01.09.2025 - 10:59 Uhr

Mairuwa
76 Rezensionen

Mairuwa
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13
Soll-Ist-Vergleich (Un gelato al limon/ sprofondati in fondo a una città / mentre un'altra estate passerà )
Wenn eine Firma schon im Namen damit prahlt, nicht nur Parfum sondern ein Luxusgut, ja sogar duftende Kunst herzustellen, dann solle einen das vielleicht gleich skeptisch machen. Wenn ein Duft dieser Firma sozusagen als Italienurlaub in Flaschen angepriesen wird, dann ist wohl davon auszugehen, dass er sich eher an eine Klientel richtet, deren Anspruch an einen Duft – genau wie der an einen Urlaub – in erster Linie aufs Wohlfühlen und Entspannen ausgerichtet ist. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings ist dann vermutlich auch nicht gerade zu erwarten, dass ein solcher Duft eine Erleuchtung auslöst, ungeahnte olfaktorische Erfahrungen oder gar Erlebnisse gewährt. Entsprechend lag dieser ungeladene Gast, diese Beilage, dieser blinde Passagier nun auch schon ein Jahr in einer Schublade und hat mich ehrlich gesagt nie zu einem eingehenderen Test gereizt. Warum also jetzt?
Weil noch ein paar Tage Urlaub übrig sind, in denen man ja doch manchmal mehr sucht als Wohlfühlprogamm und Entspannung und sich lieber auch noch ein paar interessanten Herausforderungen stellt – in diesem Fall der Herausforderung, vielleicht doch endlich einen Zugang zu diesem Duft zu finden. Weil der Sommer zu Ende geht, sich aber zuvor noch einmal von seiner schönen Seite zeigt. Weil die Tage schon wieder merklich kürzer werden und es bald Herbst wird, und weil es also an der Zeit ist, Sonnenstrahlen zu sammeln für die kalten, dunklen Wintertage, ihr lieben Mäusegesichter! „Calar del Sole“ - Sonnenuntergang, der Name passt ja. Und wer weiß, vielleicht taugt er ja tatsächlich genau dazu. Einen Versuch ist es wert; eine Chance will ich ihm geben.
Ich klettere also auf einen großen Stein im Garten, genieße die Sonne, schließe die Augen und mache den Versuch, mich gedanklich an die Amalfiküste und damit in Vorfreude zu versetzen. Kein Zweifel, da gibt es einiges zu entdecken: Myrte, Zistrose, Mastix, Feigen, Pinien, Zypressen, Ginster, …ah! Dann sprühe ich und rieche – Zitrus. Na gut, passt schon auch irgendwie: Limone, Pompelmo, Bergamotto, … Aber das hier ist kein Zitrushain, sondern verharrt irgendwo im gastronomischen Bereich, auf der Dessertkarte oder gleich in der Eisdiele. „Gelati al Limon“ –ohne Paolo Contes Raspelstimme allerdings auch gleich nur noch halb so reizvoll. Die zuweilen bemühten Vergleiche mit Zitronenkeksen sind hier schon stimmig, die riechen genauso süßlich-cremig. Und das Ganze ist etwas arg schwer. Die Blüten, die sogenannten Hölzer, Vanillemoschus. Ein zitrischer Sommerduft sollte leicht und transparent sein, denke ich. Hier ist es schon ziemlich drückend und schwül. Schade, dass diese Vision der Amalfiküste sich im zitrischen Gourmand erschöpft und sich nicht einmal aus dem Strandcafé herausbemüht, um sich ein wenig im Hinterland umzuriechen. Selbst das Meer wurde links liegen gelassen. Obwohl es auch da spannende Zutaten gegeben hätte, die die Sache etwas abwechslungsreicher gestaltet hätten - das Salz in der Suppe.
Calar del Sole. Und so warte ich, dass diese Sonne endlich untergeht, aber sie will nicht recht. Süditalien liegt doch schon fast in den Tropen, da müsste das eigentlich schneller gehen. Aber nein, dieser Sonnenuntergang zieht sich. Dabei wäre auch das doch ein dankbares Thema für einen Duftverlauf: vom noch frischen des Tages zu einem wahren Feuerwerk kräftiger Farben und schließlich einem immer sanfter werdenden Glühen, das schließlich ganz verglimmt. Aber hier scheint es immer noch heißer Nachmittag, und ich sitze immer noch im Eiscafé. Die Zitrone ist zwar verflogen, aber die Creme bleibt beharrlich vernehmbar, nun noch schwerer.
Dann, wie aufs Stichwort entlädt sich diese Schwere in einem ersten Blitz. Donner grollt. Ich öffne die Augen und sehe, dass sich dunkle Wolken zusammengeballt haben. Aber da bin ich schon nicht mehr an der Amalfiküste sondern wieder im heimischen Garten. Die ersten dicken Tropfen platzen auf dem Stein. Ich lasse mich reinwaschen und genieße den Geruch von Petrichor. Als das Gewitter - deus ex machina - vorbeigezogen ist, wende ich mich dem Kräuterbeet zu und sammle doch noch ein paar Dufteindrücke für den Winter: Rosmarin, Immortelle, Wacholder, Lavendel, … Und so genieße ich dann doch noch meinen italienischen Sonnenuntergang.
