Das hier ist kein Parfüm. Das hier ist duftende Musik. Musik, die direkt ohne Umwege in den Bauch geht. Nicht intellektuell, nicht gefiltert und nicht auf gute Manieren und Schönheit getrimmt. Dafür kraftvoller, gut riechender Rhythmus. Blues-Rock vom Feinsten.
Limette, Champagner, Gin? Kann sein, es perlt jedenfalls. Von Anfang an ist da Wucht und Präsenz. Wer jemals den wunderbaren Konzertfilm "Stop Making Sense" über die Talking Heads gesehen hat, weiß, wovon ich rede. David Byrne betritt die Bühne und die Sache geht langsam und rhythmisch los, bis die restlichen Bandmitglieder kommen. So auch hier. Und dann haut mir der Duft "Burning Down the House" um die Ohren und in die Nase. Was für eine Eröffnung.. Ich wechsle zu "Once in a Lifetime", während sich der Auftakt etwas beruhigt.
Iris, Veilchen, Jasmin und andere Blümeleien? Mir egal, Noten sind hier überhaupt nicht wichtig. Sie fügen nur kleine Lichtblitze zum Voodoo-Zauber hinzu. Zudem zeigt sich jetzt rasch das pfeffrige Leder, sehr sexy und raumgreifend. Zusammen mit einer gehörigen Portion Rauch. Beides zusammen läßt nur noch Platz für alte Klassiker wie "Stairway to Heaven" oder "Another Brick in the Wall" oder was ihr wollt. Auch Ginger Bakers Drum Solo von Creams "Toad" passt bestens, ist aber hardcore....
Das rauchige Leder begrünt und beruhigt sich langsam. Was bleibt, hat leise Töne und stimmt mich sanft und ruhig. Ich denke an "Rough God Goes Riding" von Van Morrison mit seinen wundervollen Saxophon-Soli. Damit klingt der Duft aus, schön....
Bei aller psychedelischen Rockigkeit ist Voodoo Flower zwar dominant und präsent, aber tatsächlich niemals laut oder aufdringlich. Ein sehr körperlicher Duft für Nase und Ohren, der sofort Kopfkino in Gang setzt. Dabei vollkommen tragbar.
Meine beiden Vorkommentatoren haben ebenfalls die Musik in diesem Duft wahrgenommen. Marilyn Manson ist zwar nichts für mich, aber die Welt ist ja bunt. Floyd hat sich von Jimi Hendrix inspirieren lassen. Da würde ich gerne folgen, klappt aber nicht. Die jaulende, kreischende, sich in Endlosschleifen windende Fender höre ich hier leider nicht.
Tolle Rezi, die es voll trifft.
Also wenn, dann höre ich auch eher Talking Haeds: Girlfinds Is Better, vom Live Album Stop making Sense.
Oder der kurze Knaller: Push It, von Stereo Total aus dem Album Oh Ah.
"The Talking Heads" liebe ich. Seltsamerweise kam ich mit Voodoo Flowers doch nicht so gut klar. Zunächst mochte ich ihn, aber letztlich habe ich ihn weitergegeben, nachdem ich ihn hier im Souk ertauscht hatte. Auch meine Tochter wollte ihn nicht. "Der ist seltsam!"
Vielleicht war er zu experimentell für uns? Ich weiß es nicht. Irgendwie stört mich etwas im Drydown.
"Psychokiller, qu'est-ce que c'est...far far far..... run, run, run, run away..."?!
Ganz spontan würde mir bei psychedelic Rock zu dem Duft passenderweise noch 'Eloy' oder auch 'Ego on the Rocks' einfallen. So genial wie der Duft und so klasse wie deine Rezension!!
Dein begeisterter Kommentar ist klasse. Der Duft ist ganz sicher nicht meine Tasse Tee, aber das stört nicht. Denn die Welt ist ja bunt, wie Du treffend schreibst :-)
Das hier ist kein Kommentar.Das hier ist duftende Musik.Aus dem Bauch.Ohne Filter.Fand beim hastigen Test keinen Zugang,konnt nichts hören.Nichts sehen.Sollte es nocheinmal versuchen.Hast so wunderbar beschrieben...
Egal, was für Musik, ich mag die eh nur, wenn sie laut ist! Talking Heads klingt aber gut zu dem Duft, der in der Tat sehr fein klingt und toll beschrieben ist!
Toll wenn ein Duft einen so mitreißt. Den muss ich dringend testen, mal schaun, ob ich auch an Musik denke. Hab bisschen Angst vor den vielen Blümchen ;-)
Außergewöhnliche Rezension… mit deinen perfekt gewählten Musikvergleichen machst du den Duft so lebendig wie‘s mit Sprache überhaupt nur geht. Und nebenbei inspirierst du mich mal wieder 80er-Sachen zu hören, hab‘ grad mal wieder sämtliche Devo-Platten rausgekramt… and you may ask yourself -how did I get here-Pokal!
So ein Musik-, ein Blues-Rock-Parfüm ist wohl eine feine Sache. Dazu den Limette-Champagner-Gin Cocktail und der Abend ist gelaufen. Das stelle ich mir gut vor und drängt auch die Angst vor zuviel Voodoo zurück! Deine schön geschriebene Empfehlung schreit jedenfalls nach einem Test!
Also wenn, dann höre ich auch eher Talking Haeds: Girlfinds Is Better, vom Live Album Stop making Sense.
Oder der kurze Knaller: Push It, von Stereo Total aus dem Album Oh Ah.
Vielleicht war er zu experimentell für uns? Ich weiß es nicht. Irgendwie stört mich etwas im Drydown.
"Psychokiller, qu'est-ce que c'est...far far far..... run, run, run, run away..."?!