L'Être Aimé Homme 2008

L'Être Aimé Homme von Divine
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7.0 / 10 82 Bewertungen
Ein Parfum von Divine für Herren, erschienen im Jahr 2008. Der Duft ist würzig-holzig. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Das geliebte Wesen”.
Aussprache
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Duftrichtung

Würzig
Holzig
Grün
Erdig
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
provenzalischer Lavendel Absolueprovenzalischer Lavendel Absolue IngwerIngwer BasilikumBasilikum BergamotteBergamotte
Herznote Herznote
SellerieSellerie Immortelle AbsolueImmortelle Absolue KardamomKardamom
Basisnote Basisnote
exotische Hölzerexotische Hölzer SandelholzSandelholz ZistroseZistrose AmberAmber PatchouliPatchouli VetiverVetiver

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.082 Bewertungen
Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon
6.451 Bewertungen
Eingetragen von Apicius, letzte Aktualisierung am 26.01.2024.

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist
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Rezensionen

6 ausführliche Duftbeschreibungen
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 19  
Eine Strohblume ist eine Strohblume, ist eine Strohblume...
Vorweg: dies ist ein schwieriger Duft, kein ‚crowd-pleaser’ wie man im Englischen sagen würde, kein gefälliger Duft also, sondern ein nur in Maßen sinnlicher, ein verkopfter.
Die Idee hinter diesem Duft, seine ‚raison d´être’ sozusagen, ist der komplexe, einerseits blumige, aber auch strohige, aromatische und krautige Geruch der Stohblumen (auch Immortellen genannt), der mit seinen säuerlichen Untertönen ein wenig zur Penetranz neigt und an dem sich die Geister scheiden.
Die einen lieben ihn, weil er sie an ihre Urlaube am Meer erinnert (dort blüht die artverwandte Macchie, oder auch Macchia), manche hassen ihn, da er sie an die Trockenblumen-Sträuße erinnert, die frühere Generationen gerne zu Hause hatten, die dort zusehends verstaubten und verblichen, dabei nie verwelkten und einen eigentümlichen, sauer-würzigen Duft absonderten, der einen reflexartig, besonders wenn die schon abgestandene Luft mit ihm vollgesogen war, zum Fenster eilen ließ um zu lüften.
Ich gehöre zu beiden: ich mag ihn in der Natur und ich mag ihn an mir, aber ich mag ihn nicht in meiner Wohnung. Dabei hätte ich nie vermutet, dass ich dieses wunderliche Odeur in einem Parfum mag, bis ich vor vielen Jahren zum ersten Mal Annick Goutals ‚Sables’ gerochen habe – ein Duft, vor dem ich noch heute in die Knie gehe: was für ein Mut, einen derartig abseitigen, unkonventionellen, jenseits aller, aber auch wirklich aller gängigen Modetrends liegenden Duft nicht nur für die Schublade zu komponieren, sondern auch abzufüllen und zum Verkauf anzubieten! Chapeau für diese Chuzpe, Madame Goutal!
Nicht dass der Duft ein großer Renner geworden wäre, aber er prägte entscheidend das Bild des Hauses Goutal, das offenbar auch in der Lage war, kräftige, höchst eigenwillige Kreationen hervorzubringen, und nicht nur pastellene Aquarelle.

‚Sables’ blieb lange Jahre ein extremes Werk am Rande der olfaktorischen Palette, ein etwas hochmütiger Außenseiter. Sich ihm zu nähern bedurfte einer gewissen Unnachgiebigkeit, die oftmals schon an der Weigerung der Verkäuferinnen scheiterte ihn vom Regal zu holen. Wie oft hörte ich: ach der, na der ist schon sehr speziell, woll´n sie ihn wirklich testen? Ja, ich wollte. Ich musste ihn sogar mehrfach testen bis ich mich traute ihn zu kaufen.
Später entdeckte ich, dass ‚Sables’ , was die Einführung der Immortellen-Note betraf, einen Vorgänger hatte: Annick Goutals eigenes ‚Eau de Monsieur’ (auch dieser Duft war bald mein...). Hier verwendete sie den facettenreichen Strohblumen-Akkord noch recht zurückhaltend, eingebettet in ein frisch-aromatisches Chypre-Konzept.
Blieb ‚Sables’ ein anerkannter, aber nicht zur Nachahmung einladender Solitär, führte der Weg von ‚Eau de Monsieur’ direkt zu Guerlains einige Jahre später entstandenem ‚Coriolan’.
Auch hier wieder eine dezente Strohblumen-Note in einem äußerst fein gesponnenen Chypre-Gewebe. Wiederum einige Jahre später bekam selbst ‚Sables’ in seiner Eremitage einen kaum minder abseitigen Nachbarn: Diors ‚Eau Noire’. Beide Düfte, ‚Sables’ wie ‚Eau Noire’ bemühen sich in Sachen Immortelle erst gar nicht um Zurückhaltung, sondern stellen sie selbstbewusst aus, kontrastiert mit kräftiger, Sirup-artiger Süße (Sables), bzw. mit Curry-ähnlicher Würze (Eau Noire).

