Eau du Soir ist kein Duft, der sich lieblich und nett an eine Frau schmiegt und sie fein und niedlich erscheinen lässt. Er ist ein Duft, der mit großen, lauten und bedrohlichen Schritten einen niederstampft. Im Sinne von ich ergebe mich und ich will das du mich auffüllst. Mit all deiner Liebe und all deiner Kraft. Mit der Kraft dieses Parfums. Auf die Knie könnte sich so mancher zwingen, wenn er den Duft in sich aufsaugt..
Mein Urlaub verlief leider mit viel Regen, teilweise auch leider mit Überschwemmungen. Viel war da nicht mit Strand, sonnen, fruchtig, leichten und sommerlichen Düften. Der Herbst scheint schon an die Tür geklopft zu haben. Es gab Tage, da wurden alle Schiff und Höhlentouren abgesagt, so sahen wir uns gezwungen, uns anderwärtig zu beschäftigen.
So verbrachten wir Tage und auch Nächte irgendwo in der uralten und charismatischen Stadt Kotor, an der montenegrinischen Küste. In Bars, in denen es gemütliche Musik gab, guten Wein und vor allem viele interessante Menschen, die trotz Regen, die gute Laune nicht verloren hatten.
Da gab es einen Abend, der sich kühl in mich einnistete..
Es schüttete den ganzen Tag. Große Regentropfen fielen dumpf auf die Erde nieder.
Die Fenster unseres Hotels waren weit geöffnet, der Strom fiel für kurze Zeit aus und alles schien still zu stehen, wenn man die Blicke , nieder auf die Stadt setzte.
Als der Regen etwas nachließ, machten wir uns erneut für einen ausgelassenen Barabend bereit. Ich entschied mich für diesen Abend Eau du Soir zu tragen. Ein Duft, der sich auch wie die Regentropfen, dumpf auf einen niederlassen. Gott sei Dank hatte ich nicht nur fruchtiges bei mir, sondern trug auch etwas schwerere Parfums im TZ mit mir in den Urlaub herum.
Der Abend verlief sehr ausgelassen. Wir lernten einige andere Pärchen aus Russland und dem ehemaligen Jugoslawien , Nächte zuvor kennen und amüsierten uns mit denen prächtig. Es entschanden für kurze Zeit, richtige Freundschaften, die sich aber nur aufs Amüsieren, Alkohol trinken und Lachen beschränkt hatten. Ich bekam dutzende Komplimente an dem Abend, wo ich mich für Eau du Soir entschieden hatten. Zwar von allen Seiten. Ich würde riechen, wie eine griechische Göttin, hieß es da von einer Seite. Eine etwas Dame war so angetan von meinem Parfum, so dass sie sich immer in meiner unmittelbaren Nähe befand. Sie war weder schüchtern noch nahm sie ein Blatt vor dem Mund. Sie fragte mich , ob sie nicht noch einmal an meinem Handgelenk riechen darf. Die Sillage von Eau du Soir ist einfach fabelhaft. Mehr gibt es da nicht zu sagen.. Die Stimmung war zum Höhepunkt gekommen, als einige beschlossen hatten, sich an den örtlichen Strand zu bewegen. Lachend, lallend und mit zig tausend verschiedenen Liedern begaben wir uns dort hin.
Wie in meiner Jugendzeit , zogen wir uns bis aufs Höschen und Unterhemdchen aus und wilderten wie pubertäre Wahnsinnige im Wasser herum. Der Regen war stehen geblieben, aber die Nacht war so dunkel, so dass man kaum jemanden in unmittelbarer Entfernung sah, wenn er sich dem endlosen Meer hingab.
Ja es ist nicht gut, sich mit einer Dosis Alkohol im Meer zu vergnügen. Ja es ist nicht gut, sich in der Nacht einfach ins endlose Nass zu begeben. Aber wir alle hatten all unsere Bedenken von uns abgestreift. Wir waren ausgelassen und es herrschte eine so tolle Atmosphäre, das könnte nichts , aber auch gar nichts trüben.
An diesem Abend schien es so, als würde sich der Himmel mit der Erde verbinden. Die Lichter der Stadt erhellten ein wenig die Küste, die Yachten standen nur markant und leblos in der Küste .. Sah man rauf in den Himmel, sah man nichts. Keine Sterne. Nur Schwarz. Man vermutete natürlich dahinter, schwere , schwarze Wolken, die langsam auf die Erde niedersacken.. Es begann dann langsam zu regnen. Kleine Tropfen fielen auf uns herunter. Das Gelächter und die ganzen Scherze rissen aber nicht ab. Ich konnte sehen wie manche ihre Arme weiteten, ihr Gesicht frei von allen Haaren machten und es in den Himmel reckten. Es war aber alles nur in hauchfeinen Umrissen zu sehen. Allein der Anblick ließ mich entzückend lächeln. Schön war das. Hinreissend schön.
Und da war ich. Trug Eau du Soir. Das Parfum war auch nach der halbdurchzechten Nacht noch immer gut wahrnehmbar. Mein Verlobter schmiegte sich oft an meine Schulter, verweilte dort für eine kurze Zeit und sagte mir immer wieder, wie schön betörend ich doch riechen würde.
Ich kann nur sagen, dass das Parfum äußerst rauchig und würzig ist. Selbstbestimmt kommt es schon mit lauten Schritten daher. Kaum hat man es aufgetragen, so wird man auch gleich eingenommen. Ein starkes Parfum mit einem Charakter aus Stahl. Etwas grünes schwimmt da noch mit in der Komposition, gepaart mit zarter Frische. Etwas markant kommt er daher. Nicht verspielt, sondern äußerst stabil in seiner Offenbarung. Man fühlt sich wie eine gestandene Frau, wenn man ihn auf die Brust niederlässt. Hauchzart vernebelt er so manchen die Sinne. Ein Chypreduft der, kaum schöner sein an. Vor allem aber die Erinnerung mit dem Erlebnis, ist einfach nur Gold Wert. Kein Parfum für streng situierte Frauen. Sondern ein Duft, der so manche Damen, auch vergessen lässt, das auch sie sich prächtig amüsieren können. In jeder Hinsicht. Ohne dabei unedel, unattraktiv oder gar schlampig auszusehen. Der Duft gehört zu einer wie mir. Die sich dem Leben auch mal spießig hinwidmet, dabei aber nie den Wahnsinn verliert, die das Leben an manchen Nächten so bringt. Traut euch!
Wenn sich der Himmel , dann wieder mal, mit der Erde verbindet, so werde ich immer an Eau du Soir denken.
Schwarze Wolken sind aber nicht in weiter Ferne. Ich sehe sie bald wieder. Vielleicht auch jetzt schon.