NuiWhakakore
NuiWhakakores Blog
Von Parfumo empfohlener Artikel
vor 4 Jahren - 11.11.2021
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Was sind schon gute Fotos?

Nachdem es ja jüngst ein wenig Aufregung bezüglich der Fotoregeln hier gegeben hat, habe ich mir mal überlegt, was denn nun eigentlich ein gutes Bild ausmacht. Hierzu eines gleich zu Beginn: es soll nicht um die künstlerische Qualität von Fotos gehen. Über das Thema kann man Bücher füllen und wäre trotzdem einer Definition von Qualität noch nicht näher. Es ist halt nicht alles objektiv bewertbar.

Was man aber objektiv bewerten kann, ist die technische Qualität eines Fotos. Darum soll es hier gehen, um die Basics der Fotografie, die Grundregeln. Versteht das bitte nicht als Kritik oder Besserwisserei, der Blog hier soll nur eine kleine Anregung sein, sich mit dem Thema Fotografie auseinander zu setzten, denn eigentlich ist es gar nicht so schwer, es gibt beim Fotografieren eigentlich nur drei Dinge zu Beachten: Belichtungszeit, Blende, Fokus.


1. Belichtungszeit

Sagt nur aus, wie lange der Verschluss der Kamera offen bleibt, d. h., wie lange Licht auf den Sensor fällt (man kann auch Verschlusszeit sagen, ist etwas altmodisch). Eine sehr kurze Belichtungszeit friert das Bild ein, eine lange Belichtungszeit lässt Bewegung im Bild verschwimmen. Hier mal ein Beispiel für eine etwas längere Belichtungszeit.

Durch die längere Belichtungszeit verschwimmt der Zeiger des Metronoms, dadurch wird die Bewegung erst sichtbar, das Bild dynamisch. Bei einer kurzen Belichtungszeit wäre der Zeiger scharf und das Bild statisch. Bei langen Belichtungszeiten sollte man ein Stativ verwenden. Ein klassisches Anwendungsgebiet ist Wasser: will ich jeden Spritzer sehen, kurze Belichtungszeit, soll das Wasser weich verschwimmen, lange Blichtungszeit. Hier mal ein Beilspiel für eine sehr lange Blichtungszeit (das Wasser/Meer, nicht die Probe, die ist da irgendwie reingeschwebt):

Die Belichtungszeit bestimmt also wie lange Licht (und damit Informationen) auf den Sensor kommen. Wie viel Licht auf den Sensor kommt bestimmt die


2. Blende

Die Blende ist ein Bauteil im Objektiv, das steuert, wie viel Licht ins Objektiv und damit auf den Sensor gelangt. So sieht das aus (das kleine Ding ganz in der Mitte)

Wenn sie auf ist (angezeigt durch eine niedrige Zahl z. B. 2.0, links), kommt die maximal mögliche Lichtstärke ins Objektiv und damit auf den Sensor. Ist sie geschlossen (angezeigt durch eine hohe Zahl z. B. 22, rechts), kommt wenig Licht ins Objektiv.

Mit Belichtungszeit und Blende steuert man, welche „Lichtmenge“ auf den Sensor trifft. Offenen Blende (niedrige Zahl) und lange Blichtungszeit bringt mehr Lichtmenge als geschlossene Blende (hohe Zahl) und kurze Belichtungszeit. Fehlt nur noch eins, der


3. Fokus

Das ist der räumliche Punkt, an dem das Bild scharf ist. Hier mal ein Beispiel eines Flakons, bei dem ich auf unterschiedliche Punkte fokusiert habe (roter Punkt).

Wenn Ihr den Fokus gezielt setzten wollt, benutzt besser den manuellen Fokus Eurer Kamera. Autofokus ist eine tolle Sache, trifft aber nicht immer da, wo man will. Wenn Ihr Autofokus verwendet, macht lieber gleich ein paar mehr Bilder.


