Allegro con Brio Calé Fragranze d'Autore 2008
39
Top Rezension
"Weißt du noch...?"
Es war einer der wohl prägendsten Düfte in meiner an olfaktorischen Eindrücken nicht gerade armen Kindheit.
Die ganze Woche hindurch freute ich mich auf den Samstagabend, auf den kostbaren, unvergleichlichen Augenblick, in dem das träge türkisblaue Elixier seinen Weg in das heiße Wasser finden und mit dem feinporigen Schaum eine Atmosphäre fast greifbarer Geborgenheit entstehen lassen würde.
Ich fühlte mich wie eine Prinzessin aus tausendundeiner Nacht, wenn mir der sinnlich-sanfte Duft meines Badewassers in die Nase stieg, träumte mich mit offenen Augen in einen Palast mit goldenen Böden und schwebte davon auf watteweichen Puderwolken, bis das Wasser kalt war und meine Haut so runzlig, daß meine Schwester "Altes Waschweib!" spottete.
Doch das kümmerte mich nicht – nicht an jenen Abenden, nicht, solange es "Fenjala" gab, diesen Seelenstreichler, dessen Duft ich so hingebungsvoll vermißte, als man ihm nicht nur das letzte "a" nahm, sondern auch seinen Charakter, seinen Charme, seine ganze Natur.
Viele Jahre später fand ich "Fenjala" wieder in "Cristobal", unverhofft, staunend, glücklich – nur um erneut zu erleben, wie ein gehobener Schatz mir wieder entglitt, wie die Quelle versiegte, der Duft immer schwieriger, zu immer höheren Preisen zu bekommen war.
Irgendwann gab ich die Suche auf, den letzten Rest in meinem Flacon hütend, behütend wie ein neugeborenes Kind.
Niemals mehr wieder würde ich diesem Duft begegnen, dessen war ich mir sicher, niemals mehr wieder, wie viele Düfte auch noch meinen Weg kreuzen würden...
...bis der Zufall mir "Allegro con Brio" in die Hände spielte.
Und ich verblüfft hinter den ersten warmwürzigherben Schleiern meine alte Bekannte entdeckte, irispudrig lächelnd, gehüllt in dunkelgoldenen Samt, die mich in ihre ausgebreiteten Arme zog und sanft drückte an die warme, weiche, mütterlich-sinnliche Brust.
Die von "Weißt du noch...?" erzählte und jenen unbeschwerten Tagen, die mich mit einem Atemzug um vierzig Jahre verjüngte und alles Schwierige, alles Fordernde, alles Belastende aus meinem Bewußtsein strich.
Die so vertraut war und so wunderbar – und doch nicht ganz dieselbe wie jene, die ich gekannt hatte.
Ein wenig herber war sie und ein wenig würziger, hier fand ich eine Ecke und dort eine Kante, jenen Hauch von Haarspray hatte sie früher nicht getragen.
Doch das machte nichts, im Gegenteil, es stand ihr gut – so viel Yin war in ihr gewesen, daß ein wenig Yang ihren Reiz nur vergrößerte.
Hatte nicht auch ich mich verändert, war nicht auch ich älter und – hoffentlich! – reifer geworden?!
"Allegro con Brio" erscheint mir als wunderbarer, seelenvoller, herzerwärmender Duft für die dunkle, naßkalte Jahreszeit, in der wir uns nach Zuwendung sehnen und Geborgenheit, nach Licht und Lächeln und jenem Unwiederbringlichen, dem wir zeitlebens hinterhertrauern und das sich manchmal, sehr manchmal nur wiederfindet in einem Blick, einer Melodie, einem Duft, der das schlummernde Kind in uns berührt.
Seine Sanftheit kann nicht hinwegtäuschen über die ihm innewohnende Kraft, die, unbemerkt von seinem Träger, mit wenigen Tropfen einen ganzen Raum füllen, einem Mitbewohner den Atem nehmen kann, auch und gerade in der warmen, der sonnengefluteten Jahreszeit.
Doch ich weiß: Der nächste Winter kommt bestimmt.
