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23.08.2015 08:00 Uhr
34 Auszeichnungen

Unklarheiten beseitigen - Bertrand Duchaufour im Gespräch mit Ronin und Louce

Wir sitzen auf einer Parkbank an einem der drei Ausgänge der Pariser Metrostation Anatole France und beobachten in einem fort die anderen beiden. Auch die Straßen, die zum Platz führen. Jeder Mensch, der da entlang kommt, wird von uns gescannt: Mann? Ohne Haare? Mit Brille …? Der eine von uns, Ronin, nimmt einen Schluck von seinem Take-Away-Kaffee, schaut zum zwanzigsten Mal in dieser Minute auf seine Uhr und seufzt dabei leise und sorgenvoll.

„Wir sind ganz schön deutsch.“ sagt Louce, die andere. „Exakt pünktlich sein und dann sofort beginnen zu warten und nervös zu werden. Der kommt schon.“

„Hm, hast ja prinzipiell Recht. Aber es ist Bertrand Duchaufour!“

Dieser Logik ist nichts entgegen zu setzen. Es ist Bertrand Duchaufour, mit dem wir zum Lunch verabredet sind und wir sind einfach sehr, sehr gespannt.

Noch nicht lange, seit vielleicht zehn Jahren, sind Parfumeure so etwas wie prominent; nicht nur insidermäßig in Fachkreisen bekannt, sondern auch öffentlich. Namen werden verbunden mit Stilen, sind Werbeträger und Kaufargument. Es gibt Autorenschaft in der Parfumkomposition und die Frage nach Kunst und Künstlertum. Neue Aufmerksamkeit richtet sich auf die, die nicht mehr nur als technisches Personal, sondern als Persönlichkeiten wahrgenommen werden, macht unter ihnen regelrechte Stars aus. So einen Star wollen wir treffen. Und irgendwie, wenn wir auch wissen, dass das eigentlich doof und naiv ist, sind wir etwas aufgeregt. Es ist immerhin Bertrand Duchaufour: außerordentlich bekannter und angesehener Nischenspezialist, mit wieder erkennbarem Kompositionsstil, Schöpfer einiger ziemlich berühmter und nicht nur bei der Kundschaft beliebter, sondern auch professionell einflussreicher Parfums. Stilbildend, nachgeahmt, bedeutend. Der prägende heutige Parfumeur von L’Artisan Parfumeur sowie Penhaligon’s und der ungemein produktive Freelancer, der erfolgreich für diverse andere Marken arbeitet. Seinen Namen kennen wir, seit wir anfingen, uns ein wenig mehr für Parfum zu interessieren - und begegnen ihm seitdem fortwährend in der mittlerweile engagierteren Beschäftigung mit dem Thema.

„Da.“ Ronin zeigt auf einen um sich schauenden Mann ohne Haare und mit Brille „Der ist es.“

Kurz später, im Bistro, sitzen wir einem außerordentlich aufmerksamen Gesprächspartner gegenüber, der über jede unserer Fragen und Bemerkungen nachdenkt, manchmal mit leicht gerunzelter Stirn, manchmal mit langsamem, sachtem Nicken. Oft versichert er sich per Nachfrage, ob er richtig verstanden hat und lässt sich dann wiederum Zeit mit dem Formulieren seiner Antworten. Er denkt - vor, während und nachdem er spricht - und wirkt konzentriert.

Es ist ihm nämlich ernst.

Wir sprechen hier nicht über irgendein Larifari-Gute-Laune-Thema, sondern über das, was für Bertrand Duchaufour Wert und Gewicht hat: Handwerk, Profession, Kunst.

Und manchmal sagt er etwas, redlich klingend und trocken, das krass aus jedem Rahmen fällt. Wir reagieren mit lautem „Hä?!?“ und aufgerissenen Augen, bis wir an seinem Schmunzeln endlich merken, dass es ironisch gemeint war. Sarkastische Pointen nimmt er gerne mit, wenn sie sich bieten. In diesem Gespräch mit dem gründlich überlegenden und sorgfältigen Bertrand Duchaufour, der uns ständig hinterlistig mit seinem Witz überrascht, entstehen mit der Zeit über den theoretischen Diskurs hinweg Lockerheit und gute Laune - so dass die anderen Gäste bald Faxen und lautes Gelächter hören von unserem Tisch.

Nischenspezialist

Der aus Nancy stammende 55jährige ist nach seiner Ausbildung in Grasse Parfumeur bei Florasynth in Paris gewesen („Mein Teamchef dort war Jean-Louis Sieuzac, einer der allerbesten Parfumeure der Welt. Ich hätte mir keinen besseren Lehrer vorstellen können – er gab mir genau das mit, was ich brauchte und zur Grundlage einer eigenen Karriere werden würde.“). Als die Firma gemeinsam mit Haarmann und Reimer und Créations Aromatiques zu Symrise wurde, war er dort angestellt. Seit 2008 ist er selbständiger Parfumeur … oder so was Ähnliches. Denn er ist auch Hausparfumeur. Irgendwie. Freelancer oder Inhouse-Parfumeur oder beides oder weder noch: Einerseits ist er selbständig und arbeitet für unterschiedliche Labels, gleichzeitig ist er Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur und Penhaligon’s. So ganz verstanden haben wir das nicht. Wie ist das jetzt genau?