So, das sind die Basics, ist doch nicht so schwer! Kompliziert wird es erst durch die Kombination der drei. Also, jetzt noch ganz schnell, dann sind wir durch...


Blende und Schärfe

Die Blende legt nicht nur die Menge an Licht fest, die in Objektiv gelangt, sondern auch, wie groß der Bereich ist, der um den Fokuspunkt herum scharf dargestellt wird. Schaut Euch die Bilder unter Punkt 3 noch einmal an. Hier ist immer ein Bereich, der scharf dargestellt wird und ein Bereich, der unscharf ist. Das liegt daran, dass ich eine offene Blende (4.5) gewählt habe. Dadurch wird der Schärfebereich klein. Bei einer geschlossenen Blende (10) wäre der Schärfebereich größer.

Will ich den Flakon komplett scharf bekommen (linkes Bild), muss die Blende also geschlossen sein. Dadurch wird die Belichtungszeit länger. Je nach Belichtungszeit sollte man also ein Stativ verwenden. Wenn ich den Flakon frontal fotografiere, kommt dieser Effekt nicht so sehr zum tragen. Dann ist der Flakon immer scharf, sofern ich richtig fokusiert habe.

Dieser Effekt nennt sich Tiefenschärfe (oder Schärfentiefe, da geht beides) und man benutzt ihn gerne, um Objekte (in unserm Fall also einen Flakon) freizustellen, d. h., den Hintergrund und/oder Vordergrund verschwimmen zu lassen. Hierzu wählt man eine möglichst offene Blende und fokusiert auf das Objekt. Bei einer geschlossenen Blende ist der Schärfebereich größer und der Hintergrund bleibt, je nach Abstand zum Objekt, scharf. Hier also links mit geschlossener Blende, rechts mit offener.

Mit der Kombination dieser drei Dinge werden Fotos gemacht und das seit die Fotografie erfunden wurde. An dem Prinzip hat sich nichts geändert und wird sich wohl auch so schnell nichts ändern, es ist also keinesfalls vertane Zeit, sich damit zu beschäftigen. Eine keine Sache gibt es allerdings noch, die man mit beachten sollte, der


4. ISO-Wert

Den gab es früher auch schon, er stand auf dem Film drauf, meist 100, 200 oder auch mal 400. Er bezeichnete die Lichtempfindlichkeit des Films. Je empfindlicher der Film, desto weniger Lichtmenge (Belichtungszeit, Blende und so) wurde benötigt. Je lichtempfindlicher der Film, desto grobkörniger wurde er aber leider auch.
Das gilt in der digitalen Fotografie immer noch, wenn auch etwas abgeschwächt. Auch hier wird das Bildrauschen größer bei höherer Lichtempfindlichkeit. Allerdings sind Werte bis 1.600 je nach Sensor durchaus möglich, ohne dass die Bildqualität zu sehr leidet. Zusammen mit Belichtungszeit und Blende ist das also auch noch eine Möglichkeit, mehr Licht auf den Sensor zu bekommen. Bei einem unbeweglichen Objekt würde ich allerdings lieber ein Stativ und eine längere Belichtungszeit verwenden.

Wenn man diese Prinzipien beherzigt, sollte man in der Lage sein, technisch einwandfreie Bilder zu machen, bei denen das Objekt scharf und erkennbar abgebildet ist. Auch wenn man diese Prinzipien nicht beherzigen will, sollte man sie zumindest kennen um sie bewusst ignorieren.

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht. Andreas Feininger

Aber nur weil man es geschafft hat, den Flakon scharf aufs Foto zu bekommen, hat man deshalb noch nicht unbedingt ein gutes Bild, das die Leute auch sehen wollen. Da spielen dann noch ganz andere Dinge mit hinein, wie Bildgestaltung, Bildaufbau, Perspektive, Beleuchtung, Hintergrund, und und und. Da kann man sich austoben und das geht auch ganz ausgezeichnet innerhalb der von Parfumo gesetzten Regeln. Und seinen wir doch froh, dass es hier die Möglichkeit gibt, in entspanntem Rahmen zwei so schöne Hobbys zu kombinieren!

