Seit einiger Zeit bereits bediene ich mich auf parfumo all der nützlichen Informationen über Düfte. Diese Seite ist für mich ein wundervoller Wissens- und Informationsfundus, eine unverzichtbare Unterstützung bei der Wahl eines neuen Duftes, wenn es mal wieder ein Blindbuy sein soll. Nebenbei gesagt liebe ich es, Düfte blind zu kaufen, auch wenn dieser Weg hin und wieder in einer Enttäuschung mündet.
Zeitgleich muss ich allerdings gestehen, dass ich – obwohl meine olfaktorische Wahrnehmung per se gut funktioniert – nicht wirklich gut darin bin, einzelne Duftbestandteile innerhalb einer Duftpyramide isoliert zu identifizieren und in einer Rezension so wunderschön bildlich zu beschreiben, wie es hier viele Duftliebhaber*innen umsetzen. Meine Bewunderung dafür.
Da ich die Fotografie in Kunstform liebe, Musik und Sound ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist, ist es m.E. nur konsequent, dass mein Wesen von Natur aus bereits ebenso begeisterungsfähig auf Düfte reagiert. Ob optische, akustische oder olfaktorische Kunst…jede dieser Kunstformen ist für mich gleichermaßen faszinierend.
Ich finde es nicht nur interessant zu sehen, wie Mitmenschen auf einen Duft reagieren, ich liebe es auch, allein oder mit meiner Partnerin einen Duft zu genießen und darüber zu sinnieren, inwieweit er welche Emotionen erzeugt und/oder beeinflusst, bzw. welche Bilder er assoziieren lässt.
Bisher war der Impuls, ein paar Zeilen zu einem Duft zu schreiben aus Gründen fehlenden Antriebs eher überschaubar. Ich finde, es gibt unfassbar viele Düfte mit enorm hohem Begeisterungspotential. Doch selbst bei wunderschönen Düften, die mich immer wieder in ihren Bann ziehen, wie z.B. das gourmandige Zaya, Dalika, Moonlight, die dunkle Eleganz des Amber Aoud Absolue Précieux, die Majestätik von Nefs, die fruchtige Lebendigkeit von Flamenco oder die edle Leuchtkraft meines heißgeliebten Tabit…immer als ich mir dachte „das wäre doch ein guter Anlass für deine erste Rezension auf parfumo“, fehlte mir letztendlich der entscheidende Antrieb, dies auch in die Tat umzusetzen.
Ganz anders verhielt es sich überraschenderweise bei einem m.E. vollkommen unter dem Radar laufenden Duft namens CAVORT.
CAVORT bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie (herum)toben, (herum)tollen oder auch herumspielen.
Ich assoziiere mit diesem Duft zuallererst die Kraft der Anziehung. Denn dieser Duft schafft es immer wieder, mich nach dem Flakon greifen zu lassen und mich damit einzusprühen. Er zieht mich förmlich zu sich, strahlt mich an, verführt mich. Ob dieser Duft daher automatisch dazu geeignet ist, verführend bei einem romantischen Abend mitzuwirken, weiß ich nicht. Schon allein, weil sowohl seine Haltbarkeit als auch seine Sillage bedauerlicherweise – wie so oft – bei weitem nicht dem aufgerufenen Preis entsprechen. Vielmehr verhält es sich bei CAVORT so, dass ich mehrmals am Tag nachsprühen muss, weil er sich auf meiner Haut einfach zu schnell wieder aus dem Staub macht.
Dies geschieht bei mir allerdings auch bei vielen anderen Düften, die auf parfumo mit einer guten H/S bewertet wurden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Kaltat Night, Oud Cadenza, Sillage und leider auch Althaïr. Einmal aufgesprüht verschwinden sie auch schon wieder.
Die Kopfnote von CAVORT ist es allerdings, welche mich so sehr verzaubert. Der Safran, die Rose und der Zimt verbinden sich zu einem derart erfrischenden Konglomerat der Sinnlichkeit, dass es mir jedes Mal erneut ein Lächeln auf die Lippen zaubert und ein bestätigendes “Hmmm“ entlockt.
Der Duft eignet sich meines Empfindens nach ganz hervorragend für abendliche Unternehmungen, einem Rendezvous z. B. oder auch einem romantischen Abend mit seiner/ihrer besseren Hälfte. Der Duft ist weder laut noch raumfüllend, vielmehr umschmeichelt er elegant den Moment und lässt mit etwas Fantasie und Feinsinn eine Absicht der Verführung erahnen :) Eine kleine Abfüllung in einem Reiseflakon sollte sich idealerweise in der Hosentasche befinden, um aufgrund der Kurzlebigkeit nachzusprühen.
Als Suchttreibend würde ich die Verführung bezeichnen, die dieser Duft in der Kopfnote auf mich ausübt. Daher findet er während meiner Arbeit im Büro hin und wieder auch gerne Platz auf meinem Daumenrücken, um ständig an ihm schnüffeln zu können.
Viel zu oft werden wir im Leben mit der Endlichkeit der Dinge konfrontiert und so ist es, wie bereits erwähnt auch hier. Leider führt mich CAVORT recht flott zur sanften Weihrauchigkeit in der Basis, die ich zwar ebenfalls sehr schätze, mir aber eben auch die sehr begrenzte Haltbarkeit dieses traumhaften Duftes verdeutlicht. Denn kurz darauf verabschiedet er sich durch die Hintertür und hinterlässt nur noch eine milde Spur von Sandelholz und eine sanfte Cremigkeit ehe er als wohlige Erinnerung verblasst, sofern man nur ein Pröbchen als sein Eigen nennen konnte. :)
Schade! Wie gerne hätte ich mehr von ihm. Diesem wundervollen, verführerischen und lieblichen Duft, welcher m.E. zwar sicher unisex, aber für meinen Geschmack tendenziell eher als feminin einzuordnen ist.
Allen eine besinnliche Weihnachtszeit