„Das Konstrukt ist nicht ganz freiwillig entstanden.“ Er grinst schief „ Als ich Symrise verließ, war das, um der fest angestellte Inhouse von L´Artisan Parfumeur und Penhaligon’s zu werden. So war die Absprache mit dem CEO beider Marken. Als ich dann aber gekündigt hatte, machte der einen Rückzieher und auf einmal ging es nicht mehr um eine sichere Stelle, sondern um einzelne Auftragsarbeiten. Es waren zwar viele Projekte, aber eben einzelne. So wurde ich 2008 Freelancer. Etwa grob die Hälfte der heutigen Parfums von L´Artisan Parfumeur und Penhaligon’s kommen von mir. Zuerst notgedrungen nahm ich auch andere Aufträge an … daraus entwickelte sich dann der jetzige Status.“

Wir finden das mies: erst eine Anstellung versprechen und dann in Selbständigkeit zwingen. Ohne die Absicherung und Bezahlung, die man eigentlich investieren muss, bekamen sie einen Hausparfumeur.

„Zuerst war das natürlich nicht, was ich mir wünschte. Aber im Endeffekt war es das Beste, was mir passieren konnte. Die bewarben mich und meine Arbeit und ich entwickelte meinen Stil weiter. Langsam baute sich so etwas wie Berühmtheit auf; die Leute kannten meine Arbeit und mich immer besser. Mit der Zeit kamen immer mehr Angebote – und die konnte ich annehmen, weil ich eben nicht exklusiv gebunden war. Inzwischen genieße ich diese Freiheit sehr. Ich bin Spezialist für Nischenparfum und kann ohne enge Zügel und Zwang machen, für was ich mich entscheide.“

Aus dem abhängigen Erfüller von Einzelaufträgen wurde der teure Starparfumeur. Wir finden das gerecht.

Ohne einen festen Stall haben zu müssen, ist er auch in seiner stilistischen Entwicklung freier. Aber wie wirkt sich das dann auf die Arbeiten für seine Hauptauftraggeber aus? Er kann ja nicht nur Bertrand Duchaufour-Parfums machen, egal, welcher Firmenname am Ende auf der Verpackung steht, sondern steht bei einem Auftrag im Kontext der jeweiligen Marke; L´Artisan Parfumeur und Penhaligon’s haben ja jeweils ein sehr klares, eigenes Profil.

Selbständigkeit: „Im Endeffekt das Beste, was mir passieren konnte“


Der unterscheidende Stil ist für mich immer wichtig bei Auftragsarbeiten. Auch wenn ich - wie zum Beispiel bei diesen beiden - im Prinzip komplette Freiheit hätte, ist es mir wichtig, meinen persönlichen Duktus auch anzupassen. Die Tradition und der Charakter einer Marke sind mir wichtig. Penhaligon’s etwa: sehr, sehr britisch.“

Wie bringt sich der französische Parfumeur in eine sehr, sehr britische Verfassung, wenn er ein Penhaligon’s-Parfum komponiert? Trinkt er vorher Tee, wartet auf Regen, kippt Essig auf Pommes Frites?

„Das funktioniert – zum Glück – nur auf rein parfumistischer Ebene, ich muss mich selbst nicht besonders britisch fühlen dabei. Ich studiere einfach riechend das bereits Vorhandene, lasse mich ein. Wobei das bei Penhaligon’s nur bis zu einem gewissen Punkt geht, denn das Althergebrachte ist vollkommen konservativ. Mein Auftrag ist ja gerade, das Konservative zu modernisieren. Altmodische Düfte, die nicht mehr in die Zeit passen, will ich mit meiner Arbeit in die Gegenwart holen. Dabei ist wichtig, sie nicht gänzlich zu verändern, nicht ausgerechnet hierbei totale Avantgarde machen zu wollen, sondern die richtigen, kleinen Schrittchen zu finden.“

„Nur ein Wort und sofort geht es los bei mir“

Findet bei so einem Auftrag viel Austausch mit den Auftraggebern statt? Gibt es mehrere lange Briefings oder arbeitet er alleine für sich und stellt dann Ergebnisse vor?