Nur eine Bitte noch: unter Punkt „Blende und Schärfe“ habe ich mal die scheinbar beliebtesten Hintergründe für Flakons hier gewählt, Fliesen und Küchenarbeitsplatten. Es wäre ganz schön, wenn sich da etwas interessanteres finden würde… ;-)

In diesem Sinne, viel Spaß beim Fotografieren!

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Kurz zu mir: ich bin kein Profifotograf, fotografiere aber bereits seit ein paar Jahren (okay Jahrzehnten) und kann immerhin von mir sagen, das Fotografieren von einem Profi gelernt zu haben (meinem Vater, der im ersten Beruf Fotograf war). Macht mich das zum Experten, der immer Recht hat? Nein, selbstverständlich nicht! Das hier beschriebene sind die Basics, die könnt Ihr im Internet an tausend Stellen so nachlesen. Und seid beruhigt, ich mache auch nach vielen Jahren immer wieder gerne die gleichen Fehler...

28 Antworten
NorthLightNorthLight vor 2 Jahren
In jedem deiner Fotos perfekt umgesetzt.
ChopIslandChopIsland vor 4 Jahren
Und mit äußeren meine ich nicht das Aussehen.
ChopIslandChopIsland vor 4 Jahren
Die Aufregung kommt aber auch nicht von ungefähr. Manchmal muss man sich sehr ernsthaft fragen.
Da zählen wohl innere Werte ;-)
Schöner Beitrag.
Brelles530Brelles530 vor 4 Jahren
sehr schön herausgearbeitet diese Thematik. Gratulation und Pokälchenwanderung..
GandixGandix vor 4 Jahren
Auf den Punkt gebracht....da das bei mir mit dem Handy oft schnell gehen muss, weil Luna sonst den Flakon klaut, halte ich mich meist an den Tipp mit den 100 Fotos. Eins wird schon dabei sein, das scharf ist. Ball werfen.. Foto, Ball werfen... Foto. So läuft das bei mir ab * schäm* . Aber mal so vor Ort nen Kurs und dann auf die Lauer legen für richtig gute Bilder wäre schon mal toll.
KnopfnaseKnopfnase vor 4 Jahren
Was sind schon gute Fotos? Eine Freude für die Augen. Dank an Dich!
SchalkerinSchalkerin vor 4 Jahren
So schön erklärt. Aber ich bin von der ritsch ratsch Click auf's Handy gewechselt. Null Ahnung 🤷‍♂️
ToppineToppine vor 4 Jahren
Hab jetzt erst deinen schönen Blog entdeckt, lieber Nui, auch von mir tausend Dank für deine Mühe und die feinen Erklärungen. Werde ich mir noch ein paarmal zu Gemüte führen.
CharlAmbreCharlAmbre vor 4 Jahren
Vielen Dank, ich habe deinen Blog mit großer Freude gelesen und meine alte Minolta laut in der Kommode quengeln hören - die sollte ggf auch mal wieder an die frische Luft ;-)
Sweetsmell75Sweetsmell75 vor 4 Jahren
Vielen Dank für deine Mühe Nui
KovexKovex vor 4 Jahren
Toller Beitrag, vielen Dank!
SeejungfrauSeejungfrau vor 4 Jahren
Vielen Dank, Nui.
MadameLegrasMadameLegras vor 4 Jahren
Ein toller und informativer Beitrag von Dir, den ich als Foto-Fan sehr gerne gelesen habe!
BehmiBehmi vor 4 Jahren
Vielen Dank für die guten Erklärungen, ich bin bisher absolut ahnungslos auf diesem Gebiert und habe mich daher bisher nicht getraut Fotos zu machen. Vielleicht dann demnächst ...:-)
ivkoivko vor 4 Jahren
Philosoph ist gut! :D ...dem Marc sein Kumpel aber auch, Du, heißt glaub' J. Khan! :D
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 4 Jahren
@ivko: ja, der Marc ist schon ein ganz großer Philosoph und Lucky Luke eh mein Held ;-)