Es ist ein bisschen wie im richtigen Leben: Zu große Ansprüche an Luxus haben noch selten zu wirklich großer Kunst inspiriert.
Weil noch ein paar Tage Urlaub übrig sind, in denen man ja doch manchmal mehr sucht als Wohlfühlprogamm und Entspannung und sich lieber auch noch ein paar interessanten Herausforderungen stellt – in diesem Fall der Herausforderung, vielleicht doch endlich einen Zugang zu diesem Duft zu finden. Weil der Sommer zu Ende geht, sich aber zuvor noch einmal von seiner schönen Seite zeigt. Weil die Tage schon wieder merklich kürzer werden und es bald Herbst wird, und weil es also an der Zeit ist, Sonnenstrahlen zu sammeln für die kalten, dunklen Wintertage, ihr lieben Mäusegesichter! „Calar del Sole“ - Sonnenuntergang, der Name passt ja. Und wer weiß, vielleicht taugt er ja tatsächlich genau dazu. Einen Versuch ist es wert; eine Chance will ich ihm geben.
Ich klettere also auf einen großen Stein im Garten, genieße die Sonne, schließe die Augen und mache den Versuch, mich gedanklich an die Amalfiküste und damit in Vorfreude zu versetzen. Kein Zweifel, da gibt es einiges zu entdecken: Myrte, Zistrose, Mastix, Feigen, Pinien, Zypressen, Ginster, …ah! Dann sprühe ich und rieche – Zitrus. Na gut, passt schon auch irgendwie: Limone, Pompelmo, Bergamotto, … Aber das hier ist kein Zitrushain, sondern verharrt irgendwo im gastronomischen Bereich, auf der Dessertkarte oder gleich in der Eisdiele. „Gelati al Limon“ –ohne Paolo Contes Raspelstimme allerdings auch gleich nur noch halb so reizvoll. Die zuweilen bemühten Vergleiche mit Zitronenkeksen sind hier schon stimmig, die riechen genauso süßlich-cremig. Und das Ganze ist etwas arg schwer. Die Blüten, die sogenannten Hölzer, Vanillemoschus. Ein zitrischer Sommerduft sollte leicht und transparent sein, denke ich. Hier ist es schon ziemlich drückend und schwül. Schade, dass diese Vision der Amalfiküste sich im zitrischen Gourmand erschöpft und sich nicht einmal aus dem Strandcafé herausbemüht, um sich ein wenig im Hinterland umzuriechen. Selbst das Meer wurde links liegen gelassen. Obwohl es auch da spannende Zutaten gegeben hätte, die die Sache etwas abwechslungsreicher gestaltet hätten - das Salz in der Suppe.
Calar del Sole. Und so warte ich, dass diese Sonne endlich untergeht, aber sie will nicht recht. Süditalien liegt doch schon fast in den Tropen, da müsste das eigentlich schneller gehen. Aber nein, dieser Sonnenuntergang zieht sich. Dabei wäre auch das doch ein dankbares Thema für einen Duftverlauf: vom noch frischen des Tages zu einem wahren Feuerwerk kräftiger Farben und schließlich einem immer sanfter werdenden Glühen, das schließlich ganz verglimmt. Aber hier scheint es immer noch heißer Nachmittag, und ich sitze immer noch im Eiscafé. Die Zitrone ist zwar verflogen, aber die Creme bleibt beharrlich vernehmbar, nun noch schwerer.
Dann, wie aufs Stichwort entlädt sich diese Schwere in einem ersten Blitz. Donner grollt. Ich öffne die Augen und sehe, dass sich dunkle Wolken zusammengeballt haben. Aber da bin ich schon nicht mehr an der Amalfiküste sondern wieder im heimischen Garten. Die ersten dicken Tropfen platzen auf dem Stein. Ich lasse mich reinwaschen und genieße den Geruch von Petrichor. Als das Gewitter - deus ex machina - vorbeigezogen ist, wende ich mich dem Kräuterbeet zu und sammle doch noch ein paar Dufteindrücke für den Winter: Rosmarin, Immortelle, Wacholder, Lavendel, … Und so genieße ich dann doch noch meinen italienischen Sonnenuntergang.
Es ist ein bisschen wie im richtigen Leben: Zu große Ansprüche an Luxus haben noch selten zu wirklich großer Kunst inspiriert.
Aktualisiert am 01.09.2025 - 11:46 Uhr
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Zitrone
Bergamotte
Amber
Jasmin
Orangenblüte
Kaschmirholz
Vanille
Moschusnoten








Xecut
Ergoproxy
Gandix
SaGa
Peeva
