„Das kommt auf die Art des einzelnen Projekts an. Wenn ich nur die Reformulierung einer Komposition aus dem Archiv angehe, ist der Rahmen damit bereits vorgegeben. Bei neuen Sachen gibt es zwei grundsätzliche mögliche Richtungen. Entweder, ich schlage etwas, das ich ausgearbeitet habe, konkret vor. Dann wird es abgewogen und gegebenenfalls auf der Basis des Vorgelegten noch mal verändert oder an ein passendes, bereits vorhandenes Konzept angepasst. Bei Amaranthine war das so. Oder es gibt von vornherein ein Konzept, das ich dann auszufüllen versuche. Bei Sartorial zum Beispiel: da gab es einen klar umrissenen Plan, die Idee war maximal präzise. Ich sollte die Gerüche einer bewussten Schneiderwerkstatt in der Savile Row einfangen. Also ging ich da hin und nahm alles auf, alle real vorhandenen Gerüche und alle Stimmung und Atmosphäre, die es olfaktorisch zu übersetzen galt.“

Stimmungen und Atmosphärisches synchron übersetzen – das stellen wir uns, wahrscheinlich unzutreffend und kitschig, ziemlich romantisch vor. Der inspirierte Schöpfergeist springt da assoziierend zwischen den sinnlichen Systemen hin und her.

„Das ist gar nicht so falsch! Die romantische Idee kommt bei mir der Realität recht nah. Am Anfang stehen der Grundgedanke und die Rohmaterialien. Wenn ich zum Beispiel zum Duftthema Zimt arbeite: Da kann der Ausgang eine synästhetische Idee von Farbe sein. Dann will ich die dazu passenden Farben schattiert zum Zentrum bringen. Oder genau das Gegenteil: Kontrastfarben dazu setzen. Oder ich habe das Bild einer Landschaft vor Augen. Oder eine Beschreibung, bestimmte Worte, um die herum ich olfaktorische Assoziationen entwickle. Reisen ist immer eine gute Inspirationsquelle. Ich bin viel gereist und benutze Eindrücke davon gerne als Fundus. Es gibt immer einen Anker für mich und von diesem Punkt aus entwickelt sich dann alles andere. Und ich knüpfe recht schnell Assoziationsketten an eine Idee an. Nur ein Wort und sofort geht es los bei mir.“

Mag er lieber konkretes oder abstraktes Briefing? Intensive und genaue Projektplanung oder nur grobe Rahmensetzung?

„Beides. Einerseits mit tief gehendem Briefing und gemeinsamer kreativer Denkarbeit eine Konzeption erarbeiten und andererseits Sachen frei entwickeln und dann den Kunden unter mehreren vorgeschlagenen Entwürfen wählen lassen. Das kann beides interessant sein.“

Und der letztendliche kreative Moment? Die Sekunde, in der etwas zündet und eine Idee geboren wird?

„Das kann auch kongenial passieren, muss nicht allein bei mir stattfinden. Ich kann mich einlassen auf ein Gegenüber. Je nachdem, wie viel Idee und Potenzial bereits da ist. Es gibt auch Kunden, die bringen wenig oder gar nichts mit. Die sagen mir einfach: ‚Mach was Gutes.’ Und dann mach ich das halt.“


Duchaufour sequenziell


Ist seine Arbeit auch viel Selfpromotion und Marketing?

„Klar. Es reicht nicht, Leute nur fachlich zu überzeugen, sondern man muss sie auch beeindrucken. Ich muss die Kundenpersönlichkeit auch ein wenig analysieren. Auftraggeber können deutlich oder völlig unklar sein, absolut ausgerichtet oder ohne einen Schimmer, was sie eigentlich wollen. Ich versuche, genau das anzubieten, was gebraucht wird und denke, ich bin gut darin, flexibel auf das Gegenüber einzugehen. Ich kann so ziemlich alles machen, was der Kunde will, an jeder Idee arbeiten, die mir gegeben wird und andersrum jede nötige Idee liefern.“


Geschäftsmann und Künstler

Sein flexibler Service geht auf: Bertrand Duchaufour hat massig Aufträge und ist äußerst produktiv. Wir finden, dass er ganz schön viele Parfums macht.

„Ja. Es sind viele. Vielleicht zu viele.“

Es entsteht eine kleine Gesprächspause, in der wir nicht widersprechen.

„Ich bin der erste, der das zugibt. Ich freue mich über große Nachfrage.“ Bertrand Duchaufour schmunzelt „Und große Nachfrage bedeutet viel Geld.“.

Nagt er am Hungertuch oder ist er habgierig?

Er beugt sich über den Tisch und flüstert verschwörerisch: „Ich bin Geschäftsmann. Genauso sehr wie Künstler.“

Ist der Faktor Geld für ihn also ebenso wichtig wie die kreative Motivation?

„Das ist unterschiedlich. Wenn der Kunde mir Zeit gibt, richtig Zeit, und wenn die Bedingungen stimmen, wenn es ein interessantes Projekt ist, dann kann ich sehr viel von mir in die Arbeit einbringen, dann gebe ich mein Maximum und investiere alles Können und Wissen … gewissermaßen mich selbst. Aber ich muss auch davon leben können, wenn es anders läuft. Wenn der Kunde nur Mist will, mich dabei auch noch hetzt und drängt – dann produziere ich eben Mist. Ich gestehe: Ich hab auch schon ziemlichen Parfummist gemacht. Sachen, die schnell zusammen gemixt werden mussten, nicht fundiert, ohne Esprit. Mist eben.“

Zum Beispiel?

