Fou d'Absinthe 2006

Fou d'Absinthe von L'Artisan Parfumeur
Flakondesign Federico Restrepo
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7.6 / 10 386 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von L'Artisan Parfumeur für Herren, erschienen im Jahr 2006. Es wird von Puig vermarktet. Der Name bedeutet „Verrückt nach Absinth”.
Aussprache
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Duftrichtung

Würzig
Grün
Holzig
Frisch
Harzig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
AbsinthAbsinth AngelikaAngelika Schwarze-Johannisbeere-KnospeSchwarze-Johannisbeere-Knospe
Herznote Herznote
GewürznelkeGewürznelke MuskatMuskat PatchouliPatchouli PfefferPfeffer IngwerIngwer
Basisnote Basisnote
KiefernnadelKiefernnadel TannenbalsamTannenbalsam ZistroseZistrose

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.6386 Bewertungen
Haltbarkeit
7.1297 Bewertungen
Sillage
6.1292 Bewertungen
Flakon
7.8265 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.735 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 27.03.2024.

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Rezensionen

30 ausführliche Duftbeschreibungen
7
Preis
8
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
NuiWhakakore

100 Rezensionen
NuiWhakakore
NuiWhakakore
Top Rezension 40  
Die grüne Fee
Au! Etwas piekst in der Nase! Langsam öffne ich die Augen und hätte es wohl besser nicht getan. Vor mir steht ein Mädchen. Springerstiefel, etwas zerrissene Netzstrümpfe, ein sehr kurzer Schottenrock, eine Lederjacke und grüne Haare. Man könnte meinen, meine geheimen Phantasien wären erhört worden. Allerdings steht sie auf meiner Brust, ist circa 15 Zentimeter groß und hat ein, zumindest für ihre Größe, sehr großes Schwert in der Hand. Eindeutig eine Fee, nicht dass ich schon mal eine gesehen hätte. Man erkennt es aber gut an den schimmernden Flügeln.
Gestern ist es mit den Jungs etwas spät geworden, mir brummt der Schädel und offensichtlich habe ich Halluzinationen. Gerade als ich die Augen wieder schließen will, hebt sie das Schwert und spricht mit mir. Sie klingt ziemlich sauer: „Lass dir ja nicht einfallen, weiterzuschlafen! Du musst in 10 Minuten in der Arbeit sein und das wirst du auch!“
Letzteres war wohl eindeutig eine Drohung. Ich kann nur etwas brummen, Kopf explodiert gleich, zu spät gestern, Scheiß auf den Job – keine Ahnung, ob sie das versteht, ist mir auch egal, immerhin sterbe ich hier gerade. Sobald ich die Augen schließe, piekst wieder was in der Nase. War ja klar, dass das nicht so einfach wird.
„Ich erkläre dir mal die Sache, ganz langsam, damit du es kapierst: ich wohne auch hier und ich schlafe tagsüber und das bedeutet, dass du tagsüber hier nicht bist, sondern in deiner Arbeit! Und jetzt trink das! Le do thoil!“
Sie sieht echt sauer aus und atmet schwer, was mich wiederum anmacht, da die Lederjacke recht eng anliegt. Das ist sicher bedenklich, immerhin ist sie ein 15 Zentimeter großes Fabelwesen. Mit dem Schwert zeigt sie auf einen Becher auf meinem Nachtkästchen – okay, es ist kein Nachtkästchen, sondern eine Bierkiste, aber eine sehr schöne – worin sich eine grüne Flüssigkeit befindet. Bläschen steigen an die Oberfläche und es raucht leicht, obwohl es nicht warm ist. Es riecht ein bisschen wie Absinth, bitter und süß, medizinisch. Früchte und Gewürze sind wohl auch mit drin. Da sie eh keine Ruhe geben wird und es immerhin nach Alkohol riecht, trinke ich. Mir ist eh gerade alles ziemlich egal. Dann wird mir schwarz vor Augen…

...als ich sie wieder öffne geht es mir – gut. Sehr gut sogar. Ein frischer Geruch schießt mir in die Nase, wie von Lavendel und Wald. Die Fee ist nicht mehr da, war sie ja wohl eh nie. Ganz ehrlich? Feen gibt‘s doch gar nicht. Jetzt muss ich aber schnell in die Arbeit, sonst gibt es Ärger. Als ich die Tür schließe meine ich im Hintergrund eine Stimme zu hören.

