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Firsts Blog
vor 5 Jahren - 07.02.2020
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Proben: Große Freude - manchmal Leid

Aus gegebenem Anlass möchte ich mich heute einmal dem Thema Parfumproben widmen. Ich bekam nämlich vor ein paar Tagen einen kleinen Flakon "One Love" (Scherrer). Ich habe ihn nur zögerlich ertauscht, denn die Probe, an der ich ihn erstmals roch, war mir im Verlauf ein wenig altbacken und muffig erschienen. Was war es für eine Freude festzustellen, dass der Duft in meinem ertauschten Flakon überhaupt nichts Muffiges an sich hat!

Und so mache ich jetzt das wahr, was ich schon länger im Hinterkopf habe:

  1. Ich schreibe einen Blogeintrag zum Thema Proben.
  2. Hinterher gehe ich in den Keller und werfe alle Proben, deren Alter oder Inhalt ich nicht mehr einschätzen kann, weg.

Ich bin nun seit knapp 4 Jahren bei Parfumo und habe schon sehr oft erlebt, dass ein Duft, von dem ich schon einmal eine Probe hatte, wenn ich ihn später aus einem Flakon oder auch einer anderen Abfüllung erneut teste, ganz anders duftet.

Das kann eine Reihe verschiedener Gründe haben:

  • Der Duft kann reformuliert worden sein.
  • Es war unklar, ob EDT, EDP, Parfum oder ein Flanker im Röhrchen war.
  • Der Duft in der Probe kann im Gegensatz zu dem im Flakon mazeriert sein.
  • Der Duft im Flakon kann im Gegensatz zu dem der Probe mazeriert sein.
  • Die Probe kann alt sein oder falsch gelagert und schon Duftnoten verloren haben.
  • Der Duft im Flakon kann alt sein oder falsch gelagert und schon Duftnoten verloren haben.
  • Und natürlich kann ein Duft auch gekippt sein, wobei ich denke, dass ich das dann erkennen würde.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, warum eine Probe oder auch Abfüllung anders duften kann als der Duft in einem Flakon. Es ist auch beileibe nicht immer so, dass der Duft im Flakon schöner ist, so wie bei meinem "One Love".

Vor Kurzem gab es im Forum einen Thread zu "La Fenice pour Femme". Mehrere von uns hatten eine wundervoll duftende Abfüllung davon gehabt und daraufhin einen Flakon kaufen wollen oder schon wirklich gekauft. Auch ich. Der Duft im Flakon war von der Farbe her heller und erschien deutlich weniger intensiv, für einige duftete er auch anders. Nach einigem Hin und Her stellte sich durch Nachfrage beim Hersteller heraus, dass der Fenice von den Duftbestandteilen gleich geblieben war. Er wurde noch nie reformuliert. Es war nur ein duftneutraler Farbstoff reduziert worden. Der Duft in den Abfüllungen muss mazeriert gewesen sein.

Ein weiteres Beispiel: Gestern bekam ich zufällig von zwei verschiedenen Personen jeweils eine Probe von "Bluebell (Eau de Toilette)". Einen User hatte ich um diese Probe gebeten, die andere bekam ich freundlicherweise als Zugabe.

Ich musste feststellen, dass Bluebell mir leider - wie so viele der Penhaligon's - nicht gefällt. Er hat etwas unangenehm beißend-scharf Harziges für mich, das mich abstößt. Aber in der einen Probe war es deutlich weniger als in der anderen und sie war auch viel heller und blumiger. Hätte ich nur die zweite Probe gehabt, hätte ich über das beißende Harz vielleicht sogar hinwegriechen können. Wenn ich nun einen Flakon kaufen wollte, kaufte ich die Katze im Sack.

Woran liegt es, dass die beiden Proben so unterschiedlich duften? Haben die beiden User unterschiedlich alte Flakons? Ist die eine Probe schon älter und die andere frisch? Liegt eine Reformulierung dazwischen? Wenn ja, welche ist welche? In diesem Fall glaube ich, dass die eine Probe frisch abgefüllt wurde, da ich darum gebeten hatte, während die andere spontan aus dem Fundus mitgegeben wurde und schon länger lag.

Meistens hat man allerdings nur eine Probe und nimmt dann an, der Duft rieche eben immer so. Fehlannahme!

Ich habe noch mehr Beispiele, aber ich glaube, Ihr habt solche Erfahrungen schon alle selbst gemacht.

Was können wir tun, um Abhilfe zu schaffen und mehr Klarheit zu gewinnen?