„Hihi, das sage ich jetzt nicht. Kann ich nicht.“ Er überlegt, wie weit er mit diesen Bekenntnissen gehen kann, ohne seine Verträge zu verletzen. „Das mit dem Mist, das geht überall - auch bei ganz großen Marken. Ich habe mich einige Male schwer gewundert, was Kunden ausgesucht und umgesetzt haben. Unausgegorenes Zeug, gehuddelt und einfach nicht gut. Ich frage mich, ob das Absicht sein kann, ob es ein verstecktes Motiv gibt, die eigene Marke ruinieren zu wollen. Ein Glück sind solche Aufträge die Ausnahme, nicht die Regel.“

Auf welches Parfum ist er am meisten stolz?

Bertrand Duchaufour überlegt nur kurz. Nuit de Tubéreuse. Das ist nämlich der Duft meiner Freundin. Er ist herrlich an ihr.“

Aha. Das ist also das Merkmal, das dieses Parfum auszeichnet?

Nein, natürlich bin ich auch aus anderen Gründen stolz darauf.“ Er zwinkert. „Es ging mir darum, einen Tuberosenduft zu machen, der eben nicht ein Tuberosenduft ist. Tuberose hat so einen starken, fast unvermeidlichen Stempel. Irgendwie sind alle Tuberosendüfte gleich, riechen wie Fracas. Da was anderes zu gestalten und trotzdem der Tuberose gerecht zu werden, ist mir gut gelungen. Nuit de Tubéreuse war kein kommerzieller Erfolg, aber für mich war es sehr erfolgreich.“

Hat er ein Lieblingsmaterial, eine favorisierte Note?

„Nein, festlegen kann ich mich da nicht. Ich arbeite mit vielem gerne. Vielleicht häufiger mit Iris und jeder Art von Iriseffekt, weil ich das mag, besonders die Schnittmenge mit Lederaspekten.“

Und gibt es einen Stoff, den er vermeidet?

„Nein. Es gibt nichts, was ich grundsätzlich ablehne. Schwierigkeiten habe ich mit ein paar ozonischen Noten wie Floralozone. Das liegt mir nicht wirklich – gleichzeitig kann das Ergebnis aber genau deshalb sehr reizvoll sein, wenn ich mich damit herumschlage und deshalb vermeide ich den Einsatz nicht.“

In welchem Parfum schlägt er sich am meisten rum mit Floralozone?

„Das wäre Explosions d'Émotions - Déliria. Das ist auch mein größter Flop.“ Bertrand Duchaufour grinst. „Zum Glück mussten die Parfums dieser Reihe nicht vorprogrammierte Bestseller werden. Die Explosions d'Émotions sind persönlich und ich konnte mich auf Herausforderungen einlassen. Zum Beispiel auf die, mit Floralozone zu arbeiten. Davon habe ich ganze 10% für die Formel von Déliria genommen. Für mich war das toll, und der Duft ist toll geworden - aber ein geschäftlicher Erfolg war das nicht.“

Welches Parfum verkauft sich am besten?

Sartorial von Pehaligon’s.”

Neben L’Artisan und Penhaligon’s arbeitet er inzwischen auch regelmäßig für die Different Company - wie geht es da weiter?

„Da gibt es noch Ideen und Projekte für die Zukunft. Das ist eine lohnende Zusammenarbeit.“

Beim Thema Different Company erzählen wir, wie sehr wir die Esprit du Cologne-Reihe mögen. Bertrand Duchaufour strahlt dabei immer mehr.

Emilie Bevierre-Coppermann! Diese Superparfumeurin war mein Tipp und die Serie ist großartig geworden. Emilie ist klasse. Wir kennen uns seit 25 Jahren, haben bei Symrise zusammen gearbeitet. Sie ist noch sehr jung, hat viel früher angefangen als ich. Sie ist mein Baby.“

Von ihr werden wir noch Bemerkenswertes zu riechen bekommen?

„Ganz sicher.“


‚Maison Bertrand Duchaufour’?

Warum gibt es eigentlich keine eigene Marke?

„Dafür bräuchte ich eine Menge Geld. Gerade im Moment: Jedes Jahr kommen neue Labels auf den Markt, es werden Millionen und Abermillionen investiert. Der Markt ist sehr dicht. Um da einen Platz zu bekommen, muss man viel, sehr viel Geld reinstecken.“

Aber er könnte doch bei seinem Renommee sicher mit Leichtigkeit einen Investor finden.

„Ich suche nicht.“ Dazu zeigt Bertrand Duchaufour ein selbstsicheres, stolzes Gesicht.

