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DonCologne

DonCologne

Rezensionen
1 - 5 von 12
Ein Strawanza ohne Dreck
Der Strawanza von den Wiener Schurken war für mich, als kleinem Fougère-Liebhaber und zeitweise ein paar Jahre in Wien Lebender, quasi ein Pflichttest. Old-School-Vibes, ohne altbacken zu wirken, ein absolut faires Preis-Leistungs-Verhältnis samt interessanten Image und obendrauf auch als After-Shave verwendbar...klingt doch alles sehr vielversprechend. Unterdessen wieder in Deutschland lebend, kann ich natürlich nicht mehr regelmäßig durchs Wiener Nachtleben "strawanzen" und hätte mir somit gerne einen Flakon, auch als schöne Erinnerung an vergangene Zeiten, zugelegt. Vor etwas über einem Jahr war es dann soweit und berufsbedingt stand mal wieder eine Reise nach Wien an, die ich prompt dazu nutzte im nicht mal so zentral gelegenen Laden der Wiener Schurken im 18. Bezirk vorbeizuschauen.

Das Pärchen, welches den Laden betreibt, war absolut freundlich und sichtlich überrascht und erfreut, dass jemand aus Deutschland den direkten Weg in ihren Laden aufgrund ihres Strawanzas sucht. Beim Gespräch hakte ich natürlich auch nach, wie sie denn an eine Rezeptur aus dem Jahre 1953 gekommen sind und was es damit auf sich hat. Wenn ich es dem Gespräch mit dem Ladeninhaber richtig entnommen habe, führt die Spur wohl in den Dunstkreis von "Alt-Innsbruck - Eau de Cologne | Kosmetik R. Neuner / Proderma". Das die Homepage von Kosmetik R. Neuner neben ihrem Alt-Innsbruck auch den Strawanza als so ziemlich einzigen Duft vertreiben, erhärtet wohl den Verdacht, dass bei Strawanza keine gänzlich Unbekannten am Werk waren.

Zum Duft: Schon im Laden beim ersten Aufsprühen stellte sich heraus, dass ich eine andere Vorstellung vom Strawanza hatte. Auch wenn es sich dabei technisch gesehen um ein Fougère handeln mag, so assoziiere ich diese Art von Düften eher mit einer frisch-grünen Rasierwasserschärfe oder sofern sie milder und süßlicher ausfallen zumindest mit einer gewissen Seifigkeit. Beides war hier nicht der Fall, sondern eine kernige, leicht erdige Würze war wahrnehmbar. Gleichzeitig ratterte der olfaktorische Gedächtniscomputer...irgendwie kam er mir angenehm bekannt vor. Der Ladeninhaber war so nett mir einfach eine Probe samt Grußkärtchen mitzugeben und so verließ ich mit meinem Duftstreifen den Laden. Kaum hatte ich den Laden verlassen, kam es mir auf einmal: diese stark an herben Pfefferkuchen erinnernde Note ließ mich an den von mir sehr geschätzten Blackpepper denken. Ich mag diese prominente Pfeffernote sehr, doch aufgrund der bereits bestehenden Bekanntschaft mit Blackpepper, fiel das "Wow-Erlebnis" (welches ich bei diesem hatte) bei Strawanza aus. Im ganzen scheint mir Blackpepper ein Stück raffinierter und tiefer ausgearbeitet zu sein. Er wirkt frischer, potenter, wertiger, tiefer und auch etwas extravaganter auf mich, weshalb ich im Zweifel eher zu diesem greifen würde. Strawanza eröffnet für mich mit einer ziemlich zurückhaltenden Minze und trumpft kurzzeitig etwas erdig (Patchouli) und würzig (etwas Nelke und viel Pfeffer) auf, hintergründig ist auch etwas Harzigkeit (Labdanum) wahrnehmbar. Schnell wird er jedoch weicher und wärmer und pegelt sich auf eine dominante Pfeffernote mit einer ganz dezenten Süße (wohl Moschus und Tonka) ein.