Nicht sehr viel. Reformulierungen können wir nicht benennen, oft genug wissen wir gar nicht, dass es sie gab. Auch wenn wir selbst Abfüllungen aus unseren Flakons nehmen und verschicken - meist kennen wir den Duft nur aus diesem Flakon und merken vielleicht auch nicht, wenn er sich schleichend mazeriert oder gar irgendwann in winzigen Schritten nach und nach die Kopfnote einbüßt.

Was wir aber tun können ist, unsere Proben, die wir aus unseren Flakons abnehmen, gut zu beschriften. Ich habe das bisher mit Duftname, Variante und Abfüllungsdatum gemacht. Das sagt aber leider noch nichts über das Alter des Duftes selbst aus und auch nichts über die Lagerung. Das ist auch schwierig anzugeben, da ich, wie viele von uns, Düfte auch im Souk kaufe, bei Ebay ersteigere und auch in Parfumerien nicht immer die neuesten Batches verkauft werden, sondern manche Düfte, insbesondere wenn sie nicht gerade Verkaufsschlager sind, eventuell länger stehen.

Was uns darüberhinaus bleibt ist, Proben deren Alter, Inhalt oder Qualität wir nicht mehr einschätzen können, selbst zu verbrauchen oder zu entsorgen.

Wenn Ihr noch weitere Ideen habt - ich bin gespannt auf Eure Antworten, denn ich liebe Pröbchen und Abfüllungen und freue mich immer sehr, wenn mir welche mitgeschickt werden. Ermöglichen sie doch, einen Duft in Ruhe und auch auch mehrfach zu testen. Es wäre nur noch schöner, wenn die Tests etwas verlässlicher sein könnten.

So. Ich gehe jetzt mal in den Keller...

