
Pollita
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Pollita
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Sehnsucht nach Geborgenheit
Als Berufsanfängerin musste ich so oft umziehen. Wir hatten vor 20 Jahren noch keinen Fachkräftemangel. Jobs, vor allem solche, die beliebt waren, waren Mangelware. Und da ich einen solchen Beruf gewählt hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als das zu nehmen, was ich bekam. Neue Stadt, neue Firma, neue WG. Von heute auf morgen. Es war nicht leicht. Manches passte einfach nicht oder musste erst passend gemacht werden. Aber es gab die Wochenenden. An denen fuhr ich in meine nicht allzu weit entferne alte Heimat, übernachtete bei einer lieben Freundin und ging mit meiner Clique in einem stadtbekannten Independent-Club feiern.
In meinen Mazda MX3 waren CD-Wechsler, eine Sony-Endstufe und eine riesige knallrote Bassbox eingebaut. Ich konnte eine ganze Straße beschallen, wenn ich wollte. Eines meiner Lieblingsalben damals: Figure Number Five von Soilwork. Ich zog mir auf der Fahrt mehrmals hintereinander das melancholisch-düstere Departure Plan (https://www.youtube.com/watch?v=NR7VoEWyUe0) rein. Beduftet war ich mit einer Probe von Vanille Abricot von Comptoir Sud Pacifique. Ein sehr süßer, synthetischer Vanilleduft, eigentlich schon fast zu mädchenhaft und spielerisch für mein Alter, doch dieses Mädchen, das im Alltag von besseren Zeiten träumte, das liebte diese Vanille. Ein bisschen wie Backaroma, ein bisschen wie Kinder-Schokolade und auch ein klitzekleiner Hauch eines erwachsenen Vanilleparfums, wie ihn beispielsweise auch Diors Hypnotic Poison in der Basisnote entwickelt, charakterisierten diesen Duft. Ein wenig war da auch etwas, das an Puppen erinnerte. Ja, so ein bisschen Mädchen wollte ich wieder sein in dieser für mich damals so turbulenten Zeit.
Eines der Mädels aus meiner Clique umarmte mich. „Du riechst aber gut“, sagte sie. Ich strahlte und freute mich über das nette Duftkompliment und das Lächeln. Es war ein wundervolles Wochenende, das ich in vollen Zügen genoss. Und Kraft tankte für eine weitere Woche in der neuen Heimat.
Vanilla² kommt Vanille Abricot von CSP, von dem ich mir damals sogar einen ganzen Flakon gekauft hatte, in der Tat sehr nahe. Der Duft ist erstmal recht synthetisch und benötigt ein Weilchen, bis er sich beruhigt und diese warme Basisnote ausstrahlt, die dann tatsächlich etwas erwachsen wirkt. Ich sehe mein jüngeres Ich vor mir. In einer Zeit, in der ich so und kein bisschen anders duften wollte. Geborgenheit in süßer Vanille fand. Ein paar Blümchen hier und da könnten ebenfalls mit dabei sein. Hier bin ich mir nicht sicher. Tragen würde ich einen solchen Duft heute nicht mehr. Ich bin heute auch nicht mehr die Polly von vor 20 Jahren. Aber diese Art Vanilledüfte waren tatsächlich mal ein Teil von mir, genauso wie mein Maxda MX3 mit seiner abgefahrenen Stereoanlage. Endstufe und Bassbox liegen übrigens noch irgendwo im Keller. Die Soilwork-CDs sind auch noch da und werden regelmäßig gehört. Doch heute trage ich Hypnotic Poison.
Lieben Dank an Stinkekatze für die Testmöglichkeit. Wer süße Vanille und Kinder-Schokolade möchte, sollte unbedingt mal an diesem einfachen aber nicht minder schönem Duft schnuppern.
In meinen Mazda MX3 waren CD-Wechsler, eine Sony-Endstufe und eine riesige knallrote Bassbox eingebaut. Ich konnte eine ganze Straße beschallen, wenn ich wollte. Eines meiner Lieblingsalben damals: Figure Number Five von Soilwork. Ich zog mir auf der Fahrt mehrmals hintereinander das melancholisch-düstere Departure Plan (https://www.youtube.com/watch?v=NR7VoEWyUe0) rein. Beduftet war ich mit einer Probe von Vanille Abricot von Comptoir Sud Pacifique. Ein sehr süßer, synthetischer Vanilleduft, eigentlich schon fast zu mädchenhaft und spielerisch für mein Alter, doch dieses Mädchen, das im Alltag von besseren Zeiten träumte, das liebte diese Vanille. Ein bisschen wie Backaroma, ein bisschen wie Kinder-Schokolade und auch ein klitzekleiner Hauch eines erwachsenen Vanilleparfums, wie ihn beispielsweise auch Diors Hypnotic Poison in der Basisnote entwickelt, charakterisierten diesen Duft. Ein wenig war da auch etwas, das an Puppen erinnerte. Ja, so ein bisschen Mädchen wollte ich wieder sein in dieser für mich damals so turbulenten Zeit.
Eines der Mädels aus meiner Clique umarmte mich. „Du riechst aber gut“, sagte sie. Ich strahlte und freute mich über das nette Duftkompliment und das Lächeln. Es war ein wundervolles Wochenende, das ich in vollen Zügen genoss. Und Kraft tankte für eine weitere Woche in der neuen Heimat.
Vanilla² kommt Vanille Abricot von CSP, von dem ich mir damals sogar einen ganzen Flakon gekauft hatte, in der Tat sehr nahe. Der Duft ist erstmal recht synthetisch und benötigt ein Weilchen, bis er sich beruhigt und diese warme Basisnote ausstrahlt, die dann tatsächlich etwas erwachsen wirkt. Ich sehe mein jüngeres Ich vor mir. In einer Zeit, in der ich so und kein bisschen anders duften wollte. Geborgenheit in süßer Vanille fand. Ein paar Blümchen hier und da könnten ebenfalls mit dabei sein. Hier bin ich mir nicht sicher. Tragen würde ich einen solchen Duft heute nicht mehr. Ich bin heute auch nicht mehr die Polly von vor 20 Jahren. Aber diese Art Vanilledüfte waren tatsächlich mal ein Teil von mir, genauso wie mein Maxda MX3 mit seiner abgefahrenen Stereoanlage. Endstufe und Bassbox liegen übrigens noch irgendwo im Keller. Die Soilwork-CDs sind auch noch da und werden regelmäßig gehört. Doch heute trage ich Hypnotic Poison.
Lieben Dank an Stinkekatze für die Testmöglichkeit. Wer süße Vanille und Kinder-Schokolade möchte, sollte unbedingt mal an diesem einfachen aber nicht minder schönem Duft schnuppern.
Aktualisiert am 20.06.2024 - 10:11 Uhr
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Kopfnote
Vanilleblüte
Herznote
Vanille
Talkum
Praline
Basisnote
Benzoe








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Bastian
Smoetn
PeteRalon007
April22Bee
































