Baccarat Rouge 540

Baccarat Rouge 540 2016 Eau de Parfum

Baccarat Rouge 540 (Eau de Parfum) von Maison Francis Kurkdjian
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Platz 15 in Unisex-Parfums
7.9 / 10 3644 Bewertungen
Baccarat Rouge 540 (Eau de Parfum) ist ein beliebtes Parfum von Maison Francis Kurkdjian für Damen und Herren und erschien im Jahr 2016. Der Duft ist süß-holzig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird von LVMH vermarktet.
Aussprache
Gut kombinierbar mit Valentino Uomo (2014) (Eau de Toilette)
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Duftrichtung

Süß
Holzig
Würzig
Synthetisch
Blumig

Duftnoten

SafranSafran AmbroxanAmbroxan HedionHedion VirginiazederVirginiazeder

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
7.93644 Bewertungen
Haltbarkeit
8.83461 Bewertungen
Sillage
8.53426 Bewertungen
Flakon
8.43301 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.52448 Bewertungen
Eingetragen von OPomone, letzte Aktualisierung am 15.04.2024.
Wissenswertes
Das Parfum ist Teil der Kollektion „Baccarat Rouge 540”.

Rezensionen

249 ausführliche Duftbeschreibungen
5
Flakon
10
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
FrauLohse

68 Rezensionen
FrauLohse
FrauLohse
Top Rezension 50  
Die Atombombe. Sprühen Sie Baccarat Rouge und die Welt wird kontaminiert...
Baccarat Rouge macht mich fertig. Seit dem ersten Test fühle ich mich wie eine Wippenpuppe, die innerhalb von Sekunden von der einen Seite zur nächsten ausschlagen kann, in drei Richtungen.

Auftakt "What the fuck?"
Mittelteil "Geil, geil, geil!"
Ende: "Ich glaub, mir wird schlecht!"

Das Ende vom Lied, Baccarat Rouge ist das letzte Getränk, wenn du im Grunde weißt, dass du eigentlich genug hast, vielleicht schon einen Tacken drüber bist, aber trotzdem noch unbedingt einen drauf setzen willst.
Die ganze Chose riecht in meiner Nase nach einem abstrakten Kunstwerk, das keinerlei Regel folgt. Die ersten Züge sind süßchemisch. Voller luftiger Süße und fruchtiger (rotoranger) Frische. Irgendwo dazwischen. Die hier oft zitierte Zuckerwatte bekomme ich nicht. Nicht alles, was süß ist, ist auch immer Zuckerwatte, das mal am Rande. Tannenbalsam hätte ich so auch nicht erkannt. Es riecht eben medizinischkünstlich, aber auf gute Art.

Nun bekommt man wirklich den Eindruck, man habe einen in Zucker getauchten, rotirrleuchtenen, völlig überdrehten Zahnarzt vor sich her derwischen. Irgendwie so. Aber keine Sorge, das irre Leuchten in seinen Augen verglimmt nur kurze Zeit später. Ab da läuft meine Phase "Geil, geil, geil!" Ich klebe förmlich mit meiner Nase an der Hand, weil ich das so genial und absolut uneinteilbar finde, was ich da rieche, merke aber schon, dass da im Hintergrund was lauert, von dem mir übel wird. Die Note verschwindet, ich suhle mich in dem Duft, aber da kommt sie wieder, bäm, wie Jack aus der Box, um zu bleiben und ab da geht es bergab mit mir... Die Übelkeit schleicht sich heran und heran und heran, so dass ich es nie geschafft habe, den Duft bis zum Ende auszuriechen. Ich vermute hier Ambra als Übeltäter, ich erinnere mich an meinen Ambre Gris Test von Balmain, der mich tatsächlich zum WC rennen ließ.

Warum ich also überhaupt diesen Kommentar schreibe, obwohl ich nix zu sagen habe, ist folgendes Phänomen. Bei jedem Test, bei dem ich wirklich nur einen Viertel Spritzer aus meinem Pröbchen entnahm, roch ich zwar den Duft, dachte aber, er dreht schnell runter und ist für meine Umwelt kaum zu riechen, weil ja nur son My Spritzer und ich mich recht schnell an den Duft gewöhnt hatte. Durch seine Transparenz erschien er mir selbst gar nicht so weitreichend.
Jedes Mal aber bekam ich im Anschluss zu hören "Mein Gott, womit hast du dich denn von oben bis unten eingesprüht! Die ganze Wohnung riecht danach! Du ziehst eine Schleppe hinterher, das ist Wahnsinn! Gleich kleben alle Insekten der Umgebung an dir!" Nun versuche ich mir vorzustellen, wie es ist, wenn ich mich wie üblicherweise damit ein parfümieren würde. Und in dem Fall fällt mir nur ein: Bitte drücken Sie den roten Knopf nur im Notfall ganz durch. Baccarat Rouge hat das Zeug dazu, die Welt zu kontaminieren.
25 Antworten
3
Preis
9
Sillage
9
Haltbarkeit
5
Duft
NuiWhakakore