Die ganze Woche hindurch freute ich mich auf den Samstagabend, auf den kostbaren, unvergleichlichen Augenblick, in dem das träge türkisblaue Elixier seinen Weg in das heiße Wasser finden und mit dem feinporigen Schaum eine Atmosphäre fast greifbarer Geborgenheit entstehen lassen würde.
Ich fühlte mich wie eine Prinzessin aus tausendundeiner Nacht, wenn mir der sinnlich-sanfte Duft meines Badewassers in die Nase stieg, träumte mich mit offenen Augen in einen Palast mit goldenen Böden und schwebte davon auf watteweichen Puderwolken, bis das Wasser kalt war und meine Haut so runzlig, daß meine Schwester "Altes Waschweib!" spottete.
Doch das kümmerte mich nicht – nicht an jenen Abenden, nicht, solange es "Fenjala" gab, diesen Seelenstreichler, dessen Duft ich so hingebungsvoll vermißte, als man ihm nicht nur das letzte "a" nahm, sondern auch seinen Charakter, seinen Charme, seine ganze Natur.
Viele Jahre später fand ich "Fenjala" wieder in "Cristobal", unverhofft, staunend, glücklich – nur um erneut zu erleben, wie ein gehobener Schatz mir wieder entglitt, wie die Quelle versiegte, der Duft immer schwieriger, zu immer höheren Preisen zu bekommen war.
Irgendwann gab ich die Suche auf, den letzten Rest in meinem Flacon hütend, behütend wie ein neugeborenes Kind.
Niemals mehr wieder würde ich diesem Duft begegnen, dessen war ich mir sicher, niemals mehr wieder, wie viele Düfte auch noch meinen Weg kreuzen würden...
...bis der Zufall mir "Allegro con Brio" in die Hände spielte.
Und ich verblüfft hinter den ersten warmwürzigherben Schleiern meine alte Bekannte entdeckte, irispudrig lächelnd, gehüllt in dunkelgoldenen Samt, die mich in ihre ausgebreiteten Arme zog und sanft drückte an die warme, weiche, mütterlich-sinnliche Brust.
Die von "Weißt du noch...?" erzählte und jenen unbeschwerten Tagen, die mich mit einem Atemzug um vierzig Jahre verjüngte und alles Schwierige, alles Fordernde, alles Belastende aus meinem Bewußtsein strich.
Die so vertraut war und so wunderbar – und doch nicht ganz dieselbe wie jene, die ich gekannt hatte.
Ein wenig herber war sie und ein wenig würziger, hier fand ich eine Ecke und dort eine Kante, jenen Hauch von Haarspray hatte sie früher nicht getragen.
Doch das machte nichts, im Gegenteil, es stand ihr gut – so viel Yin war in ihr gewesen, daß ein wenig Yang ihren Reiz nur vergrößerte.
Hatte nicht auch ich mich verändert, war nicht auch ich älter und – hoffentlich! – reifer geworden?!
"Allegro con Brio" erscheint mir als wunderbarer, seelenvoller, herzerwärmender Duft für die dunkle, naßkalte Jahreszeit, in der wir uns nach Zuwendung sehnen und Geborgenheit, nach Licht und Lächeln und jenem Unwiederbringlichen, dem wir zeitlebens hinterhertrauern und das sich manchmal, sehr manchmal nur wiederfindet in einem Blick, einer Melodie, einem Duft, der das schlummernde Kind in uns berührt.
Seine Sanftheit kann nicht hinwegtäuschen über die ihm innewohnende Kraft, die, unbemerkt von seinem Träger, mit wenigen Tropfen einen ganzen Raum füllen, einem Mitbewohner den Atem nehmen kann, auch und gerade in der warmen, der sonnengefluteten Jahreszeit.
Doch ich weiß: Der nächste Winter kommt bestimmt.
26 Antworten


Vielen Dank dafür :-)
Vielen Dank für eine schöne Erinnerung.
Irgendwann habe ich mir mal die Seife in der blauen Plastikdose geleistet (halbes Monatstaschengeld oder so) für eine Klassenreise; habe so getan, als ob ich sowas Tolles immer benutze ;)