Parfum Captive #3 J.F. Schwarzlose Berlin 2017
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Top Rezension
Im Mini-Regenwald
Vor rund dreißig Jahren habe ich gelernt, dass es sich bei Regenwäldern keineswegs zwingend um gigantische, nebelfeuchte Tropen-Dschungel handelt. Ich war auf Schüleraustausch in Australien und die Familie wollte mit mir einen Ausflug in einen „kleinen Regenwald“ „in der Nähe“ des (subtropischen) Heimatortes Brisbane unternehmen. Wobei „klein“ wie auch „Nähe“ unbedingt aus dem Blickwinkel eines Australiers zu verstehen sind. Denn die entsprechenden National-Parks mögen sich im Vergleich zu Amazonien mickrig ausnehmen, haben allerdings für einen Mitteleuropäer eine durchaus bemerkenswerte Größe, allemal in ihrer Gesamtheit. Die deutschsprachige Webseite der australischen Tourismus-Behörde bezeichnet die „Gondwana Rainforests“ immerhin als „riesiges Gebiet“.
Und für die Fahrt waren bummelig eineinhalb Stunden zu veranschlagen, die in für Australiens küstennahes Hinterland typischer Weise zwar (noch) nicht durch die Outback-Wüsteneien führten, aber schon – jedenfalls wiederum für einen Mitteleuropäer – von einer gewissen Ödnis sein können. Und bereits dort gilt, was im Outback existenziell werden kann. Wer danach aussieht, möglicherweise Hilfe zu benötigen, wird aktiv angesprochen.
Und so befuhren wir eine einsame, recht staubige Straße, als in der Ferne eine Gestalt in Sicht kam, die in unsere Richtung am Rande der Straße entlangwanderte. Beim Näherkommen wurden nach und nach einschlägige Details deutlich und ließen die Augen des diesbezüglich leidgeprüften Kenners (also meine) größer und größer werden: Gelbes T-Shirt, kurze blaue Schlabberhose, weiße Tennis-Socken, Sandalen, Baumwoll-Sonnenhut. Obwohl die Kamera mit Tele-Objektiv auf dem Bauch fehlte (sie hing halb auf dem Rücken), konnte es sich nur um einen Deutschen handeln. Und tatsächlich, der Herr stammte aus Darmstadt und war froh, dass im Auto jemand Deutsch sprach, wenngleich er letztlich keine Hilfe brauchte. Zufälle gibt’s…
Wo war ich? Ach ja, der Regenwald! Ach nein, dies ist doch eine Parfüm-Besprechung! Auf Regenwald komme ich bloß, weil uns die Firma Schwarzlose für ‚Parfum Captive #3‘ die Spritzigkeit eines Regenwaldes verspricht. Wir werden sehen. Ganz bald, denn an sich genügen für den Duft ein paar rasche Worte:
Auf einer muffig-holzigen Unterlage entfaltet sich eine für Grapefruit verblüffend zahme Zitrus-Note. Von Pfeffer spüre ich nicht viel, der Herr hält sich hintergründig. Auch im Verlauf bleibt die Frucht erstaunlich zurückhaltend. Laut Hersteller wurde von der Grapefruit eine natürliche Öl-Essenz eingesetzt. Das passt zum schalig-öligen Habitus, der mir durchweg vom Holz gleichsam gebremst scheint.
Gegen Mittag deutet sich eine Spur außerpfeffriger Würze an, die sich im Fortgang aber eher als Holz entpuppt. Künstlich dürfte es sein, obschon es erfreulicherweise nicht nach Baumarkt riecht. Bis in den Abend hinein bietet ‚Parfum Captive #3‘ dann unauffällig-vornehme Frische in guter, nach hinten raus mutmaßlich per Vetiver gestützter Stabilität.
Neben der bereits erwähnten leicht muffigen Holz-Unterlage mag es ein Anflug von Wässrigkeit an der Schwelle zum Blütigen sein, der den Bezug zu einem Regenwald rechtfertigt. Mutig finde ich, für 25ml des Stöffchens 145 Euronen aufzurufen.
Ich bedanke mich bei Garcon für die Probe.
Und für die Fahrt waren bummelig eineinhalb Stunden zu veranschlagen, die in für Australiens küstennahes Hinterland typischer Weise zwar (noch) nicht durch die Outback-Wüsteneien führten, aber schon – jedenfalls wiederum für einen Mitteleuropäer – von einer gewissen Ödnis sein können. Und bereits dort gilt, was im Outback existenziell werden kann. Wer danach aussieht, möglicherweise Hilfe zu benötigen, wird aktiv angesprochen.
Und so befuhren wir eine einsame, recht staubige Straße, als in der Ferne eine Gestalt in Sicht kam, die in unsere Richtung am Rande der Straße entlangwanderte. Beim Näherkommen wurden nach und nach einschlägige Details deutlich und ließen die Augen des diesbezüglich leidgeprüften Kenners (also meine) größer und größer werden: Gelbes T-Shirt, kurze blaue Schlabberhose, weiße Tennis-Socken, Sandalen, Baumwoll-Sonnenhut. Obwohl die Kamera mit Tele-Objektiv auf dem Bauch fehlte (sie hing halb auf dem Rücken), konnte es sich nur um einen Deutschen handeln. Und tatsächlich, der Herr stammte aus Darmstadt und war froh, dass im Auto jemand Deutsch sprach, wenngleich er letztlich keine Hilfe brauchte. Zufälle gibt’s…
Wo war ich? Ach ja, der Regenwald! Ach nein, dies ist doch eine Parfüm-Besprechung! Auf Regenwald komme ich bloß, weil uns die Firma Schwarzlose für ‚Parfum Captive #3‘ die Spritzigkeit eines Regenwaldes verspricht. Wir werden sehen. Ganz bald, denn an sich genügen für den Duft ein paar rasche Worte:
Auf einer muffig-holzigen Unterlage entfaltet sich eine für Grapefruit verblüffend zahme Zitrus-Note. Von Pfeffer spüre ich nicht viel, der Herr hält sich hintergründig. Auch im Verlauf bleibt die Frucht erstaunlich zurückhaltend. Laut Hersteller wurde von der Grapefruit eine natürliche Öl-Essenz eingesetzt. Das passt zum schalig-öligen Habitus, der mir durchweg vom Holz gleichsam gebremst scheint.
Gegen Mittag deutet sich eine Spur außerpfeffriger Würze an, die sich im Fortgang aber eher als Holz entpuppt. Künstlich dürfte es sein, obschon es erfreulicherweise nicht nach Baumarkt riecht. Bis in den Abend hinein bietet ‚Parfum Captive #3‘ dann unauffällig-vornehme Frische in guter, nach hinten raus mutmaßlich per Vetiver gestützter Stabilität.
Neben der bereits erwähnten leicht muffigen Holz-Unterlage mag es ein Anflug von Wässrigkeit an der Schwelle zum Blütigen sein, der den Bezug zu einem Regenwald rechtfertigt. Mutig finde ich, für 25ml des Stöffchens 145 Euronen aufzurufen.
Ich bedanke mich bei Garcon für die Probe.
19 Antworten


Ich habe inzwischen den Überblick verloren, weiß allerdings auch nicht, was ich noch davon halten soll: Sind diese Düfte außer teuer noch etwas? Oder habe ich wirklich etwas versäumt?