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Top Rezension
Die sieben Todsünden - Trägheit
"For Satan finds some mischief still for idle hands to do" (Isaac Watts)
Ich erwache bei Dante auf der vierten Terrasse zwischen bitteren Blättern einer Kräuterwiese. Kampfer pulsiert durch Zitronengrasstile. Darüber verweht eine Maiglöckchenblüte in hellgrünen Weben aus Seide. Violette Nebel verschmieren leise, als ich meine ledrigen Lider schließe. Sind wie Tierhaut, gleichsam mulchig und spröde. Spüre Nadelstiche einer Zypresse durch knisternde Geranienrisse. Will nicht mit den anderen Rennen, will mich in Erde verkriechen vor den Tagen, in den herben Harzen morscher Böden unter den feuchten Moosen.
***
"Sloth" aus der Reihe "7 Sins", welche sich den sieben Todsünden widmet, thematisiert die Trägheit, jene Affektlosigkeit, welche aus Mangel an jeglichem Gefühl gegenüber sich selbst oder anderen zu Apathie, Depression und Desinteresse am Leben führen kann. Im religiösen Sinn wird auf diesem Weg auch die Freude an Gott und somit am Guten zurückgewiesen.
Der Duft selbst beginnt mit einer Mischung aus bitterscharfen (Estragon), zitronig-grünen (Muskatellersalbei), kampferig-herben (Thymian) Noten, die über weichem, altem Leder und seidig-blumigen Aromen (Maiglöckchen) knistern. Es braucht ein paar Minuten, bis sich die einzelnen Bestandteile sortiert haben. Dann bildet ein kühler Nebel aus blühendem Lavendel den Hintergrund, der nach einer Weile im Leder wieder verschwindet, wo stattdessen ätherische Zypressennadeln mit der Rosengeranie nun eine Kante bilden. Erdig-harziges Labdanum und ein ebenso feucht-erdiges Eichenmoss bilden später darunter die Basis, welche nach weiteren Stunden noch vanillig-zimtige (Styrax) sowie trocken holzige Spuren offenbart. Dominant bleiben jedoch bis zum Schluss die herb-grünen, zuletzt säuerlich ledrigen Noten.
Aichi Liu von OM Parfum aus Taiwan verwendet eigenen Angaben nach ausschließlich qualitativ hochwertige Rohstoffe für ihre EdPs und Extraits, die sie in kleinen Auflagen von Hand herstellt.
(Mit Dank an Chizza)
Ich erwache bei Dante auf der vierten Terrasse zwischen bitteren Blättern einer Kräuterwiese. Kampfer pulsiert durch Zitronengrasstile. Darüber verweht eine Maiglöckchenblüte in hellgrünen Weben aus Seide. Violette Nebel verschmieren leise, als ich meine ledrigen Lider schließe. Sind wie Tierhaut, gleichsam mulchig und spröde. Spüre Nadelstiche einer Zypresse durch knisternde Geranienrisse. Will nicht mit den anderen Rennen, will mich in Erde verkriechen vor den Tagen, in den herben Harzen morscher Böden unter den feuchten Moosen.
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"Sloth" aus der Reihe "7 Sins", welche sich den sieben Todsünden widmet, thematisiert die Trägheit, jene Affektlosigkeit, welche aus Mangel an jeglichem Gefühl gegenüber sich selbst oder anderen zu Apathie, Depression und Desinteresse am Leben führen kann. Im religiösen Sinn wird auf diesem Weg auch die Freude an Gott und somit am Guten zurückgewiesen.
Der Duft selbst beginnt mit einer Mischung aus bitterscharfen (Estragon), zitronig-grünen (Muskatellersalbei), kampferig-herben (Thymian) Noten, die über weichem, altem Leder und seidig-blumigen Aromen (Maiglöckchen) knistern. Es braucht ein paar Minuten, bis sich die einzelnen Bestandteile sortiert haben. Dann bildet ein kühler Nebel aus blühendem Lavendel den Hintergrund, der nach einer Weile im Leder wieder verschwindet, wo stattdessen ätherische Zypressennadeln mit der Rosengeranie nun eine Kante bilden. Erdig-harziges Labdanum und ein ebenso feucht-erdiges Eichenmoss bilden später darunter die Basis, welche nach weiteren Stunden noch vanillig-zimtige (Styrax) sowie trocken holzige Spuren offenbart. Dominant bleiben jedoch bis zum Schluss die herb-grünen, zuletzt säuerlich ledrigen Noten.
Aichi Liu von OM Parfum aus Taiwan verwendet eigenen Angaben nach ausschließlich qualitativ hochwertige Rohstoffe für ihre EdPs und Extraits, die sie in kleinen Auflagen von Hand herstellt.
(Mit Dank an Chizza)
39 Antworten


Besonders und doch tragbar und so "gemütlich"
Marketing mal andersrum??🙃
Danke, für deine wunderbaren Bilder, die du -wieder einmal- gemalt hast!
Ich persönlich halte mich da lieber an Hermann Hesse/ Die Kunst des Müßiggangs.
In seiner Erzählung beschreibt er die Hektik der Gesellschaft, die durch Reizüberflutung ihren "Eigensinn" verliert. Viele Menschen verlieren vor lauter Aktivitäten den Bezug zur eigenen Person und sind vollkommen überfordert , wenn sie eine (Zwangs) Auszeit bekommen..sich also mit ihren Gefühlen und Ängsten auseinandersetzten müssen...
Bestimmt bieten beide Sichten einen guten Ansatz zum Philosophieren...
Und schon wieder hast Du , lieber Floyd einen Anstoß zum Nachdenken gegeben..
Die Duftbeschreibung kommt wie immer nicht zu kurz und macht richtig Lust auf diesen Duft!
Wieder ganz toll geschrieben. 🙏
Klingt für mich gelungen.
Danke für Deine weisen Worte!!
Das zypressig-zitrisch-harzig-säuerliche hätte ich jetzt auch nichso als erstes der Trägheit zugeschrieben. Findest Du das Thema gut/passend umgesetzt? Ich sinniere auf jeden Fall noch ein bisserl über beides. SPANNEND.
Die Verbindung zwischen Depression und Trägheit stammt vom christlichen Autor und Psychologen Dr William Backus.
Die von Dir zitierte Definition stammt von Stanford Lyman. @Olfaktoria
Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
🏆
Spannend.Die Noten klingen ziemlich reizvoll und agil. :-)