96 Rezensionen
NuiWhakakore
NuiWhakakore
Top Rezension 50  
Der Spieleabend
Der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres stand wieder an: das große Piratentreffen! Dort nicht zu erscheinen wäre ein Affront, der den gesellschaftlichen Tod bedeutet hätte, vielleicht sogar den richtigen. Der Kapitän der Miss Fortune war also da, wie jedes Jahr, auch wenn er heuer nicht die geringste Lust dazu verspürte.

Denn der Höhepunkt des mehrtägigen Treffens war der Spieleabend. Er fand jedes Jahr bei einem anderen Kapitän statt und dieser wählte das Spiel. Heute waren sie also auf der La Buse, dem Schiff von Levasseur, diesem Kretin. Ein aufgeplusterter Franzose, von dem alle wußten, daß er aus der Schweiz kam, was er natürlich nicht zugab, Piraten vom Genfer See wären ja auch peinlich.

Sie saßen zu fünft um den großen Tisch in der Kapitänskajüte: Levasseur, Blackbeard, der Kapitän, Charles Johnson und Anne Bonny. Früher waren sie noch zu sechst, aber im letzten Jahr hatte doch tatsächlich John Taylor Schach vorgeschlagen, worauf sie ihn kurzerhand über die Planke geschickt und für fünf Jahre ausgeschlossen hatten.

Der Gastgeber plusterte sich zu seiner vollen Größe von 1,55 Metern auf und begann:
„Madame et Monsieur, isch freue misch, euch alle begrüßän zu dürfen in meine bescheiden Schief. Heut wir spielän das beste Spiele von die alle, Baccarat!“
Na toll, 17 und 4 für Leute, die glauben, was besseres zu sein. Das war ja zu erwarten von einem wie Levasseur. Allgemeines Murren am Tisch war zu vernehmen.
„...‘ier sind die Kart, in die Farb, Rough, weil sie ist Lieblingsfarb von eure Gastgäber!“
Da hätte man ob der roten Plüschwände auch so drauf kommen können, dachte der Kapitän.
„Heute wir spielän um eine Preis, der da ist, dies Parföh, isch hab direkte aus Parie.“
Er zeigte auf eine kleine, eher unauffällige Flasche in der Mitte des Tisches. Die Begeisterung der Spieler hielt sich in Grenzen, was wohl daran lag, daß mit seinen ausladenden Handbewegungen ein Schwall von dies Parföh durch die Kajüte flutete. Es traf sie eine Faust aus süßlich-pudrigen Blumen, die sie eisern umschloß und für den Rest des Abends nicht mehr loslassen sollte. Was an Würze mit dabei war, machte es nicht besser – schwül war es auf einmal in der Kajüte, was ja durchaus zum aufgeplusterten Pseudofranzosen paßte, dachte der Kapitän leicht würgend. Sogar Backbeard, den man körperlich wie geistig durchaus als abgestumpft beschreiben konnte, rollte kurz mit den Augen.

Nachdem jeder Spieler ausreichend mit Getränken versorgt war, ging es los. Blackbeard hatte anfangs Probleme mit dem Berechnen der Punkte, mit zunehmenden Alkoholkonsum wurde das allerdings besser, wobei es auch möglich ist, daß die anderen Spieler im laufe des Abends immer schlechter rechneten und man sich so anglich. Der Geruch des Parföh wurde indes nicht besser, mischte sich nur etwas mit der undefinierten Holzigkeit der Kajüte.
Die Stimmung war überwiegend gelöst. Nur Johnson fiel durch mehr oder minder versteckte Obszönitäten gegenüber Anne Bonny auf. Nachdem er jedoch unter dem Tisch den Dolch von Anne an einer recht empfindlichen Stelle schmerzhaft spürte, wurde sein Benehmen schlagartig besser.

