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Top Rezension
Es gibt nur zwei Probleme
Im vergangenen Jahr – es dürfte sich um die Vorstellung von Teazzurra gehandelt haben - hatten sich die Damen am Guerlain-Stand im Alsterhaus mächtig Mühe gegeben, die Präsentation aufzuhübschen. Die „Grande Dame der Standbesatzung“ hatte zu einigen zutatenmäßig dafür geeigneten Düften der Aqua-Allegoria-Reihe die passenden Getränke gemixt; sie standen in großen Karaffen einladend herum. Wer – wie ich – Kinder hat, weiß, welche Begehrlichkeiten das weckt.
War ja auch alles kein Ding, den beiden wurde ein zweiter und dritter Becher geradezu aufgenötigt. Zum Beispiel eine Kreation aus Mandarinensaft, Basilikum und ein paar Beigaben. Sehr erfrischend. Den entsprechenden Duft haben wir direkt mitgenommen. Und das kommt bei meiner Frau selten vor.
Ich selbst habe Mandarine Basilic lange nicht weiter beachtet, bis ich neulich begann, mich auf die Suche nach einem Orangenduft zu machen, dessen Haltbarkeit bezüglich des Zentral-Anliegens den morgendlichen Weg ins Büro überlebt. Mandarine Basilic war dann so ein sonntäglicher Griff der Art: „Den könntste mal testen, wenn er schon hier steht…“
Bumm. Mandarine ohne Ende. Nicht irgendeine Mandarine. Sie befindet sich auf dem Zenit ihrer Schmackhaftigkeit, an jenem Scheitelpunkt des Reifeprozesses, an dem sich zitrische Säure und Frucht in schönem Ebenmaß die Waage halten. An dem die Mandarine nicht allein Mandarine ist, sondern gleichsam en passant zudem das Beste von Orange und Grapefruit bieten… ach was: überbieten möchte. Und damit sind wir mitten im Thema. Die Pyramide verwirrt nur. Alles neben der orangenhaften Mandarine ist Begleitwerk.
Gut, auch dem hinteren Teil seines Namens wird der Duft gerecht. Im Laufe der zweiten Stunde kommt auf der Haut Basilikum hervor. Wunderbar. Ich lasse mich trotzdem nicht ablenken. Wir waren beim Durchhaltevermögen außerhalb der womöglich unvermeidlichen laboriellen Unterstützung. Meine bisherigen Tests haben mich gelehrt: Tolle Frucht zum Auftakt können sie (fast) alle, erst bei der Frage, wie und vor allem wie lange die Frucht-Frische bewahrt wird, scheidet sich … nun, sicher nicht die Spreu vom Weizen, eher der Saft von der Plörre.
Wie macht’s Guerlain?
Mit der Pfingstrose. Wer an einer solchen schnuppert, mag in vielen Fällen angeriechts diffuser zitrischer und rosiger Eindrücke eine gewisse Nähe zu vielleicht einem fruchtigen Rosenduft diagnostizieren. Wichtiger im vorliegenden Fall ist freilich ein stechend-herber Part, den ich an zweien meiner Päonien unlängst nochmal nachgerochen habe. Etwas derart Bitterspitzes ist bei Mandarine Basilic bereits in der dritten Stunde nahe der Haut deutlich zu erkennen. Allmählich entlastet es die Zitrusfrucht von ihren Aufgaben, so behutsam und schleichend, dass die Camouflage als vollkommen gelungen bezeichnet werden darf.
O.K., um die Mittagszeit wird Amber spürbar, geschenkt. Wer erwartet schon Zitrusfrucht-Wunder? Aber wir sind dicht dran. Die Frucht ist unverändert nicht über einen Zitrusfruchtschalen-Abrieb hinaus künstlich. Der Duft wird jetzt zwar sehr ruhig, gleichwohl hält ein hinreichend unkünstlicher Rest selbst an einem heißen Tag den ganzen Nachmittag durch.
Nach diversen Tests von orangenhaften Düften mitsamt den zugehörigen Verrenkungen in Sachen Haltbarkeits-Verlängerung schwant mir: Das ist große Kunst. Im Sinne von Können, von beherrschtem Handwerk.
Absolut gesehen bleibt Haltbarkeits-Sieger: Ray of Light von April Aromatics. Verstörenderweise ausgerechnet ein erklärtermaßen reines Naturprodukt. Allerdings hatte der Lichtstrahl einige Lagen Brausepulver auf die Photonen gestreut. Derlei Hilfe nimmt der Guerlain nicht in Anspruch. Er ist – einfach Frucht. Da ist keine Raffinesse im Duftverlauf oder Ähnliches, auch fehlt die undefinierbare Stimme des Gefühls, die dem Zücken der Spitzennote vorausgehen muss. Doch ich greife mal zur Neun.
