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Top Rezension
Odyssee allenfalls zu Lande
Wie seltsam, sich mit einem Duft - und mag er in seiner ursprünglichen Fassung auch „stärker“ gewesen sein - auf das antike Karthago zu berufen, Zentrum einer gewaltigen Seefahrer-Handelsmacht vor allem des dritten und vierten vorchristlichen Jahrhunderts (Hannibals Elefanten führen ein wenig in die Irre), und dann ein Parfüm anzubieten, das vergleichsweise geerdet, ruhig und hautnah ist, weit entfernt von der See, ja für mich sogar von den angeblich beschworenen Handelsgütern.
Eine Odyssee soll es sein, zunächst im Äußeren, bezogen auf den Handel mit seltenen Gewürzen, schließlich ins eigene Innere, wenn ich den kryptischen Text richtig deute. Na gut. Daraus lässt sich wohl nur der Schluss ziehen, dass der Name wahrlich nicht Duft, sondern zumindest für die heutige Fassung schlichtweg Schall und Rauch ist. Nebenbei bemerkt hat der Namensgeber der Ur-Odyssee mit Gewürzen nichts am Helm gehabt, die Zeit vielmehr überwiegend auf der Insel Ogygia bei der Nymphe Kalypso verbracht. Na ja…hm…gibt vermutlich üblere Gesellschaft, bei der insbesondere man(n) so chillen - oder hotten - kann. Trotz der verheißenen Unsterblichkeit und ewigen Jugend wünschte Odysseus übrigens die Rückkehr zu seiner Frau Penelope. Braver Mann. Dieter Bohlen hätte womöglich anders entschieden.
Ja. Also…äh…der Duft. Ich finde ihn durchaus gelungen. Trockener, kräftiger, unsüßer Amber, der mich im Stil an zwei jüngere Kollegen erinnert: Zum ersten - im vorderen Teil - an Alambar von Laboratorio Olfattivo. Was dort der Kakao an Staub liefert, übernimmt hier Patchouli. Der Duft wird somit noch trockener und dunkler als der soeben zitierte. Zum zweiten - im weiteren Verlauf und wichtiger in der Bedeutung - erinnert mich die Kombination von Amber und kräftiger Rosengeranie im Stil an Ambrarem von Histoires de Parfums.
Der ist allerdings ungeachtet seines ähnlichen Grund-Charakters ungestümer und stinkiger. Ich habe mal an einem Rosengeranien-Öl geschnuppert, das ziemlich wie über Nacht stehengelassener Aschenbecher roch, deshalb komme ich beim Thema Rosengeranie so oft darauf. Derart stinkig wird L'Ambre de Carthage nie. Stattdessen bietet er gegen Mittag plötzlich für ein, zwei Stunden eine Note auf, die mich an…nun ja…Banane erinnert. Leicht überreife Banane.
Daneben stehen im Verlauf des Nachmittags blumige Beiklänge, die freilich nicht stark genug sind, um die besagte Ähnlichkeit in meinem Empfinden zurückzudrängen. Das gelingt schon eher dem Einschlag von, schwer zu sagen, vielleicht Birkenteer, der ab dem letzten Drittel den Duft gemeinsam mit dem Patchouli verfinstert. Gleichwohl kein Absturz in tiefe Schwärze. Es wird nicht bedrückend, weil der Duft weiterhin ruhig und unaufdringlich bleibt. Positiv hervorzuheben ist aus meiner höchst individuellen Sicht die fehlende Vanille. Zimt ersetzt gewissermaßen stilistisch ein bisschen, aber nur eine Prise davon ist zu spüren. Das Ende des Duftverlaufs ist im Wesentlichen etwa im Laufe der achten, neunten Stunde erreicht.
Hm. Für mich muss ich festhalten, dass bei allem, was ich an L'Ambre de Carthage besonders schätze, Ambrarem es einen Zacken besser macht. Mehr Harz, mehr Tiefe. Jedoch verzichtet L'Ambre de Carthage auf die von mir weniger geschätzte Vanille und ist definitiv der Feinere. Und, ja, er ist schön. Punkt. Außerdem universell bürotauglich, was sich von einem Stinker wie Ambrarem nicht behaupten lässt.