Divines ‚l être aimé homme’, als vorerst letztes Glied in der Kette derer, die sich dem Duft der Strohblume widmen, knüpft nun wiederum an ‚Coriolan’ bzw. ‚Eau de Monsieur’ an, was die nicht sehr offensive, sondern eher dezente Zurschaustellung der Trockenblume betrifft. Darüber hinaus borgt sich der Duft aber auch etwas Würze von ‚Eau Noire’, ja sogar in seiner allerletzten Phase (am nächsten Tag!) ein wenig Süße von ‚Sables’. Es ist, als wäre ‚l être aimé homme’ ein Reisender in Sachen Strohblume: es verbindet die freundliche Natürlichkeit von ‚Eau de Monsieur’ mit der feinen Eleganz von ‚Coriolan’, stattet aber auch den exzentrischen Außenseitern ‚Sables’ und ‚Eau Noire’ einen Besuch ab.
Dabei nimmt der Duft von Divine durchaus eine eigene Position ein, die man vielleicht als selbstbewusst-zurückhaltend beschreiben könnte, denn obwohl er die Immortelle eindeutig in sein Zentrum rückt, vermeidet er den lauten und exzentrischen Auftritt derselben.
Dennoch würde ich ihn fast ein Strohblumen-Soliflor nennen, selbst wenn sich diese Kategorisierung zunächst nicht erschließt. Doch je länger ich mich mit diesem Duft beschäftige (und ich muss sagen: es macht Spaß sich mit ihm zu beschäftigen), stelle ich fest wie erkennbar die Bezüge der verschiedenartigen Noten zum zentralen Strohblumen-Akkord doch sind. Jede einzelne unterstützt einen gewissen Aspekt dieses facettenreichen Zentrums. Die deutlich wahrnehmbare Sellerie-Note zu Beginn beispielsweise: sie absorbiert beinahe die säuerlichen Tendenzen und gibt ihnen Halt. Basilikum und Lavendel streichen die krautigen Nuancen heraus, Kardamom und Ingwer wiederum die würzigen und scharfen. Holzige Aspekte der Strohblume finden ihr Echo in den leisen Patchouli- und Sandelholznoten des Fonds, der, leicht ambriert und mit einer harzigen Komponente (Labdanum) versehen, auch das wenige an Restsüße der Blume reflektiert.

Alles ist so auf den zentralen Strohblumen-Akkord ausgerichtet, nichts wird unterschlagen oder verdeckt - alles ist da. Gnädigerweise aber doch ziemlich herunter gedimmt, denn das Bittere, Saure und Strohige kann bei größerem Volumen doch eine erhebliche Penetranz entwickeln, die jegliche Anmut einbüßt und nur noch unangenehm ist.
So aber bleibt ‚l’ être aimé homme’ ein die Haut umschmeichelnder herb-würziger Duft, der erst ganz allmählich etwas Süße gewinnt. Und selbst wenn man meint, man könne ihn schon gar nicht mehr wahrnehmen, umspielt er den Träger wie ein feiner Schleier im Wind.

Am Anfang dachte ich nämlich, dieser Duft besitze viel zu wenig Präsenz, sei arg dünn, beinahe ätherisch. Aber nein: seine Präsenz ist extrem hartnäckig, nur sehr dezent. Bewegt man sich beispielsweise schnellen Schrittes und bleibt dann abrupt stehen, nimmt man die leisen Wölkchen dieses zurückhaltenden Begleiters auf einmal wieder wahr – ein schönes Erlebnis, das man in der Regel nicht hat, wenn die Wolke einem vorauseilt. ‚L’ être aimé homme’ aber begegnet man solcherart im Verlaufe eines Tages immer wieder, und es erinnert einen daran - schüchtern aber dennoch bestimmt - , was für ein gutes Parfum man doch trägt.