Fazit: Zweifelsfrei ein angenehmer durchaus markanter Herrenduft, der sein Versprechen ein eher klassischer, aber nicht altbackener Duft zu sein, für mich durchaus einlöst. Die Homepage warnt zur Vorsicht, dass der Strawanza eine nahezu magnetische Anziehungskraft auf das Gegenüber ausüben kann. Die wenigen weiblichen Feedbacks, die ich erbeten habe, waren auch eher positiv, aber nicht überschwänglich. Erbeten musste ich sie mir auch deshalb, weil er doch eher zurückhaltend projiziert und nach kurzer Zeit eher hautnah sitzt, was mich nicht sonderlich stört. Weiterhin ist er für mich ein eher würzig-holziger Duft und kein klassisch grün-frisches Fougère mit einer gewissen Schärfe. Das ist nicht schlimm, aber in diese Riege gefällt mir der Blackpepper einfach ein ganzes Stück besser. Ein letzter Kritikpunkt könnte sein, dass für einen echten Strawanza und Rumtreiber etwas mehr "Kantigkeit" gut getan hätte. Etwas "Dreck", Rauch, Leder oder "Boozyness" hätten zum Thema gepasst und durchaus das Straßen- und Schurkenimage unterstrichen.

2 Antworten
Dieses Überfallkommando gefällt mir...
Vor ein paar Monaten bekam ich das Discovery-Set von Beaufort von meiner Freundin geschenkt. Die dunkle minimalistische Aufmachung, das originelle Artwork der Homepage, der spannende Akzent der Düfte rund um das Themengebiet Rauch...alles ganz nach meinem Geschmack! Schon beim Öffnen der Box traten Gerüche hervor, die fordernde, kantige Düfte vorausahnen ließen.

Ich wurde nicht enttäuscht. Spätestens beim Testen von Tonnerre und Vi et Armis wurde das Wohnzimmer mit einem beißenden Rauchgeruch gefüllt, der sicherlich so manchen Reißaus nehmen lässt. Mein erster Gedanke war der, dass es sich hier um wirklich wertige und originelle Kunstwerke handelt, deren Tragbarkeit jedoch bezweifelt werden kann. Ich teste gerne ausgiebig, bevor ich ein Werturteil abgebe, da die Erfahrung zeigt, dass so manch anfänglich verstörender Duft später einen festen Platz in meinem Nasenherz finden konnte. Zudem ich einen leichten Faible für Düfte habe, die sehr harsch eröffnen und mit zunehmender Tragedauer ihr schönes Antlitz offenbaren.

Zum Duft: Die Eröffnung ist durchaus brutal. Olfaktorischer Alarm! Beißender Rauchgeruch von Kohle oder Holz, welches noch glimmt und einem beinahe die Nasenhaare versengt. Dazu eine Art alkoholischer Geruch, der mich am ehesten an Glasreiniger oder spezielle Fenster-Putzmittel erinnert. Mit der Zeit verzieht sich der stechende Rauch ein wenig, aber trotzdem riecht alles verbrannt. Besagter "Glasreiniger"-Geruch wandelt sich in einen tatsächlich sehr frischen Gischt-Geruch, der sich zunehmend Bahn bricht und das ganze Setting herrlich erfrischt. Auch leichte Schwarzpulver-Noten finden sich wieder. Man kann feststellen, dass hier wertige Hölzer verbrannt wurden, deren nicht-verbrannte Bestandteile das Rauch-Gischt-Gemisch anfangen mit ihren leicht harzigen Holzaromen zu bereichern. Zum Ende verbleibt eine für mich herrlich riechende Melange aus edlem dezent harzigem Holz + viel Rauch und einer erfrischenden Gischt, die mit zunehmender Tragedauer durchkommt, sobald sich der Rauch ein wenig verzogen hat.