„Ná bac le mac an bhacaigh is ní bhacfaidh mac an bhacaigh leat“

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Fou d'Absinthe startet süß und alkoholisch. So richtig nach Absinth riecht das für mich ehrlicherweise nicht, dafür ist mir die Anisnote nicht deutlich genug, aber es geht schon in Richtung Kräuterlikör. Eine leichte Fruchtnote schwingt mit und Angelika macht es etwas bitter und medizinisch. Angelika mag ich in Düften nicht, hier ist sie aber dezent genug, so dass sie mich nicht stört. Stark gewürzt ist auch, die Gewürznelke kommt deutlich durch. Die Mischung ist süß, aber angenehm und durchaus kräftig.
In meiner Nase kommt nach einer halben Stunde Lavendel an, der nicht enthalten ist. Hier spielen mir wohl der Patch mit den Gewürzen einen Streich. Die likörartige Note bleibt erhalten, Pfeffer pritzelt etwas. Das ganze wird noch mal etwas süßer, aber erträglich. So kräftig wie zu Beginn ist er da schon nicht mehr.
Zur Basis hin kommen wir dann in den Wald (so nach ca. 3 Stunden). Die Kiefernnadeln sorgen für eine ätherische Frische. Tannenbalsam ist erkennbar, balsamisch und weich und holzige Noten sind auch dabei. Von der Zistrose merke ich nichts, es sei denn, sie ist nur als Harz anwesend, wobei sich der typische Geruch von Labdanum auch nicht einstellen will. Hier ist der Duft dann schon recht zurückhaltend. Nach ca. 6 Stunden ist es dann vorbei.
Der Fou d'Absinthe startet recht kräftig und kantig, wird dann aber schnell immer sanfter und zurückhaltender. Das ist für manchen sicherlich zu zurückhaltend und ich hätte mir auch etwas mehr gewünscht, aber trotzdem ist es ein sehr angenehmer Duft.
30 Antworten
7.5
Flakon
5
Sillage
5
Haltbarkeit
8.5
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 29  
chorFREIZEIT
Absinth kenne ich nicht. Bei mir weckt FdA mit seiner Mischung aus Anisig-Ätherischem und Würzig-Kräuterigem die Erinnerung an eine andere Spirituose namens Friesengeist.

Wer sogenannte Chorfreizeiten kennt, weiß, dass das mit dem Begriff „Chorsingen“ sprichwörtlich assoziierte allgemeine Verhalten der Ausübenden nicht der Wirklichkeit entsprechen muss. Für unsere derartigen Exkursionen (wir waren etwa zwischen 15 und 25 Jahre alt) passte das jedenfalls nicht. Diese so trügerisch bezeichneten Wochenenden hatten unzweifelhaft ergiebigen musikalischen Gehalt, das jedoch nur tagsüber. Der Rest der Zeit wurde dem Konsum von nicht unerheblichen Mengen an Bier und alkoholischen Getränken gewidmet.

Das waren noch Zeiten, wo man sich als Teil des harten Kerns fühlen durfte, weil man zwei Nächte praktisch durchzechen (vier Stunden Schlaf – insgesamt, versteht sich) und trotzdem jeweils den ganzen nächsten Tag straff und aufrecht ein anspruchsvolles Programm vom Kaliber Matthäus-Passion proben konnte. Sinngemäß prima auf den Punkt gebracht in einem Satz aus einem Jamiri-Comic aus den 90ern: „Nachts um 4 oder 5, wenn wir früher in rebellischen Zirkeln an Nachttanken herumhingen und irgendwie hofften, die Wahrheit würde kurz vorbeischauen, liegen wir heute im Bett und hoffen allenfalls, ein Internist würde kurz vorbeischauen.“ Na ja, man(n) wird bescheiden, immerhin ist nicht vom Urologen die Rede.

Eine Flasche von besagtem Friesengeist hatte lange bei meinen Eltern herumgestanden (die waren wählerischer als wir Jugendlichen) und ich hatte sie irgendwann mal zu einer solchen Freizeit mitbekommen - gelegentlich haben die beiden mich echt überrascht. Das Zeug sollte vor dem „Genuss“ abgefackelt werden und dieser Empfehlung sind wir selbstverständlich mit großem Hallo gefolgt.

Der Clou ist nun, dass beim Trinken der just erloschenen Flüssigkeit natürlich ein Wechselspiel aus kalt und warm zu spüren ist. Das trifft den Geruch von FdA verblüffend gut und fügt sich genau in die L’Artisan-Ansage, wonach sich tatsächlich im Duft Kälte und Wärme abwechseln sollen. Das ist vorzüglich gelungen und gerade richtig derzeit, wo selbst an schönen Tagen die frühlingshafte Sonne ein bisschen Mühe hat, die morgendliche Kälte zu vertreiben. Doch auch im Sommer stelle ich es mir ganz wunderbar vor.