Natürlich besitzt dieser Duft auch Bezüge zu anderen Kreationen des Hauses Divine, von ‚l’être aimé femme’ einmal abgesehen, dessen Zwillingsbruder er ist (zweieiig wohlgemerkt, denn seine Schwester betont nicht so sehr die würzige, als vielmehr die florale Komponente der Strohblume), sondern auch zu seinen älteren Brüdern ‚l’homme de coeur’ und ‚l’homme sage’. So meint man ganz zu Beginn, wenn man ‚l’être aimé homme’ aufgesprüht hat, einen fernen Widerhall der fruchtigen Safran-Seligkeit von ‚l’homme sage’ zu erkennen, wie man im weiteren Duftverlauf plötzlich ebenso die spröde Trockenheit einer Graphithaltigen Bleistift-Mine entdeckt, die wiederum schnurstracks zu ‚l’homme de coeur’ führt.
Im Gegensatz zu seinen älteren Brüdern aber ist der Jüngste weder ein weiser Mann, noch ein Herzensbube, sondern vielmehr ein zur Schüchternheit neigender, nicht unbedingt gefälliger junger Mann, dessen vorallem intellektuellem Charme man erst bei der zweiten Begegnung erliegt.
4 Antworten
Intersport

92 Rezensionen
Intersport
Intersport
Top Rezension 13  
Detour IX: Immortelle Ikebana
Das 1986 von Yvon Mouchel gegründete Marke Divine [diˈvĩːne] könnte auf den ersten Blick als weiterer Veteran französischer Autorenparfumerie durchgehen - neben Goutal, l'Artisan oder Maître Parfumeur et Gantier - und obwohl Divine sogar mehr eigene Ladengeschäfte in Frankreich führt als mache dieser Häuser, ist das Portfolio für ein über 30 Jahre gewachsenes Unternehmen sehr überschaubar. Zwischen Veröffentlichung zu Veröffentlichung vergehen gerne Jahre, das Team der mitwirkenden Parfumeure ist ultrakompakt. Bis heute, Richard Ibanez und Yann Vasnier, wie hier bei l’être aimé au masculin. Alles Sachen die mir sympathisch sind, die Veröffentlichungen die ich kenne sind allesamt picobello, überdurchschnittlich gut - fast scheint es als ob sich das Zeit lassen lohnt, aber vielleicht noch mehr, dass, wie hier, Mouchel und Vasnier einfach miteinander gut können; dass der Parfumeur auch zwischenzeitlich mit anderen Jobs am Ball bleibt und weiss was in der Branche los ist, und der Markengründer ein stimmiges Narrativ geduldig weiterspinnen kann.

Divine's exotisch-feingliedrigtes und perfektioniert-verblendetes (Herren) Parfum ist (bis jetzt) vielleicht l’homme sage (2005), auf das 2008 l’être aimé folgen sollte. Mein Favorit ist jedoch letzteres. L’être aimé wirkt neben l’homme sage's smoother Oberfläche und tiefgründigen Volumen wie eine handgewebte Leinen Textilie oder ein indischer Khadi Loom, die Fänden sind rau, die Webung hat Spiel und ist luftdurchlässig, der Griff, leicht kratzig, funktional, robust, verlässlich - aber nicht von minderer Qualität als der samtig seidene Vorgänger. Laut Divine dreht sich bei l’être aimé alles um die Immortelle (die auch bei l’homme sage schon ein Wörtchen, sehr leise, mitzureden wusste), ja, sehe ich ganz genau so. Der Gedanke an Goutal's Meilenstein Sables (1985) liegt nahe, doch ist l’être aimé, herb, bitter, aromatisch, und vielleicht eher bretonisch (wie Divine's Herkunft), mit allen Wettern gewaschen als korsisch und sun-dried.