Fazit: Ich habe mal wieder festgestellt, dass ich mich auf Bewertungen hier nur sehr bedingt verlassen kann. Von allen bisherigen Beaufort-Düften, haben mich diejenigen mit der derzeit schlechtesten Bewertung (Tonnerre, Rake & Ruine) am meisten in ihren Bann gezogen. Tonnerre ist für mich ein doch recht männlicher Duft, der mich mit seiner Originalität komplett zu überzeugen weiß. Am schönsten gefällt mir das permanente Oszillieren zwischen hölzernem Rauchgeruch (und mal mal kein Weihrauch!) und erfrischender Gischt, die einen an Ferne, Wildheit und Abenteuer denken lässt. Als Assoziation kommt für mich am ehesten der Brand eines Schiffes (erbaut aus edlen Hölzern) infrage. Mit abflauendem Feuer treten Kohle-, Asche- und Holzgerüche zutage und die peitschende Gischt erobert sich ihr Gebiet zurück. Ein Manko von Tonnerre könnte sein, dass man zumindest die erste halbe Stunde riecht, als hätte man ein Weilchen am Grill gestanden und er wirklich stark pumpt. Dafür wird man aber später mit einem wirklich angenehmen rauchig, frischen und einzigartigen Duft mit moderater Sillage belohnt. Man muss eben etwas Geduld haben.

Tragezeit befindet sich eher im Herbst und Winter. Anwendungsgebiete liegen eher im Abendbereich (sicherlich gut für die Düsternis verehrende Konzerte, ich denke da z.B. an Mgła oder die Black Angels).
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Minzfougére ohne harten Kern!
Eau de Minthé fliegt m.E. gefühlt noch ein wenig unterm Radar, was etwas verwundert, da es doch nicht unerhebliche Ähnlichkeit zum "Allstar" Drakkar Noir aufweist.

Auf den Punkt gebracht, könnte man sogar sagen, dass Eau de Minthé gewissermaßen da stehen bleibt, wo Drakkar Noir anfängt. Die Rede ist von der herrlich frischen, blumigen, so schön an Rasierschaum erinnernde Eröffnung von Drakkar Noir. Während sich Drakkar Noir recht zügig in bodenständigere Gefilde begibt und eichenmoosig frisch-grün in seiner Basisnote aufgeht, geht es bei Eau de Minthé etwas lieblicher zu. Patchouli erdet nur sehr subtil, Minze und blumige Lieblichkeit (wohl das Rosenoxid) laden zum luftig frischen Tanz, ohne dass ihnen in den ersten Stunden herbere oder schwerere Noten die Show stehlen würden. Und so klingt Eau de Minthé dezent süßlich, aber stets frisch-würzig aus.

Eau de Minthé mutet klassisch an, wird wohl kaum anecken und nirgendwo negativ auffallen. Auch wenn nicht allzu auffällig, fällt mir dennoch nicht wirklich viel Vergleichbares ein. Die Parallelen zu Drakkar Noir sind definitiv da, obwohl die große Ähnlichkeit mit der Häufigkeit des Tragens bei mir zunehmend verschwand. Ein Hauptunterschied zu anderen frischen Vertretern aromatischer Fougéres (ich denke da bspw. an Azzaro pour Homme, Paco Rabbane pour Homme, Fougére Royal, 1881 pour Homme oder eben auch Drakkar Noir) liegt für mich darin, dass es Eau de Minthé am "harten Kern", namentlich dem Eichenmoos, fehlt. Auch wenn diese Komponente gerne mal auf den einen oder die andere einen "Altherren"-Eindruck vermittelt, hilft sie meiner Meinung nach trotzdem dabei ein schönes Fougére auf solide, männlich grüne Beine zu stellen. Dies ist aber nur eine persönliche Präferenz und als "Unisex"-Duft vielleicht von Eau de Minthé auch gar nicht gewollt. Leider war das auch der Grund, warum mein Flakon irgendwann einen anderen Besitzer finden musste, da ich wohl lieber bei Drakkar Noir bleibe, auch wenn dort die Performance ein wenig schwächelt und Eau de Minthé in dieser Angelegenheit für einen Minze-Duft ziemlich gut abschneidet und für den Frühling/Sommer sicherlich gut geeignet ist.

