Eine ganz besondere Dufterfahrung: Meine Tests von Eigenkreationen eines Community-Mitglieds
Dass einige Mitglieder dieser Community nicht nur Düfte konsumieren, sondern auch selbst schaffen, ist auf Parfumo nichts grundlegend Neues. Martin etwa, hier bekannt als Oldfactive, brachte mit seiner Marke Grauton Parfums unlängst ein paar wunderbare Düfte auf den Markt. Weiter habe ich mir sagen lassen, dass auch hinter Cenno ein großartiger Parfumeur stecken soll. Und kürzlich erreichten mich überraschend ein paar Eigenkreationen eines lieben Parfumos, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Wir hatten ein paar Düfte, teilweise aus dem eigenen Besitz, teilweise aus Sharings, getauscht und es kamen mit diesem Brief zusätzlich drei von unserem Mitglied Cfr selbst kreierte Düfte zu mir. Bekannt waren mir lediglich die Duftnamen: Patchberry, Funny Little Rose und Lost Civet. Zusätzlich hatte ich die Info, dass es sich bei allen um Parfums handelt, die ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen, etwa echtem australischen Sandelholz, hergestellt wurden. Ein paar besondere Schmankerl also in einer Zeit, in der fiese Synthetikbomben bei sehr vielen Herstellern und inzwischen leider auch immer öfter bei traditionellen Häusern an der Tagesordnung sind.
Ohne Kenntnis der Noten ließ ich mich auf die Düfte ein und finde alle drei sehr schön. Gestartet habe ich mit Patchberry, der auch genauso duftet, wie er heißt. Zuerst kommen Beeren und Schokolade. Kennt ihr diese Schokolade mit eingegossenen, getrockneten Früchten? An so etwas musste ich unmittelbar denken. Ein wenig auch an Geleebananen und Fruchtgummi, aber niemals zu süß. Ohne das für meine Nase so ungeliebte Ethylmaltol können Beeren ganz wundervoll duften. Und dass Patchouli wunderbar schokoladig sein kann, war mir bereits seit Gallaghers Behold Patchouli klar. In der Basis ziehen sich die fruchtigen Noten allmählich zurück und es bleibt der Eindruck eines Gothic-Clubs oder einer Hippie-Marktstandes mit klassischem, sehr erdigem, fast schon etwas modrigem Patchouli zurück. Eine wunderschöne Reise für mich.

Weiter ging es mit Funny Little Rose, der am Ende, obwohl ich keine bekennende Rosenliebhaberin bin, tatsächlich mein Favorit wurde. Aber der Reihe nach. Auch hier eröffnen Beeren das Parfum. Und hier bin ich im Gegensatz zu Patchberry nicht im Süßigkeitenladen sondern in einem alten Teehaus. Auch wir hatten ein solches in unserer Kreisstadt und haben es vielleicht sogar noch, auch wenn ich schon viele Jahre nicht mehr dort war. Ich habe so einen klassischen, offenen Früchtetee mit Fruchtstückchen sowie Hagebutten und Hibiskus im Sinn, die dampfend warme Tasse vor mir. Die Hagebutte wundert mich bei einem Rosenduft jetzt überhaupt nicht. Ja, sogar an Hägenmark muss ich kurz denken. Diesen cremigen Brotaufstrich aus den Früchten. Die Rose arbeitet sich nach und nach heraus und dieser feine Duft endet mit dem sehr schönen Eindruck einer Gartenrose. An unserer Garage wächst eine Kletterrose, die tatsächlich so ähnlich duftet, allerdings immer nur während ihrer ersten Blüte im Jahr. Wunderschön. Ich habe dem Macher gesagt, gäbe es diesen Duft als Schaumbad etc., dann würde ich ihn mir sofort kaufen.

Den Lost Civet habe ich mir für den Schluss aufgehoben, da ich im Gegensatz zum Parfumeur kein so großer Zibet-Fan bin. Der Start zeigte mir auch sofort, dass das hier nicht wirklich meine Richtung ist. Allerdings nicht wegen der Zibetnote, sondern eines kräftigen, indolischen Jasmins, der zuerst wie Möbelpolitur anmutete. Ich musste unmittelbar an eine Rezension der liebe ElAttarine denken, die einen solchen, sehr authentischen Jasminduft beschrieben hatte. Dass wir es hier mit echten Jasmin zu tun haben, stand außer Frage. Und da ich Jasmin fast immer großartig finde, gab ich dem Duft etwas Zeit. Und wurde sowas von belohnt. In der Basis bekam ich einen so wunderschönen, narkotischen und betörenden Jasminduft garniert mit etwas Zibet, dass ich wirklich verzaubert war. Der Duft erinnerte mich ein wenig an Sarrasins von Serge Lutens. Auch wenn ich mit dem Auftakt wirklich meine Schwierigkeiten hatte, hat dieser Duft für mich eindeutig die schönste Basisnote zum Verlieben.

Die einzelnen Noten bekam ich am Ende vom Schöpfer genannt, will sie aber hier gar nicht im Detail preisgeben, sondern noch einmal betonen, wie großartig ich es finde, was hier teilweise entsteht. Das macht Parfumo für mich zu einer Austauschplattform für echte Duftliebhaber. Vielen Dank nochmals für die Gelegenheit, diese Kleinode schnuppern zu dürfen, die ich im Anschluss an andere liebe und neugierige Parfumos und Parfumas habe weiterziehen lassen.
Eure Polly
Bildnachweis: Illustrationen wurden mit ChatGPT erstellt. Coverbild: Unsplash.


Pollita

Ich muss aber zugeben dass ich selbst von meinen Künsten nicht ganz überzeugt war 🙈
Aber es war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung!
Leider bin ich nicht in deiner Zielgruppe. Es gibt Momente, da tut mir das echt leid. Aber ich hab‘s versucht.
Viel Erfolg wünsche ich den Feinnasen weiter hin und sende liebste Grüße 🙋🌞💖
@Puderperle
Und können wir bitte auch mal über die tolle Namensgebung sprechen?! Gefällt mir richtig gut.
Grüße an @Cfr und seinem Biber gehen natürlich raus 🙋♀️😁.
Danke dir Polly für die kleine Duftreise :-).
Sehr gern gelesen.
LG #Chiffre ☕️☀️
Ich selbst habe mir auch mal gedacht "das kann doch nicht so schwer sein, ein Parfum zu mischen".
Doch, es ist schwer 🤨