Wem das jetzt zu sehr nach Kräutertinktur klingt, die vielleicht eher im aktuellen Darkweb der fiktiven Heimbauparfumeure aus Vermont oder Oregon zu Hause sein könnte - Yann Vasnier ist durch und durch professioneller, industrieller Parfumeur, ein ausgezeichneter dazu, der auch hier bei l’être aimé Präzisionsarbeit geleistet hat. Exotische Gewürze, Ingwer und Kardamom kommen wie auch schon bei l’homme sage zum Einsatz, bei l’être aimé in der micro-dosing Größenordnung, bei aller bitteren Direktheit, startet l’être aimé mit einer leichten Basilikum Pfeffer Note, gerundet, geschärft und erfrischt von eben diesen Gewürzen. Sellerie, sitzt für mich hier eher an der Schnittstelle Bockshornklee/Liebstöckel, vielleicht mit einer Prise Cumin garniert. Diese Note ist nicht etwa einem Sellerie Absolut oder ähnlichem geschuldet, vielmehr koennte sie von Sotolon stammen, oder einer Facetten der Immortelle, die immer wieder der zugehörigen Deskriptoren Sprache auftaucht - also bereits an Bord und gewusst betont, getuned. Wer schon mal hochwertige Immortelle Absolut vor der Nase hatte, weiss wie vielgestaltig diese sind und dass es da bittere, kaffeeartige wie gemüseartige Facetten gibt - und nicht nur ausschließlich süsses und würziges.

Dass all diese anderen Bestandteile hier wichtige Stützfunktionen haben, ist nicht unbedingt einer geringen Dosierung geschuldet, vielmehr ist Yann Vasnier, als Meister der Dosierung, ein Immortelle zentrierter Duft gelungen, der eben nicht im dreikomponenten Schema daherkommt, vielmehr: vieles ist mikromoduliert, alles schillert. Mal blitzt ein Nuance Vétiver hervor, mal sandel-holzt es, mal grünt es minimal patchoulig. Schrieben Mouchel und Vasnier ein neues Kapitel bei Immortelle zentrierten Parfums? Yes and No. Es gibt nur eine Hand voll Parfums die sich Immortelle so unvoreingenommen vorknöpfen. Profumo's unterstehender Kommentar zu l’être aimé folgt diesen Spuren auf schönste Weise. In den vielen Fällen wird die Zutat ordentlich entschärft, entbittert, entwürzt, entsüsst, so dass sie nur mehr als wärmendes, effektives Füllmaterial daherkommt. L'Artisan's mittlerweile wieder eingestelltes Mont de Narcisse (2018) oder das ebenfalls aufgelassene Voyage en Méditerranée - Immortelle de Corse (2011) sind Paradebeispiele entcharakteririserter Immortelle. Daher, Chapeau an Divine für l’être aimé.

Fast: denn einen Haken, der aber letztendlich kein Haken mehr ist, hat die Sache: die betörend originelle Immortelle-Sellerie-Bockshornklee-usw-Note ähnelt dem im Jahr zuvor erschienenen Series Luxe: Patchouli (2007) auf überraschende Weise. L’être aimé ist heller, offener, und Series Luxe: Patchouli im Gesamteindruck ein gutes Kilohertz tiefer - aber die Schnittmenge ist erstaunlich: Letzteres ist seit Jahren eingestellt und l’être aimé glücklicher Weise nicht, erledigt, erfreulich.

Abgesehen davon, ist es vielleicht l’être aimé's räumliche Konstruktion die beeindruckt. Vasnier und Mouchel ist es gelungen ein luftiges Koordinatensystem zu entwicklen, in dem die doch oft als dicht wahrgenommene Immortelle Note mit viel 'Platz' dazwischen schwebt, fast wie ein japanisches Ikebana, bei dem der Raum zwischen den Zweigen, dieser negative Raum zwischen Volumen so wichtig ist, wie die Äste, Blätter und Pflanzen selbst - diese Eleganz zeichnet l’être aimé aus und ich denke ja, ein wunderbares und viel zu selten gelesenes Kapitel.
8 Antworten
7.5
Flakon
2.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Unterholz