„So, Madame et Monsieur, es ist spät, letzte Rundä! Isch bin die Banquier.“
Die Karten wurden verteilt, die Einsätze gemacht, jeder berechnete seine Punkte so gut das zu dieser fortgeschrittenen Stunde noch möglich war. Wenn man ehrlich ist, wußte keiner mehr so genau, was überhaupt gespielt wurde, die Flaschen waren leer, die Sonne ging bereits auf.
Nach mehrmaligem Zählen der Punkte stand fest, der Kapitän hatte gewonnen. Das war alle ziemlich egal, da eh keiner das Parfum wollte, außer Levasseur, der fluchte „Gopferdelli!“.

Der Kapitän nahm das Parfum natürlich danken an, schon alleine um Levasseur zu ärgern, dachte insgeheim aber schon, daß auf der Überfahrt zu seiner Miss Fortune ja durchaus mal etwas ins Wasser fallen kann.

Nächstes Jahr war jedenfalls er der Gastgeber und zwei Dinge waren schon mal klar:
1. es würde kein Parfum als Preis geben, sondern etwas vernünftiges, einen Säbel oder ein Holzbein oder so
2. sie würden ein ehrliches Spiel spielen, Chefdepp vielleicht…

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Vor einer Kritik soll man ja immer erst mal das Positive benennen, also hier ist es: Baccrat Rouge ist bei weitem nicht so süß, wie ich befürchtet hatte. Und die Haltbarkeit ist richtig gut. Und die Silage auch. Und...nein, das war‘s leider.
Wobei, das mit der Silage ist auch schon so eine Sache. Mir persönlich ist das zu viel des Guten, um nicht zu sagen, penetrant.
Zum Duft selbst: er startet recht blumig, Jasmin kann man erkennen, in einer sehr sanften Variante. Das wäre eigentlich positiv zu bewerten, wenn nicht gleich auch der Safran mit dazu käme. Dieser ist leider auch sehr sanft, süßlich und wenig würzig. Safran kann ja durchaus spannend sein, scharf, bitter, erdig gar. Hier nicht. Er ist maximal etwas medizinisch, aber auch nicht so stark, daß es interessant wäre. In der Verbindung mit dem Jasmin entsteht für mich ein süßlich, pudriges, leichtwürziges Bütenirgendwas, das ich noch am besten mit drückend und schwül beschreiben kann. Das zieht sich auch durch den gesamten Duft und ist somit leider überhaupt nicht mein Ding, kann man aber natürlich auch mögen.
Was mich an dem Duft allerdings wirklich stört, ist das angegebene Zedernholz. Ich mag Zeder, bringt sie doch im besten Fall eine limonige Frische und trockenholzige Würze. Das finde ich hier leider nicht. Es ist zwar etwas unbestimmt holziges erkennbar, aber auf Zeder würde ich da im Leben nicht kommen. Maximal handelt es sich um ein dünnes Zedernfurnier auf einer Weichholzplatte. Das ist schade, denn etwas Würze und Frische hätte dem Duft sehr gut getan.
Zur Basis hin wird es dann noch ein wenig ambrig-süßer, aber ehrlich, ist auch schon egal…

Love it or hate it, liest man hier öfters. Würde ich so nicht sagen. Er berührt mich einfach nicht und unter dem Strich finde ich ihn etwas langweilig. Ich hoffe, ich bin seinen Fans nicht zu sehr auf die Füße getreten!
33 Antworten
7
Preis
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
FioreMarina

