Rose of No Man's Land (Eau de Parfum) von Byredo

Rose of No Man's Land 2015 Eau de Parfum

Meggi
02.06.2019 - 15:01 Uhr
26
Top Rezension
7.5Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Leander kann’s allein!

Die eröffnende Rose wird nach sanftem Auftakt rasch verblüffend teerig, fängt sich jedoch bald wieder und steuert ihre konträren Erscheinungsformen in ein apartes Spannungsfeld aus zarter Duftigkeit einerseits und Bitterem andererseits ein. Schön zu erleben, dass mal beides nebeneinander geht.

Himbeere als Ansage passt zwar prima, ist inhaltlich aber unnötig. Es gibt hinreichend viele aus sich selbst heraus intensiv fruchtig, vereinzelt sogar geradezu „himbeerig“ duftende Rosen, als dass ein externer Beitrag explizit vonnöten gewesen wäre. Aus meinem Bestand kann etwa die Englische Rose „Leander“ von David Austin das Aroma von Himbeere recht gut allein darstellen. Botanisch erstaunen kann das nicht, die Himbeere gehört, wie diverse weitere Obst-Sorten, schließlich zu den Rosengewächsen.

Nach einer halben Stunde ist der Teer weg und hinterlässt lediglich einen reizvollen, bitteren Unterton, während die Frucht an Gewicht gewinnt. Im Gegenzug verliert sie ein wenig an Eindeutigkeit, was allerdings kein Schaden ist, sondern für Abwechslung sorgt: Ich nehme neben der Himbeere im Laufe der folgenden Stunden Birne und – mit Einschränkungen – auch Steinobst wie Aprikose oder womöglich Pfirsich wahr, sämtlich gleichermaßen Verwandte der Rose und mir insofern plausibel. Ein erwähnenswertes Plus ist, dass der Duft nicht oder allenfalls minimal (und dann sehr edel!) bonbonhafte Züge entwickelt.

Es bleibt zudem durchweg klar und frisch und die Innenspannung luftig vs. rest-bitter hält sich ebenfalls. Sie ähnelt vielleicht derjenigen zwischen der perlenden Ober- und der schreitenden, teils stampfenden Unterstimme in den ersten gut hundert Takten im Impromptu Nr. 4 aus Franz Schuberts erster Sammlung (youtube.com/watch?v=V0z7mUV5rSc).

Gegen Mittag wird die olfaktorische Unterstimme allmählich übernommen von einem das Holzige streifenden Aroma, das durchaus an Papier (konkret: feuchtes) zu erinnern vermag, so wir den Angaben folgen wollen – und eine bessere Idee habe ich nicht. Das Obstige weicht zurück, die Rose betont hinfort ihre herbere Seite, garniert mit nun doch mehr Bonbon. Ich denke, hinter dem Euphemismus „weißer Amber“ verbirgt sich schlichtweg eine gewisse Zuckrigkeit, die dafür mit verantwortlich zeichnet.

Der fortschreitende Nachmittag bringt nur noch wenig Veränderung. Die Süße hält sich erfreulicherweise weiterhin sehr bedeckt. Die feuchte Zeitung dünstet friedlich vor sich hin, betupft von einem Rest obiger Bonbon-Rose und klingt ab der achten Stunde in Richtung reineren Ambers aus.

Fazit: ‚Rose of No Man's Land’ ist ein angenehmer, eher leichter Frühlings- oder Sommerduft, den ich mir am besten an etwas jüngeren Damen vorstellen kann.
20 Antworten
LilauLilau vor 7 Jahren
Gut beschrieben! Diese Rose ist ganz zauberhaft und ich finde, sie passt zu allen Altersklassen, da sie gerade nicht zu süß ist.;-)
AolaniAolani vor 7 Jahren
Bonbonrose? Ich muss den nochmal testen.
JumiJumi vor 7 Jahren
Ich habe vollen Respekt for deinen Rosenkenntnissen. Und diese klingt sehr reizvoll!
PaloneraPalonera vor 7 Jahren
Ich mag Byredo ja durch die Bank sehr gern und Deine Rosen-Kommentare auch. Und die anderen sowieso, :-).
FlirtyFlowerFlirtyFlower vor 7 Jahren
Birne stell ich mir in nen Duft eigentlich schön vor und Bonbon-Rose klingt interessant. Pokal für dich
FirstFirst vor 7 Jahren
Mich konnte diese Rose aus irgendeinem Grund nicht wirklich überzeugen. Ich fand sie ein wenig unfroh.
MisterEMisterE vor 7 Jahren
Byredo mag ich. Immerhin eine Marke die man erkennt, wenn man sie mal gerochen hat. Sehe den hier auch als reinen Damenduft
ErnstheiterErnstheiter vor 7 Jahren
1
Von Byredo ist mir bis dato noch kein einziger Duft unter die Nase gekommen. Mit Rose kann ich in der heissen Jahreszeit ohnehin nicht so besonders.
KleopatraKleopatra vor 7 Jahren
Geteerte Rose an Frucht? Hm. Mal schauen...
GoldGold vor 7 Jahren
Hört sich nett an, aber selbst meine Tochter hat kein besonderes Interesse mehr an solchen Rosendüften; mit 14 liebte sie sie, mit 17 ist ihr das zu brav. Das schöne Impromptu kenne ich und habe es selbst gespielt, daher bringt mir der Vergleich mit der Unterstimme einige Erkenntnisse. Danke!
Can777Can777 vor 7 Jahren
Der war solide gemacht,aber nichts was mich vom Hocker gerissen hätte!
0815abc0815abc vor 7 Jahren
1
Ich fand den so mittel:)eingängig bebildert hast die ihn,den Duft.Fein!
Helena1411Helena1411 vor 7 Jahren
Bei feuchtem Zeitungspapier assoziiere ich sofort drückendes Schuhwerk, welches mit Hilfe genau solch feuchtem Zeitungspapier vollgestopft wurde zwecks Dehnung. Allerdings evoziert das auchveinen vollkommen anderen Geruch, nicht zwingend zum Besseren hin...
Aber Dein Kommentar wischt meine Dufterinnerung ja sogleich weg, Merci!
KovexKovex vor 7 Jahren
Den fand ich auch überraschend gut. Mit Deiner Beschreibung und Bewertung gehe ich mal wieder konform :)
YataganYatagan vor 7 Jahren
1
Ich kann ja mit den Byredos nichts anfangen... Auch den fand ich nicht so schön.
DerailroadedDerailroaded vor 7 Jahren
Ich sollte den Duft mal auf Geheiß von Herrn Lubner testen und fand ihn ganz manierlich.
GelisGelis vor 7 Jahren
Das klingt nach einem netten Rosenduft, aber das mit der jüngeren Dame bekomme ich nicht mehr hin. :D
AshiyaAshiya vor 3 Jahren
Ich auch nicht, aber dennoch benötige ich eine Probe. Danke sehr fuer die ausführliche und schoene Beschreibung DonnaV.
SchatzSucherSchatzSucher vor 7 Jahren
Ach guck mal, den habe ich vor einiger Zeit auch getestet und fand ihn ok, große Begeisterungsstürme löste er allerdings nicht bei mir aus. Dein Kommentar gefällt mir wesentlich besser.
GschpusiGschpusi vor 7 Jahren
Bisher hat mir nur Pulp gefallen und den habe ich seit Jahren. Der ist mir zu.. Belanglos