Leute denen Drakkar Noir Eau de Toilette , "Replica - At the Barber's | Maison Margiela" oder vielleicht sogar Viking gefällt, können Eau de Minthé sicherlich mal antesten.
1 Antwort
Gefällt ohne gefallen zu wollen!
Imaginary Authors ist eines der Nischenhäuser, welches durchaus auf viel Wohlwollen von meiner Seite aus trifft...Die Flakons sind weder kitschig, übermäßig prunkvoll noch anderweitig prätentiös gestaltet, sondern punkten mit einer künstlerischen Aufmachung, die originell ist, Individualität ausstrahlt und mir einfach sehr gut gefällt. Nicht weniger originell und kreativ sind die Duftrichtungen, die dabei miteinander kombiniert werden, wie z.B. grün-süß (Saint Julep), holzig-fruchtig (Cape Heartache), holzig-pudrig (O, unknown!) oder wie eben hier aquatisch-grün. Trotz dieser Experimentierfreude, tut das der Gefälligkeit der Düfte keinen Abbruch (zumindest bei den beiden von mir getesteten Düften "Every Storm a Serenade" und "Saint Julep"). Zudem bewegen sich die Düfte von Imaginary Authors preislich gesehen zwar im gehobenen, aber im nicht dekadenten Bereich.

Zum Duft: Obwohl von der Duftrichtung her gänzlich verschieden, musste ich beim ersten Riechen als erstes an Guilty Absolute pour Homme denken....eben etwas schroff und ziemlich direkt. "Every Storm a Serenade" ist kein Kopfnotenblender, sondern zeigt sich direkt, wie er ist und bleibt in seiner Entwicklung recht konstant und linear. Wie er ist, lässt sich wiederum nicht so leicht beschreiben. Als Erstes ist da für mich eine Art verkokelter Gummigeruch, der auf manch einen womöglich einen "antiseptischen"/"apothekenartigen" /"medizinischen" Eindruck macht. Ich führe das hauptsächlich auf das Vetiverylacetat zurück und erinnert mich in seiner Ausführung an Vetiver-Vertreter wie Vetiver Insolent, Vétiver Extraordinaire oder auch Fat Electrician. Als Zweites ist da die mineralisch-salzige, aquatische Komponente, die mir sehr gefällt und dem Duft seine Frische und leichte Schärfe verleiht. Dabei ist zu beachten, dass die Aquatik keine der typischen blauen Düfte ist, sondern roher, algiger und gischtähnlich (die Farben grau und dunkelgrün kommen mir eher in den Sinn) ist. Dieser Art von Aquatik ist mir viel lieber und habe ich als erstes bei Oud Minérale kennen und lieben gelernt. Aber auch Erinnerungen an Megamare werden bei mir wach, wo wir wahrscheinlich auch beim Verursacher dieser Art Aquatik wären, nämlich Calone. Warum dieser, von einem Pharmakonzern (Pfizer) entdeckte, Riechstoff diesen Eindruck vermittelt weiß Wikipedia: "Calone hat eine ähnliche Struktur wie einige alicyclische C11-Kohlenwasserstoffe, z. B. Ectocarpene, die von Braunalgen als Pheromone ausgeschieden werden." Wer bereits bei der Erwähnung von Megamare weiche Knie bekommt und Reißaus nehmen möchte sei an dieser Stelle beruhigt, ein ganz so penetrantes Perfomance-Monster ist "Every Storm A Serenade" nicht. Trotzdem hat er eine ziemlich gute Haltbarkeit und das Sillage-Verhalten ist auch nicht zu unterschätzen. Ich hatte mir wirklich ein mini letztes Tröpfchen für den Zeitpunkt des Verfassens meiner Rezension übrig gelassen, um es auf mein Handgelenk zu sprühen und trotzdem kam gerade meine Freundin in den Raum und meinte, dass es in der Wohnung und auch noch im Bad so gut duften würde. Und da wären wir auch bei einem Punkt, der mich beim mehrmaligen Austesten etwas überraschte: Vom Umfeld (speziell dem weiblichen) habe ich recht gutes bis sehr gutes Feedback für den Duft bekommen, obwohl er in meinen Augen ein eher "harscher" Vertreter ist, der von seinem Duftprofil her in meinen Augen nicht auf den Mainstream abzielt.