29 Rezensionen
FioreMarina
FioreMarina
Top Rezension 39  
Kunst der Verführung
Ich könnte an dieser Stelle ein paar kluge Worte über die Genialität von Francis Kurkdjian verlieren, dem es gelungen ist, mit scheinbar sehr wenigen Zutaten einen Duft zu kreieren, der rund und vollkommen ist. Ich könnte mich über Sillage und Haltbarkeit auslassen - beides außergewöhnlich - und alles das wäre wahr.
Aber dann würde ich mich um das eigentliche Thema dieses Duftes herum drücken, und das ist so klar und unzweideutig, so bar jeder Klischees, wie ich es nie zuvor bei einem Duft wahrgenommen habe, Verführung.
Baccarat Rouge ist wie der Morgen nach einer Liebesnacht in einem sehr luxuriösen, sehr teuren Hotelzimmer. Gleich wird man die Läden vor den Fenstern aufstoßen, die Sonne und die Nüchternheit des Tages ins Zimmer lassen. Aber zuvor lässt man sich noch einmal zurücksinken: in den Duft eines seidenen Kissens, einer Umarmung voller Zartheit, Weichheit und immer noch Lust.
Es ist wie Tango tanzen, nachts um Vier, der Schweiß auf den Körpern, der Rhythmus, die Hitze. Zwei Gesichter, sehr nah beieinander und der Atem dazwischen schwer von Müdigkeit und Verlangen.
Safran eröffnet das Spiel, und dieses Mal kommt er nicht daher wie aus den Gewürztöpfen von Tausendundeiner Nacht, sondern mit einer kühlen, fast klinisch sterilen Ästhetik. "I don't care", flüstert er, "Do You?" Und während wir irritiert sind, während wir warten, dass er aufhört, uns die kalte Schulter zu zeigen, geht langsam der Jasmin auf, setzt flirrende Lichter und ein Ausrufezeichen hinter die Erkenntnis, dass wir den Point of no return schon hinter uns haben, denn jetzt dringt die Ambranote zu uns durch, samtig, weich schmeichelnd, von überwältigender Körperlichkeit. Und spätestens jetzt sind wir auf dem Hotelzimmer gelandet, spätestens jetzt tanzen wir Tango, atemlos, fiebrig, und funkelndes Baccarat-Kristall taucht alles in sein rotes Licht.
Ich möchte diesen Duft gar nicht analysieren. Ich möchte ihm erliegen. Und mich verneigen: vor seiner Schönheit, seiner Einzigartigkeit. Vor Francis Kurkdjian und ganz ganz großer (Verführungs)Kunst.
12 Antworten
9
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Jakobus

2 Rezensionen
Jakobus
Jakobus
Top Rezension 34  
Wild at Heart
Hey. Nach knapp anderthalb Jahren im Forum nun mein erster Kommentar ;)
Jeder Parfumoneuling stolpert bei seinen ersten Recherchen im Forum zwangsläufig über den Namen Kurkdijan. So war es auch bei mir. Da ich bis zum Eintritt in die Parfumocommunity meine Duftsozialisation durch Pieper oder Douglas erfuhr, kannte ich die meisten der hier besprochenen Düfte gar nicht. Und so bestellte ich, sobald mich ein Kommentar oder Statement begeisterte und ich dachte „Hey! Der hört sich toll an!“, Abfüllungen der jeweiligen Düfte. Mittlerweile vergeht kaum eine Woche ohne irgendeine Abfüllung. Bin da wirklich leicht zu begeistern ;-)
Jetzt aber zu Baccarat Rouge. Als ich ihn mir testweise das erste Mal auf den Handrücken gesprüht habe, war ich für den Rest des Tages nur noch am Schnuppern. Wie gut und wie anders, als alles was ich bisher gerochen hatte, roch dieser Duft! Klar, er riecht wirklich sehr süß, aber ist dabei doch so anders. Keiner dieser süßen Düfte, die einem häufig in Fitnessstudios begegnen. Was die einzelnen Duftnoten betrifft so muss ich sagen, dass es mir leider nicht vergönnt ist, irgendetwas herauszuriechen. Das können andere viel besser, deswegen kann ich darauf auch gar nicht eingehen.
Ich finde auch, dass das Geschlecht des Trägers bei diesem Duft überhaupt keine Rolle spielt und das soll nicht heißen, dass ihn jeder tragen kann. Bei diesem Duft muss es einfach passen! Er ist wie ein Accessoire, dass das I-Tüpfelchen deines Stylings ist.
Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Film Wild at Heart von David Lynch. In diesem Roadmovie geht es um die Liebesgeschichte zwischen Sailor und Lula. Sailor wurde damals von Nicolas Cage verkörpert, der heutzutage eher in B-Movies zu sehen ist. Auf jeden Fall hatte Sailor alias Nicolas Cage den ganzen Film damit zu tun, vor dem auf ihn angesetzten Killer zu fliehen und vor allem: Unheimlich cool zu sein! Am wichtigsten war Sailor nämlich, neben Lula, seine Schlangenlederjacke, die er während des ganzen Films trug. Diese war nämlich „Symbol meiner Individualität und des Glaubens an die persönliche Freiheit“ - welch große Worte für eine Schlangenlederjacke ;). Den letzten Teil des Zitates können wir ruhig weglassen, aber bezüglich der Individualität ist Baccarat Rouge hier die Schlangenlederjacke. Nicht, dass Sailor in dem Film den Eindruck machen würde ansatzweise so zu riechen oder überhaupt Parfum zu benutzen. Außer Schweiß und Pomade war da wahrscheinlich nicht viel ;)
Vielmehr ist es die Individualität. Meiner Meinung nach ist Baccarat Rouge so speziell, dass die Einteilung in männlich, weiblich, unisex schon nicht mehr ausreicht. Es muss zu einem als Typ passen. Man fühlt sich beim Tragen des Duftes tatsächlich eingehüllt, es umgibt einen eine Aura. Und jeder, der diesen Duft riecht, weiß, dies ist kein 08/15 Duft. Dieser Duft ist besonders. Er ist zwar süß, aber keineswegs feminin. Und im Gegensatz zur Schlangenlederjacke, die man nur in der staubigen Gegend dieses Roadmovies tragen konnte und die auch nur Lula richtig geil fand, so ist es bei Baccarat Rouge so, dass man auf diesen Duft wirklich häufig angesprochen wird, denn eines ist dieser Duft ganz sicher nicht, nämlich langweilig.
4 Antworten
5
Preis
8
Flakon
9
Sillage
10
Haltbarkeit
5
Duft
Cravache

