Schneller als „Aus Kindern werden Leute“ geht nur „Aus Mädchen werden Frauen“
Von meiner zehn(!)-jährigen Tochter kriege ich mittlerweile Sätze zu hören wie: „Papa, das verstehst Du nicht. Frauen machen das so.“ Ihre gelegentlichen Dekorativkosmetik-Zusammenrottungen mit Mama sprechen ebenfalls eine klare Sprache. Kürzlich waren Papa und Tochter gemeinsam in der großen Doppelkonsonanten-Stadt. „Das Kind“ wollte unbedingt ein bestimmtes, in der Peripherie nicht mehr erhältliches Oberteil kaufen, und die letzte Hoffnung war die Filiale in der Innenstadt. Tatsächlich fand sich noch eins in richtiger Größe, ab in die Umkleide damit. Die Kabinentüren ließen in der Mitte einen ziemlich breiten Schlitz frei. Fand ich sehr unglücklich und habe mich daher selbst auf den Hocker an der Wand direkt gegenüber gesetzt, damit es kein *AUSDRUCK-ZENSIERT* tut.
Na ja, jedenfalls hat sie das Ding nicht einfach nur anprobiert. Sie hob vielmehr die Arme auf und ab, bewegte sich hin und her und tanzte sogar auf der Stelle. Zweifellos, um Tauglichkeit und Wirkung für den konkret geplanten Zweck umfassend zu prüfen, nämlich für das ersehnte Abendprogramm auf der anstehenden Klassenfahrt. Das war so niedlich, ich hätte mich wegschmeißen können und hatte Mühe, ganz unbefangen zu gucken, als sie aus der Kabine trat. Nun wieder eher kindlich lächelnd - es ging jetzt schließlich ans Bezahlen.
Auch duftmäßig wird sie inzwischen damenhafter. Die Nutzung von Petite Chérie (welches ich persönlich gleichermaßen als recht mädchenhaft empfinde) wird seltener. In letzter Zeit nun hat sie ab und zu ein Röhrchen von Armani Code Femme bekommen und der ist eine andere Hausnummer.
Schon die Pyramide spricht für sich: Orange noch und noch. Und der Auftakt enttäuscht nicht. Definitiv mehr Blüte als (Bitter)-Frucht. Im Stil - nicht von den Zutaten her! - fühle ich mich an Si Intense vom selben Hersteller erinnert. Ein in ähnlicher Weise durchaus eleganter Botanik-Duft, der mit gleichbleibender Abstrahlung seine Trägerin mit einer zuverlässigen Dufthülle umgibt und geschmackvoll durch Tag oder Abend oder beides bringt, und zwar ohne Ambitionen auf einen Originalitäts-Preis. Eine leicht synthetische Anmutung macht sich auf der Haut stärker bemerkbar als in der Projektion. Dezenter ist Code pour Femme allerdings; Si Intense legt mit seiner Johannisbeere per definitionem einen etwas lauteren Auftritt hin.
Ab mittags rückt Jasmin weiter in den Vordergrund. Ich mag die Kombination Orange-Jasmin sehr gerne (wenn auch nicht für mich selbst), schätze besonders den Seville a L’Aube von L’Artisan/Duchaufour. Der Seville ist indes viel raumgreifender komponiert. Bei Code pour Femme wird die Kombination nicht annähernd so übermächtig, ist enger verwoben. Zudem turnt unter der Oberfläche mehr Frische mit, das könnte gut der Ingwer sein.
Am Nachmittag bekommt der Duft etwas Honighaftes. Derlei kenne ich bereits, Orangenblüten erinnern mich häufig an den entsprechenden Honig. Bis in die Basis bleibt die Orange präsent, wenngleich wesentlich sanfter. Die Haltbarkeit ist sehr ordentlich, locker neun, zehn Stunden.
Ein Kaufkandidat? Für meine Frau ist er gewiss keiner. Seville a l’Aube gefällt uns beiden besser. Und für meine Tochter? Ganz suutje! Abwarten. Immerhin ist Armani Code pour Femme wenigstens kein Haudrauf. Wenn meine Gar-nicht-mehr-Kleine damit beduftet ist, wirkt das überraschenderweise dann doch nicht allzu übertrieben.
Im Grunde ist es trotzdem mit einem derartigen Duft ein bisschen früh, aber was soll man machen? Wir sind sicher, dass das nächste, weitaus ernsthaftere „Was soll man machen?“ praktisch schon auf die Zielgerade einbiegt. Albernes Jungs-Gehabe in ihrer Umgebung meine ich natürlich nicht, das ist seit Jahren zu beobachten. Nein, neulich hat sie berichtet, sie sei beim Warten auf die Bahn von einem wildfremden Jungen angesprochen worden. Beruhigend, dass sie ihm eine (1.) irritierte und (2.) Abfuhr erteilte. Uff. Ich finde, mit dem Thema darf sie sich noch Zeit lassen….
Na, die Kleine weiß ja schon genau, was sie will! Da werden Euch noch spannende Jahre erwarten... ;) Was den Duft betrifft: Ich hatte den und leider auch schnell über.
Glückwunsch zu dieser überaus stilsicheren Tochter - sie tritt allem Anschein nach schon sehr früh und sehr gezielt in Deine Fußstapfen, ;-)! Ernsthaft: Das "Erwachsenwerden" beginnt immer früher - in ein paar Jahren geht's wohl schon mit acht los...
Meine Tochter mag den Armani Code auch sehr gern und hat meine Vorurteile ihm gegenüber aufgehoben, denn sie duftet damit sehr gut. Deine 10-Jährige ist ja schon richtig stilsicher!
Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum - oder so ähnlich. :-) Dass sich Deine Tochter schon früh für Parfum begeistert, verwundert mich nicht so sehr. Und der Duft ist doch o.k., nicht quietschesüß und keine rausfühlende Sillage. Grüße an Euch alle.
Die kleine gefällt mir :D die Kindheit wird aber auch immer kürzer. Erschreckend. Der Ultimate gefällt mir mittlerweile viel besser. Weniger süß und mehr Tiefe.
Der Armani ist nun wirklich keine Schande; laß ihr das Vergnügen! Ansonsten ist es gut, sich für die nächsten Jahre eine gewisse Gelassenheit zuzulegen.
"Wo ist das Parfum mit dem Eierlikör?" Es handelte sich um Siwa von Memo mit der Whiskynote. Und um meine 9einhalbjährige Schnapsdrossel. Da ist wirklich ein Anflug von Eierlikör dran und sie kennt sich offenbar damit aus...
Ich glaube im Nachhinein bin ich froh, dass ich keine Tochter sondern einen ausgesprochen pflegeleichten Sohn durch die Pubertät begleiten durfte. Gib ihr diesen Kommentar in 20 Jahren mal zum Lesen.
Seit ich Dich kenne, wünsche ich Dir viel Kraft und Geduld ...