54 Rezensionen
Unterholz
Unterholz
Top Rezension 6  
Mehr als Suppengemüse
Ein merkwürdiges Parfum, dieses L‘ Être Aimé Homme. Es fällt mir kein weiterer Duft mit ähnlichem Konzept ein. Eingang in meine Sammlung fand LEAH nach wiederholtem Testen. Wie bereits Apicius mit seinem Kommentar aufzeigte, ist es ein Parfüm, das sich einem nicht gleich erschliesst und das man sich erarbeiten muss. Zugegeben, manchmal faszinieren mich schräge Kreationen mehr, als dass ich sie nachher tragen könnte. Ich habe schon einige Düfte in meine Sammlung aufgenommen, die ich anfänglich als spannend und assoziationsreich empfand. Aber später auch als anstrengend. Seither versuche ich solche Käufe zu vermeiden. Warum hat es LEAH dennoch in mein Schränkchen geschafft? Nun, ein Duft bewährt sich erst, wenn ich morgens im Bad nicht erst überlegen muss, was ich aufsprühe. Ein Duft bewährt sich (für mich zumindest) wenn ich ihn jederzeit ohne grössere Irritationen tragen kann und mich damit wohlfühle. Ich muss damit ideal bekleidet sein. Klar, ganz der Situation entsprechend: In Jeans und Shirt ist das etwas eher Unkompliziertes, mit Hemd und Jackett darf es auch mal etwas Üppigeres sein. Im ersteren Fall wäre das so die Zitrus-Holz-Chypre-Barbershop-Ecke. Im zweiten Fall vielleicht ergänzt durch etwas Leder, Ambriertes, Blumiges… Allerdings mag ich es nicht, wenn in einem Duft dauernd Einzelkomponenten zu sehr herausstechen und sich über Stunden bemerkbar machen oder gar irritieren. Deshalb bevorzuge ich keine allzu opulenten Parfüms mit zuviel Süsse (mit Wumms-Amber, Vanille, Tonka, Zistrose, Honig, Caramel usw.) oder mit zuvielen „scharfen“ gewürzigen Anteilen (Zimt, Kreuzkümmel, Koriander, auch würzige Anteile von Hölzern oder Harzen). Das alles sind Komponenten, wie etwa zuviel Weihrauch oder Patchouli (Duftstoffe, die ich wohlgemerkt als einzelne Gerüche sehr mag), die ich mit der Zeit als anstrengend empfinde, sofern sie sich nicht harmonisch in die Gesamtkomposition einfügen.

Ich muss mich wiederholen, LEAH ist ein merkwürdiges Parfum. Ein Blick auf die Duftangaben scheint das zu bestätigen: Gewürze, Gemüsiges, Holziges und eine Basis, die im Widerspruch dazu sehr ambriert und süsslich anmutet. Allerdings tragen hier die Angaben nicht viel zu der Dufterfahrung bei. Manchmal ist man also besser bedient, wenn man sich nicht zu sehr davon (ver-)leiten lässt. Sonst wäre mir ein wirklich grossartiger Duft entgangen.
LEAH startet relativ dunkelwürzig mit verhaltener Frische. Mit etwas zitroniger Ingwerschärfe bei leicht kräuterigem Grün-Grundton (Basilikum?). Augen- bzw. nasenfällig ist ein origineller Schuss Sellerie. Der Sellerie trägt merklich dazu bei, den Duft in eine fast unspassige und ernsthafte, gemüsige Richtung zu lenken. Ich stelle mir vor, dass es das ist, was viele davon abhält, sich mit dieser Kreation ernsthaft auseinanderzusetzen zu wollen. Persönlich mag ich Sellerie sehr gerne, eine eher selten eingesetzte Note, da möglicherweise der Eindruck einer Suppenküche entstehen mag. Ich hab keine Mühe mit solchen Bildern, oder anders: ich sehe nicht ein, warum ein schöner Duft nach frischem knackigem Gemüse nicht ebenso seine Berechtigung haben darf. Wenn die ganze Welt schon nach Kokos, Ananas und Melone riecht, warum nicht auch mal frisches Gemüse? Hat man sich erstmal darauf eingelassen, kommt einem LEAH schon vertrauter vor. Grundsätzlich ist es ein hautnaher Duft ohne Riesenprojektion. Trotzdem wird er gut wahrgenommen, die Strohblume mit ihrem leicht knarzigen Hintergrundrauschen ist sicher kein Mauerblümchen, eher eine strahlende kleine Sonne, in deren Korona die Gewürze und Hölzer erst recht erblühen. Diese leise glimmende Strohblume passt wunderbar zu den Gewürzen und lässt den gesamten Duft sehr trocken erscheinen. Auch die Zistrose in der Basis verfügt eher über eine trockene Süsse, zum guten Glück hat Yann Vasnier auf alles Balsamische verzichtet, was das Gemüse-Konzept dann doch ad absurdum geführt hätte. So bleibt es ein nicht frisches, aber erfrischendes, zart harziges Gemüsebouquet mit holzigen und zartbitteren Untertönen. Ich habe lange überlegt, womit man den Duft assoziiert und schliesslich glaube ich, dass ein trockener Vermouth dem Gesamtbild ziemlich nahe kommt. Auch dort finden sich gemüsige (von Artischocke) und gewürzige Anteile. Der Vergleich zu trockenem Aperitiv passt defititiv. Anwendung findet er das ganze Jahr über, sogar bei warmem Wetter, und ich mag es sehr, diverse Parfums meiner Sammlung gelegentlich mit einem Spritzer LEAH selleriemässig aufzupimpen.
2 Antworten
7.5
Haltbarkeit
7
Duft
Apicius

