
DasguteLeben
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DasguteLeben
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29
The Rebirth of Un-Cool
Was die Investoren bei d'Orsay ritt, ausgerechnet Mitte der 90er Jahre, als die aquatische Welle bereits voll über die Parfümwelt geschwappt war, einen Relaunch mit klassischen Düften im komplexen, harmonisierenden französischen Stil zu betreiben, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Glaube an die große Tradition der haute parfumerie? Antizyklisches Denken? Sei's drum, so etwas kann einem den ganzen schönen Sermon über den Niedergang der abendländischen Kultur vermasseln. Zumal d'Orsay diese Düfte richtig gut hinbekommen hat. Sie waren sorgfältig komponiert, sie dufteten hochwertig, sie waren nicht übermäßig teuer - quasi genau das Gegenteil der aktuellen Knallchargenstrategie im Nischen-Markt [ich warte nurmehr auf eine Spüli-Serie, in der nach Pril riechendes Abwaschwaser für € 130 / 100ml feilgeboten wird - Moment, das war ja Blasted von Penhaligon's ! Soviel zum Zynismus, zurück zur Ode an die Freude.] Mir gefallen Tilleul, Chevalier, Etiquette Bleue alle sehr in diesen 90er Jahre Inkarnationen, aber Arôme 3 thront ganz oben. Es ist vermutlich mein liebster lavendelorientierter Duft und zaubert stets ein Lächeln auf meine Lippen. Dieses Eau de Toilette haucht Dir ein dezentes "sophistication" in die Nase. Ja, es ist dies der Inbegriff von Eleganz und Distinguiertheit in Beau Brummmelscher Manier - zurückhaltend, aber nahtlos geschmackvoll. Die Lavendelnote ist eingebettet in ein filgran verwobenes Gespinst aus fast unmerklichen Zitrusnoten, floralem Hauch, Gewürzen und balsamischen Akzenten - aber die Noten bilden schlicht eine Einheit und nichts sticht hervor, sowie auch die Gesamtkomposition zwar durchaus ihre acht Stunden hält, das aber durchweg dezent. Auch wenn der gute d'Orsay mit der Firmengründung 1912 nichts zu tun hatte, ist Arôme 3 also in der Tat eine würdige Hommage an diesen alten Dandy und ein stets verläßlicher Begleiter zum Anzug, der noch dem häßlichsten neon-geschwängerten Großraumbüro den Touch eines teakgetäfelten Kontors verleiht, in dem Federn über handgeschöpftes Papier kratzen. Aber auch für die Promenade im Kurpark und das Rendez-vous empfiehlt sich dieses unaufdringliche Kleinod, welches 1995 zeigte, dass eine ästhetische Reaktion auf die Duftbomben der 80er Jahre nicht unbedingt in wässrig-synthetischer Monotonie bestehen musste, sondern auf gediegenere Formen der Einfachheit rekurrieren konnte.
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Kopfnote
Lavendel
Bergamotte
Neroli
Petitgrain
Herznote
Jasmin
Koriander
Salbei
Gewürznelke
Ylang-Ylang
Basisnote
Amber
Moos
Tonkabohne
Vanille
Zedernholz
Iris








Axiomatic
Gold
Yatagan
Leko
NikEy
































