
TeddyDuchamp
9 Rezensionen

TeddyDuchamp
7
Wenn Umami ein Geruchssinn wäre...
Bitte verzeiht mir das folgende Off-topic, aber dieser Duft ließ mich wieder an all das erinnern und führte dazu, dass ich diverse Gedankenspiele hatte.
Für all diejenigen, die das nerdige Geschwafel nicht interessiert - ganz unten geht es dann zur Duftbeschreibung :)
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Seitdem ich das Privileg genießen durfte, mich in Japan zum Ramenkoch ausbilden zu lassen, spielt das Thema Umami eine bedeutsamere Rolle für mich.
Umami steht für den fünften Geschmackssinn. Es ist nicht klar definiert aber es werden häufig die Worte herzhaft, fleischig und vollmundig verwendet, um ihn zu beschreiben.
Erreicht wird dieser Geschmack oftmals über die Zugabe vom berüchtigten Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, kurz MSG.
Für viele steht Umami somit auch für die Zugabe eines synthetisch produzierten Zusatzstoffes - ergo in einem negativen Kontext.
Wenn man es genau nimmt, ist das oft auch so, allerdings gibt es einen natürlichen Weg es zu produzieren und Japaner wären nicht Japaner wenn sie nicht alles perfektionieren müssten und dies auch hier täten.
Im Grunde genommen sind drei Stoffe von Bedeutung: Glutamat, Inosinat und Guanylat.
Im richtigen Verhältnis gemischt wird der Effekt der Geschmacksverstärkung maximiert und man schafft Synergien.
Spoiler: Ja, auch in der japanischen Küche wird MSG verwendet. Doch wird es dort meist nur zum Abrunden eines Gerichts genutzt, da es vereinfacht betrachtet nur den Geschmack aller bereits vorhandenen Aromen verstärkt.
Ramenköche, die es ernst meinen, stellen ihr MSG allerdings aus natürlichen Zutaten her. Hier handelt es sich meist um getrocknete Meeresfrüchte und Fische, wie z.B. Muscheln, Garnelen, Thunfisch und Sardinen aber auch Kombu (Seetang) oder Shiitake Pilze - allesamt Lebensmittel mit einem besonders hohen Gehalt an oben genannten Stoffen.
Hierzulande könnte man Parmesan oder getrocknete Tomaten als Beispiel nennen.
Jeder Ramenkoch verwendet dabei seine eigene Technik, um die Zutaten zu bearbeiten. Im Groben kann man aber sagen, dass man es darüber erreicht, indem man sie in einem Topf mit Wasser über einen Zeitraum X und einer Temperatur Y extrahiert.
Das Ganze nennt man am Ende Dashi, eine Art Brühe, die in der japanischen Küche einen hohen Stellenwert besitzt und vielseitig angewendet wird.
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Royal Barn ist der erste Duft, der mich an das Wort Umami erinnern ließ und ich glaube, das ist kein Zufall.
Dadurch, dass hier schwarzer Trüffel enthalten ist, welcher in getrockneter Form ebenfalls viel natürliches Glutamat enthält, bilde ich mir ein, dass es an eben genau diesem Inhaltsstoff liegt. Auch die fleischige Erdigkeit, die ich rieche, ließe sich über ihn erklären.
Nun weiß ich sehr wohl, dass das alles auch irgendwie verrückt klingt, da es ja keinen direkten Geruchssinn für Umami gibt, aber ich finde den Gedanken dennoch interessant, weil Geruch und Geschmack ja meist im Einklang fungieren.
Das sogenannte ,retronasale Riechen' wird tatsächlich auch beim Verzehr von Ramen praktiziert, indem die Nudeln geschlürft werden. Dadurch soll das Geschmackserlebnis intensiviert werden.
