
LuckyDog
37 Rezensionen

LuckyDog
Hilfreiche Rezension
5
Das Middle Management gönnt sich was
71/72 steht bekanntlich für die Hausnummer von Turnbull & Asser in der Jermyn Street. Bei dem Parfüm könnte damit aber auch die Zielgruppe beschrieben sein; das Middle Management um die Jahrgänge 71/72.
Man kann sich Stuart als Leiter Risikomanagement bei einem kleineren privaten Bankhaus vorstellen, wie er gerade bei T&A einen Ersatzkauf an Hemden tätigt, weil bei den alten wieder der Hemdkragen durch den Bartwuchs aufgeraut wurde, was sich nicht schickt.
Der Verkäufer, der um Stuarts Risikobereitschaft beim Kleiderkauf weiß, hatte ihm vor Jahren den damals neuen Duft des Hauses empfohlen. Stuart fühlt sich seitdem wohl damit - er riecht gepflegt, erregt aber auch kein Aufsehen und stielt seinem Vorgesetzten auch nicht die Show mit zuviel Exentrik.
Wie riecht Stuart nun?
Die Kopfnote aus Bergamotte und Orange ist kein "Juhe, der Tag kann kommen", sondern ein routinierter Start in den Tag. Stuart trinkt morgens auch nur wenig Tee damit er nicht zu aufgeputscht ins Büro geht.
In der Herznote vermischen sich zart blumige und stärker holzige Aromen zu einer Komposition, die so raffiniert ist, dass man fast den Verdacht hegt, Floris hätte die Essenz von perfekt geschnittenen Anzügen destilliert. Iris und Leder schwingen sanft mit, und es entsteht eine klassische, fast altmodische Atmosphäre. Doch wer hier die pudrige Weichheit der Iris erwartet, könnte enttäuscht sein – sie bleibt überraschend blass und unscheinbar. Auch das Oud, das normalerweise eine gewisse Bissigkeit oder Würze in ein Parfüm bringt, bleibt hier zahm und fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein, ohne aufzufallen.
Die Basisnoten aus Ambra und Moschus bringen etwas Wärme und Tiefe, doch das Parfüm bleibt eher dezent. Es entfaltet sich wie ein leises Gespräch aber niemals wie eine raumfüllende Präsenz. Und genau hier liegt das größte Manko: Turnbull & Asser ist so unauffällig, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt wahrgenommen wird. Man muss schon sehr nah an den Träger herantreten, um den Duft wirklich zu erschnuppern, was bei einem Parfüm in dieser Preisklasse enttäuschend ist.
Stuarts Assistentin weiß deswegen auch nicht genau, ob Stuart ein Parfüm trägt oder nur eine sehr wohlriechende Seife verwendet. Wie Stuart hat auch der Duft wenig Ecken und Kanten. Wer einen Duft sucht, der subtil im Hintergrund bleibt, könnte hier fündig werden – doch für eine Parfümwahl mit mehr Strahlkraft gibt es sicherlich bessere Alternativen.
Wer nun meint, dass ich dem etwas farblosen Stuart unrecht tue, dem sei gesagt, dass alle meine Business Hemden auch von ein und dem selben Herrenausstatter stammen, bei dem ich ich auch experimentierlose Ersatzkäufe vornehme und der Flakon bei mir trotz seiner Schwächen einziehen durfte. Sind wir nicht alle ab und an etwas Stuart?
Man kann sich Stuart als Leiter Risikomanagement bei einem kleineren privaten Bankhaus vorstellen, wie er gerade bei T&A einen Ersatzkauf an Hemden tätigt, weil bei den alten wieder der Hemdkragen durch den Bartwuchs aufgeraut wurde, was sich nicht schickt.
Der Verkäufer, der um Stuarts Risikobereitschaft beim Kleiderkauf weiß, hatte ihm vor Jahren den damals neuen Duft des Hauses empfohlen. Stuart fühlt sich seitdem wohl damit - er riecht gepflegt, erregt aber auch kein Aufsehen und stielt seinem Vorgesetzten auch nicht die Show mit zuviel Exentrik.
Wie riecht Stuart nun?
Die Kopfnote aus Bergamotte und Orange ist kein "Juhe, der Tag kann kommen", sondern ein routinierter Start in den Tag. Stuart trinkt morgens auch nur wenig Tee damit er nicht zu aufgeputscht ins Büro geht.
In der Herznote vermischen sich zart blumige und stärker holzige Aromen zu einer Komposition, die so raffiniert ist, dass man fast den Verdacht hegt, Floris hätte die Essenz von perfekt geschnittenen Anzügen destilliert. Iris und Leder schwingen sanft mit, und es entsteht eine klassische, fast altmodische Atmosphäre. Doch wer hier die pudrige Weichheit der Iris erwartet, könnte enttäuscht sein – sie bleibt überraschend blass und unscheinbar. Auch das Oud, das normalerweise eine gewisse Bissigkeit oder Würze in ein Parfüm bringt, bleibt hier zahm und fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein, ohne aufzufallen.
Die Basisnoten aus Ambra und Moschus bringen etwas Wärme und Tiefe, doch das Parfüm bleibt eher dezent. Es entfaltet sich wie ein leises Gespräch aber niemals wie eine raumfüllende Präsenz. Und genau hier liegt das größte Manko: Turnbull & Asser ist so unauffällig, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt wahrgenommen wird. Man muss schon sehr nah an den Träger herantreten, um den Duft wirklich zu erschnuppern, was bei einem Parfüm in dieser Preisklasse enttäuschend ist.
Stuarts Assistentin weiß deswegen auch nicht genau, ob Stuart ein Parfüm trägt oder nur eine sehr wohlriechende Seife verwendet. Wie Stuart hat auch der Duft wenig Ecken und Kanten. Wer einen Duft sucht, der subtil im Hintergrund bleibt, könnte hier fündig werden – doch für eine Parfümwahl mit mehr Strahlkraft gibt es sicherlich bessere Alternativen.
Wer nun meint, dass ich dem etwas farblosen Stuart unrecht tue, dem sei gesagt, dass alle meine Business Hemden auch von ein und dem selben Herrenausstatter stammen, bei dem ich ich auch experimentierlose Ersatzkäufe vornehme und der Flakon bei mir trotz seiner Schwächen einziehen durfte. Sind wir nicht alle ab und an etwas Stuart?
Aktualisiert am 21.09.2024 - 13:37 Uhr
2 Antworten



Kopfnote
Bergamotte
Mandarine
Wacholder
Herznote
Jasmin
Lavendel
Oud
Iriswurzel
Basisnote
Sandelholz
Weihrauch
Amberholz


Filou6901
Gerus525
Maggy4u
Yatagan






