64 Rezensionen
Cravache
Cravache
Top Rezension 0  
Brechtbühl Urs-Peterlis nächster Karriereschritt - Blutleerorangerie der kunstholzigen Langeweile
Rentsch Hans-Ruëdi wird ungeduldig. Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er die 80 längst überschritten. Sein mit mächtigen Schweissflecken durchtränktes Hemd sitzt etwas spack, sodass er nach dem üppigen Mittagessen (1 grosses Bier für den gröbsten Durst, 1 Flasche Hauswein rot, Knoblauch-Ravioli, Kalbskopf mit Zwiebel-Rösti, 2 Obstler) nicht nur den obersten Knopf am Hemdkragen geöffnet hat, sondern auch zwei weitere Knöpfe auf Höhe Bauchnabel.

«Wir müssen nun endlich zum nächsten Traktandum übergehen. Neuer Leiter Green Washing bei Haas&Riechter Automotive. Ich habe später am Abend noch eine Aufsichtsratssitzung bei der Privatbank Von Schloesser, Guenther & de Besson», quengelt Rentsch Hans-Ruëdi.

Von Klemmt Gertrude, Leiterin Human Resources und mit 69 das Nesthäkchen im Aufsichtsrat, protestiert. «Hans-Ruëdi, erstens ist früher Nachmittag, zweitens leitest Du gerade die Aufsichtsratssitzung der Privatbank Von Schloesser, Guenther & de Besson… Das Human Resources Committee bei Haas&Riechter Automotive hast Du gestern gleitet». «…und drittens haben wir heute noch Aufsichtsratssitzung bei Maja MedTech, Audit Committee bei Dyolf Verena & Rubichizza und Weinabend im Bankers Club mit anschliessendem Bummel durch die Zürcher Langstrasse», keucht sein ebenso fülliger Vize, Grämiger Uëli (76) und steckt sich die dritte Zigarette an.

Von Klemmt Gertrude reisst das Wort an sich und fokussiert Rentsch Hans-Ruëdi mit ernstem Blick. «Wir widmen uns nun der Besetzung der Vakanz Leiter Compliance – der Privatbank Von Schloesser, Guenther und … äh… de Besson. Vor der Tür warten die beiden Kandidaten, Dr. Kluge Sophie und Brechtbühl Urs-Peterli. Beziehungsweise nur Dr. Kluge Sophie, Brechtbühl Urs-Peterli wird sich ein wenig verspäten.» «Weihnachtsanlass bei den Rotariern Zürich-Bahnhofstrasse. Gestern», unterbricht ebenfalls Rotarier Grämiger Uëli, dessen Alkoholfahne auch 12 Stunden nach Ende des Anlasses noch raumfüllend ist.

Nach der eidgenössisch-steifen Begrüssung der Kandidatin Dr. Kluge Sophie durch die Herren Rentsch Hans-Ruëdi und Grämiger Uëli übernimmt von Klemmt Gertrude das Zepter. «Ich stelle Ihnen nun einige Fragen zu Ihrem Werdegang, die beiden Herren Aufsichtsräte werden sich Notizen machen», beginnt von Klemmt Gertrude das Interview mit der Kandidatin.