Wer das also unter schlechte Manieren abgespeichert hat - weit gefehlt! Japaner sind einfach verdammte Genies und optimieren dementsprechend überall, was nicht niet- und nagelfest ist :-D
Aber um auch an dieser Stelle ein westliches Beispiel zu nennen:
Es gibt ein Unternehmen (einst 2018 als Start-up in München gegründet) welches heute mit genau diesem Prinzip dreistellige Millionenbeträge jedes Jahr umsetzt, indem es herkömmlichem Wasser ohne Geschmack Geschmack verleiht. Ganz einfach über den Geruchssinn, der beim Trinken aktiv bleibt. Ich denke viele kennen die bekannte Trinkflasche mit ihren Dufteinsätzen ;-)
Nun aber endlich zum Duft
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Royal Barn startet mit einem stalligen aber nicht stinkendem Muff und wird dabei sofort von ein paar äußerst lebendigen aber angenehmen Katzen begleitet.
Eine tolle, leichte Ledrigkeit lassen bei mir zudem kurz Erinnerungen an Cuirtis aufblitzen.
Später wird es leicht blumig und man nimmt die Rose wahr. IdR bin ich hier empfindlich, aber in dieser Dosis bzw. in der Kombination mit all den anderen starken Gegenspielern, ist sie für mich eher ein Mehrwert und macht den Duft in der Entwicklung komplexer denn langweilig.
Am Ende kommt eine fleischige Erdigkeit hinzu, die ich dem Trüffel zuschreibe.
Die Katzen, die sich im Mittelteil etwas verkrochen hatten, kommen nun auch wieder näher herangerückt und setzen sich gemeinsam, ausklingend ans leicht qualmende Adlerholzfeuer.
Royal Barn ist zwar ein dunkler und wilder Duft aber zugleich auch sehr anziehend sowie wärmend und bildet insgesamt eine harmonische Einheit.
Dazu eine durchgehend vollmundige Note die ich ebenfalls dem Trüffel zuschreibe, machen ihn für mich - zum Anbeißen - besonders.
Wie gut, dass eine Glutamat-Unverträglichkeit beim Menschen offiziell noch nicht nachgewiesen werden konnte :)
Für all diejenigen, die das nerdige Geschwafel nicht interessiert - ganz unten geht es dann zur Duftbeschreibung :)
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Seitdem ich das Privileg genießen durfte, mich in Japan zum Ramenkoch ausbilden zu lassen, spielt das Thema Umami eine bedeutsamere Rolle für mich.
Umami steht für den fünften Geschmackssinn. Es ist nicht klar definiert aber es werden häufig die Worte herzhaft, fleischig und vollmundig verwendet, um ihn zu beschreiben.
Erreicht wird dieser Geschmack oftmals über die Zugabe vom berüchtigten Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, kurz MSG.
Für viele steht Umami somit auch für die Zugabe eines synthetisch produzierten Zusatzstoffes - ergo in einem negativen Kontext.
Wenn man es genau nimmt, ist das oft auch so, allerdings gibt es einen natürlichen Weg es zu produzieren und Japaner wären nicht Japaner wenn sie nicht alles perfektionieren müssten und dies auch hier täten.
Im Grunde genommen sind drei Stoffe von Bedeutung: Glutamat, Inosinat und Guanylat.
Im richtigen Verhältnis gemischt wird der Effekt der Geschmacksverstärkung maximiert und man schafft Synergien.
Spoiler: Ja, auch in der japanischen Küche wird MSG verwendet. Doch wird es dort meist nur zum Abrunden eines Gerichts genutzt, da es vereinfacht betrachtet nur den Geschmack aller bereits vorhandenen Aromen verstärkt.
Ramenköche, die es ernst meinen, stellen ihr MSG allerdings aus natürlichen Zutaten her. Hier handelt es sich meist um getrocknete Meeresfrüchte und Fische, wie z.B. Muscheln, Garnelen, Thunfisch und Sardinen aber auch Kombu (Seetang) oder Shiitake Pilze - allesamt Lebensmittel mit einem besonders hohen Gehalt an oben genannten Stoffen.
Hierzulande könnte man Parmesan oder getrocknete Tomaten als Beispiel nennen.