@Roppongi: Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen (K. Valentin). Wenn es Dir nichts neues bringt, einfach ignorieren...
ivkoivko vor 4 Jahren
Gute Tipps! Ich bin ja mehr der spontane Typ und schieße Fotos eher wie Lucky Luke, aus der Hüfte! #zackdiebohne ;D Es muß schnell gehen, es ist ein Hobby, aber ich gebe mir Mühe und gelobe Besserung ... kann mich nur wiederholen: "The Regels sind the Regels" Zitat, Marc Terenzi! ;)
PollitaPollita vor 4 Jahren
Mir gehts ein bisschen wie Salva. Bei mir ist das eher Spielerei ohne Fachwissen. Mein Fachwissen hab ich woanders. Aber ich spiel trotzdem gern weiter mit.
Dani82Dani82 vor 4 Jahren
Super Beitrag, dann würde ich mal sagen keine Zeit mehr verschwenden und auf zum Fotografieren:-)
StulleStulle vor 4 Jahren
Vielen Dank, dass du etwas Hilfestellung gibst!
Vielleicht hat man heute schon so ein bisschen vergessen, dass Fotograf mal ein richtiger Lehrberuf mit handwerklichen Komponenten war.
Ich glaube, ich muss gleich mal wieder meine olle Kamera aufziehen und auslösen, damit der Verschluss nicht bis zum Ende aller Tage hängen bleibt :)
Medusa00Medusa00 vor 4 Jahren
Ich beneide immer alle, die ein Talent dafür haben. Ich selber habe einen Tunnelblick und verwackel alle Fotos. Das ist jetzt kein Quatsch. Mach weiter so!
UntermWertUntermWert vor 4 Jahren
Wie wunderbar, das ermutigt, die Spiegelreflex wieder hervor zu holen und es einfach wieder zu versuchen (nachdem ich mir das, was dort steht immer wieder nicht merken konnte...)... Tolle, eingängige Beschreibung! Vielen Dank! (und Deine Fotos sind Klasse, aber das sagte ich bestimmt schon)
PonticusPonticus vor 4 Jahren
Ich bin absoluter Laie was das Erstellen von guten oder auch schlechten Fotos anbetrifft! Um so mehr freue ich mich über diese Zusammenfassung grundlegender Regeln und Hinweisen! Danke dafür und auch für Deine hübschen Parfümbilder!
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 4 Jahren
@Salva: da hast Du meine Intention aber komplett missverstanden! Es sind nur Anregungen und etwas Hintergrundwissen zu einem ganz fantastischen Hobby und bitte, bitte mach weiter Fotos! Das Auge ist wie die Nase, sie wächst mit der Herausforderung ;-)
SalvaSalva vor 4 Jahren
Sehr hilfreicher und informativer Blogeintrag! Bin sicher er wird auf der Startseite landen :) Und dass Du erfahren im Fotografieren bist, habe ich bereits geahnt. Denn deine Fotos sehen nämlich immer super gut aus... Und ich bin jetzt erstmal eingeschüchtert und werde mich nicht mehr trauen Fotos einzureichen ;)
GreenGorillaGreenGorilla vor 4 Jahren
Danke für die technische Arbeit
Fresh21Fresh21 vor 4 Jahren
Hach wie schön, das klingt noch nach
echtem Fotohandwerk und ich stelle mir die früheren Kameras dazu vor:) Auch wenn es nur zu Demo-Zwecken war: witzigerweise habe ich heute ein Foto vom Füllstand eines (vermeintlich total undurchsichtigen) schwarzen Antaeus-Flakons gemacht, mit starkem Licht dahinter. Mit dem Handy hat's zuvor nicht geklappt:) Prima Artikel, lieben Dank!
ChanniChanni vor 4 Jahren
Vielen Dank für diesen gut gestalteten Überblick! Richtig Klasse!!!

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