Es gibt nur zwei Probleme. Erstens umweht den Duft, jedenfalls an meiner Frau, eine Art femininen Schleiers, dessen Quelle mir nicht klar ist, möglicherweise ist er laborieller Herkunft (Hedion/Helional?). Das soll mir egal sein. Blöder ist zweitens. Meine Frau meinte: „Ich mag es nicht, wenn Du meine Sachen trägst.“ Hm. Was hat sie bloß? Wer sagt überhaupt, dass das ihrer ist?
War ja auch alles kein Ding, den beiden wurde ein zweiter und dritter Becher geradezu aufgenötigt. Zum Beispiel eine Kreation aus Mandarinensaft, Basilikum und ein paar Beigaben. Sehr erfrischend. Den entsprechenden Duft haben wir direkt mitgenommen. Und das kommt bei meiner Frau selten vor.
Ich selbst habe Mandarine Basilic lange nicht weiter beachtet, bis ich neulich begann, mich auf die Suche nach einem Orangenduft zu machen, dessen Haltbarkeit bezüglich des Zentral-Anliegens den morgendlichen Weg ins Büro überlebt. Mandarine Basilic war dann so ein sonntäglicher Griff der Art: „Den könntste mal testen, wenn er schon hier steht…“
Bumm. Mandarine ohne Ende. Nicht irgendeine Mandarine. Sie befindet sich auf dem Zenit ihrer Schmackhaftigkeit, an jenem Scheitelpunkt des Reifeprozesses, an dem sich zitrische Säure und Frucht in schönem Ebenmaß die Waage halten. An dem die Mandarine nicht allein Mandarine ist, sondern gleichsam en passant zudem das Beste von Orange und Grapefruit bieten… ach was: überbieten möchte. Und damit sind wir mitten im Thema. Die Pyramide verwirrt nur. Alles neben der orangenhaften Mandarine ist Begleitwerk.
Gut, auch dem hinteren Teil seines Namens wird der Duft gerecht. Im Laufe der zweiten Stunde kommt auf der Haut Basilikum hervor. Wunderbar. Ich lasse mich trotzdem nicht ablenken. Wir waren beim Durchhaltevermögen außerhalb der womöglich unvermeidlichen laboriellen Unterstützung. Meine bisherigen Tests haben mich gelehrt: Tolle Frucht zum Auftakt können sie (fast) alle, erst bei der Frage, wie und vor allem wie lange die Frucht-Frische bewahrt wird, scheidet sich … nun, sicher nicht die Spreu vom Weizen, eher der Saft von der Plörre.
Wie macht’s Guerlain?
Mit der Pfingstrose. Wer an einer solchen schnuppert, mag in vielen Fällen angeriechts diffuser zitrischer und rosiger Eindrücke eine gewisse Nähe zu vielleicht einem fruchtigen Rosenduft diagnostizieren. Wichtiger im vorliegenden Fall ist freilich ein stechend-herber Part, den ich an zweien meiner Päonien unlängst nochmal nachgerochen habe. Etwas derart Bitterspitzes ist bei Mandarine Basilic bereits in der dritten Stunde nahe der Haut deutlich zu erkennen. Allmählich entlastet es die Zitrusfrucht von ihren Aufgaben, so behutsam und schleichend, dass die Camouflage als vollkommen gelungen bezeichnet werden darf.
O.K., um die Mittagszeit wird Amber spürbar, geschenkt. Wer erwartet schon Zitrusfrucht-Wunder? Aber wir sind dicht dran. Die Frucht ist unverändert nicht über einen Zitrusfruchtschalen-Abrieb hinaus künstlich. Der Duft wird jetzt zwar sehr ruhig, gleichwohl hält ein hinreichend unkünstlicher Rest selbst an einem heißen Tag den ganzen Nachmittag durch.
Nach diversen Tests von orangenhaften Düften mitsamt den zugehörigen Verrenkungen in Sachen Haltbarkeits-Verlängerung schwant mir: Das ist große Kunst. Im Sinne von Können, von beherrschtem Handwerk.
Absolut gesehen bleibt Haltbarkeits-Sieger: Ray of Light von April Aromatics. Verstörenderweise ausgerechnet ein erklärtermaßen reines Naturprodukt. Allerdings hatte der Lichtstrahl einige Lagen Brausepulver auf die Photonen gestreut. Derlei Hilfe nimmt der Guerlain nicht in Anspruch. Er ist – einfach Frucht. Da ist keine Raffinesse im Duftverlauf oder Ähnliches, auch fehlt die undefinierbare Stimme des Gefühls, die dem Zücken der Spitzennote vorausgehen muss. Doch ich greife mal zur Neun.
Es gibt nur zwei Probleme. Erstens umweht den Duft, jedenfalls an meiner Frau, eine Art femininen Schleiers, dessen Quelle mir nicht klar ist, möglicherweise ist er laborieller Herkunft (Hedion/Helional?). Das soll mir egal sein. Blöder ist zweitens. Meine Frau meinte: „Ich mag es nicht, wenn Du meine Sachen trägst.“ Hm. Was hat sie bloß? Wer sagt überhaupt, dass das ihrer ist?
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Danke dafür