Im Duftverlauf spielt sich eine arbeitsteilige Raumgestaltung der Noten ein: Auf der Haut sind die Kräuter-, Gewürz- und Fruchtnoten zuständig. Ich wusste überhaupt nicht, dass Johannisbeerknospe derart nach Johannisbeere riecht. Da dürfte sich zusätzlich das eine oder andere Früchtchen hineinverirrt haben. Die ätherische Fraktion hingegen beduftet die entfernteren Gefilde und vermittelt der Umgebung, wie ich mir habe bestätigen lassen, einen Eindruck von extravaganter Frische.

Im Laufe der fünften Stunde (ungefähr) werden die ersten Basis-Bestandteile bemerkbar, die Kieferngewächse lassen sich riechen. Daneben ist aber weiterhin Gewürz mit dabei. Zu einer köstlichen Mischung verbinden sich die sanfte, balsamische Nadelholznote und das inzwischen cremig-abgerundete Gewürz nebst einem Tupferchen Frucht. Zum Hinein-Versenken!

Die Flasche Friesengeist war kein ausgewachsener Bembel, sondern die etwas kleinere Ausführung und ging mithin rasch zur Neige. Der Duft verhält sich scheinbar ähnlich, doch das täuscht. Nach längerer Abwesenheit aus dem Büro ist er bei der Rückkehr bemerkbar. Noch am nächsten Morgen hängt er gar im Raum. Gleichwohl wäre es schön, wenn FdA der eigenen Wahrnehmung ebenso erhalten bliebe.

Fazit: Das kleine Manko in Sachen Selbstriech-Haltbarkeit lässt im Hinblick auf eine Top-Bewertung zögern. Ich mag mir schließlich den Flakon nicht ins Büro stellen. Dennoch zweifellos ein außerordentlich origineller Duft, der einen Test lohnt.
17 Antworten
7.5
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Taurus

1067 Rezensionen
Taurus
Taurus
Top Rezension 25  
Wenn Dich die grüne Fee in ihren Wald lockt
Mit dem Fou d´Absinthe ist L´Artisan Parfumeur etwas wirklich Verführerisches gelungen. Ein Duft, der den Geist von Absinth verkörpert; der in die Untiefen eines verzauberten Waldes eintaucht, scheinbar der Heimat der grünen Fee, und uns dies olfaktorisch versinnbildlicht.

Direkt zu Beginn machen typische Absinth-Ingredienzien wie Anis, Fenchel und ein wenig Zitronenmelisse sowie selbstverständlich Wermut mit dem entsprechenden dazugehörigen Schuss Alkohol die Runde. Jener entweicht schon direkt nach ein paar Sekunden, aber es bleibt definitiv die Assoziation zu Absinth.

Danach folgen wohldosierte Gewürznelken und weitere würzige Noten wie Muskat in Verbindung mit Pfeffer. Das kommt stellenweise ein wenig krautig, ist jedoch nach wie vor absolut angenehm.

Die eigentliche Offenbarung findet ein paar Atemzüge später statt. Was immer hier an Kiefernadel und Tannenbalsam eingesetzt wurde, man hat den Eindruck einen riesigen Forst zu betreten, der vor satten feuchten blaugrünen Nadeln nur so strotzt und einen in den ätherischen Sog zieht.

Parallel verläuft ein zart süßlicher Faden, so als würde man wie im französischen Ritual mehrere Tropfen kaltes Quellwasser aus der Absinthfontäne über den Würfelzucker auf dem Absinthlöffel ins Glas der grünen Fee träufeln.

Alles in allem eine überzeugende Umsetzung ohne, dass man gleich großer Fan von Absinth sein muss. Vor allem Freunde von koniferigen Düften dürften hier ihre helle Freude haben und ihn in ihr großes Herz schließen. Davon wird man zwar nicht gleich verrückt, aber es zieht einen in dessen Bann.
14 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
5
Haltbarkeit
7.5
Duft
loewenherz

887 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 25  
Lake Tahoe
Nur drei Autostunden von der San Francisco Bay Area entfernt liegt er, westlich der Carson Range auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada: Lake Tahoe, einer der herrlichsten Seen der Welt. Sein Wasser leuchtet mal indigofarben, mal türkisblau - je nachdem, wie das Sonnenlicht gerade fällt - und ist so klar wie Glas, so weit das Auge reicht. Umgeben ist er von bis in den Sommer hinein schneebedeckten Berggipfeln und dichten Eichen-, Pinien- und Kiefernwäldern - und ein Ort von fast unwirklicher Schönheit (wären da nicht die vielen Kasinos und Hotels am Ostufer, das zu Nevada gehört, aber die lassen sich einigermaßen gut ignorieren) und - trotz der nicht eben wenigen Besucher - ein Ort voll Ruhe und Bedächtigkeit.