1106 Rezensionen
Apicius
Apicius
Sehr hilfreiche Rezension 11  
Karierte Esoterik
L’Etre Aimé Homme ist ein ausgesprochen interessantes Parfum, das sich jedoch nur zögernd erschließt.

Es beginnt mit einem sehr würzig-kräuterigen Eindruck. Sofort ist der in der Pyramide erwähnte Sellerie da, aber nicht störend. Er ist so unbestimmt, dass man ihn auch mit Anis oder Wachholder verwechseln könnte. Außerdem habe ich sofort einen sehr holzigen Eindruck, und zwar sehr dunkles Holz. Die Holznoten werden zwar nicht näher spezifiziert, aber es könnte Zypresse sein. Eventuell auch die künstliche Note „Kaschmirholz“, die ich eigentlich nicht mag. Falls die verwendet wurde, dann jedenfalls extrem sparsam, sodass sie erträglich ist.

Die Strohblume (Immortelle), von der Divine ziemlich viel Aufhebens macht, kann ich nicht identifizieren, aber ich weiß auch nicht genau, wie diese Blume riechen soll. Irgendwie strohig riecht es aber schon. Zeitweise hatte ich den Eindruck, dass Moschus in der Basis ist, aber das war wohl eine Täuschung. Von der Bergamotte und dem Lavendel im Kopf habe ich nichts Deutliches bemerkt, aber ich glaube, der Lavendel ist da und trägt eine ganz verhaltene ätherische Note bei.

Was ist es also überhaupt für ein Duft? Auf einen Nenner gebracht: Holz und Sellerie. Aber das ist so gekonnt verarbeitet, dass dieser Duft wirklich interessant wird. Durch die sehr dunklen Holznoten, versehen mit einer Winzigkeit Patchouli, gibt es eine beachtliche Tiefe. Gleichzeitig gibt es neben der appetitlichen Würze nicht identifizierbare ätherische Noten, die wiederum sehr hell wirken. Eben auch an hellen Moschus erinnernd, obwohl es das ganz klar nicht ist. Der Duft hat somit schwere, aber auch leichte Aspekte.

Dieser Gegensätzlichkeit bin ich ja schon bei dem wunderbaren L’Homme Sage begegnet. Sie ist vielleicht ein Merkmal der Herrenparfums von Divine. Wenn ich diesem Duft eine Farbe geben sollte, wäre es wiederum schwarz-weiß kariert. Sozusagen der passende Duft zum Anzug mit Fischgrat-Muster oder zum Pfeffer- und Salz Jackett. Zu solcher Kleidung passt der Duft besser als zu Jeans und T-Shirt.

Die Sellerienote tritt nach einer halben Stunde etwas zurück, aber das schwarz-weiße Grundmuster bleibt. Es ist ein sehr gutes Parfum. Im Gegensatz zu vielen anderen Düften wird die dunkle Holzigkeit nicht übertrieben, obwohl sie Thema ist. Auch wenn man keine ausgesprochene Vorliebe für Zypresse, Sandelholz und Co. hat, ist dieser Duft angenehm. Etre Aimé ist ein durchaus dezenter Duft, allerdings ohne die homöopathische Verdünnung eines Kenzopower.

Nach etwa einer Stunde nähert sich Etre Aimé der dem Duft von L’Homme Sage an – also Corporate Identity!

Wie alles von Divine ist auch Etre Aimé ein hochwertiges und originelles Parfum. Obwohl er weitgehend im Spektrum bekannter Zutaten bleibt, hat dieser Duft keinen mir bekannten Vorgänger oder Nachahmer. Die hervorragende Qualität dieses Duftes erschließt sich nicht sofort. Laute Pop Musik ist ihm fremd, er ist eher esoterischer Jazz, dessen Qualität sich erst beim genauen Hinhören erschließt.