Wenn jetzt jemand käme mit ein paar Millionen und sie zur Verfügung stellte, um ein eigenes Haus aufzuziehen, würde er es nehmen?

„Ja, dann schon. Aber ich suche nicht. Wenn die Gelegenheit an mich herangetragen würde, wäre das anders, aber ich hausiere nicht mit Geschäftsideen und buhle nicht um Unterstützung. Ich sage nicht ‚bitte’ für meine Arbeit. So bin ich nicht.“

Wenn er so viel macht, gibt es da auch den Punkt, wo er anfängt, sich selbst zu kopieren?

„Da versuche ich aufzupassen. Aber ich muss zugeben, dass mir das vielleicht schon passiert sein könnte. Jedoch nicht um Zeit und Arbeit zu sparen, nicht aus Berechnung. Mehr, weil ich an einer Idee, einem Ansatz arbeite und mich das lange beschäftigt. Dann kommen zwei, drei oder mehr Projekte in dieser Zeit und die Idee, die mich umtreibt, taucht zentral in allen Parfums wieder auf. Nicht im Sinne von Selbstkopie, mehr als Themenvariation.“

Ein Grinsen huscht über sein Gesicht. „Und wenn ich das mit dem bewussten Kopieren doch täte, würde ich das jetzt nicht zugeben.“

Wir finden, dass das nicht ausschließlich negativ bewertet werden muss, nicht nur als ein bei sich selbst Abschreiben, weil es der Kunde durchgehen lässt. Es kann auch Teil des persönlichen Stils sein. Bertrand Duchaufour-Kompositionen sind sehr gut wieder erkennbar, sein olfaktorischer Fingerabdruck ist typisch und ziemlich ausgeprägt.

„Ja. So gesehen, finde ich das auch sympathischer.“ Jetzt spricht wieder der Künstler, nicht der Geschäftsmann. „Ich versuche, mich zu verbessern, dazu zu lernen, an meinem Stil zu arbeiten – ganz unabhängig davon, an welchen einzelnen Aufträgen ich gerade sitze. Wie gesagt: ich kann mehrere völlig unterschiedliche Parfums machen, die dann über das Thema und meine Beschäftigung damit verbunden sind. Wenn ich mich zum Beispiel gerade mit Leder auseinander setze, lernen will, den Stoff besser und dann noch besser zu beherrschen, kann ich währenddessen eine ganze Handvoll individuell gültiger Lederparfums machen.“

Leder! Ronin freut sich, beim Stichwort Leder nach I miss Violet zu fragen, den er gerade am Tag zuvor das erste Mal getestet hat. Er findet nämlich, das ist vielmehr ein Leder- als ein Veilchenduft.

„Auf jeden Fall! Ich gehe beiden Aspekten des Veilchens nach, dem Veilchenblattaspekt - der eine ausgeprägt ledrige Seite hat – und dem klassischen, großen Blumenaspekt, aber die Hauptsache des Duftes ist Leder.“

Wenn er wie geschildert an einem Stoff arbeitet und dann eine einzelne Formel entsteht, wie ist das dann? Macht er seine Pläne komplett im Kopf oder rennt er mit einer frischen Idee sofort ins Labor und macht einen Ansatz-Mix?

„Ich entwickle alles im Kopf. Manchmal notiere ich was, aber bevor ich praktisch vorgehe, entsteht die Komposition bereits abstrakt. Als ich vor zwei Wochen mit meiner Freundin einen Wochenendurlaub machte, entdeckten wir im Wald eine Wiese voller Maiglöckchen. Meine Liebste bat mich, den exakten Geruch dieses Moments als Duft zu formulieren. Nicht nur das Maiglöckchen an sich, sondern mit allem anderen, was wir gerade wahrnahmen. Ich habe mir die Zutaten vor Ort notiert. Das war eine klare, direkt umsetzbare Aufgabe und so etwas kann ich schnell übersetzen in eine Formel mit 20 bis 40 Inhaltsstoffen.

Dieser Prozess kann freilich auch schwieriger und langwieriger sein; kommt auf die Aufgabe an. Einerseits habe ich das ganze Repertoire im Kopf und kann es theoretisch einsetzen, andererseits gibt es darüber hinaus auch noch das Element der Überraschung und das ist mir wichtig. Ich lasse mich ganz bewusst auf Überraschungen ein, denn darin ist kreatives Potenzial. Nicht nur Anwendung von Gelerntem und Vertrautem, sondern auch das Spielen mit Möglichkeiten. Das ist genau der Punkt, wo die Kunst anfängt. Kunst ist Spiel mit Überraschung.“

An dieser Stelle will Louce es noch mal ganz klar haben: Ist Parfumerie Kunst und ist Bertrand Duchaufour Künstler?