Beinahe genauso schön wie der See und die ihn umgebende Berglandschaft selbst ist schon die Autofahrt dorthin. Hat man die Vororte von Sacramento hinter sich gelassen, führt die Interstate 80 weitgehend unbefahren aus dem vergleichsweise wenig spektakulären kalifornischen Hinterland in schroffe, unberührt anmutende Bergwelten hinauf - und hinein in riesige und hochgewachsene Wälder. Wenn man im Frühling dort ist und - amerikanisch behäbig - mit offenem Fenster fährt, ist der lebhafte Duft dieser Wälder überwältigend. Es durchmischen sich die Aromen eines trockenen, sonnenlichtüberfluteten Waldbodens mit dem intensiven frischen Grün und Braun der Bäume - golden warm und harzig frisch.

Diese goldene Wärme und harzige Frische, dieses 'überwältigt werden durch die Farbe Grün' finden sich wunderbarerweise auch in Fou d'Absinthe, L'Artisan Parfumeurs Tribut an den berühmten grünen Wundertrank des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts - gebraut aus Wermut, Fenchel, Anis und einer Vielzahl weiterer, mehr oder weniger geheimer Kräuter. Er beginnt mit einer leuchtenden, sehr eigenwilligen Kopfnote, in der sein hölzernes Herz zwar bereits anklingt, doch (noch) ätherisch-alkoholisch überblendet wird. Erst nach und nach enthüllt er eine saftig grüne Waldigkeit und Moosigkeit, der es jedoch - und das macht ihn unter den Walddüften besonders - an jeder Dunkelheit und Geheimnisumwittertheit mangelt, was mutmaßlich am Fehlen einer Weihrauchnote liegt. So ist er ein freundlicher, ein heller Mischwaldduft, der von Eichenlaub und jungen Nadeltrieben zu erzählen weiß und würdigen, hoch aufschießenden Kiefernstämmen im hellen Morgenlicht - und leuchtend goldenen Spänen auf seinem weichen und sonnenlichtüberfluteten Grund.

Fazit: gar nicht so viel Absinth und kein bisschen 'verrückt', so wie sein Name andeutet, sondern ein kraftvoll-freundlicher Waldduft und eine wunderbare Erinnerung an eine herrliche Fahrt in die grünwaldigen Berge der Sierra Nevada im Frühling - und entlang der Gestade des türkisblauen Lake Tahoe.
6 Antworten
7.5
Flakon
5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Unterholz

