wenn man diese Prinzipien beherzigt, sollte man in der Lage sein, technisch einwandfreie Bilder zu machen, bei denen das Objekt scharf und erkennbar abgebildet ist. Auch wenn man diese Prinzipien nicht beherzigen will, sollte man sie zumindest kennen um sie bewusst ignorieren.

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht. Andreas Feininger

Aber nur weil man es geschafft hat, den Flakon scharf aufs Foto zu bekommen, hat man deshalb noch nicht unbedingt ein gutes Bild, das die Leute auch sehen wollen. Da spielen dann noch ganz andere Dinge mit hinein, wie Bildgestaltung, Bildaufbau, Perspektive, Beleuchtung, Hintergrund, und und und. Da kann man sich austoben und das geht auch ganz ausgezeichnet innerhalb der von Parfumo gesetzten Regeln. Und seinen wir doch froh, dass es hier die Möglichkeit gibt, in entspanntem Rahmen zwei so schöne Hobbys zu kombinieren!

Nur eine Bitte noch: unter Punkt „Blende und Schärfe“ habe ich mal die scheinbar beliebtesten Hintergründe für Flakons hier gewählt, Fliesen und Küchenarbeitsplatten. Es wäre ganz schön, wenn sich da etwas interessanteres finden würde… ;-)

In diesem Sinne, viel Spaß beim Fotografieren!

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Kurz zu mir: ich bin kein Profifotograf, fotografiere aber bereits seit ein paar Jahren (okay Jahrzehnten) und kann immerhin von mir sagen, das Fotografieren von einem Profi gelernt zu haben (meinem Vater, der im ersten Beruf Fotograf war). Macht mich das zum Experten, der immer Recht hat? Nein, selbstverständlich nicht! Das hier beschriebene sind die Basics, die könnt Ihr im Internet an tausend Stellen so nachlesen. Und seid beruhigt, ich mache auch nach vielen Jahren immer wieder gerne die gleichen Fehler...

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