29 Antworten
NelkeNelke vor 2 Jahren
1
Danke für den schönen Blogartikel. Wie wahr, ich hatte auch schon Proben ersoukt, die vermutlich alt waren. Ein Abfüllungsdatum ist eine gute Idee. Allerdings hat der Flakon dann auch noch einwandfrei zu sein. Wenn er dann schon Jahre steht... Wer weiß auch, ob sich der Träger an die leicht verschwindende Kopfnote gewöhnt hat und glaubt, er wäre noch gut. Bei Proben von Onlineshops noch schwieriger. Aber eine gute Sache, um schon mal eine Komponente der Enttäuschung gering zu halten. 😉 LG Nelke
MourantMourant vor 3 Jahren
1
Danke, sehr aufschlussreich! Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht/ging.^^
FliolineFlioline vor 5 Jahren
Und an alle, die Proben haben: Ruhig emsig weitertauschen und weiterverschenken!
Man muss es einfach nur auf Sendung haben, dass die Impression die man mit einem Test bekommt nicht immer unbedingt der Wahrheit und damit dem dann erworbenen Flakon entspricht.
FliolineFlioline vor 5 Jahren
Klasse Text, und so wahr.*
Nur leider zur momentanen Lage (Einschränkung des Probentauschs) mit einem bitteren Nebengeschmack.
(*Ich hatte letztens drei Proben in die ich mich sehr verliebt habe. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese von einem sehr frühen Zeitpunkt der Parfumkreation gewesen waren, und wegen Zertifikatsrichtinien einige Duftstoffe raus und ersetzt werden mussten. Mir gefallen sie nun nicht mehr so. ......Anderen zum Glück schon :) )
SeeroseSeerose vor 5 Jahren
@Salander: Ich habe geschrieben „es soll sogar so sein“ und nicht? Es ist so, dass O-Proben...oder es könnte so sein“ . Bitte genau lesen. Ich habe nicht behauptet oder unterstellt, dass das von Firmen so gemacht wird. Dazu gibt es, wie Du schreibst, zu viele Faktoren, die Gründe für Unterschiede zwischen Proben+Neuen sowie alten oder Restflakons sein können.
SalanderSalander vor 5 Jahren
... Düfte verlieren in Plastik-TZ-s schnell an Intensität. Ich selber fülle nur noch in Glas ab. Und Lagerung, Basen und sonstige Rahmenbedingungen spielen auch noch eine wichtige Rolle bei der Haltbarkeit. Ich finde es ganz prima, dass du das Thema aufgreifst. Deine Erfahrung entspricht auch meiner Wahrnehmung.
SalanderSalander vor 5 Jahren
Dass Parfüm in den Proben konzentrierter ist als in den eigentlichen Produkten? Unterstelle jemandem niemals schlechtere Absichten, als deine eigene sein könnten. : ) Ich habe eine andere These. Selbst wenn keine Reformulierungen stattfinden, sind die Ingredizien von Jahr zu Jahr von unterschiedlicher Qualität. Die Wetterbedingungen oder Schädlinge haben eine erhebliche Auswirkung auf die Rohstoffe - siehe Jahrgänge vom Wein. Dass Alkohollösungen mit Plastik reagieren, ist kein Geheimnis. ...
SeeroseSeerose vor 5 Jahren
@Tender Poison: Es soll sogar so sein, dass manche Hersteller die Probendüfte konzentrierter etc. verstärken sollen. Deswegen setz eich z. B. auf Abfüllungen guter Parfümerien, ALzD, Annindrjya in Amsterdam, ParfuMaria, ich glaube Beck, frag mal rund hier, welche Internetparfümerien das von Testern abfüllen. Ich glaube, Neo in Italien? Gute Parfümerien geben einem mindestens ein Tuch, Riechstreifen, Abfüllung direkt vor den Augen aus dem Flakon gesprüht. Geben dann Zeit zum Bedenken zu Hause.
TenderPoisonTenderPoison vor 5 Jahren
Ich habe sogar schon Proben aus Parfümerien bekommen, in die ich mich verliebt habe, und dann den Flakon erwarb und den Duft nicht wiedererkannte.
SeeroseSeerose vor 5 Jahren
Trotzdem hat auch das meine Lust am Kommentieren sehr ausgebremst. Wer weiß, wie viele Fehlbeurteilungen ich schrieb. Noch vorgestern habe ich einen Kommentar deswegen gelöscht. Und gut, dass Du das hier so ausführlich schreibst. Ich kaufe nur noch Düfte nach mehreren Tests. Gerade, wenn Kauf und Test längere Zeit auseinander liegen.
SeeroseSeerose vor 5 Jahren
Da ich zu Beginn hier mit ca. 50 neuen O-Proben von einer Nichtparfuma überlassen wurde, begonnen habe, sind mir nur mit meiner eigenen Unkenntnis viele Irrtümer in Kommentaren passiert. Aber dann, als die Probenwelle rollte, habe ich diese Erfahrungen auch gemacht. Es kann schon beim Abfüllen passieren, wenn man viele Düfte abfüllt, dass in der Luft von den anderen Düften hängende Moleküle mit in die Abfüllungen geraten. Gut, dass ich immer alles genau per Hand notiert habe.
PaulettePaulette vor 5 Jahren
Ja, das kennen sicher alle, die schon länger hier sind! Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Parfum im Flakon viel länger authentisch bleibt. Und wenn abgefüllt wird, ist die Authentizität in Plastikbehältnissen am kürzesten. Deshalb fülle ich gerade alles vom TZ in Apofläschchen um.
KovexKovex vor 5 Jahren
Mazeration im Flakon habe ich bei einigen meiner Düfte schon wahrgenommen. Besonders aufgefallen ist es mir bei einem nagelneuen Flakon von Guerlain´s Vetiver. Bereits nach einem Jahr hat er von seiner Kopfnoten-Spritzigkeit und Frische verloren und ist nun etwas rauher, würziger und kantiger geworden. Andere Düfte erschienen mir nach 3-4 Jahren lieblicher und zahmer als zu Beginn. Dass ich mir das alles nur einbilde, glaube ich eher nicht ;)
KittenKitten vor 5 Jahren