Während Dr. Kluge Sophie souverän die Fragen zu ihrem beeindruckenden internationalen CV beantwortet und mit viel Empathie ihr Führungsverständnis darlegt, notiert Rentsch Hans-Ruëdi auf dem sonst leeren Blatt Papier «Frau Doktor hat einen dicken Hintern!» und schiebt das Blatt in Richtung von Grämiger Uëli. Dieser nickt zustimmend – wofür die beiden zu deren Überraschung einen fassungslosen Blick seitens von Klemmt Gertrude kassieren.

Grämiger Uëli nimmt das Papier an sich und notiert: «Penetrantes Parfum, anstrengend sillage-iert – wattige gepuderzuckerte Zuckerpuderwatte, floral undefinierbar blasse Hors-Sol-Blassblume, gegebenenfalls Rose in Orangenkonzentratzuckersaft, Desinfektions-Jasmin, medizinisches Bindezeugs, lauer Fruchtsafran, fettiges Engelshaar, Nadeln vom aufblasbaren Kunstholztannenbaum, Ambroxanwolkenwand mit üppig-schwüler Muffigkeit.»

«Haben Sie noch eine letzte Frage an uns?», fragt die von der Kandidatin bislang sichtlich begeisterte von Klemmt Gertrude am Ende des Interviews. «Ich gehe davon aus, dass ich meine Funktion in einem 90%-Pensum ausüben kann. Ich würde gerne meiner Familie einen Nachmittag widmen», meint Dr. Kluge Sophie. Von Klemmt Gertrudes Miene verfinstert sich schlagartig und sie notiert mit rotem Stabilo Boss «Kampfemanzenzickenamazone!!!». Was die Herren Rentsch und Grämiger mit einem wohlwollenden Nicken quittieren.

Im handschriftlichen Bericht zum Assessment-Gespräch mit Dr. Kluge Sophie wird von Klemmt Gertrude später die Ausführungen der Herren Aufsichtsräte zum Hintern der Kandidatin zwar durchstreichen, jedoch mit dem Hinweis ergänzen: «Sinnlichkeit einer Roboterfrau – das Wesen der Kandidatin ist wie ihr Duft. Allgemein anstrengendes synthetisches Wesen. Abstrakt, empathielos, überzuckersüss und altbacken zugleich. Blutleerorangerie der kunstholzigen Langeweile.»

Als nach dem Interview mit Dr. Kluge Sophie Kandidat Brechtbühl Urs-Peterli noch immer nicht aufgetaucht ist, beschliesst der Aufsichtsrat mit 2 zu 0 Stimmen (der Aufsichtsrat der Privatbank Von Schloesser, Guenther & de Besson ist nach der unfreiwilligen Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Appenzell Innerrhoden im Jahr 1990 das einzige Organ ohne Frauenstimmrecht), Brechtbühl Urs-Peterli, Rotarier und Senior-Mitglied des Banker Clubs, ohne vorgängige Anhörung zum Leiter Compliance zu ernennen.

Am Rande der nächsten Management-Tagung in Hamilton/Bermuda, das der Steuerzahler nach einigen Abschreibern in den Büchern der Privatbank Von Schloesser, Guenther & de Besson deren Senior Management gegönnt hat, lässt es sich von Klemmt Gertrude nicht nehmen, Brechtbühl Urs-Peterli nach einigen Komplimenten auf dessen Duft anzusprechen – Baccarat Rouge 540.
46 Antworten
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Statements

1035 kurze Meinungen zum Parfum
SeejungfrauSeejungfrau vor 8 Monaten
5
Flakon
10
Sillage
9
Haltbarkeit
1.5
Duft
Ambroxan.Ethylmaltol.Hedion.Evernyl.
Wenn 540 klebstoffschlierige Zuckerwattefadenschwaden in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt thronen.
104 Antworten
AnarlanAnarlan vor 3 Jahren
Wenn du versuchst, sexy und mysteriös zu sein, aber einfach die Klappe nicht halten kannst.
23 Antworten
HannahHannah vor 8 Jahren
9
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
5
Duft
So ähnlich riecht es bei meinem Zahnarzt. Medizinische Noten mit Holz. Abstrakt, transparent, sauber, unemotional.
5 Antworten
IciclesIcicles vor 4 Jahren
Kopfschütteln, was für ein Hype um Zuckerwasser. Kein Wunder dass der Souk voll davon ist.
9 Antworten
FloydFloyd vor 4 Jahren
6
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
4
Duft
Die Haut wird zu Brûlée Krokant
Im Duft vom Zuckerwattestand
Am Budenholz klebt mein Gesicht
"Komm weiter jetzt, das gibt's heut nicht!"
17 Antworten
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