Fazit: "Every Storm a Serenade" ist in meinen Augen hier auf Parfumo etwas unterschätzt, aber kann auf sehr vielen Ebenen überzeugen und hat meiner Meinung nach durchaus Signature-Potenzial. Bei Vetiver-Liebhabern oder Freunden der etwas raueren Aquatik könnte der durchaus Anklang finden, weshalb ich nur zum ausgiebigen Testen ermutigen kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen einen Flakon in meiner Sammlung aufzunehmen und freue mich weitere Düfte aus diesem Haus noch irgendwann testen zu können.
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Spießrutenlauf im Supermarkt
Also es war folgendermaßen: Einige hier werden es kennen. Man ist im Homeoffice (ich bin dazu übergangsweise wieder zu meinen Eltern aufs Land gezogen), da belästigt man niemanden mit neuen (gewagten) Duftexperimenten und kann in "geschützter Atmosphäre" neue Proben in Hülle und Fülle ausgiebig ausprobieren. Als einer dieser wirklich gewagten Düfte, sollte sich für mich Megamare herausstellen, aber dazu gleich mehr...

Ich bin auf Megamare gestoßen, da ich von Tom Ford's Oud Minérale und seinem Gischt/Algeneinschlag ziemlich begeistert war. Aquatik ohne die typisch künstliche Frische, sondern einer Frische, die zugleich viel (Algen-/Meeres-)Tiefe mit sich bringt, ja das kann schon was.

Auch Megamare schlägt erstmal in eine ähnliche Kerbe. Ich rieche frische Meeresluft, ein bisschen Algen und eine gehörige Portion synthetische ozonische Frische. Auch der, ich nenne es mal "Salzakkord", hat mich wirklich fasziniert. Wenn ich meine Nase unter mein T-Shirt stecke, ist da tatsächlich ein Salzgeruch, der dem ähnelt, wie wenn man an einem Gefäß voll mit Salz riecht. Die synthetische Meeresfrische ist bei Megamare jedoch fast chemisch stechend bis aggressiv und Oud Minérale besitzt da einfach mehr Tiefe, ist abgerundeter, natürlicher und in seiner Sillage für mich deutlich besser kalibriert. Trotzdem wirkte Megamare erstmal nicht "unappetitlich" auf mich. Die synthetische Frische, die Potenz, die absolute Linearität (einen Durftverlauf kann ich kaum feststellen) und vor allem sein Sillageverhalten (transparent und trotzdem sehr präsent)...das alles hat mich in der "Bauweise" eher an Düfte des Typus Dior Sauvage erinnert. Entsprechend positive Reaktionen meiner Mitmenschen habe ich erwartet. Doch es sollte anders kommen...

Es war ein heißer Sommertag und ich plante einkaufen zu gehen. An solchen Tagen lasse ich die Finger weg von süßen Düften. Da kam Megamare ins Spiel. Der ist lediglich frisch, wen soll der schon stören. Im Bewusstsein um seine Stärke, fühlte ich mich auf der sicheren Seite, da ich nur zwei kleine Spritzer - wohlgemerkt aus einem kleinen 3ml Taschenzerstäuber - auftrug. Einen auf den Nacken, einen auf die Brust. Als meine Eltern das Haus betraten, kamen schon die ersten Kommentare. "Was hast du heute denn schon wieder aufgetragen, das riecht ja furchtbar?!" Ich: "Hm, das ist Megamare, was ganz "feines"...wirklich so schlimm? Bzw. wie riecht es denn für euch?" "Kaum zu beschreiben...man riecht es jedenfalls überall, irgendwie chemisch und ziemlich eklig!" Ich: "Wow krass, find den eigentlich gar nicht so schlimm, obwohl der zugegebenermaßen ganz schön Power hat. Wollte damit eigentlich jetzt einkaufen gehen, aber bei euren Reaktionen, sollte ich mir das wohl nochmal überlegen, haha.."