Ein toller, interessanter Artikel, der wirklich zum Nachdenken anregt. Ich schreibe auch das Datum auf die Abfüllungen drauf, aber selbst da: Wie lange kann man einer Abfüllung denn trauen? 1-2 Jahre sollte sich der Duft doch halten im Röhrchen? Bei entsprechender Lagerung natürlich. Die von Dir angesprochene Mazeration finde ich übrigens ein sehr interessantes Phänomen. Hochinteressant, welche der Vintage/ eingestellten Düfte noch so riechen wie damals und welche Rolle da die Mazeration spielt.
Marquise27Marquise27 vor 5 Jahren
Ein sehr wahrer Kommentar in allem ! Ich glaube manchmal das die kleinen Probenröhrchen eine stärkere Duftkonzentration haben um uns anzufixen und schon sind wir zum Kauf verleitet. Ich finde auch das die heutigen Düfte eine schwache Haltbarkeit haben . Oftmals benutze ich wirklich lieber die kleinen Proben die sind intensiver.
PollitaPollita vor 5 Jahren
Genau das ist mit mit Amouage Reflection passiert und hat mir den Duft verleidet. Der Duft im Flakon hatte eine fiese Störfaktor-Note. Ich konnte ihn gar nicht tragen, weil der mich nur nervte. Ansonsten hatte ich bislang immer Glück. Ein Datum schreibe ich künftig auch auf meine Abfüllungen. Guter Tipp.
MantusMantus vor 5 Jahren
First, wenn dies der erwähnte Fall von dir ist, erfrage ich die "ungefähre" Erinnerung vom Duftkauf und nehme das dann als ausschlaggebendes Datum. Selbst, wenn der Duft zwischenzeitlich reformuliert wurdr, muss man sich eh früher, oder später mit der aktuellen Version auseinandersetzen und wenn diese dann vielleicht nicht gefallen sollte, hat man immer noch eine/n nette/n Parfuma/o* gehabt, der einen die Möglichkeit gab, in einer etwas alten/älteren Formulierung zu schwelgen :-)
FirstFirst vor 5 Jahren
@MadameLegras: Ich wollte keinesfalls großzügiges Weitergeben von Proben verhindern! Ohne so etwas wäre ich selbst auf viele wundervolle Düfte nicht gekommen!
@Mantus: Ja, das ist ein guter Tipp. Ich tausche nur eben auch viele Düfte im Tauschspiel und auch außerhalb des Tauschspiels, oftmals haben die keine Schachtel mehr und manchmal ist auch kein Batchcode mehr zu erkennen - das macht das Ganze dann etwas schwieriger. Aber für frisch gekaufte Düfte ist das absolut sinnvoll.
MantusMantus vor 5 Jahren
@First Es ist praktisch eigentlich nichts anderes als über den Kauf des Duftes Buch zu führen, mit den entsprechenden relevanten Daten, Produktionsjahr, Duftpyramide etc. :-)
MadameLegrasMadameLegras vor 5 Jahren
Interessantes Thema. Ich bin ja hier noch nicht so lange aktiv dabei, habe aber auch schon über eine Schenkung bzw. Verlosung nachgedacht, um mit meinen Proben und Abfüllungen, die ich nicht mehr brauche, anderen eine Freude zu machen. Das gibt mir jetzt schon zu denken,.... ich möchte ja keine Verwirrung stiften. Andererseits lagern die Proben bei mir ja tatsächlich noch nicht so lange.
FirstFirst vor 5 Jahren
@Mantus: Das ist eine gute Idee! Bei Düften, die ich neu kaufe, werde ich es ab jetzt auch so machen. Bei denen, die ich schon habe....nur bei dringendem Bedarf :-)
MantusMantus vor 5 Jahren
@First, wenn die Batchsuche erfolgreich war, oder auch nicht, nehme ich einen Post-It und notiere darauf alle relevanten Daten und klebe es auf die OVP - Rückwand.
FirstFirst vor 5 Jahren
@ Mantus: Auch das Produktionsjahr zu notieren, wäre natürlich sehr wünschenswert und hilfreich. Allerdings weiß ich nicht, wie viele von uns diesen Aufwand auf sich nehmen würden. Ich habe es bislang nicht so gemacht, habe den Aufwand gescheut, das für jeden meiner Düfte herauszufinden.
MantusMantus vor 5 Jahren
Zu jeder Abfüllung wird automatisch das Abfüllungsdatum und das Produktionsjahr des jeweiligen Duftes notiert.
JulieFä91JulieFä91 vor 5 Jahren
Diese Woche eine Bestellung Proben von Alzd bekommen. Die weisen auch darauf hin dass ihre Proben nur 4 Monate haltbar sind. Normalerweise riecht man es gut raus ob ein Duft gekippt ist.
FirstFirst vor 5 Jahren
@ Serafina: Deine Aktionen sind mir schon positiv aufgefallen! Ich finde, es ist nur einfach wichtig, zu wissen, dass die Proben schon älter sind und nicht jede noch unverändert sein muss. Transparenz ist manchmal schon sehr hilfreich! Und die ist ja gegeben.
FirstFirst vor 5 Jahren
@IchBins: Das fände ich auch etwas übertrieben. Aber wenn man Proben selbst abfüllt und mitschickt, weiß der Empfänger gegebenenfalls, wo er/sie nachfragen kann. Das ist ja auch schon wichtig.
SerafinaSerafina vor 5 Jahren
Mich macht Dein Blog recht nachdenklich...bekanntermaßen verlose ich derzeit viele Briefe mit bereits getesteten Proben manche schon recht alt. Da frage ich mich schon, ob ich mit älteren Proben wirklich noch was Gutes tue....o.k. ist umsonst, alle Kosten trage ich, aber evtl. könnte von manchem Duft ein falscher Eindruck entstehen!
BlauemausBlauemaus vor 5 Jahren
Mir ging es mit einer AF vom Hermes Monsungarten so. Der frische Duft im Flakon hat zu Beginn eine deutliche Gurkennote, wie man sie von diesen eingelegten Schlangengurkenscheiben her kennt. *gg* Stört mich zum Glück nicht - nur riecht meine AF irgendwie anders. Etwas meerig-aquatisch. Und genau so beschreibt hier keiner der Hermes, gemüsig hingegen schon. Fazit: Mezeriert oder falsch abgefüllt.

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