L’Etre Aimé Homme wird sicher nur einen kleinen, überschaubaren Kreis von Kennern ansprechen.
3 Antworten
7.5
Haltbarkeit
6
Duft
Florblanca

1143 Rezensionen
Florblanca
Florblanca
2  
Habit Rouge von Divine???
Nicht wirklich, aber in den ersten 10 Sekunden kam es mir beinahe so vor. Denn was sich da auf meiner Haut tat, war genauso würzig und vollmundig wie ich es ähnlich vom Habit Rouge EdT kannte.

Doch das ist wirklich nur ein Sekundeneindruck gewesen. Dann wird der Duft grün, sehr grün, und zwar dunkelgrün. Ich kann auf jeden Fall Vetiver wahrnehmen, in einer ordentlichen Dosierung und ich würde fast behaupten, es ist hier nicht der Sellerie und der Kardamom, sondern eher Salbei, mit seinem stark ätherischen, würzig-grünen Duft. Ein klein wenig Ingwer kann ich auch noch erhaschen.

Der Duft bleibt bei mir auch so grün und ich muss zugeben, die Vetivernote ist für meinen Geschmack zu extrem. Auch wenn sich nach einiger Zeit die Immortelle, eine warm, blumig und würzig duftende Pflanze, im Volksmund auch Immergrün oder Italienische Strohblume genannt, dazugesellt, sie kann dem Vetiver nichts entgegensetzen, dazu ist er einfach zu kräftig. Ich finde es sehr schade, dass Immortelle hier immer mit Strohblume übersetzt und gleichgesetzt wird. Sie sieht anders aus, duftet anders und hat auch eine andere Wirkung als die hierzulande bekannte Strohblume, die unsere Großmütter das ganze Jahr über in einer Vase im Wohnzimmer stehen hatten. In meinem Kommentar zu "Immortelle Marylin" habe ich einiges zu dieser Strohblume erzählt.

Die, ja beinahe schon giftig grüne, dunkle Note nimmt in der Basis zwar ein wenig ab, hier sind es dann Amber, exotische Hölzer, sehr aromatisch, sowie Sandelholz und Patchouli, die das Ruder übernehmen. Doch bleibt auch die Basis recht kratzig und kantig, keine Weichheit, sondern eher die harte Version von Hölzern und Patchouli etc.

L'être aimé ist für mich ein absolut 100 %iger Herrenduft, viel zu maskulin, um von einer Frau getragen zu werden. Aber es gibt von Divine L'être aimé auch in der femininen Version. Bin schon sehr darauf gespannt.
2 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

13 kurze Meinungen zum Parfum
FloydFloyd vor 4 Jahren
7
Flakon
5
Sillage
6
Haltbarkeit
6.5
Duft
Aimé Homme
Das geliebte Wesen
Ernährt sich von Kräutern
Und Suppengemüsen
Schläft in holzharziger Macchia
Träumt von der Erde auf Korsika
18 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 4 Jahren
6
Sillage
7
Haltbarkeit
6
Duft
Mit diesen Küchendüften kann ich nicht viel anfangen. Sellerieeintopf und Maggi, im Holzpott serviert. Originell, aber für mich untragbar.
19 Antworten
Rieke2021Rieke2021 vor 4 Monaten
6
Flakon
5
Sillage
6
Haltbarkeit
6.5
Duft
Die Hobbits buddeln im Kräuter- und Gemüsegarten. Legen die frische Ernte noch mit Erde an den Wurzeln auf den Holztisch. Würziges Grün.
6 Antworten
JackoJacko vor 2 Jahren
6
Sillage
6
Haltbarkeit
6
Duft
Gekonnter Gemüserülps aufgeflufft mit Blumenschnitt. Eine Minestrone ist nix dagegen. Aber ich hab schon gegessen. Hmm lecker Strohblume :-/
8 Antworten
ParmaParma vor 4 Jahren
6
Sillage
6
Haltbarkeit
6.5
Duft
Sellerieduft. Leicht herb. Dezent wächsern. Holznuance. Wirkt aufgrund der Liebstöckel-Nähe fast wie gekippt. Aromatisch. Elegant.
8 Antworten
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