Jeder Ramenkoch verwendet dabei seine eigene Technik, um die Zutaten zu bearbeiten. Im Groben kann man aber sagen, dass man es darüber erreicht, indem man sie in einem Topf mit Wasser über einen Zeitraum X und einer Temperatur Y extrahiert.
Das Ganze nennt man am Ende Dashi, eine Art Brühe, die in der japanischen Küche einen hohen Stellenwert besitzt und vielseitig angewendet wird.
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Royal Barn ist der erste Duft, der mich an das Wort Umami erinnern ließ und ich glaube, das ist kein Zufall.
Dadurch, dass hier schwarzer Trüffel enthalten ist, welcher in getrockneter Form ebenfalls viel natürliches Glutamat enthält, bilde ich mir ein, dass es an eben genau diesem Inhaltsstoff liegt. Auch die fleischige Erdigkeit, die ich rieche, ließe sich über ihn erklären.
Nun weiß ich sehr wohl, dass das alles auch irgendwie verrückt klingt, da es ja keinen direkten Geruchssinn für Umami gibt, aber ich finde den Gedanken dennoch interessant, weil Geruch und Geschmack ja meist im Einklang fungieren.
Das sogenannte ,retronasale Riechen' wird tatsächlich auch beim Verzehr von Ramen praktiziert, indem die Nudeln geschlürft werden. Dadurch soll das Geschmackserlebnis intensiviert werden.
Wer das also unter schlechte Manieren abgespeichert hat - weit gefehlt! Japaner sind einfach verdammte Genies und optimieren dementsprechend überall, was nicht niet- und nagelfest ist :-D
Aber um auch an dieser Stelle ein westliches Beispiel zu nennen:
Es gibt ein Unternehmen (einst 2018 als Start-up in München gegründet) welches heute mit genau diesem Prinzip dreistellige Millionenbeträge jedes Jahr umsetzt, indem es herkömmlichem Wasser ohne Geschmack Geschmack verleiht. Ganz einfach über den Geruchssinn, der beim Trinken aktiv bleibt. Ich denke viele kennen die bekannte Trinkflasche mit ihren Dufteinsätzen ;-)
Nun aber endlich zum Duft
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Royal Barn startet mit einem stalligen aber nicht stinkendem Muff und wird dabei sofort von ein paar äußerst lebendigen aber angenehmen Katzen begleitet.
Eine tolle, leichte Ledrigkeit lassen bei mir zudem kurz Erinnerungen an Cuirtis aufblitzen.
Später wird es leicht blumig und man nimmt die Rose wahr. IdR bin ich hier empfindlich, aber in dieser Dosis bzw. in der Kombination mit all den anderen starken Gegenspielern, ist sie für mich eher ein Mehrwert und macht den Duft in der Entwicklung komplexer denn langweilig.
Am Ende kommt eine fleischige Erdigkeit hinzu, die ich dem Trüffel zuschreibe.
Die Katzen, die sich im Mittelteil etwas verkrochen hatten, kommen nun auch wieder näher herangerückt und setzen sich gemeinsam, ausklingend ans leicht qualmende Adlerholzfeuer.
Royal Barn ist zwar ein dunkler und wilder Duft aber zugleich auch sehr anziehend sowie wärmend und bildet insgesamt eine harmonische Einheit.
Dazu eine durchgehend vollmundige Note die ich ebenfalls dem Trüffel zuschreibe, machen ihn für mich - zum Anbeißen - besonders.
Wie gut, dass eine Glutamat-Unverträglichkeit beim Menschen offiziell noch nicht nachgewiesen werden konnte :)
6 Antworten



Kopfnote
indisches Zibet
Mandarinenblatt
Artemisia
Herznote
Champaka
Jasmin
Palmarosa
Rose
Tagetes
Basisnote
Heu Absolue
äthiopisches Zibet
bhutanisches Oud
schwarze Trüffel
Tonkabohne
Zedernholz
Vanille






Floyd
Schoeibksr
Gandix
Eggi37
Mrtangiers



























