31.07.2024 - 17:52 Uhr

HeavyAlice
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HeavyAlice
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8
She`s a demon, she`s a venus, she`s a real tiger, she`s a goddess...
Als ich dieses Parfum in seiner vollen, harzigen Dunkelheit das erste Mal gerochen habe, befand ich mich mitten im kalten November in der Innenstadt von Hannover, voller Vorfreude auf ein Wochenende mit meiner besten Freundin. Bereits als ich aus dem Zug stieg, hatte sich die Farbe des Himmels von einem einschläfernden, nie enden wollenden Wintergrau zu einem neblig-zornigem Schwarz gewandelt und ehe ich mich versah, goss es in Strömen. Ich stand in meinem viel zu dünnen, schwarzen Wollmantel auf dem Bahnhofsvorplatz, in beiden Händen eine dampfende Pappschachtel mit chinesischen Nudeln und beobachtete wie die graubreiige Menschenmasse verzweifelt versuchte, den Perlenschnüren zu entkommen, welche wütend auf die bunten Regenschirme und deren darunterliegende Häupter niederging. Eine Armee aus feingliedrigen Nadeln, die felsenfest beschlossen hatte, die Welt bis auf die Grundmauern mit Wasser zu fluten!
Das Haar klebte mir am Kopf wie ein Helm und ich weiß noch wie froh ich darüber war, an dem Tag kein Make-Up aufgelegt zu haben. Faulheit und Eitelkeit- im Zweifelsfall kann das eine Tugend, das andere Leid sein.
Meine beste Freundin war noch nicht von der Arbeit zurück und da der Hauptbahnhof in Hannover nicht unbedingt der angenehmste Ort ist, um in Vorfreude auf ein gemütliches Mädchenwochenende zu schwelgen beschloss ich mir die Innenstadt anzuschauen. Die Luft dampfte von dem gefrorenen Ozon, meine Hände fühlten sich taub an, meine Augen schimmerten wie feuchtes Glas und starrten mir aus den Schaufenstern entgegen, als würden sie unter einem See aus Eis dahintreiben.
Und da war er- der LUSH-Shop!
Warmes, weiches Licht, gedämpft durch den gierigen Regennebel empfing mich, genau wie der Schwall aus Parfum der mir entgegenschlug und bei dem ich versuchte, tapfer standzuhalten bis ich das Regal mit den kleinen goldenen Fläschchen erreicht hatte.
Meine Fingerspitzen glitten bereits über meine Duftfavouriten, ,,Lust" und ,,Vanillary"- doch dann sah ich ein neues Parfum mit dem vielversprechenden Namen ,,Goddess", der in goldenen und pompös heischenden Lettern auf die schlichte Parfumflasche aufgedruckt war.
Ich musste bei dem Namen sofort an einen Song denken, den ich im hitze-und schweißtreibenden Hochsommer gern gehört hatte und der mich an diesem regnerischen Regentag an die Wüste Nevadas erinnerte.
,,She`s a demon, she`s a venus, she`s a real tiger, she`s a goddess.."
Ich musste es sofort aufsprühen, dieses goldene Elixir, erwartete einen prunkvollen Sirenenduft und wurde...erschlagen. Erschlagen von der staubigen, stechenden Alkoholwolke, die mich einhüllte und mir das Gefühl gab in ein Whiskeyfass gefallen zu sein. Verletzt von meinen eigenen Erwartungen zog ich sofort die Nase kraus und stellte ihn empört ins Regal zurück; riecht so etwa eine Göttin? Riecht eine Göttin als wäre sie in ein Fass voller Äther gefallen? Sind wir hier etwa im Labor von Jean-Baptise Grenouille?
Doch dann, als hätte die schöne ,,Goddess" geahnt, wie sehr ich sie verschmähte, begann sie sich auf meinem Wollmantel zu entfalten. Ein äußerst harziger, majestätischer Rauch stieg mir in die Nase, begleitet von einer sittsamen Konkubine aus Jasmin auf der einen und einer etwas feurigeren Dame Sandelholz auf der anderen Seite. Diese ,,Goddess"- wer war sie? War sie der Dämon, eine Venus, ein wahrer Tiger, hungrig und auf der Jagd?
Ich fühlte mich in die Wüste versetzt, diesmal jedoch in eine hitzigere und heißere als Nevada und in dieser stand...ein majestätischer, mit veilchenfarbenen Juwelen besetzter Palast, prunkvoll, schimmernd in der Sonne, ohne jede zurückhaltende Eleganz. Dies war nicht das orientalische Reich einer Königin oder einer normalen Prinzessin; dies war der Tempel einer überirdischen Sirene, einer schönen, geheimnisvollen Konkubine, die nichts an ihrem Körper trug außer ihren Juwelen und dem violetten, durchsichtigen Schleier in den sie ihren Körper hüllte, der einer Göttin glich. Sie ist gefährlich, verführerisch, jedoch auf eine schmutzige, verwegene Art und in ihren dunklen Augen spiegeln sich die Dämonen, welche bei ihrem Anblick um ihr Leben flehen.
Oh, was ist diese Dame der veilchenvioletten Dunkelheit nicht alles...sie ist eine Venus, ein Dämon, ein wahrer Tiger, ein Raubtier, eine Göttin..
Der Duft begleitete mich das gesamte, regnerische Wochenende über, räucherstäbchenartig und ummantelt wie eine zweite Haut. Er begleitete mich auf dem langen Waldspaziergang den wir machten und mitten in der kahlen Landschaft vereinte sich der rauchige Nebel mit dem Geruch der kalten Tannennadeln...und ließ mich an die Göttin denken, die im Winter im Dunkeln durch die Wälder streifte, auf der Suche nach Abgründen, dem Verborgenen, nach Geheimnissen die sie verschlingen und reißen konnte...
Wie ein wahrer Tiger.
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Jasmin Absolue
neukaledonisches Sandelholz
Osmanthus Absolue
thailändisches Oud
Damaszener-Rose


Jennytammy
Mina33
Katerchen
Kenshin
Thieleka



