Kunst

„Ja. Ich betrachte mich als Künstler. Meine Arbeiten verbindet eine Entwicklungslinie und die hat eine Richtung. Ein Projekt entwickelt sich aus der Arbeit zum Projekt davor und ist wiederum die Grundlage für das nächste. So wie beispielsweise ein Maler eine Entwicklung in Phasen anhand jedes einzelnen Bildes vollzieht, tue ich das anhand meiner Parfums. Dieses immer weiter führende Hervorbringen des Neuen aus dem Erzielten, das ist sehr vergleichbar innerhalb der verschiedenen Kunstdisziplinen. Parfumerie ist da wie Malerei oder Musikkomposition. Das einzige, was vielleicht unterschiedlich ist, ist die Art und Weise von Vorstellung und Vermarktung der Kunstwerke.“

Wir finden es wichtig, die Möglichkeit der Kunst zu sehen in all dem, was die Design- und Modekonsumindustrie der Parfumerie hervorbringt. Unser Blick dafür ist noch nicht sicher wie in anderen Gattungen, denn diese Kunstform ist noch überaus jung.

„Eine junge Kunstform, ja, das sehe ich genau so. Am Anfang des letzten Jahrhunderts begann mit der Synthese von Geruchsstoffen die Parfumeriekunst. Wenn ich wählen könnte, wäre das die Zeit gewesen, in der ich am liebsten gewirkt hätte. Ich wäre so gern dabei gewesen! Ganz am Anfang, bei der Geburt. Alle Möglichkeiten noch offen, alle Wege noch nie gegangen - der Horizont noch vollkommen frei. Aus einem kreativen Vakuum ist mit einem Knall, einer regelrechten Explosion, so immens viel Energie frei geworden. Es entstand unglaublich viel. Und so schnell: die Erfindungen überschlugen sich. Es gab eine Menge großer Parfumeure, wahrhaftiger Pioniere. Das gesamte 20. Jahrhundert hindurch ging diese Entwicklung immer weiter, weiterhin mit hohem Tempo, sich sogar noch beschleunigend durch den technischen Fortschritt. Heute können wir alles. Wir können wirklich alles. So viele Stoffe, so viele verfügbare Moleküle, so viel, was möglich ist. Es gibt zu Beginn des 21. Jahrhunderts keine Grenzen mehr, die absolut gelten würden. Die Möglichkeiten sind unendlich. Völlige Freiheit. Aber die Parfumerie muss Takt halten mit Geschmack und Mode. Alle technischen Mittel und Chancen messen sich an dem, was gefällt … und am Ende gekauft wird. Leider, muss ich sagen. Da liegt ein ganzes Universum zwischen dem, was die Kunst kann und dem, was die Konsumenten wollen.“

Eifrig im Kunstdiskurs: Bertrand Duchaufour und Louce


Aber ist das mit Kunst nicht grundsätzlich so? Bleiben wir beim Vergleich mit Malerei: Giotto können wir heute als Visionär sehen; als einen, der seiner Zeit, oder besser ihrem Malereigeschmack, drei Schritte voraus war. Oder Leonardo und Michelangelo: Renaissance war zur Entstehungszeit eine Revolution des vermeintlich Möglichen, ein radikaler Sprung nach vorne. Oder Cezanne oder Picasso, mit denen war es in der Moderne genau so.

„Hm. Kann sein, ja. Epochale Schritte entstehen immer wieder aus dieser Distanz zwischen dem Stand der Kunst und dem Stand des Zeitgeschmacks. Solche historische Schwellen sind nötig, um die nächste Stufe zu nehmen und je größer die Distanz, umso größer muss dann auch der Sprung sein, um sie, zumindest vorerst, zu schließen. Der historische Kontext muss da sein und der Künstler muss passen. Sein Werdegang und sein Können müssen exakt passen zur Schwelle, an der sich die Kunst genau in diesem Moment befindet. Dann ist der große Schritt ins Unbekannte möglich.“

Die Gegenwart, begriffen als solch eine Schwellenzeit, ist auch ziemlich attraktiv ist für Parfumeure als Künstler, nicht nur die Anfangszeit um die vorletzte Jahrhundertwende, finden wir. Und wir glauben, Bertrand Duchaufour ist ein Name, der nicht nur aktuell bekannt ist, sondern dass man ihn auch in Zukunft verbinden wird mit der Parfumerie Anfang des 21. Jahrhunderts … eben weil er zur gegenwärtigen Schwellenzeit passt.

Er schaut überrascht, fast schockiert.

„Echt?“

Ja. Das ist jetzt nicht geschleimt, sondern etwas, was wir als ziemlich sicher ansehen.

Bertrand Duchaufour scheint etwas aus dem Konzept gekommen und wiederholt sich.

„Echt?“

Ja. In 100 Jahren, in einem olfaktorischen Museum, wie dem was Chandler Burr kuratiert oder der Osmothèque, werden für diese Zeit Jean-Claude Ellena und Bertrand Duchaufour als epochemachende Parfumeure dargestellt werden.