Kaufen werde ich ihn mir nicht, weil ich sogar im Büro den Ambrarem „riskieren“ kann. Trotzdem vielen Dank an Dobbs für die schöne Probe!
Eine Odyssee soll es sein, zunächst im Äußeren, bezogen auf den Handel mit seltenen Gewürzen, schließlich ins eigene Innere, wenn ich den kryptischen Text richtig deute. Na gut. Daraus lässt sich wohl nur der Schluss ziehen, dass der Name wahrlich nicht Duft, sondern zumindest für die heutige Fassung schlichtweg Schall und Rauch ist. Nebenbei bemerkt hat der Namensgeber der Ur-Odyssee mit Gewürzen nichts am Helm gehabt, die Zeit vielmehr überwiegend auf der Insel Ogygia bei der Nymphe Kalypso verbracht. Na ja…hm…gibt vermutlich üblere Gesellschaft, bei der insbesondere man(n) so chillen - oder hotten - kann. Trotz der verheißenen Unsterblichkeit und ewigen Jugend wünschte Odysseus übrigens die Rückkehr zu seiner Frau Penelope. Braver Mann. Dieter Bohlen hätte womöglich anders entschieden.
Ja. Also…äh…der Duft. Ich finde ihn durchaus gelungen. Trockener, kräftiger, unsüßer Amber, der mich im Stil an zwei jüngere Kollegen erinnert: Zum ersten - im vorderen Teil - an Alambar von Laboratorio Olfattivo. Was dort der Kakao an Staub liefert, übernimmt hier Patchouli. Der Duft wird somit noch trockener und dunkler als der soeben zitierte. Zum zweiten - im weiteren Verlauf und wichtiger in der Bedeutung - erinnert mich die Kombination von Amber und kräftiger Rosengeranie im Stil an Ambrarem von Histoires de Parfums.
Der ist allerdings ungeachtet seines ähnlichen Grund-Charakters ungestümer und stinkiger. Ich habe mal an einem Rosengeranien-Öl geschnuppert, das ziemlich wie über Nacht stehengelassener Aschenbecher roch, deshalb komme ich beim Thema Rosengeranie so oft darauf. Derart stinkig wird L'Ambre de Carthage nie. Stattdessen bietet er gegen Mittag plötzlich für ein, zwei Stunden eine Note auf, die mich an…nun ja…Banane erinnert. Leicht überreife Banane.
Daneben stehen im Verlauf des Nachmittags blumige Beiklänge, die freilich nicht stark genug sind, um die besagte Ähnlichkeit in meinem Empfinden zurückzudrängen. Das gelingt schon eher dem Einschlag von, schwer zu sagen, vielleicht Birkenteer, der ab dem letzten Drittel den Duft gemeinsam mit dem Patchouli verfinstert. Gleichwohl kein Absturz in tiefe Schwärze. Es wird nicht bedrückend, weil der Duft weiterhin ruhig und unaufdringlich bleibt. Positiv hervorzuheben ist aus meiner höchst individuellen Sicht die fehlende Vanille. Zimt ersetzt gewissermaßen stilistisch ein bisschen, aber nur eine Prise davon ist zu spüren. Das Ende des Duftverlaufs ist im Wesentlichen etwa im Laufe der achten, neunten Stunde erreicht.
Hm. Für mich muss ich festhalten, dass bei allem, was ich an L'Ambre de Carthage besonders schätze, Ambrarem es einen Zacken besser macht. Mehr Harz, mehr Tiefe. Jedoch verzichtet L'Ambre de Carthage auf die von mir weniger geschätzte Vanille und ist definitiv der Feinere. Und, ja, er ist schön. Punkt. Außerdem universell bürotauglich, was sich von einem Stinker wie Ambrarem nicht behaupten lässt.
Kaufen werde ich ihn mir nicht, weil ich sogar im Büro den Ambrarem „riskieren“ kann. Trotzdem vielen Dank an Dobbs für die schöne Probe!
22 Antworten


es war einer meiner ersten:))))))
vanille muß ich auch nicht haben:-)