54 Rezensionen
Unterholz
Unterholz
Top Rezension 20  
Grün für Bürokraten
Beim Stichwort Absinth bin ich als Schweizer befangen, wurde die Spirituose ja angeblich im westschweizerischen Val de Travers (CH/F) ‚erfunden‘ und hat somit Heimvorteil. Dem Geschmack der charakteristischen Kräutermelange bin ich absolut verfallen. Und seit parfumo auch dem Geruch.
Wermut (Artemisia) oder Beifuss, Anis, Fenchel, Ysop, Melisse, Wacholder, Angelika und diverse Gewürze wie Muskat oder Koriander sind für die doch recht einzigartige Kombination aus bitteren, herben, süssen und sogar fruchtigen Aromen verantwortlich. Geschmacklich gibt’s dutzende Variationen, wobei mal weniger, mal mehr von der einen oder anderen Zutat verwendet wird – ganz auf den Geschmack des Connaisseurs zugeschnitten. Die tschechische, französische und schweizerische Trinkart ist nach den Ländern benannt, wo sie angeblich praktiziert wird (mit oder ohne Zucker etc.). Aussenstehenden und echten Kennern mag das allerdings nur ein müdes Lächeln abgewinnen; einen guten Absinth geniesst man am besten pur oder mit wenig Wasser verdünnt.
Interessant ist auch seine Geschichte. Ursprünglich wie heute ein Trendgetränk, wurde die ‚Grüne Fee‘ zu Beginn des 20. Jhdt. zunehmend polemisiert und war wegen des recht hohen oder gar überdosierten Thujon-Gehalts (ein Nervengift) bald als ‚Scharfmacher‘ für allerlei Mörder und Totschläger verschrien, die im Absinthrausch gemeuchelt haben sollen. Nach heutiger Einschätzung war es eher ein generelles Problem mit dem Alkoholismus, besonders in den unteren Gesellschaftsschichten, der solche Entgleisungen forcierte. Jedenfalls steht der Absinth heute – losgelöst von der eigentlich harmlosen geschmacklichen Erfahrung – noch immer marketingwirksam im Ruf der verbotenen grünen Leidenschaft. Kein Wunder, dass eine trendsensible Nase mal auf die Idee kommen musste, ein Absinthparfum zu kreieren.
Gemäss Blitzrecherche auf parfumo scheint Guerlains „Pour Troubler“ (1911!) einer der frühesten Düfte gewesen zu sein, der sich an diesem Duftkonzept versuchte. Dann lange nichts bis zu „Lancetti Uomo“ (Lancetti, 1982). 1990 lancierte dann Yves Rocher ausgerechnet einen Aquatik-Duft („Antarctic“) mit diesem Thema. Ob sich das verkauft hat? Es ist fast zu bezweifeln. Leider sind sämtliche Ur-Düfte eingestellt.
Spätestens im neuen Jahrtausend ist die Auswahl an Absinthdüften schon fast unübersichtlich. Dabei ist es nicht gerade leicht – wie ich finde – bittere Kräuter zum Hauptthema eines Duftes zu machen. Es ist längst nicht damit getan, ein paar davon zusammenzumischen, denn das macht noch kein Parfum. Dem Absinth muss ein Gegenpol gegeben sein, damit er nicht bald den Träger erschöpft mit seiner dauernden Originalität. Entsprechend gibt es viele Ansätze, gelungenere und weniger geniale oder solche, bei denen der Name Absinth allein das Pikanteste darstellt. Eine authentische Kopfnote bietet beispielsweise „Memoir Man“ von Amouage, wenn auch danach was ganz anderes kommt. Ebenfalls gelungen: Serge Lutens‘pudrige Interpretation (Douce amère). Nasomattos „Absinth“ konnte mich aufgrund der süsslich-vanilligen Basis – und trotz Vetiver – nicht überzeugen. Besser hat es Mark Buxton gemacht mit seinem „Wood and Absinth“. Top ist auch „Cuir“ von Mona di Orio, wobei hier eher der Wacholder und trocken-verbrannte Noten im Vordergrund stehen, ein fast abstraktes Leder.
Und „Fou d‘ Absinthe“? Der ist was echt Eigenständiges. Tatsächlich für mich der bis jetzt tragbarste. Und absolut alltagstauglich. Anfänglich war ich enttäuscht, weil Absinth nur kurz nach dem Aufsprühen da ist. Dann geht es auch schon in ein cremiges, wenig seifiges Rasierwasser über, das den ganzen Tag gute Laune macht und einen wie frisch geduscht fühlen lässt. Die Nelke bemüht sich um ein wenig Ernsthaftigkeit. Calliope hat das sehr treffend beschrieben. Tanne und Pinie sind sicher die Hauptakteure und die sind grün – womit sich durchaus die Verbindung zum Absinth ergibt. Man denkt an nebelverhangene Täler, wo alte bucklige Männer in Blockhütten ihre Brennereien betreiben. Illegal natürlich.
Olivia Giacobetti hat ein glückliches Näschen bewiesen, indem sie die bitteren, herben Noten auf eine kühl-cremige Basis stellte, die eigentlich recht traditionell daherkommt. Der Spagat zwischen Avantgarde und Understatement ist damit geglückt. Underground für Angepasste sozusagen. Also ich könnt drin baden.
5 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

64 kurze Meinungen zum Parfum
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 3 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Gibt mir bittere Medizin
Gewürzalkohol
Alibifrucht
Lavendel ins Gesicht
draußen im Nadelwald
winkt sie mich zu sich
die grüne Fee
24 Antworten
SchalkerinSchalkerin vor 3 Jahren
7
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
Ich war im Wald, um die grüne Fee zu treffen. Leider sah ich sie nur von weitem. Aber sie hatte G Nelke, Kiefernnadeln und Ingwer dagelassen
19 Antworten
MarieposaMarieposa vor 2 Jahren
7
Sillage
6
Haltbarkeit
7
Duft
Zarte Hand
der grünen Fee
führt in
koniferenwürzige
Sommerwälder
32 Antworten
HasiHasi vor 4 Jahren
10
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
7
Duft
Herbstwald. Nadelbäume bluten duftend. Reisigteppich federt knisternd bei jedem Schritt. Sonnentaler spielen auf dem Boden. Würziges Atmen.
15 Antworten
ChizzaChizza vor 4 Jahren
8
Flakon
7
Duft
Dermaßen gezähmt, dass der Duft kaum Absinth zulässt. Sanft-würzig, etwas seicht. Hat was von würzigem Rasierwasser. Nett.
11 Antworten
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