„Hm. Wir werden sehen.“ Er legt die Stirn in Falten. „In der Gegenwart ist das schwer zu beurteilen.“

Logisch, dass er selbst nichts sagen kann zu seiner historischen Einordnung als Künstler. Aber bei anderen fällt das leichter. Wer gehört seiner Meinung nach noch in Museen und Fachbücher, wenn es um die jetzige Zeit der Parfumerie gehen wird in 100 Jahren?

Geza Schön. Ganz klar. Bei mir selbst bin da nicht so sicher, aber Gezas Bedeutung ist ohne Zweifel. Er setzt mit Escentric Molecules eine große Idee um. Eine völlig neue von dem, was ein Akkord sein kann. Ich vergleiche das, was er macht, immer mit der Malerei Yves Kleins.“

Wir finden, das ist ein unglaublich treffender Vergleich. Yves Klein hatte lange nach dem richtigen Blau gesucht, um nicht die automatischen Assoziationen von Himmel oder Meer aufzurufen. Er wollte fundamental und restlos abstrakt sein. In einem synthetischen Blau hatte er seinen Werkstoff gefunden und entwickelte daraus eine neue Art von Tiefe, Bewegung, Struktur, so dass er dem Auge noch nie Gesehenes zeigen konnte. Mit Monochromie, die uneigentlich überhaupt nicht eintönig war, erforschte und erweiterte er die Gesetze des Malerischen. Die Parallelen sind frappant.

Aus dem Schatten treten

Wenn der Yves Klein-Vergleich für Geza Schön so augenfällig treffend ist … hat er einen ebensolchen für sein eigenes Werk? Chandler Burr spricht von Rembrandt. Der hat hervorgehoben, dass in seinen Parfums die Schatten eine wichtige Rolle spielen würden.

„Ja … Schatten.“ Bertrand Duchaufour seufzt traurig.

Wir finden, dass der Vergleich passt. Um bei der Analogie zur Malerei zu bleiben: nicht Schlagschatten à la Caravaggio, sondern ein Einlassen auf Nuancen, Zwischenstufen und Übergangszonen. Keine großen Kontraste, die …

„Aber genau das will ich!“ unterbricht er „Ich will den großen Kontrast!“

Er seufzt ein weiteres Mal. Tief.

„Aber es ist schon richtig. Ich bin ein Maler der Schatten. Weil ich so viele Naturstoffe benutze. Naturstoffe bringen immer etliche Nuancen mit sich, immer einen Multifacettenaspekt. Und je mehr man das in seiner Komposition nutzt, desto mehr wird das Gesamte eben nuanciert. Es stimmt. Mein Stil ist einer der Abstufungen und Schattierungen. Aber ich arbeite daran, genau das zu ändern. Ich will da weg, hin zum Kontrast, zur Klarheit. Ich will meine Parfums modernisieren. Weniger und immer weniger arbeite ich mit Naturstoffen. Ich lerne, ich entwickle mich und es verändert sich etwas. Moderner. Kontrastreicher. Klarer. Einerseits sind meine bisherigen Parfums modern, zeitgenössisch und originell, gleichzeitig sind sie aber auch zutiefst klassisch. Wohl auch wegen ihrer großen Zahl, weil sie simultan den Zeitgeschmack abbilden müssen, um erfolgreich zu sein. Aber das soll sich ändern. Ich werde ein, zwei Naturstoffe als Hauptingredienzien meines Grundkanons wählen und mich ansonsten frei machen von dieser tradierten Kompositionsweise.“

Herausforderung: Klarheit


Aber die Schatten und Nuancen sind doch seine Stärke.

„Und sie sind unklar. Ich will aber Klarheit. Klarheit! Mein Ziel ist, Stärke zu bewahren, beziehungsweise noch stärker zu werden und dabei die Unklarheiten zu beseitigen.“

Das würde aber eine ziemliche Kehrtwende bedeuten. Sein bisheriger Kompositionsstil, das, was man durchaus als den Bertrand-Duchaufour-Stil bezeichnen kann, verbindet geradlinige vertikale Linien mit einer nuancierten Basis: jede Linie hat einen pyramidalen Aufbau, wo mit vergleichsweise schmalen Aspekten begonnen wird, die dann immer breiter untermauert werden und zuletzt auf einem festen, ausgedehnten Sockel ruhen. Dabei werden die einzelnen Effekte miteinander verblendet, so dass Schnittmengen entstehen, die sich wiederum kontinuierlich überschneiden. Unseren Beschreibungsversuchen stimmt Bertrand Duchaufour heftig nickend immer wieder zu, dann sagt er: „Und genau das will ich ändern. Ich will meinen Düften eine andere Form geben. Meine typische komplexe Basis mit massivem Naturstoffeinsatz ist nicht der einzige effiziente Weg für mich. Man kann auch anders etwas Interessantes, Innovatives machen, das genau so effizient ist. Nicht einfach dadurch, dass man ein paar synthetische Stoffe nimmt, sondern dass man die ganze Bandbreite des Synthetischen nutzt - und dabei die Simplizität wahrt. Simple Akkorde. Das ist mein Ziel. Das was Geza macht oder was Oliver Cresp bei Light Blue zustande bringt: Einfachste Akkorde, aber saugut funktionierend, mit einer wunderbaren Sillage.“

Aber wo führt das hin? Riechen seine Parfums in ein paar Jahren dann wie die von Geza Schön? Das kann es ja nicht sein. Oder will er in eine neue, eigene Richtung?