Ich stieg ins Auto und Megamare "pumpte" weiter. Oh mein Gott, dieses "Ungeheuer" fängt wohl gerade erst an...naja, haben ja eh im Supermarkt alle Masken auf und die Eltern erzählen einem ja viel, wenn der Tag lang ist, dachte ich mir so. Im Supermarkt angekommen, erblickte ich die reichhaltige Bierabteilung, welche meinen Fokus von Megamare erstmal gänzlich abzog. Während ich mir freudig meinen Bierkasten zusammenstellte, querte ich zweimal den Weg von einem Pärchen. Ich war gerade vorbei, als ich die Frau sagen hörte: "Baah, da ist es schon wieder..." und sie schnüffelte mit ihrer Nase in alle Richtungen, um Ursachenfindung zu betreiben "...irgendwas stinkt hier total eklig!". Ich wusste sofort, dass damit zweifelsfrei ich und Megamare gemeint waren. Auch musste ich feststellen, dass die Maskenpflicht im Supermarkt aufgehört hatte und ca. 80% der Leute ohne unterwegs waren. Nun ja, eigentlich bin ich ja nicht bei Parfumo angemeldet, damit Leute in meiner Gegend lauthals zum Besten geben, dass ich stinke. Etwas verunsichert und peinlich berührt, versuchte ich nun Gänge im Supermarkt zu nutzen, wo keine Leute anzutreffen waren, was sich als gar nicht so leicht herausstellte. Es mag Einbildung sein, aber gefühlt haben sich einige Leute umgedreht, als ich an ihnen vorbei musste. Zu allem Überdruss musste ich auch noch einen Angestellten nach den Kichererbsen fragen (habe es ihm mit 5m "Sicherheitsabstand" zugerufen)...aber beim Zeigen, blähte auch der m.E. auffällig die Nüstern (wobei aus seinem Gesicht eher Neugier, als Ekel herauszulesen waren). Ich habe natürlich so schnell wie es geht den Einkauf erledigt und den Supermarkt verlassen. Aber selbst im abgestellten heißen Auto erwartete mich noch eine kleine Wolke Restsillage von Megamare.

Abends wollte ich mich noch mit Freunden treffen. Wozu abwaschen? Dazu sind Freunde ja da, die müssen einen auch so ertragen können und ich war auch auf deren Feedback neugierig. Gleich beim Ankommen erzählte ich meine Supermarkt-Geschichte und entschuldigte mich schon mal, falls ich heute ungewöhnlich rieche. Ein Freund meinte: "Ja, ist mir auch gleich aufgefallen...du riechst wie ne Hamburger Hafennutte." Den "Hafen" hatte er scheinbar gut rausgerochen, denn ich hatte noch nichts weiter zu diesem "maritimen" Duft erzählt. Andere Kommentare gingen in die Richtung: "Ja extrem frisch, als ob du in Axe-Deo gebadet hättest." Das Auftragen der zwei kleinen Spritzer lag nun schon wohlgemerkt an die 5 Stunden zurück. Auch meine Freundin (die habe ich nur am kleinen Zerstäuber riechen lassen) hat sofort angewidert das Gesicht verzogen. Aber auch sie konnte es nicht klar benennen, was ihr so stark missfällt, außer das es irgendwie chemisch riecht.

Fazit: Ich persönlich finde den Duft eigentlich nicht schlecht, auch wenn er mir etwas zu stechend präsent ist. Trotzdem habe ich noch nie - und ich habe doch schon das ein oder andere exotische Düftchen probiert - soviel negatives Feedback erhalten. Kein Ahnung was es ist und die anderen Rezensionen hier zeigen es ja auch, scheint Megamare die Nasen extremst zu polarisieren. Für mich persönlich - man verzeihe mir, da ich nun ein gebranntes Kind bin - ist er schlichtweg untragbar.
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