Während mir Beaver (2014) nicht zusagte (6.0) und in meiner Erinnerung (leider liegt mir die Abfüllung nicht mehr vor: wer kann noch vergleichen?) recht animalisch roch, hat man Beaver (2016) die Nagezähne gezogen und damit deutlich gezähmt. In aller Regel gefallen mir solche gedimmten, reformulierten, domestizierten Düfte nicht. In aller Regel mag ich lieber das Biest (s. Antaeus alt und neu, siehe Kouros alt und neu), aber hier hat die Verwandlung vom Wildtier zum Haustier dem Duft gut getan. Er ist tragbar!
Alle Zoologist-Düfte beeindrucken mit einer großartigen Umsetzung der Eigenheiten eines bestimmten Tieres in der Gestalt von Duft und / oder Geruch. Beim Biber stellte sich allerdings die Frage, ob man das Aquatische (des Lebensumfeldes) oder das Animalische (des Biberbaus) zum Thema machen wollte. Bei Biber 1 hatte man sich wohl eher für den Bau, bei Biber 2 wohl eher für das Wasser entschieden. Damit einher geht natürlich die Problematik, die allen aquatischen Düften eigen ist: Sie riechen immer ein wenig nach Drogerie. Beaver (2016) entgeht dieser (Biber-)Falle jedoch durch den Einsatz von Lindenblüten, die ich persönlich schon mal sehr gerne mag (meine Favoriten: Tilleul, Harry Lehmann Lindenblüte). Auch die starke Untermalung mit grünen Akzenten tut dem Duft gut und führt zur Assoziation von grünen Schlingpflanzen und ins Wasser ragenden Weidenranken, Moos und Schilf, so wie ich das von einem See kenne, an dem ich viele Sommer meiner Kindheit verbracht habe: Der Geruch des Wassers mischt sich mit dem von Pflanzen zu einem hellgrünen Duftdickicht. Dass das nicht alles ganz natürlich, sondern auch ein wenig synthetisch riecht, schmälert den guten Eindruck nicht (CdG lässt grüßen).
Wo bleibt nun das Biest? Die tierischen Komponenten (Leder, Castoreum) sind so stark ausgemerzt worden, dass man aus der Entfernung nicht sicher sein kann, ob der Biber echt oder aus Plastik ist. Das hat natürlich den Nachteil, dass der Duft nicht so spektakulär daher kommt wie andere Düfte aus der Zoologist-Reihe (allen voran Bat, aber auch Panda und Rhinoceros), macht ihn aber zum tragbaren Pendant des Krachers Bat (den ich für einen der besten Düfte der letzten Jahre halte).
Da die Lindenblüte auf mich einen sehr hellen Eindruck macht, ein wenig sogar an klassische Weißblüher wie Jasmin erinnert, würde ich dem Duft in der neuen Version eine feminine Note unterstellen. Tragbar ist er allemal auch für Männer. Mir gefällt er.
Man kann auf weitere Düfte dieser Marke gespannt sein. Der Zoo darf wachsen.
Mein Biber sitzt die meiste Zeit auf dem Lindenblütenbaum, gehört er da hin ?? meiner zoologischen Kenntnisse nach nicht, trotzdem ein schöner Duft und ein interessanter Kommi, für den ich einen angenagten Holzpokal abstelle.
Oh je, der arme Biber wurde kastriert. Nein, er hat mit der ersten Version nichts mehr zu tun. Ich habe zwar auch keine Pröbchen vom Vorgänger mehr, aber meine Kommentar dazu würde auf die neue Rezeptur überhaupt nicht passen. Irgendwie tuts mir leid.
Als Biberfreund wäre mir der animalisch-wilde Biber bestimmt lieber, da ich aber meinen Bau mit Nicht-Bibern teile, ist die aktuelle Formulierung wohl sozialverträglicher :-)
Tilleul mag ich auch. Biber habe ich in ihrem natürlichen Habitat noch nie gerochen. Sind die sexy, knuddelig oder eher gefährlich? Ich meine, das Zookonzept ist lediglich ein Marketing-Gag. Im Grunde völlig schnurz, ob der Duft "Wombat", "Fuchskuso" oder "Sydney Spider" heißt -Hauptsache, er riecht gut. Offensichtlich tut er das. Und das zählt. Alles andere ist Über -Interpretation für Anhänger des olfaktorischen Zoologen -Klubs.
Schön, dass es auch Reformulierungen gibt, die einem Duft gut tun - so selten das auch passiert. Denn ansonsten sehe ich es diebezüglich wie Du, dass nichts über das Original geht. Danke für den Ausflug an den See.
Sehr gern gelesen... ich glaub ich mag so einen Zoo aber nicht. Schnuppern würd ich aber schon mal an den tierischen Düften. Bin mir sicher ich würde bei dieser Version bestimmt n Tierchen rausriechen. Du bist ja durch die alte Version schon abgehärtet:) Biberpokal für dich
Habe nach Deinem Kommentar just zur Beaver-Probe gegriffen. Das Animalische hält sich zurück, ist aber definitiv vorhanden. Schräger Duftmix. Bin begeistert! Zoologist and me - it works! Und jetzt gehe ich Deine Post auspacken... :-)
Ich habe just den 2014-Kommi gelöscht. Habe Notizen hier und im Heft, Ja, der roch nach Biberbau. aber auch dieser würde mit nicht zusagen.
Ist halt Parfümprojektkunst-Geruch, oder so.
Meine Assoziation zum Biberbau ist streng animalisch feucht, insofern scheint die aquatische Interpretation mitTilleul Akzentuierung sehr einladend interessant :)
Ist halt Parfümprojektkunst-Geruch, oder so.