Er lächelt. „Das werden wir sehen.“

Wir finden seine stilistische Suche spannend. Zweifelnd, selbstkritisch fragend, dabei mutig immer auf dem Weg zu sein – das ist künstlerische Fruchtbarkeit. Aber gleichzeitig finden wir es schade, wie er damit bereits Erreichtes verwirft.

„Auch wenn die Leute, die meine Arbeit mögen, oder sogar richtig verehren, sagen, dass sie genau das schätzen, was ich nicht mehr will, auch wenn ich exakt dafür bekannt bin … Fuck! Ist mir egal. Meine Herausforderung ist die Klarheit.“


Unterwegs

Wenn er gerade mit seiner stilistischen Richtung hadert und sich Erneuerung wünscht: An was arbeitet er derzeit?

Bertrand Duchaufour berichtet, dass er gerade an großen floralen Düften arbeitet, was wohl eher weniger in die kreative Umorientierung passen wird. Und für L´Artisan Parfumeur wird das nächste ein Gourmand sein [Anmerkung des Autorenteams: Inzwischen frisch erschienen: Noir Exquis].

Gourmand? Er will bloß Geld verdienen!

„Ja.“ feixt er „Das Parfum ist vielleicht nicht das, was ich mir als Projekt selbst aussuchen würde – aber es wird ziemlich interessant.“

Wir rollen mit den Augen. Ethylmaltol und Vanille.

„Öh … ja.“

Alle lachen.

Aber auf eine andere Art. Aus einem anderen Winkel, mit einem eigenen Twist. Nicht das, was man kennt, sondern etwas Spannendes. Gourmand kann spannend sein. Ich bin ziemlich überzeugt von dem Duft.“

Aus unseren Gesprächen mit Geza Schön und Mark Buxton wissen wir, dass sie zusammen mit ihm an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Wie ist der Stand?

„Wir sind auf den letzten Metern, die Parfums selbst sind fertig. Das genaue Datum der Veröffentlichung steht noch nicht fest, es wird aber wohl noch dieses Jahr sein. Es hat lange gedauert. Geza war einerseits der Verantwortliche für die Verspätung, andererseits der zentrale Macher, der das Projekt vorantrieb und umsetzte. Sein Team kümmert sich um Verpackung, Promotion und Vertrieb. Die haben da was ganz geniales Neues entwickelt.“

Wir wollen die Namen wissen.

Wird es nicht geben. Aber trotzdem sind die drei eindeutig bestimmbar. Lasst euch überraschen.“

Wir raten. Bekommen die Düfte statt Titeln Nummern? Oder werden sie mit drei Farben unterschieden? Das will er uns jedoch nicht verraten. Wir mögen uns gedulden.

„Es sind sehr persönliche Düfte geworden. Jeder von uns wählte einen ganz eigenen Ansatz.“

Aha! Werden wir bei diesem Parfum den Beginn seiner stilistischen Metamorphose riechen? Wie wird es sein?

Er schlägt schmunzelnd die Hände vors Gesicht und ächzt durch die Finger: „Immer noch sehr reich.“

Ein Schritt in eine neue künstlerische Phase braucht – zumindest praktisch – ja auch Zeit, finden wir. Es ist ungeduldig, wenn wir sofort konkrete Werke gemäß der reformierten ästhetischen Theorie erwarten.

„Ja. Etwas Zeit brauche ich noch. Das mit der angestrebten Klarheit und dem Minimalismus der olfaktorischen Sprache ist mir bei diesem Projekt noch nicht gelungen. Immer noch viele Schattierungen, Abstufungen und Zwischentöne. Aber immerhin gleichzeitig hell, sehr hell. Frisch, stark, männlich. Holzig-würzig-frisch.“

Das Essen ist längst abgeräumt, mehrere Espressi und Kaffees getrunken und leider die für das Interview anberaumte Zeit deutlich überzogen. Der nächste Termin auf Bertrand Duchaufours Schedule zwingt ihn zum Aufbruch.

Treffen wir uns wieder, und wenn ja – wann?

„Sicher. In zwei Jahren? Spätestens dann wird das mit der großen Klarheit Praxis sein, nicht mehr nur Theorie.“

Zwei Jahre werden reichen?

„Ja. Ihr werdet sehen. Und Ihr werdet es riechen.“

Bertrand Duchaufour lächelt und nickt, als er sich mit diesen Worten verabschiedet.


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