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Top Rezension
Leander kann’s allein!
Die eröffnende Rose wird nach sanftem Auftakt rasch verblüffend teerig, fängt sich jedoch bald wieder und steuert ihre konträren Erscheinungsformen in ein apartes Spannungsfeld aus zarter Duftigkeit einerseits und Bitterem andererseits ein. Schön zu erleben, dass mal beides nebeneinander geht.
Himbeere als Ansage passt zwar prima, ist inhaltlich aber unnötig. Es gibt hinreichend viele aus sich selbst heraus intensiv fruchtig, vereinzelt sogar geradezu „himbeerig“ duftende Rosen, als dass ein externer Beitrag explizit vonnöten gewesen wäre. Aus meinem Bestand kann etwa die Englische Rose „Leander“ von David Austin das Aroma von Himbeere recht gut allein darstellen. Botanisch erstaunen kann das nicht, die Himbeere gehört, wie diverse weitere Obst-Sorten, schließlich zu den Rosengewächsen.
Nach einer halben Stunde ist der Teer weg und hinterlässt lediglich einen reizvollen, bitteren Unterton, während die Frucht an Gewicht gewinnt. Im Gegenzug verliert sie ein wenig an Eindeutigkeit, was allerdings kein Schaden ist, sondern für Abwechslung sorgt: Ich nehme neben der Himbeere im Laufe der folgenden Stunden Birne und – mit Einschränkungen – auch Steinobst wie Aprikose oder womöglich Pfirsich wahr, sämtlich gleichermaßen Verwandte der Rose und mir insofern plausibel. Ein erwähnenswertes Plus ist, dass der Duft nicht oder allenfalls minimal (und dann sehr edel!) bonbonhafte Züge entwickelt.
Es bleibt zudem durchweg klar und frisch und die Innenspannung luftig vs. rest-bitter hält sich ebenfalls. Sie ähnelt vielleicht derjenigen zwischen der perlenden Ober- und der schreitenden, teils stampfenden Unterstimme in den ersten gut hundert Takten im Impromptu Nr. 4 aus Franz Schuberts erster Sammlung (youtube.com/watch?v=V0z7mUV5rSc).
Gegen Mittag wird die olfaktorische Unterstimme allmählich übernommen von einem das Holzige streifenden Aroma, das durchaus an Papier (konkret: feuchtes) zu erinnern vermag, so wir den Angaben folgen wollen – und eine bessere Idee habe ich nicht. Das Obstige weicht zurück, die Rose betont hinfort ihre herbere Seite, garniert mit nun doch mehr Bonbon. Ich denke, hinter dem Euphemismus „weißer Amber“ verbirgt sich schlichtweg eine gewisse Zuckrigkeit, die dafür mit verantwortlich zeichnet.
Der fortschreitende Nachmittag bringt nur noch wenig Veränderung. Die Süße hält sich erfreulicherweise weiterhin sehr bedeckt. Die feuchte Zeitung dünstet friedlich vor sich hin, betupft von einem Rest obiger Bonbon-Rose und klingt ab der achten Stunde in Richtung reineren Ambers aus.
Fazit: ‚Rose of No Man's Land’ ist ein angenehmer, eher leichter Frühlings- oder Sommerduft, den ich mir am besten an etwas jüngeren Damen vorstellen kann.
Himbeere als Ansage passt zwar prima, ist inhaltlich aber unnötig. Es gibt hinreichend viele aus sich selbst heraus intensiv fruchtig, vereinzelt sogar geradezu „himbeerig“ duftende Rosen, als dass ein externer Beitrag explizit vonnöten gewesen wäre. Aus meinem Bestand kann etwa die Englische Rose „Leander“ von David Austin das Aroma von Himbeere recht gut allein darstellen. Botanisch erstaunen kann das nicht, die Himbeere gehört, wie diverse weitere Obst-Sorten, schließlich zu den Rosengewächsen.
Nach einer halben Stunde ist der Teer weg und hinterlässt lediglich einen reizvollen, bitteren Unterton, während die Frucht an Gewicht gewinnt. Im Gegenzug verliert sie ein wenig an Eindeutigkeit, was allerdings kein Schaden ist, sondern für Abwechslung sorgt: Ich nehme neben der Himbeere im Laufe der folgenden Stunden Birne und – mit Einschränkungen – auch Steinobst wie Aprikose oder womöglich Pfirsich wahr, sämtlich gleichermaßen Verwandte der Rose und mir insofern plausibel. Ein erwähnenswertes Plus ist, dass der Duft nicht oder allenfalls minimal (und dann sehr edel!) bonbonhafte Züge entwickelt.
Es bleibt zudem durchweg klar und frisch und die Innenspannung luftig vs. rest-bitter hält sich ebenfalls. Sie ähnelt vielleicht derjenigen zwischen der perlenden Ober- und der schreitenden, teils stampfenden Unterstimme in den ersten gut hundert Takten im Impromptu Nr. 4 aus Franz Schuberts erster Sammlung (youtube.com/watch?v=V0z7mUV5rSc).
Gegen Mittag wird die olfaktorische Unterstimme allmählich übernommen von einem das Holzige streifenden Aroma, das durchaus an Papier (konkret: feuchtes) zu erinnern vermag, so wir den Angaben folgen wollen – und eine bessere Idee habe ich nicht. Das Obstige weicht zurück, die Rose betont hinfort ihre herbere Seite, garniert mit nun doch mehr Bonbon. Ich denke, hinter dem Euphemismus „weißer Amber“ verbirgt sich schlichtweg eine gewisse Zuckrigkeit, die dafür mit verantwortlich zeichnet.
Der fortschreitende Nachmittag bringt nur noch wenig Veränderung. Die Süße hält sich erfreulicherweise weiterhin sehr bedeckt. Die feuchte Zeitung dünstet friedlich vor sich hin, betupft von einem Rest obiger Bonbon-Rose und klingt ab der achten Stunde in Richtung reineren Ambers aus.
Fazit: ‚Rose of No Man's Land’ ist ein angenehmer, eher leichter Frühlings- oder Sommerduft, den ich mir am besten an etwas jüngeren Damen vorstellen kann.
20 Antworten


Aber Dein Kommentar wischt meine Dufterinnerung ja sogleich weg, Merci!